BlogProjekt RADARVerein

Das neue zwei­jährige Projekt RADAR – Ressourcen von/für Asiatische Deutsche gegen anti- asia­ti­schen Rassismus des kori­en­tation e.V. ist zum 15.08.2022 gestartet. Ziel des auf zwei Jahre ange­legten Modellprojektes ist die inhalt­liche Qualifizierung und Professionalisierung von (Asiatisch- Deutschen) Multiplikator*innen der ras­sis­mus­kri­ti­schen Bildungsarbeit zum Thema „anti-asiatischer Rassismus“ durch:

  • die Aufbereitung von Wissen zu anti-asiatischem Rassismus und Asiatisch-Deutschen
    Perspektiven:
  • die Schaffung von Räumen für Asiatisch-Deutsche Multiplikator*innen für Empowerment und Austausch;
  • Cross-Community Knowledge-Transfer bei der Produktion von inter­sek­tio­nalem Wissen zu anti-asiatischem Rassismus;
  • Erarbeitung eines dekon­stru­ierten, kol­la­bo­rativ neu­be­setzten und inter­sek­tional dis­ku­tierten Konzepts von anti-asiatischen Rassismus als Grundlage für zukünftige ras­sis­mus­kri­tische Bildungsarbeit, Transfer und Aufbereitung kom­plexer Zusammenhänge in die prak­tische Bildungsarbeit.

Wir suchen für unser neu ange­lau­fenes Projekt RADAR eine

Assistenz der Projektleitung
35% Stelle in Anlehnung an TVöD-Bund E09‑1
Arbeitsbeginn: 01.10.2022

Bewerbungsfrist: 14.09.2022
Bewerbung per Email an: info@korientation.de
Hast Du Fragen? Melde Dich bei uns, auch gern per Email.

Wir laden ins­be­sondere BPoC mit Bezügen zu Asien (Zur Klarstellung: Damit meinen wir Süd‑, West‑, Nord‑, Südost‑, Ost- und Zentralasien) und inter­sek­tio­nalen Identitäten ein, sich zu bewerben.

Zu deinen Aufgaben gehören

  • Aufbereitung bestehender Wissensressourcen zu anti-asiatischem Rassismus
  • Konzeption und Organisation von Maßnahmen und Veranstaltungen im Projekt mit gemeinsam mit der Projektleitung
  • Mitarbeit an der Projektbroschüre in digital und Print sowie der Projektwebseite
  • Betreuung eines Netzwerks von Asiatisch-Deutschen Multiplikator*innen der
    ras­sis­mus­kri­ti­schen Bildungsarbeit
  • Mitarbeit an Texten für die interne und externe Kommunikation sowie Mitarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit

Das wün­schen wir uns von Dir

  • Erste Erfahrungen in der dis­kri­mi­nie­rungs­sen­siblen und ras­sis­mus­kri­ti­schen Bildung und der Arbeit in gemein­nüt­zigen Vereinen 
  • Kenntnisse aktu­eller Diskurse im Themenfeld Rassismus, Intersektionalität, post­ko­lo­niale Ansätze, Empowerment und Asiatisch-Deutsche Migrationsgeschichten
  • Identifikation mit den Kernzielen des Vereins
  • Sehr gute deutsche und eng­lische Sprachkenntnisse, ein gutes Sprachgefühl und hohe Textsicherheit
  • Hohes Maß an Teamfähigkeit und Freude an der Arbeit im Team
  • Sehr gute Microsoft-Office Kenntnisse
  • Grundlegende Social Media Kompetenzen (Instagram, Twitter, Facebook)
  • Teilnahme an Workshops zu Organisationsentwicklung des Vereins

Was Dich bei uns erwartet

  • Mitarbeit in einem Empowerment-Projekt von und für Asiatische Deutsche
  • 35% Teilzeitstelle (13,5 Wochenstunden) in Anlehnung an TVöD-Bund E09‑1
  • Vertragsbeginn ab 01.10.2022
  • Flexible, bedarfs­ori­en­tierte Arbeitszeiten; Arbeit aus dem Home-Office mit mit­tel­fris­tiger Perspektive auf einen Projektbüro-Arbeitsplatz in Köln
  • Raum für eigen­ständige inhalt­liche Arbeit und Austausch
  • Eine par­ti­zi­pative Arbeitsorganisation und soli­da­rische Organisationskultur mit flachen Hierarchien
  • Die Möglichkeit, die Zukunft eines wach­senden bun­des­weiten Netzwerks von Asiatischen Deutschen mitzugestalten
  • Zusammenarbeit mit einem kleinen, enga­gierten Team mit einem breiten Kompetenzfeld im Bereich Community- und Vereinsarbeit, Kultur- und Projektmanagement, Wissenschaftliche Arbeit
  • Und das Wichtigste: Lots of good Food and Community-love

Wir freuen uns auf Deine Bewerbung
Wir laden ins­be­sondere BPoC mit Bezügen zu Asien (Zur Klarstellung: Damit meinen wir Süd‑, West‑,Nord‑, Südost‑, Ost- und Zentralasien) und inter­sek­tio­nalen Identitäten ein, sich zu bewerben. Der Wohnort Köln oder Umgebung wäre im Hinblick auf ein Projektbüro wünschenswert.


Bitte schicke Deine Bewerbung aus­schließlich in elek­tro­ni­scher Form als PDF-Dokument per Email an info [at] korientation.de mit den fol­genden Unterlagen:
• Anschreiben (gerne mit Angabe des bevor­zugten Pronomens)
• Lebenslauf ohne Foto
• Motivationsschreiben
• Zeugnis des letzten Abschlusses
• Gegebenenfalls ergän­zende Unterlagen, wie Arbeitszeugnisse

Hier findest Du die Ausschreibung als PDF zum Download.

