Das korientation Team hat mal wieder eine spannende Veranstaltung entdeckt und lädt euch ein, gemeinsam hinzugehen!
Was haben die Arbeitskämpfe der koreanischen Bergarbeiter 1980 in Sabuk (Südkorea) mit deutscher Geschichte zu tun? Wir möchten mehr über die vergessenen transnationalen Verflechtungen und Solidaritäten von Koreanischen / Koreanisch-Deutschen Graswurzelbewegungen erfahren und gehen deswegen zum Filmscreening der Dokumentation „1980 Sabuk“, die von der Koreanistik Tübingen veranstaltet wird.
🎬 Dokumentarfilm 1980 Sabuk (Park Nam-Bong, Südkorea 2024, 128 min. / OmengU)
mit 🎤 Einführung von Prof. You Jae Lee (Professor für Koreanistik an der Universität Tübingen)
& 💬 anschließendes Gespräch mit Inuk Hwang (Direktor des Instituts zur Erforschung der regionalen Gesellschaft Jeongseon und der Sprecher im Film)
📅 Wann: Sonntag, 01.02.2026, 18 Uhr Veranstaltungsbeginn
🤝 korientation-Treffen: 17.30 Uhr im Foyer – sprecht einfach die Person mit der leuchtend türkisenen Mütze an!
📍 Wo: SİNEMA TRANSTOPIA, Lindower Str. 20/22/Haus C, 13347 Berlin
🎟️ Für wen: Alle, die (zusammen mit uns) eine coole Veranstaltung besuchen möchten
🎫 Tickets: Kauft euch vorab ein Ticket direkt beim SİNEMA TRANSTOPIA!
Links
- Seoul Independent Film Festival 2025: https://siff.kr/en/films/1980-%EC%82%AC%EB%B6%81 (Englisch)
- Offizielle Webseite des Films: www.jcrc.kr (nur koreanisch)
Worum gehts in der Veranstaltung?
Kampf um Arbeitsrechte in Sabuk (Südkorea)
Im April 1980 erhoben sich in Sabuk (Südkorea) rund 3.000 Bergleute, um ihre Arbeitsrechte einzufordern. Gegen Überwachung und Ausbeutung übernahmen sie zeitweise die Kontrolle über Sabuk und gerieten in direkte Konfrontation mit staatlichen Sicherheitskräften. Die damalige Militärregierung verhängte Kriegsrecht über Sabuk und der Aufstand wurde gewaltsam unterdrückt. Dabei gab es zahlreiche Opfer. Inzwischen sind mehr als 40 Jahre vergangen, aber die Wunden der Staatsgewalt sind bis heute nicht verheilt. Der Film trägt zur historischen Aufarbeitung bei und hat den anhaltenden Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung und Wiedergutmachung durch den Staat eine breite Öffentlichkeit verschafft.1 Das Filmscreening in Deutschland spiegelt daher auch den Wunsch der Betroffenen wider, die aktuelle Kampagne zur Durchsetzung ihrer Forderungen international sichtbarer zu machen.
Kämpfe in Deutschland – Bezüge nach Südkorea
Zur gleichen Zeit kämpften im Jahr 1980 in Deutschland 800 koreanische Bergarbeiter im Ruhrgebiet um ihre Menschenrechte – insbesondere um Aufenthaltsrechte und freie Berufswahl. Sie gehörten zur letzten verbliebenen Gruppe der insgesamt rund 8.000 koreanischen Bergarbeiter2, die zwischen 1963 und 1977 für die Arbeit in den Steinkohlewerken im Ruhrgebiet für 3‑Jahresverträge angeworben worden waren.
Die Bundesregierung lehnte ihre Forderungen zunächst ab. Als jedoch im Mai 1980 in Gwangju/Südkorea das Militär Bürger*innen massakrierte3, wäre eine Abschiebung dieser Bergarbeiter nach Korea zu einem Politikum geworden – wodurch sie in Deutschland bleiben konnten.
Gemeinsam mit den Koreanischen Krankenschwestern4 bilden sie seit den 1960er Jahren das Fundament der koreanischen Diaspora in Deutschland.
Zwei Kämpfe – eine verflochtene Geschichte
In beiden Teilen der Welt kämpften koreanische Bergarbeiter zeitgleich für Menschenrechte. Zu der Zeit wussten sie nicht voneinander – obwohl die Opfer in Korea indirekt auch die Ziele der Koreanischen Deutschen ermöglichten. Der Film gibt Gelegenheit, über die Kämpfe der koreanischen Arbeitsmigrant*innen in Deutschland im Zusammenhang mit den Arbeitskämpfen sowie der Demokratisierungsbewegung in Südkorea zu diskutieren, die miteinander verflochten waren, auch wenn die Zeitgenossen sich darüber nicht im Klaren waren.
„Transnationale Solidarität an der Basis würdigt die Geschichte gewöhnlicher Menschen, deren Schicksale sonst in den Geschichtsbüchern vergessen würden.“ You Jae Lee
- Artikel in der Korea Times vom 23.04.2025: www.koreatimes.co.kr/southkorea/society/20250423/reconciliation-through-film-45-years-after-sabuk-incident ↩︎
- Unser Lesetipp: You Jae Lee (Hrsg.). Glück Auf! Lebensgeschichten koreanischer Bergarbeiter in Deutschland (2021) ↩︎
- Siehe hierzu auch Ausstellungs-Dokumentation zum Gwangju Aufstand des Korea Verbands: https://www.koreaverband.de/downloads/files/Gwangju_Infokatalog.pdf ↩︎
- Unser Lesetipp: Heike Berner, Sun-ju Choi (Hrsg.) Zuhause. Erzählungen von deutschen Koreanerinnen ↩︎
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