MEGA Online-Seminar „Bombay Sandwich Pakora“zu postkolonialen Perspektiven auf Essen und Widerstand am 07.05.2022

Illustration von Krishan Rajapakshe

Essen spielt eine wichtige Rolle im Leben vieler Asiatischer Deutscher und (süd‑, ost‑, südost‑, west‑, zentral- und nord-) asiatisch-diasporischer Menschen in Deutschland. Über Essen könnten wir stun­denlang und zu jeder Tageszeit sprechen. Ob selbst­ge­kocht, oder aus­wärts kon­su­miert, Essen hat eine besondere Fähigkeit uns zu berühren.

„Unser“ Essen kann Geschichten von Sehnsucht, von Trauer, Verlust, Freude, Gewalt, Widerstand und Liebe in sich tragen und kon­ser­vieren. Unerzählte Geschichten, von denen wir gar nicht wussten das es sie gibt. So können Mangos, Chilis, Ingwer, Reis, Kokos und Knoblauch oft auch wider­sprüch­liche Verbindungslinien zu unseren kom­plexen, mixed und messy kul­tu­rellen und poli­ti­schen Bezügen und Positioniertheiten her­stellen. Für manche stellt Essen die einzige Möglichkeit dar, sich mit dem Hier und Jetzt und mit einem weit ent­fernten „Woanders“ und „Wannanders“ zu iden­ti­fi­zieren, ohne sich dabei seltsam zu fühlen. In einem Alltag, der für viele nicht kon­trol­lierbar und nicht erst seit der Migration nach Almanya von Mikroaggressionen geprägt ist, kann Essen ein trös­tender kuli­na­ri­scher Kuss sein, etwas auf das wir uns freuen und ver­lassen können, etwas das uns Halt gibt, etwas das uns an schöne(re) Orte und Zeiten beamen kann.

In unserem ersten „Food“-Seminar im Rahmen des MEGA-Projekts haben wir zusammen mit Euch über unser Lieblingsthema Essen gesprochen; und aus post­ko­lo­nialer Perspektive erkundet, welche Rolle(n) Essen in unseren viel­fäl­tigen (Familien*) Biographien gespielt hat und welche widerständige(n) Geschichte(n) wir & unsere Lieben mit (Ersatz-) Zutaten, Essen & Kochen verbinden.

Referent*innen

Der Workshop wurde von Natali Bhalchandra Abhyankar mit Unterstützung von Fallon Tiffany Cabral und Sina Schindler (Awareness) aus dem MEGA-Team geleitet.

Natali Bhalchandra Abhyankar, geboren in Bombay (heute Mumbai) ist als Kind nach Deutschland migriert. Nach vielem hin und her in Hamburg gelandet. Queer, Fat, Food & Book Lover, Buchhändlerin, Kadi Pflanzen com­panion, Musikerin, fährt gerne alles mit und ohne Motor. Heute inter­es­siert sie sich sehr dafür, ver­schiedene Schnittstellen zusam­men­zu­bringen und möchte am liebsten in Kontexten leben und arbeiten, in denen sich Menschen gegen­seitig empowern und upliften.

Ressourcen

  • So Tasty! Podcast: „So Tasty!“ ist ein Podcast des Diaspora Salons Hamburg. Susan Djahangard und Meryem Choukri sprechen mit ver­schie­denen Gäst:innen über Essen – und alles, was damit zu tun hat. Bei „So Tasty!“ geht es um Vorstellungen von gutem Essen, um Migration, Rassismus und Widerstand, um Wirtschaftsstrukturen und Geschlechterdimensionen von Essen, Kindheitserinnerungen, Schokoladenhummus und vieles mehr. In jeder Folge bringen die Besucher:innen auch ein Rezept mit, das ihnen besonders am Herzen liegt – so lecker! 
  • Rice & Shine Podcastfolgen zu Essen
  • Rassismus in der Kulinarik (Podcast mit Magda Tedla)
  • Talking Feminisms Folge #25 FOOD & BELONGING
  • raju rage (2020) (editor): recipies for resistance
  • Bryant Terry (2021): Black Food: Stories, Art, and Recipes from Across the African Diaspora [A Cookbook]
  • Vicky Troung (2021): „Zwischen mir und meinen Lieben liegt das Essen“
  • Vina Yun (2019): Essen, in: Fatma Aydemir/Hengameh Yaghoobifarah (Hg.): Eure Heimat ist unser Alptraum
  • Oge Mora (2018): Thank you, Omu! (Kinderbuch)
  • Michelle Zauner (2021): Crying in H‑Mart. A Memoir.
  • Sharayu & Niteen Gupte (2021): Nicht ohne Teufelsdreck. Eine Kastenküche aus dem indi­schen Westen.
  • bell hooks (1994): „eating the other“, in: dies. Black Looks. Popkultur – Medien – Rassismus.
  • Magda Tedla ist eine Schwarze Ernährungswissenschaftlerin aus Hamburg, die auch Workshops zu Anti-Black Racism and Food gibt
  • Streetfood (Serie, Netflix)
  • Wurzeln des Geschmacks (Mini-Serie über chi­ne­si­sches Essen)
  • Chef’s Table (Netflix, ver­schiedene Köch*innen aus unter­schied­lichen Ländern)

Das Projekt MEGA wurde von 2020 bis 2024 durch das BMFSFJ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und durch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen des Partizipations- und Integrationsprogramms gefördert.