BlogPolitikVerein

kori­en­tation unter­stützt das Bündnis Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992., das das Gedenken anlässlich des 30. Jahrestages orga­ni­siert hat. Die zen­trale Veranstaltung war die bun­des­weite Demo am 27.08.2022 in Rostock-Lichtenhagen, siehe Aufruf zur Demo.
Wir ver­öf­fent­lichen mehrere Redebeiträge auf unserer Webseite zur Dokumentation. Es folgt hier der Redebeitrag, der auf der Abschlusskundgebung von Kien Nghi Ha gehalten wurde.

Entschädigung und Rückkehrrecht für die Betroffenen des Pogroms

Bereits vor zehn Jahren war ich an diesem Ort, um meine Rede „Ich bin hier, weil ihr hier seid“ zu halten. 2012 war ich einer der wenigen Menschen of Color und meines Wissens nach der einzige Vietdeutsche, der damals ange­fragt wurde, inhaltlich bei­zu­tragen. Die Situation heute hat sich stark ver­bessert. Ich bin sehr froh, dass so viele ver­schiedene Perspektiven aus unter­schied­lichen Communities of Color hier ver­treten sind. Dieses inter­kom­munale und soli­da­rische Gedenken stärkt mich und ich weiß, dass wir zusammen erinnern, gedenken und kämpfen können. 

Die viet­na­me­si­schen Bewohner:innen des Sonnenblumenhauses kamen als Vertragsarbeiter:innen in die DDR, wo sie in iso­lierten Heimen wohnten, als Asiat:innen im Alltag exo­ti­siert wurden, aber auch mit ras­sis­ti­schen Zumutungen wie ungleichem Lohn und Diskriminierung am Arbeitsplatz zu kämpfen hatten. Die Ethnisierung der Arbeitslosigkeit im Zuge der Abwicklung der DDR-Betriebe ver­schärfte ihre auf­ent­halts­rechtlich wie sozial prekäre Situation nochmals. Wenn wir uns an den jah­re­langen Kampf für das Bleiberecht der ehe­ma­ligen Vertragsarbeiter:innen in Erinnerung rufen, dann wird schnell klar, wie müh­selig, kos­ten­in­tensiv und ner­ven­auf­reibend die Auseinandersetzung mit dem Ausländeramt für die Betroffenen für jede auf wenige Monate befristete Duldung war. Es fiel der Politik sehr schwer das rigide Régime des Ausländerrechts zu lockern und als 1997 dann eine Bleibeperspektive zustande kam, wurden mög­lichst hohe Auflagen ein­gebaut. Viele mussten in die Zwangsselbstständigkeit gehen, um nicht durch Sozialhilfebezug ihr Aufenthaltsrecht zu gefährden und über­lebten diese Situation nur durch selbst­aus­beu­te­rische Arbeitsbedingungen. Auch die Polizei spielte nicht nur in dieser Zeit eine sehr unrühm­liche Rolle, wobei die auf­se­hen­er­re­genden Missbrauchsfälle auf dem Polizeirevier Bernau im Jahr 1994 nur eine von vielen Fällen des insti­tu­tio­na­li­sierten Rassismus in dieser Behörde dar­stellt. Insoweit wider­spricht das Pogrom nicht den bis dato gemachten Deutschlanderfahrungen, sondern reiht sich als nega­tiver Höhepunkt in die Serie von ras­sis­ti­schen Diskriminierungs, Marginalisierungs- und Gewalterfahrungen ein.

Angesichts der Tatumstände und der Verstricktheit von Politik, Medien und Sicherheitsorganen erwar­teten die ange­grif­fenen Communities keine Hilfe von der Weißen Mehrheitsgesellschaft. Ihre Erfahrungen waren dies­be­züglich ein­deutig: Statt Entschädigung und eine ange­messene juris­tische Aufarbeitung der ras­sis­ti­schen Gewalt, waren sie von der Abschiebung bedroht. Gerade die stän­digen Konflikte mit deut­schen Verwaltungen auf­grund des unge­si­cherten Aufenthaltsrechts, löste grund­sätz­liche Ängste aus. Wer mit solchen fort­dau­ernden exis­tenz­be­dro­henden Problemen kon­fron­tiert ist, hat natürlich nicht den Kopf frei sich mit den viel­fäl­tigen Auswirkungen des Pogroms aus­ein­an­der­zu­setzen. Die viet­deutsche Community in Rostock war und ist aktiv. Der Glaube, dass sie passiv und unsichtbar seien, ist ein Klischee. Sie hat sich sehr wohl vor Ort für ein bes­seres und inter­kul­tu­relles Zusammenleben ein­ge­setzt. So wie sie sich während des Pogroms selbst­or­ga­ni­siert, ver­teidigt und sich selbst über das Dach aus dem bren­nenden Haus gerettet hat, so hat sie später das Bleiberecht gegen Widerstände aus Politik und Verwaltung erstritten und sich aktiv für den Aufbau ihrer lokalen Gemeinschaft ein­ge­setzt. Für diese Verdienste gebührt ihr viel Respekt und Anerkennung.

Vor 30 Jahren lebte ich als junger Student der Politikwissenschaft in Berlin. Ich kam als Kind einer Boat-People Familie nach West-Berlin wuchs eigentlich mit dem Wunsch auf, aner­kannter Teil der deut­schen Gesellschaft zu sein und wollte wie viele Menschen of Color wie selbst­ver­ständlich dazu gehören. Ich wollte in Deutschland einfach ent­spannt leben.

