korientation ist erneut beim fluctoplasma Festival dabei – diesmal mit einer lockeren und einladenen Talkrunde!
Talk “Wie wir zu dem wurden, was wir sind. Ein Gespräch über Asiatisch deutsches Aufwachsen, Selbst- und Fremdbilder und kulturpolitische Identifikationen in den 1980er und 1990er Jahren”
📅 Wann: Sonntag, 25.10.2026, 16 Uhr
📍 Wo: Kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12, 20359 Hamburg-Altona
🗣️ Gesprächsteilnehmer*innen: Manik Chander, Jee-Un Kim und Kien Nghi Ha
👥 Wer: Es ist eine öffentliche Veranstaltung. Alle sind eingeladen!
🎫 Tickets: über fluctoplasma
Worum gehts?
Wie der Titel andeutet, ist migrantisches Leben stark durch das Spannungsverhältnis zwischen dem eigenem Innenleben und gesellschaftlichen Fremdbildern bestimmt. Während ersteres durch Familienleben und Community-Beziehungen geprägt ist, ist letzteres immer wieder von Rassifizierung, Stereotypen und Ausgrenzung durchzogen.
Daher wollen wir darüber sprechen, wie wir aufgewachsen sind:
Was hat uns geprägt? Wann wurden welche Themen wichtig? Welche sozialen, kulturellen und politischen Kontexte haben wir im Zuge unserer Sozialisation erlebt? Wie haben uns zeitgeschichtliche Entwicklungen (mit)geprägt? Wie sind wir damit umgegangen?
Kommt mit uns auf eine Zeitreise, die Einblicke in Asiatisch-diasporisches Leben in den 1980ern und 1990ern gewährt. Unsere Momentaufnahmen als Angehörige der zweiten Generation verhandeln aus verschiedenen Blickwinkeln Themen wie Familie, Schule, Freizeit, aber auch Mode, Musik, Popkultur und Politik.
Dazu möchten wir auch ein paar Fotos und Kurzvideos (z.B. Ausschnitte aus Musikvideos, Nachrichtensendungen, Reportagen etc.) zeigen – um zusammen mit euch so richtig in das „damals“ einzutauchen!
Vergangenes sichtbar zu machen, bedeutet für uns, ganz bewusst Erinnerungsarbeit zu leisten. Außerdem möchten wir mit dem Gespräch einen Austausch zwischen den verschiedenen Generationen ermöglichen – und freuen uns nicht nur über diejenigen, welche zeitgleich mit uns aufgewachsen sind und möglicherweise Erfahrungswelten teilen – sondern über Besucher*innen jedweder Altersgruppen!
Das disjährige Jahresthema des fluctoplasma Festivals ist „humanity in (dis)solution“. Passend dazu rücken wir ganz selbstbestimmt unsere eigenen Perspektiven ins Zentrum und beleuchten postmigrantisches Leben – als selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft – am Beispiel der Asiatisch-deutschen Diaspora. Denn es bedarf ganz dringend einer Humanisierung der Migrationsdebatte in Deutschland!
Kommt vorbei! Wir freuen uns aufs Gespräch – mit euch und miteinander.
Jee-Un, Manik & Nghi
Übrigens: Auch Nghis Lecture “Anti-Asian Racism in Transatlantic Perspectives” widmet sich dem fluctoplasma-Jahresthema „humanity in (dis)solution“. In seinem Vortrag analysiert er aus historischer Perspektive transatlantische Dimensionen der „Gelben Gefahr“ sowie wirkungsmächtige Vorstellungen über „Asien“ und „Asiaten“ in westlichen Rassentheorien und in philosophischen Diskursen. Mehr Infos dazu unten!
Über die Gesprächsteilnehmer*innen
Manik Chander ist ein stolzes Kind indischer Migrant*innen. Sie ist Aktivistin, Autorin und Sozialunternehmerin. Sie ist Mit-Gründerin von My Migrant Mama (www.mymigrantmama.com) und much cooler than yours. Beide entwickeln Produkte, die Migration feiern, und Self-Empowerment-Tools für die migrantische Community.
