Solidarische Zusammenarbeit muss durch
eine selbstreflexive Praxis wachsen, in der die
Auseinandersetzungen über Begrifflichkeiten Teil
dieser Praxis darstellen, jedoch niemals ein Garant
für den Erfolg sein können.
Begriffe, ihre Schreibweisen, Selbstbezeichnungen und Positionierungen werden bei korientation bewusst nicht einheitlich verwendet.
Das ist einerseits Ausdruck der unterschiedlichen Perspektiven, die unterschiedliche Vereins‑, Team‑, und Vorstandsmitglieder einbringen, und die sich stetig im Wandel befinden.
Ihre Verwendung hängt zudem vom spezifischen Kontext ab, in dem sie verwendet werden und wirken sollen: u.a. davon, ob wir von/auf transnationaler oder nationaler Ebene sprechen (z.B. bei BIPoC) und davon, ob wir Menschen erreichen möchten, die mit bestimmten Begriffen weniger vertraut sind (z.B. rassifizierte Menschen ohne diskursspezifisches Wissen zu politischen Positionierungen).
🔠 Warum Asiatisch-Deutsch?
korientation versteht Asiatisch-Deutsch als strategische Selbstbezeichnung und nicht als starre Identitätszuschreibung. Sie dient rassismuserfahrenen Menschen mit Bezügen zu Nord-/Süd-/Ost-/Südost-/West- oder Zentralasien als Angebot, sich zusammenschließen und gemeinsame politische Perspektiven zu entwickeln. Diese Positionierung soll helfen, verschiedene Erfahrungen von Rassismus und andere Formen von Diskriminierung solidarisch zusammenzudenken und zu bearbeiten. Als Ausdruck einer selbstgewählten Bezeichnung schreiben wir Asiatisch-Deutsch bzw. Asiatische Deutsche groß.
Die Diskussion darum, wie wir uns selbst benennen wollen, welche Ein- und Ausschlüsse dies mit sich bringt und wie eine solidarische Widerstandspraxis und Allianzenbildung unter einer gemeinsamen Bezeichnung erreicht werden kann oder auch nicht, wird in jeder Generation ähnlich und auch wieder anders verhandelt und beschäftigt auch uns immer wieder.
Wir wollen sowohl innerhalb von korientation als auch nach außen mit diversen Communities beleuchten, wer diese Kategorie für sich benutzt, was das für Auswirkungen hat und wo Hindernisse in der Bildung von solidarischen Bündnissen mit dieser Kategorie liegen.
Mehr lesen
👉 📑 In Emerging Asian Germany. Zur Notwendigkeit und den Grenzen der Selbstrepräsentation von Asiatischen Deutschen (2021) reflektieren wir die bewusst gewählte, aber umkämpfte Klammer „Asiatisch-Deutsch“ – auch im Hinblick auf Ausschlüsse und Unsichtbarkeiten innerhalb der Diaspora.
👉 📑▶️ In der Diskussionsveranstaltung „In the Name Of“ – Diskussion zu Begriffen und Positionierungen der Asiatisch-Deutschen Communities (2020) haben wir Menschen aus unterschiedlichen Communities eingeladen und gemeinsam erörtert, wie asiatisch gelesene Menschen in Deutschland bezeichnet werden (können) und wie Rassismus in seinen spezifischen Formen und Ausprägungen begegnet werden kann. Dabei wurde auch über Parallelen und Unterschiede mit der Schwarzen Community diskutiert.
🔠 BIPoC, BPoC und PoC bei korientation
Verschiedene Menschen, die bei korientation involviert sind, verwenden aktuell unterschiedliche Versionen von Selbstbezeichnungen im Hinblick auf die Kategorie race. Auch BIPoC, BPoC und PoC gehören dazu. Wir haben keinen Konsens darüber, wer, wie, in welchem Kontext welche Selbstbezeichnung verwenden soll, und reflektieren immer wieder darüber.
🔠 Was ist anti-asiatischer Rassissmus?
Anti-asiatischer Rassismus bezeichnet Vorurteile, Diskriminierungen und Strukturen, die gegen Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder zugeschriebenen Beziehung zu Asien mobilisiert werden und sich in Abwertung, Beleidigungen bis hin zu körperlichen Angriffen äußern.
Mit „anti-asiatischem Rassismus“ benennen wir die Annahme, dass es „Asiat*innen“ gäbe – und kritisieren sie zugleich als rassistische, koloniale Konstruktion. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Rassismus“ insgesamt: Wir sprechen davon, obwohl es keine biologisch beweisbaren „Menschenrassen“ gibt.
Die Kategorie race ist jedoch so wirkmächtig, dass wir sie benennen müssen, um sie kritisieren zu können. Entsprechend gilt dies für die Kategorien asiatisch, Asiatisch oder Asian: Sie sind je nach Kontext als Fremd- oder Selbstbezeichnung wirksam – und deshalb zu benennen. Wenn wir unsichtbar machen, wie Menschen als „asiatisch“ konstruiert werden oder wie sich „Asiatisch“ als Bemächtigungsstrategie eignet, verlieren wir ein wichtiges Analysewerkzeug.
Mit dem Konzept anti-asiatischer Rassismus kritisieren wir die Homogenisierung und Vereinfachung eines „Asien“ als koloniale Imagination – so wie Rassismuskritik die Konstruktion und Erfindung menschlicher „Rassen“ kritisiert.
Mehr lesen / gucken
👉 📑 Broschüre Beyond Asiatische Deutsche. Community-übergreifende Perspektiven auf politische Bildung und anti-asiatischen Rassismus
👉🎞️ Talk Anti-asiatischer Rassismus. Rassistische Kontinuitäten und asiatisch-diasporischer Widerstand
👉🎞️ Talk 2 Jahre Pandemie, 2 Jahre anti-asiatischer Rassismus und Widerstand
👉 📑 Interview Anti-asiatischer Rassismus ist nicht neu, die Diskussion darum schon. Im Gespräch mit korientation-Geschäftsführerin Jee-Un Kim






