Aber das Pogrom gegen die viet­na­me­sische Community in Rostock-Lichtenhagen räumte grund­legend mit meinen Illusionen über Deutschland auf. Je natio­na­lis­ti­scher der deutsche Wiedervereinigungsprozess eska­lierte und je stärker die ras­sis­ti­schen Exzesse in den Parlamentsdebatten und die auf­het­zende Medienberichterstattung über die angeb­liche „Asylantenflut“ wurden, desto wach­samer und poli­ti­scher wurde ich. Ich habe in dieser Zeit so viel über die Weiße deutsche Gesellschaft gelernt und hatte das Gefühl, erstmals hinter die Fassade der liberal-bürgerlichen Idylle zu blicken. Was ich dann in Rostock-Lichtenhagen unge­schminkt sah, war ein ras­sis­ti­scher Abgrund, der blanke Horror. So viel mas­sen­hafter dumpfer Hass gepaart mit dem selbst­ver­liebten Selbstbild als auf­ge­klärte Nation der Dichter, Denker und Dauersäufer. Die live im Fernsehen über­tra­genen Bilder von dem bren­nenden Sonnenblumenhaus, das tagelang wie bei einer mit­tel­al­ter­lichen Belagerung sturmreif ange­griffen wurde, waren einfach unfassbar: Es sprengte alles, was ich mir bis dahin vor­stellen konnte im modernen, angeblich so zivi­li­sierten und demokratisch-rechtsstaatlichen Deutschland. Rostock-Lichtenhagen war für mich ein erneuter Zivilisationsbruch! Meine Gefühle waren eine bizarre und wider­sprüch­liche Mischung aus abso­lutem Unglauben, Entsetzen, Abscheu, Wut, Trauer, Hilfslosigkeit und Trotz. In der unmit­tel­baren Situation wusste ich mir nicht besser zu helfen als einen Leserbrief an die taz zu schreiben.

Was ich in diesen Jahren eben­falls erlebte und was mich bis heute prägt, war aber auch die Erfahrung in migran­ti­schen, anti­ras­sis­ti­schen Zirkeln von People of Color, dass selbst­or­ga­ni­sierter Widerstand möglich ist, dass wir soli­da­rische Strukturen auf­bauen können und trotz unserer beschränkten Mittel nicht wehrlos sind.

Vor dem Pogrom in Lichtenhagen dachten alle, dass sowas nach der Nazizeit in Deutschland nicht mehr möglich sei. Das dachte ich auch. Bis zum Pogrom lebte ich in einer rea­li­täts­fernen Blase und dachte ich sei inte­griert, weil ich den deut­schen Pass habe. Rostock-Lichtenhagen und die explo­si­ons­artige ras­sis­tische Gewaltwelle in den 1990er Jahren zeigten mir, dass es ein anderes, sehr dumpfes und immer noch ziemlich schwarz­braunes Deutschland gibt. Das Pogrom dauerte vier Tage. Es war ein Volksfest mit Deutschlandweit ange­reisten Teilnehmenden. Es gab Bratwurstbuden, viel Bier und ein jubelndes Publikum. Und obwohl dieses ras­sis­tische Spektakel in aller Öffentlichkeit zele­briert und im Fernsehen live über­tragen wurde, war das absolut Unmögliche trotzdem möglich bzw. wurde durch das Versagen der Weißen Institutionen möglich gemacht. Solange es einen struk­tu­rellen Rassismus in der Gesellschaft gibt und die Institutionen dieses Machtungleichgewicht abbilden und ras­sis­tische Hierarchien mit Leben füllen, ist Rassismus in jeder Form denkbar und möglich. Wir müssen daher wachsam und soli­da­risch bleiben.

Forderungen

1) Auch nach 30 Jahren ist es nicht zu spät, die Rom*nja und viet­deut­schen Betroffenen des Pogroms mate­riell zu ent­schä­digen und ihnen ein Rückkehrrecht anzu­bieten. Wenn die offi­zielle Entschuldigung der Stadt Rostock von 2002 nicht nur eine leere Floskel ohne Konsequenzen ist, wäre es jetzt dringend geboten, ein groß­zügig aus­ge­stat­teten Fond zur Wiedergutmachung des his­to­ri­schen Unrechts ein­zu­richten. Nach dem skan­da­lösen Versagen von Politik, Stadtverwaltung und Justiz fordern wir die staat­lichen Institutionen auf, zumindest jetzt ein Mindestmaß an rechts­staat­lichen und ethi­schen Anstand zu zeigen.

2) Wir fordern die Kultur- und Wissenschaftsbetriebe auf, sich stärker mit den Pogromen und der ras­sis­ti­schen Gewalt in den 1990er Jahren aus­ein­an­der­setzen. Diese Zeit ist so grund­legend wichtig und gerade der Komplex Rostock-Lichtenhagen wurde bisher nur unzu­rei­chend erforscht und ist kul­turell kaum verarbeitet.

3) Wir fordern die Stadt Rostock auf, dass dezen­trale Gedenkkonzept zu über­ar­beiten und die bisher unver­ständ­lichen Denkmäler so zu ergänzen, dass sie dazu ein­laden sich inhaltlich mit dem Pogrom auseinanderszusetzen.