Jee-Un Kim wuchs als koreanisches „Gastarbeiter*innen“-Kind in Berlin-Spandau auf. Sie ist seit ihrer Jugend in verschiedenen Community-Initiativen aktiv und hat korientation 2008 mitgegründet. Seit Anfang 2020 ist sie Geschäftsführerin des Vereins und hat ein großes Interesse an einer nachhaltigen machtkritischen Organisationsentwicklung, Empowerment durch Selbstorganisierung, Vernetzung und Communitybuilding, Aufbau und Sharing post-/migrantischer Wissensbestände.
Kien Nghi Ha wurde während des US-Kriegs in Vietnam geboren und wuchs als „Boat People“ in Berlin-Märkisches Viertel auf. Er arbeitet als promovierter Kultur- und Politikwissenschaft, Kurator und vielfacher Buchautor zu Asiatischer Diaspora, Rassismus, Postcolonial Asian German Studies und Dekolonialisierung.
Fun fact – alle drei sind oder waren mal Teil des korientation Vorstands!
Weitere Hinweise
Kommt außerdem am Tag vorher bei Nghis Vortrag im Rahmen des fluctoplasma Festivals vorbei!
Kien Nghi Ha: Lecture on “Anti-Asian Racism in Transatlantic Perspectives”
📅 Wann: Samstag, 24.10.2026, 16 Uhr
📍 Wo: TONALi, Kleiner Kielort 3–5, 20144 Hamburg-Eimsbüttel
👥 Wer: Es ist eine öffentliche Veranstaltung. Alle sind eingeladen!
🎫 Tickets: über fluctoplasma
Ende 2026 erscheint der von Kien Nghi Ha herausgegebene Sammelband „Anti-Asian Racism in Transatlantic Perspectives. History, Theory, Cultural Representations and Social Movements“ im transcript Verlag. Das Buch wurde von einer internationalen Jury für das Knowledge Unlatched Select 2026 Förderprogramm ausgewählt. Die interdisziplinären Beiträge des Bandes untersuchen, wie anti-Asiatische Projektionen und kolonial-rassistische Narrative westliche Einwanderungsgesellschaften prägen. Dabei wird eine transatlantische Perspektive eingenommen, um verschiedene Kerndimensionen des anti-Asiatischen Rassismus zu beleuchten.
Angesichts der thematischen Spannbreite des Sammelbandes fokussiert sich Nghis Vortrag darauf, die grundlegende Bedeutung des anti-Asiatischen Rassismus in der kolonialen Moderne herauszuarbeiten. Dazu untersucht der Beitrag das Jahresthema “humanity in (dis)solution” aus einer historischen Perspektive und analysiert transatlantische Dimensionen der „Gelben Gefahr“. Es werden wirkungsmächtige Vorstellungen über „Asien“ und „Asiaten“ in westlichen Rassentheorien und in philosophischen Diskursen der Aufklärung herausgearbeitet, in der deutsche Dichter und Denker eine wichtige Rolle spielten. Außerdem wird diskutiert, wie kolonialrassistisch aufgeladene Imaginationen der „Gelben Gefahr“ sich Ende des 19. Jahrhunderts auf den institutionellen Rassismus in den USA auswirkten. Bis heute ist hierzulande kaum bekannt, dass bis Ende der 1960er Jahre die US-Apartheid nicht nur spezifisch Anti-Schwarze, sondern auch spezifisch anti-Asiatische und anti-chinesische Fundamente aufwies und diese quantitativ wie „qualitativ“ eine herausragende politische Bedeutung für die westliche Welt hat. Abschließend werden am Beispiel der chinesischen migrantischen Community in Hamburg-St. Pauli, die vom frühen 20. Jahrhunderts bis zur Auslöschung in der NS-Zeit bestand, koloniale Verbindungen des anti-Asiatischen Rassismus im deutschen Kontext zur Diskussion gestellt.