Wir haben uns – gemeinsam mit über 140 Trägern aus der Demokratiearbeit – in einer gemeinsamen Stellungnahme an Familienministerin Karin Prien (CDU) gewendet. Wir kritisieren klar die 👉geplanten Umstrukturierungen des bundesweiten Förderprogramms Demokratie Leben!, das im Familienministerium angesiedelt ist: Die angekündigten Maßnahmen kämen in der Praxis massiven Kürzungen gleich und gefährden bewährte Strukturen der Präventions- und Bildungsarbeit.
21. April 2026
Gemeinsame Stellungnahme der betroffenen Organisationen zu den geplanten Kürzungen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Karin Prien,
die aktuelle Debatte um das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ erfüllt uns, die betroffenen Träger, mit großer Sorge. Die angekündigte „Umstrukturierung und Neuausrichtung“ stellt sich für uns in der Praxis als massive Kürzung dar – mit gravierenden Folgen für die etablierten Strukturen, das Vertrauen und die Kooperationspartner in der Bildungsarbeit, in Verwaltungen und in weiteren Regelstrukturen.
Diese Einschnitte erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem zentrale Evaluationen noch ausstehen. Politische Entscheidungen werden damit getroffen, bevor belastbare empirische Erkenntnisse über Wirkung und Weiterentwicklungsbedarf vorliegen. Ein solches Vorgehen widerspricht einer evidenzbasierten Politikgestaltung.
Wir erwarten zudem, dass die Auswahl und Förderung von Projekten auch künftig auf wissenschaftlicher Evidenz und Evaluationen basiert und im Einklang mit den haushaltsrechtlichen Vorgaben der Bundeshaushaltsordnung nach transparenten und sachgerechten Kriterien erfolgt.
Als Träger mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit für eine resiliente Demokratie stehen wir ausdrücklich bereit, die Wirkung unserer Arbeit transparent zu evaluieren und das Programm gemeinsam weiterzuentwickeln. Das ist im Übrigen seit vielen Jahren bereits Realität. Voraussetzung dafür ist jedoch ein ernstgemeinter Dialog auf Augenhöhe – nicht die Vorwegnahme von Ergebnissen und eine Vollbremsung mitten im Förderzeitraum.
Unsere Arbeit ist kein abstraktes Förderziel, sondern konkrete Praxis: Wir fördern demokratische Kompetenzen in Schulen, begleiten Kommunen im Umgang mit Konflikten, stärken marginalisierte Gruppen und unterstützen Verwaltungen im Aufbau resilienter Strukturen. Diese Arbeit ist langfristig angelegt, basiert auf Vertrauen und lässt sich nicht kurzfristig ersetzen oder neu aufbauen.
Unsere Partnerinnen und Partner in Schulen, in der Feuerwehr, in Engagementstrukturen oder Kommunen brauchen Planungssicherheit und Verlässlichkeit. Wir alle brauchen eine Kultur des Vertrauens. Programme wie „Demokratie leben!“ dürfen keine parteipolitischen Instrumente werden, sondern sind essenzielle Bausteine einer wehrhaften Demokratie. Sie wirken und helfen konkret – aber sie funktionieren nicht wie ein kurzfristiges Projekt mit sofort messbaren Outputs. Sie zielen auf mittel- und langfristige Effekte wie Haltungen, Kompetenzen und institutionelle Resilienz. Wer hier schnelle, lineare Wirkungsnachweise erwartet, verkennt die Logik dieser Arbeit und übersieht den Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen auf Demokratie und Zusammenleben.
Wir fordern Sie daher auf:
- die angekündigte Umstrukturierung auszusetzen,
- die Ergebnisse der laufenden Evaluation abzuwarten,
- und gemeinsam mit den Trägern tragfähige Perspektiven für die Zukunft des Programms zu entwickeln.
Gerade in einer Zeit, in der demokratische Institutionen und gesellschaftlicher Zusammenhalt unter besonderem Druck stehen, braucht es ein starkes Zusammenspiel von Staat und Zivilgesellschaft – nicht dessen Schwächung.
Mit freundlichen Grüßen
Akademie Waldschlösschen – Stiftung Rainer Marbach und Ulli Klaum
Aktion Courage e.V.
Aktion Dritte Welt e.V.