4) Wir fordern alle Menschen und spe­ziell die Medien dazu auf, das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen nicht weiter als „aus­län­der­feind­liche Gewaltexzesse“ oder als „frem­den­feind­liche Ausschreitungen“ klein­zu­reden und zu ver­harm­losen sowie die Verantwortung staat­licher Institutionen und poli­ti­scher Eliten unsichtbar zu machen. Das Pogrom ist ein Pogrom, weil staat­liche Institutionen und Verantwortungsträger unpro­fes­sionell han­delten. Sie haben versagt, die Gewalt zuge­lassen und tole­riert. Und in nicht wenigen Fälle wurde der Rassismus – inten­diert oder nicht – poli­tisch und medial gefördert. Wer die his­to­rische Tatsachen – so bitter und unbequem sie auch sind – leugnet, setzt ras­sis­tische Praktiken fort, die die Betroffenen des Pogroms erneut dis­kri­mi­niert. Das wollen und werden wir nicht zulassen. Dagegen werden wir uns heute und in Zukunft mit aller Macht gemeinsam wehren.

BlogPolitikVeranstaltungen

kori­en­tation unter­stützt das Bündnis Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992., das das Gedenken anlässlich des 30. Jahrestages orga­ni­siert hat. Die zen­trale Veranstaltung war die bun­des­weite Demo am 27.08.2022 in Rostock-Lichtenhagen, siehe Aufruf zur Demo.

Wir ver­öf­fent­lichen mehrere Redebeiträge auf unserer Webseite zur Dokumentation. Es folgt der Redebeitrag der Gedenkinitiative Phan Văn Toàn in Fredersdorf bei Berlin (https://phanvantoan.de), mit der wir kooperieren. 

Im Gedenken an Phan Văn Toàn.

Es ist der 31. Januar 1997, die Temperatur in Fredersdorf aus­serhalb von Berlin liegt um den Gefrierpunkt. Um den Lebensunterhalt seiner Familie zu sichern, steht der 42-jährige Phan Văn Toàn auch in der Kälte draussen und ver­kauft Zigaretten.

Mit dem Ende der DDR waren viele ehe­malige Vertragsarbeiter_innen in ihrer Existenz bedroht.
In der von der CDU und rechten Medien geschürten, ras­sis­ti­schen und natio­na­lis­ti­schen Stimmung der 1990er Jahre, waren sie nicht nur ständig der Gefahr staatlich legi­ti­mierter Gewalt aus­ge­setzt, sondern auch öko­no­misch kom­plett auf sich allein gestellt.

Die Arbeit, die Phan Văn Toàn ver­richtete, war ille­ga­li­siert und stän­digen Anfeindungen aus­ge­setzt. Gleichzeitig wurde sie viel und gerne in Anspruch genommen. Auch von den­je­nigen, die ihn dafür anfein­deten – auch von Rassist_innen – auch von Nazis.

Die perfide Verschränkung der Ausbeutung von – und Hetze gegen ille­ga­li­sierte Arbeit hat System.

Noch heute ist sie ein Grundstein bun­des­deut­scher Wirtschaftspolitik. Arbeiter_innen in solchen Bereichen tragen ein hohes Risiko zu Opfern von Gewalt zu werden, weil Menschenfeinde ihre schwierige Lage erkennen und ausnutzen.

So geschah es auch Phan Văn Toàn. Die Nazis, welche am S‑Bahnhof Fredersdorf eine Fahrradaufbewahrung betrieben, klauten wieder einmal Zigaretten aus seinem Lager. Als Phan Văn Toàn not­ge­drungen das Gespräch sucht, wird er von zwei der Nazis lebens­ge­fährlich ver­letzt. Drei Monate kämpft er im Krankenhaus um sein Leben und stirbt am 30. April 1997 an den Folgen des Angriffs.

Trotz ras­sis­ti­scher Parolen im Gerichtssaal will das Landgericht Frankfurt (Oder) später keinen ideo­lo­gi­schen Hintergrund der Tat sehen. Stattdessen wird die Darstellung der Täter in das Urteil über­nommen. Nicht Habgier und Rassismus stehen im Fokus der Verhandlung, sondern die ille­ga­li­sierte Arbeit von Phan Văn Toàn. Einige Jahre später wird die­selbe Kammer auch beim Mord am Punk Enrico Schreiber kein poli­ti­sches Motiv bei den neo­na­zis­ti­schen Tätern erkennen.

Das besondere Verständnis der deut­schen Justiz für Neonazis hat lange Tradition.

Mehr als 20 Jahre nach dem Mord gibt es seitens der Kommune noch immer kein Gedenken an Phan Văn Toàn. Keine Unterstützung für seine Hinterbliebenen. Kein Wort der Verantwortung, des Bedauerns, Nichts. Im Gegenteil: Als im Januar 2020 erstmals Initiativen mit einer Kundgebung daran erinnern, drückt der CDU-Bürgermeister offensiv sein Missfallen aus. Nach der Kundgebung wird der pro­vi­so­risch errichtete Gedenkort zerstört.

Der Mord an Phan Văn Toàn ist nun 25 Jahre her. Das Pogrom von Rostock Lichtenhagen 30 Jahre.
Die bür­ger­liche Geschichtsschreibung möchte beides gerne ver­gessen. Weil wir sie nicht lassen, wird ver­sucht „Erinnern“ zu einer Gruselgeschichte über längst ver­gangene Tage zu machen.

Ihr Erinnern heißt Vergessen.

Auch das ist deutsche Tradition. Der Nationalsozialismus wird zu einer Verführungsgeschichte umge­deutet, Lichtenhagen zum Mysterium und die vielen ras­sis­ti­schen Morde zu Einzelfällen ver­klärt. Jedes schreck­liche Mal auf’s Neue tut man über­rascht, dass Rassist_innen morden.

Diese wider­liche Heuchelei können die sich sonst wohin stecken.

Wer selbst ras­sis­tisch hetzt, Nazis zu „besorgten Bürgern“ adelt oder die Augen vor der ras­sis­ti­schen Tyrannei deut­scher Institutionen ver­schließt, ist selbst Teil des Problems und trägt Mitverantwortung für die Gewalt.

Unser Erinnern heißt Verändern.

Als Gedenkinitiative setzen wir uns dafür ein, Phan Văn Toàn wür­devoll zu gedenken.
Damit sind wir in der Pflicht ras­sis­tische Gewalt in all ihren Formen – durch Schläge, Zeitungsartikel oder Gesetze – zu benennen. Auch die Parallelen und Verbindungen von klas­sis­ti­scher und ras­sis­ti­scher Gewalt müssen benannt werden.

Die deutsche Tradition brechen.
Fredersdorf ist auch bei dir im Ort.
Phan Văn Toàn ist nicht vergessen.

BlogPolitikVerein

kori­en­tation unter­stützt das Bündnis Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992., das das Gedenken anlässlich des 30. Jahrestages orga­ni­siert hat. Die zen­trale Veranstaltung war die bun­des­weite Demo am 27.08.2022 in Rostock-Lichtenhagen, siehe Aufruf zur Demo. Im Folgenden unser Redebeitrag.

Wir sprechen für kori­en­tation, einer post/migrantischen Selbstorganisation und einem Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven aus Berlin.  

Wir soli­da­ri­sieren uns mit den Betroffenen des Pogroms, mit den viet­na­me­si­schen / viet-deutschen Communities, mit den Rom*nja-Communities, mit allen Betroffenen ras­sis­ti­scher und rechter Gewalt.

In unserem Verein sind Menschen mit unter­schied­lichen Geschichten aus Asiatisch-Deutschen Communities. Uns eint, dass wir als asia­tisch mar­kierte Menschen in Deutschland leben und spe­zi­fische Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen teilen. Viele unserer Eltern sind als „Gast-“ oder Vertragsarbeiter*innen nach Deutschland gekommen, viele als Geflüchtete. Einige von uns lebten als Kinder in Wohnheimen, Geflüchtetenunterkünften. Wenn wir die Bilder des grö­lenden, hass­erfüllten Mobs das bren­nende Sonnenblumenhaus stürmen sehen und die Tausenden Beifall klat­schenden Bürger*innen vor dem Haus, berührt uns das direkt. 

Das hätten auch wir sein können.

Die Menschen im Sonnenblumenhaus vor 30 Jahren, die um ihr Leben bangten, hätten auch unsere Eltern sein können, unsere Onkels und Tanten, Cousinen, Brüder, Schwestern.

Wir erinnern an die tage­lange extreme Gewalt, an die Todesängste der Betroffenen ange­sichts des ras­sis­ti­schen Mobs, denen sie nach dem Rückzug der Polizei aus­ge­liefert waren. Bis heute gab es keine offi­zielle Entschuldigung oder Wiedergutmachung.

Wir erinnern auch an den Widerstand und Mut der viet­na­me­si­schen Vertragsarbeiter*innen, die sich mit Holzstangen gegen die ein­ge­drun­genen rechten Gewalttäter ver­tei­digten und einen Weg fanden, um sich gemeinsam übers Dach ins Nachbargebäude zu retten.

Ein post­mi­gran­ti­sches, nicht-hegemoniales Erinnern muss die Überlebenden und Betroffenen von Rassismus und rechter Gewalt wür­digen und erinnern. Die Betroffenen und ihre Perspektiven tauchen in den domi­nanten, täter­zen­trierten Erinnerungsdiskursen nicht auf. Die Betroffenen werden nicht gehört und beteiligt, schlicht und einfach ver­gessen. Beispiel hierfür ist die Gestaltung des Mahnmals an das Pogrom der Stadt Rostock im Jahr 2017.

Ein Erinnern, das auf Veränderung zielt, muss die Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit Rassismus in der deut­schen Gesellschaft ein­fordern, der struk­turell und insti­tu­tionell his­to­risch ver­ankert ist und bis in die Gegenwart fortwirkt.

Anti-asiatischer Rassismus, his­to­rische Kontinuitäten 

Anti-asiatischer Rassismus ist in Deutschland schließlich kein neues Phänomen, sondern eta­blierte sich spä­testens mit der deut­schen Kolonialisierung chi­ne­si­scher und pazi­fi­scher Gebiete im 19. Jh. auf der struk­tu­rellen und insti­tu­tio­nellen Ebene.

Daher stellt Rostock-Lichtenhagen keinen Einzelfall dar, sondern einen tra­gi­schen Höhepunkt von anti-asiatischem Rassismus in Deutschland. Der wurde nicht benannt, nicht auf­ge­ar­beitet, insti­tu­tionell negiert und unsichtbar gemacht. Dies gilt auch für den mas­siven Rassismus gegen die geflüch­teten Rom*nja. 

Auch die Ermordung etwa von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân 1980 in Hamburg, Phan Văn Toản 1997 in Fredersdorf, Pham Duy-Doan 2011 in Neuss und die Vergewaltigung sowie der Mord von Li Yangjie 2016 in Dessau ver­weisen auf his­to­rische Zusammenhänge, die bis in die Gegenwart reichen. Erst vor kurzem hat der mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 auf­flam­mende anti-asiatische Rassismus gezeigt, wie schnell kolo­ni­al­ras­sis­tische Stereotypen und Feindbilder in Medien, Politik und breiten Gesellschaftsschichten akti­viert werden und in ras­sis­tische Übergriffe in der Öffentlichkeit münden.