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF)
AlgorithmWatch
Amadeu Antonio Stiftung
Ambulante Maßnahmen Altona e.V.
Angerinitiative E.V
Anstatt e.V. und zebra e.V.
Arakde e.V.
Arbeit und Leben Berlin-Brandenburg gGmbH
Arbeitsgemeinschaft Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen – amfn e.V.
Archiv der Jugendkulturen e.V.
aula gGmbH
AWO Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen/Haus der Kulturen
AWO Vielfalt MSE gGmbH
Backup Couragiert Demokratie stärken Dortmund
BEFORE e.V. Bayern
Bezirksjugendwerk der AWO OWL Nordrhein-Westfalen
BildungsBausteine e.V.
Bildungsteam Berlin-Brandenburg e.V.
Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e.V.
Bund für Soziale Verteidigung e.V.
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND)
Bundesarbeitsgemeinschaft „Ausstieg zum Einstieg“ e.V.
Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus
Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus e.V.
Bundesverband Mobile Beratung
Bundesverband Queere Bildung e. V.
Bunt statt braun e.V. Rostock
Bürgerstiftung Barnim Uckermark
Caritas-SkF Essen gGmbH
CLAIM
CRI – Civic Research and Innovation gGmbH
Cultures Interactive e.V.
Dachverband Lesben und Alter e.V.
Das HAUS. Jugend‑, Kultur- und Medienwerkstatt Eckernförde
Das NETTZ
Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein e.V.
Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V.
Deutsch-Ukrainischer Landesverband Schleswig-Holstein e.V.
Deutsch-Ukrainischer Verein in Schleswig-Holstein „Rozmova“ e.V.
DGB Nord
Diakoniestiftung Thüringen Fachbereich Migration und Integration
Die Aktion Gemeinwesen und Beratung e.V. / KuF Düsseldorf
Die Kopilot*innen e.V.
different people e.V.
Distanz – Distanzierungsarbeit, jugendkulturelle Bildung und Beratung e.V.
Each One Teach One e. V.
Erich-Zeigner-Haus e.V.
Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke
Fremde brauchen Freunde e.V.
Gedenkstätte Ahrensbök
GePGeMi e.V. ‑Gesellschaft für Psychosoziale Gesundheitsförderung bei Migrant*innen
Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.
HAKI e.V.
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) e.V.
HochDrei – Bilden und Begegnen in Brandeburg e.V.
IFAK e.V.
Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA e.V.)
Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation e.V. (ikm)
integralis e.V.
Interdisziplinäre Zentrum für Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung e.V.
Johann Daniel Lawaetz-Stiftung
Jugendbildungsstätte Bremen – LidiceHaus gGmbH
K3B – Kompetenzzentrum Kommunale Konfliktberatung des VFB Salzwedel e.V.
Kaltenkirchener Demokratie-Werkstatt e.V.
KAST e.V.
Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.
Kompetenzzentrum für Gemeinwesenarbeit und Engagement e.V.
Kompetenzzentrum für Wertekonsens e.V.
korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V.
Kreisjugendring Cuxhaven e.V
Kreisjugendring Dachau
Kreisjugendring Ebersberg
Kreisjugendring Kulmbach
Kreisjugendring Neustadt
Kreisjugendring Ostalb e.V.
Kreisjugendring Rems-Murr e.V.
Kulturbüro Sachsen e.V.
kulturgrenzenlos e.V.
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
LAG Mädchenpolitik Hessen
Landesarbeitsgemeinschaft Mädchen* und junge Frauen* in Sachsen e.V.
Landesjugendwerk der AWO Schleswig-Holstein e.V.
Landratsamt Hof
lifeline – Vormundschaftsverein im Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.
Liquid Democracy e.V.
LOBBI – Landesweite Opferberatung Beistand und Information für Betroffene rechter Gewalt MV
Lola für Demokratie e.V.
Losmachen – Verein zur Förderung der Lausitzer Zivilgesellschaft e.V.
Magazin of Color gUG Bayern
Mevlüde Genç e. V.
MigraNetz Thüringen e.V.
Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.
mitMachen e. V.
Modus – Zentrum für angewandte Deradikalisierungsforschung gGmbH
NaturFreunde Deutschlands e.V.
Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. (NDC)
neue deutsche organisationen – das postmigrantische netzwerk e.V. (ndo)
Opferperspektive e.V.
pad gGmbH
Partnerschaft für Demokratie Anklam
Partnerschaft für Demokratie Meißen
Partnerschaft für Demokratie Mörfelden-Walldorf
Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH
Polnischer Sozialrat
Pro Peace Köln
Projekt „Better Together!“ (Praxislabor, TU Darmstadt)
RAA – Demokratie und Bildung Mecklenburg-Vorpommern e. V.
RAA Berlin e.V.
RAA Sachsen e.V.
response. / Evangelischer Regionalverband Frankfurt und Offenbach
rubicon e. V.
Runder Tisch gegen Rassismus Dachau e.V.
schloss bröllin e.V.
Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa
Soziale Bildung e.V.
Stadt Bergen
Stadtverwaltung Schwerin – Fachstelle Chancengleichheit
Stiftung SPI – Sozialpädagogisches Institut Berlin „Walter May„
TOLLERORT entwickeln & beteiligen GmbH
Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland e.V.
Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg e.V. S
Türkische Gemeinde in Deutschland e.V.
Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V.
ufuq.de
Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.
Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt – VBRG
Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Schleswig-Holstein
Verband für interkulturelle Arbeit (VIA) Regionalverband Berlin/Brandenburg e.V.
Vereinigung Pestalozzi gGmbH
Volkshochschule Bremerhaven
WHG
Wikimedia Deutschland e.V.
Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrant*innen e.V. (ZBBS)
Zentrum für Data-driven Empowerment, Leadership und Advocacy (zedela)
Zentrum für selbstbestimmtes Leben Behinderter e. V.
ZEOK e. V.
Weiterführende Hinweise und Informationen
Auch die Arbeit von korientation gegen Rassismus und für das Empowerment von Asiatisch-Deutschen und diasporischen Menschen wurde seit 2020 durch Demokratie leben! gefördert, seit 2025 im vom Programm geförderten „Kooperationsverbund gegen Rassismus“.
Es geht aber nicht nur um unsere eigene Arbeit.
Rund 200 Projekte sollen mit Ablauf des Jahres nicht mehr weitergefördert werden, hierunter fallen Opferberatungen, mobile Beratungen gegen Rechtsextremismus, aber auch kulturelle und politische Bildungsprojekte für marginalisierte Gruppen. Es ist abzusehen, dass mit der geplanten Neuausrichtung des Progamms über Jahre gewachsene Strukturen und lokale Expertisen in der Arbeit gegen Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Gewalt sowie im Bereich der Demokratieförderung massiv beeinträchtigt werden bzw. ersatzlos wegfallen.
Kurzzusammenfassung der Stellungnahme
Über 140 Trägern aus der Demokratiearbeit haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme an Familienministerin Karin Prien (CDU) gewendet. Sie kritisieren klar die 👉geplanten Umstrukturierungen des bundesweiten Förderprogramms Demokratie Leben!, das im Familienministerium angesiedelt ist.
Die angekündigten Maßnahmen kämen in der Praxis massiven Kürzungen gleich und gefährden bewährte Strukturen der Präventions- und Bildungsarbeit.
Auf diese Weise werden Entscheidungen getroffen, bevor zentrale Evaluationen überhaupt vorliegen. Evidenzbasierte Politik sieht anders aus.
Da rechtsextreme Gewalt auf dem Höchststand ist, würde ein Zurückfahren der Demokratieförderung unsere Sicherheit enorm gefährden.
Demokratiearbeit ist langfristig angelegt. Sie lebt von Vertrauen, stabilen Partnerschaften und gewachsenen Netzwerken.
Diese Strukturen lassen sich nicht kurzfristig ersetzen – und schon gar nicht „umorganisieren“, ohne Schaden anzurichten.
Gemeinsam fordern die Organisationen:
╰┈➤ Umstrukturierungen aussetzen
╰┈➤ Evaluationen abwarten
╰┈➤ Dialog statt Kürzungen
Supportet uns, supportet bedrohte Zivilgesellschaft!
Unterstützt die Petition „Kein Kahlschlag bei der Demokratiearbeit!“, initiiert von der Amadeu-Antonio-Stiftung gegen die Kürzungen und den Umbau von Demokratie leben!
Unterschreibt alle und leitet es an eure Freund*innen, Bekannten, Kolleg*innen weiter.
Link: weact.campact.de/petitions/kein-kahlschlag-der-demokratiearbeit