Cross-Community Solidaritäten und Gedenken

Unser Engagement gegen anti-asiatischen Rassismus ist grund­legend mit anti-rassistischen Kämpfen und his­to­ri­schen Erfahrungen von anderen Communities of Color verbunden.

Dazu gehört bei­spiels­weise die Auseinandersetzung mit dem NSU-Terror, dem Anschlag von Hanau oder der Support für die Black Lives Matter-Bewegung. 

Dazu gehört auch die gegen­seitige Solidarisierung und die Notwendigkeit von Cross-Community-Allianzen im Gedenken und in der Aufarbeitung der Vielzahl von unauf­ge­ar­bei­teten, ver­ges­senen Fällen.

Wir ver­weisen auf die wichtige Arbeit von Gedenkinitiativen. Das Handeln von zivil­ge­sell­schaft­lichen Akteur*innen, das Handeln von post/migrantischen Selbstorganisationen ist uner­setzlich, um poli­ti­schen Druck auf staat­liche Institutionen zu erzeugen.

Es geht darum, den Ermordeten und Hinterbliebenen zu sozialer Gerechtigkeit zu verhelfen.

Es geht darum, weitere Gewalt gegen People of Color und mar­gi­na­li­sierte soziale Gruppen in Deutschland zu verhindern.

Es geht darum, für unsere eigene Zukunft, unsere eigene Sicherheit und Gleichberechtigung in diesem Land zu kämpfen.

Forderungen

  • Wir unter­stützen die Forderungen des Bündnisses „Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992.
  • Wir fordern die deutsche Regierung auf, anti-asiatischen Rassismus in natio­nalen Aktions- und Maßnahmenplänen gegen Rassismus neben anderen Rassismen und Diskriminierungsformen anzuerkennen. 
  • Wir fordern eine multi-perspektivische Erinnerungspolitik.
  • Wir fordern eine Wiedergutmachung in Form einer ange­mes­senen Entschädigung der Betroffenen des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen.
  • Aus aktu­ellem Anlass machen wir auf die dro­hende Abschiebung des ehe­ma­ligen viet­na­me­si­schen Vertragsarbeiters Pham Phi Son auf­merksam, der mit seiner Familie in Chemnitz wohnt. Er kam 1987 nach Deutschland und lebt seit 35 Jahren in Sachsen! Die Stadt plant seine Abschiebung. Unterschreibt die Petition an den Sächsischen Landtag. Wir fordern die unbe­fristete Niederlassungserlaubnis für Pham Phi Son!
    (https://www.openpetition.de/petition/online/nach-35-jahren-in-sachsen-familie-pham-nguyen-muss-bleiben)

„Antirassistisches / (post)migrantisches Erinnern heißt
politisch/kollektiv inter­ve­nieren
und Gesellschaft verändern!“

Projekt MEGAWorkshop

Am Wochenende vom 10. und 11. September 2022 findet in Zwickau der MEGA Rap-/Songwriting Workshop „If the Kids speak up“ mit der viet-deutschen Rapperin NASHI44 aus Berlin-Neukölln und der in Berlin lebenden Sängerin, Songwriterin und Produzentin ANOTHER NGUYEN statt.

Im Vordergrund des Workshops steht es, gemeinsam Spaß zu haben, das eigene Selbstbewusstsein zu empowern und zu unseren eigenen Geschichten zu stehen. Die beiden Musiker*innen NASHI44 und ANOTHER NGUYEN werden uns dabei sup­porten, uns musi­ka­li­sches Grundwissen zu Rhythmik, Stimmbildung, Texten, Song-Struktur anzu­eignen und uns Tools an die Hand geben, einen eigenen Song zu schreiben.

WANN: 10. und 11.09.2022
WO: In Zwickau/Sachsen – wo genau, teilen wir Euch nach Teilnahmebestätigung per E‑Mail mit; Reisekosten können bei Bedarf bezu­schusst werden.
CORONA-REGELN: Kommt bitte getestet zu dieser Veranstaltung.
WER: FLINTA* (Frauen, Lesben und Personen, die sich als inter­ge­schlechtlich, nicht­binär, trans, agender oder darüber hinaus iden­ti­fi­zieren) zwi­schen 17 und 27 Jahren, die sich als Asiatisch-Deutsch, asiatisch-diasporisch und/oder BPoC mit Bezügen zu (‚Süd‘-, ‚Ost‘-, ‚West‘-, ‚Nord‘- ‚Zentral‘-, ‚Südost‘-) Asien posi­tio­nieren.

ANMELDUNG: über den Instagram-Account von W.I.R. Lautstark oder
per E‑Mail an w‑i-r@posteo.de

Über die Workshopleitung

Ngoc Anh Nguyen aka Another Nguyen

Fotocredit: Frederik Ferschke

Ngoc Anh Nguyen ist eine vietnamesisch-deutsche Sängerin, Songwriterin und Sozialarbeiterin. Unter dem Künstlernamen ANOTHER NGUYEN ver­öf­fent­licht Ngoc Anh elek­tro­nische Popmusik. Ihre Songs wurden bereits auf Sendern wie Radio Fritz, Radio Eins und diverse Campusradios gespielt. In einer Zusammenarbeit mit der Audio-Firma SENNHEISER wurde.

Ngoc Anhs künst­le­rische Entwicklung 2021 in einem Werbefilm por­trä­tiert. 2022 erhielt sie ein Stipendium des MUSICBOARD BERLINS und führte eine erfolg­reiche Crowdfunding Kampagne für die Produktion ihrer zweiten EP. Ngoc Anh ist Absolventin des BIMM Institutes sowie der Alice Salomon Hochschule. Als frei­schaf­fende Musikerin und Pädagogin gibt sie Songwriting-Workshops in ver­schie­denen Kultur- und Jugendzentren; als Sozialarbeiterin befasst sie sich mit Themen wie kul­tu­reller Identität, Intersektionalität und häus­licher Gewalt.
https://anothernguyenmusic.com

Nashi44

Fotocredit: Hai Anh Pham

Nashi44 steht für “ASIAN BERLIN PUSSY POWER”. So nennt die talen­tierte MC aus Neukölln ihre Attitüde, die nicht nur für empowernden Rap steht, sondern sie auch zur Stimme vieler betrof­fener Personen macht. Rap ist für Nashi auf meh­reren Ebenen ein Ausdrucksmittel ihrer Emotionen sowie ab und zu auch ein Sprachrohr für die­je­nigen, die oftmals ungehört bleiben. Abgesehen davon möchte die junge Künstlerin Safe Spaces für ihre Community schaffen: So arbeitet Nashi bei ihren Produktionen – ob Songs oder Videos – haupt­sächlich mit FLINTA*- oder BIPoc-Teams zusammen. 

Musik begleitet Nashi schon über viele Jahre, das Jazz- und Popgesang-Studium in Leipzig bricht sie jedoch ab, um sich voll und ganz auf Rap zu kon­zen­trieren. Mit aus­drucks­starken Zeilen sowie poin­tiertem Humor und jeder Menge Attitüde basht sie das Fetischisieren süd­ost­asia­ti­scher Stereotypen und zeigt ein­drucksvoll, wie schwere Themen auf tanz­baren Sounds funk­tio­nieren können

www.nashi44.de / Interview mit Nashi: www.zdf.de/kultur/germania/nashi44-100.html


Der Workshop ist eine Kooperation zwi­schen kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V., W.I.R. Lautstark – Werdauer Initiative gegen Rassismus, Roter Baum Zwickau und Haus der Frauen Zwickau. Der Workshop ist Teil des Projekts „MEGA – Media and Empowerment for German Asians von kori­en­tation und findet im Rahmen des „If the kids are united against racism“ Festival 2022 statt.

Das Modellprojekt MEGA wird durch das BMFSFJ im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und durch die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales von Berlin im Rahmen des Partizipations- und Integrationsprogramms gefördert.

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BlogInterviews

Editorische Notiz: Das Interview erschien im April 2022 auf der Webseite der Initiative Kulturelle Integration des Dt. Kulturrat e.V. (Link zum Beitrag) und wird auf unserer Webseite zweitveröffentlicht. 

Du bist Gründungsmitglied von „kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V.“. Wie kam es zu der Gründung des Vereins und was ist seitdem pas­siert?
„kori­en­tation“ wurde Anfang 2008 von einer kleinen Gruppe von korea­ni­schen Deutschen vor­nehmlich der zweiten Generation gegründet, um ein mehr­jäh­riges Projekt zu Migrationsbewegungen zwi­schen Deutschland und Korea durch­zu­führen. Höhepunkt des Projektes war 2009 die Ausstellung „Shared.Divided.United. Deutschland-Korea: Migrationsbewegungen im Kalten Krieg“, die wir unter dem Dach der ngkb – neue gesell­schaft für bil­dende kunst e.V. kura­tiert und orga­ni­siert haben. Dieses Projekt war neben der Aufarbeitung unserer eigenen Geschichten auch ein Mittel, um uns in der damals schwe­lenden Integrationsdebatte inhaltlich und poli­tisch besser posi­tio­nieren zu können. Wir wollten den dort offen­sichtlich zutage tre­tenden ras­sis­ti­schen Narrativen und Stereotypen zu „asia­ti­schen“ Migrantinnen und Migranten und dem feh­lenden Wissen zu asia­ti­schen Menschen und ihren Lebensrealitäten in Deutschland etwas ent­ge­gen­setzen, indem wir selbst zu Wissensproduzentinnen und ‑pro­du­zenten sowie Akteurinnen und Akteuren werden.

Uns wurde nach Abschluss des Projektes bald klar, dass der Verein ein Eigenleben ent­wi­ckelt hatte und es Sinn machte, die Arbeit wei­ter­zu­führen. Es wurde zudem sehr schnell deutlich, dass der Fokus auf koreanisch-deutsche Themen viel zu eng war und aus­ge­weitet werden musste. Seit 2010 arbeiten wir immer wieder an unserer Selbstbezeichnung und ver­stehen uns als ein Asiatisch-Deutsches Netzwerk. Wir ver­wenden das Label „Asiatisch-Deutsch“ als stra­te­gische poli­tische Selbstpositionierung, die her­kunfts­über­greifend einen gemein­samen Ort schafft, von dem aus wir sprechen können, um unseren Themen und gesell­schaft­lichen Forderungen Gehör zu verschaffen.

Das erste Projekt hat für mich eine große Bedeutung, weil es nicht nur den Verein selbst ins Leben gerufen, sondern auch die Grundpfeiler für die Ausrichtung der Arbeitsfelder von „kori­en­tation“ gelegt hat. Wir arbeiten seitdem an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kultur/Medien, Politischer Bildung und Politik mit dem Ziel, die Repräsentation von Asiatisch-Deutschen Perspektiven zu stärken. Gleichzeitig ist diese Arbeit nicht denkbar ohne die soli­da­rische Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Communities.

Bis 2019 war der Verein rein ehren­amtlich orga­ni­siert. Wir freuen uns sehr, dass wir seit 2020 mit dem Projekt „MEGA“ zum ersten Mal auch haupt­amt­liche Stellen bei „kori­en­tation“ schaffen konnten und weiter in die Professionalisierung und Institutionalisierung des Vereins gehen können.

Darüber hinaus betreust du das eben bereits erwähnte Projekt „MEGA“, welches im
dritten Jahr in Folge im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“
durch­ge­führt wird. Wofür steht das Projekt?
„MEGA“ steht für „Media and Empowerment for German Asians” und ist ein Empowerment-Projekt für junge Asiatische-Deutsche. In dem Projekt schaffen wir Räume, in denen die Teilnehmenden darin ermutigt werden, ihre eigenen Geschichten zu ent­decken, ihre Erfahrungen zu teilen, ein­zu­ordnen und befähigt werden, diese mit unter­schied­lichen medialen Mitteln zu erzählen und sichtbar zu machen. Es geht darum, den vor­herr­schenden ste­reo­typen Bildern und Narrativen von Asiatisch-Deutschen Menschen viel­fältige Bilder, Beiträge und Erzählungen aus Asiatisch-Deutschen Perspektiven ent­ge­gen­zu­setzen. Alle Teilnehmenden sollen darin bestärkt werden, selbst zu Wissens- und Medienproduzentinnen und ‑pro­du­zenten sowie zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden zu können.

Inhaltlich beschäf­tigen sich die Teilnehmenden in den Seminaren bei­spiels­weise mit Asiatisch-Deutschen Migrationsgeschichten oder his­to­ri­schen Entwicklungen von anti-asiatischem Rassismus, drehen in Workshops Kurzfilme, schreiben eigene Texte oder erstellen mul­ti­me­diale Arbeiten, die zum Teil ver­öf­fent­licht und gezeigt werden. In den unter­schied­lichen Formaten werden aber nicht nur Wissen, Theorien und Methoden sowie tech­nische und mediale Kompetenzen ver­mittelt. Ganz besonders wichtig sind uns und den Teilnehmenden die Räume, die hier­durch zum Aus-/Tauschen und zur Vernetzung sowie zur Zirkulation von Inhalten ent­stehen. Die ent­ste­henden Arbeiten und Projektinhalte werden auch auf unserer Projektwebseite für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Mit Beginn der Coronapandemie vor zwei Jahren sind ras­sis­tische Äußerungen oder Übergriffe gegenüber Menschen, denen eine asia­tische Herkunft zuge­schrieben wird, stark ange­stiegen. Gleichzeitig hat anti-asiatischer Rassismus nicht erst mit der Pandemie begonnen, sondern ist leider bereits seit Jahrhunderten in der deut­schen Geschichte vor­zu­finden. Welche Erwartungen hast du an Politik und Gesellschaft?
Trotz des mas­siven Anstiegs von ras­sis­ti­schen Übergriffen gegen asia­tisch gelesene Menschen als Sündenböcke der Pandemie ist anti-asiatischer Rassismus offen­sichtlich wieder aus dem Blickfeld der medialen Öffentlichkeit und der Politik gerutscht. Deutlich wurde dies im Koalitionsvertrag der nicht mehr ganz so neuen Bundesregierung, in der wir in der Auflistung unter­schied­licher Formen von Rassismus und Diskriminierung ver­geblich nach „anti-asiatischem Rassismus“ gesucht haben.

Wir erwarten von der Politik und Gesellschaft, dass anti-asiatischer Rassismus als spe­zi­fische Form von Rassismus aner­kannt, benannt und bekämpft wird. Die explizite Aufnahme von anti-asiatischem Rassismus neben anderen Rassismusformen in Koalitionsplänen, im „Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus“ und sons­tigen poli­ti­schen Maßnahmenplänen gegen Rassismus und Diskriminierung wäre ein Anfang.

Mehr Ressourcen für die Erforschung von anti-asiatischem Rassismus, asiatisch-deutschen Migrationsgeschichten und deut­scher Kolonialgeschichte und ihren Verwebungen wäre erfor­derlich, sowohl im Bereich der Wissenschaft als auch für die kul­tu­relle, künst­le­rische, mediale Projektarbeit. Darüber hinaus sollte auch der Transfer von Wissen hinein in Bildungsinstitutionen wie Schulen, Universitäten und Hochschulen, aber auch Museen oder in jour­na­lis­tische Institutionen gefördert werden.

Im Feld der post­mi­gran­ti­schen Erinnerungskultur wün­schen wir uns ein wür­diges Gedenken an die Opfer der deut­schen Kolonialpolitik, aber auch an die Menschen, die aus ras­sis­ti­scher Motivation ermordet wurden. Hierzu gehört auch eine ganze Reihe von asia­ti­schen Menschen. Am 24.04.2022 jährte sich dieses Jahr bei­spiels­weise der 30. Todestag von Nguyễn Văn Tú, am 30.04.2022 der 25. Todestag von Phan Văn Toàn, die beide in der Nachwendezeit Opfer rechter Gewalt wurden.

Der anti-asiatische Rassismus ist im Vergleich zu anderen ras­sis­ti­schen Ausgrenzungsformen noch recht wenig erforscht. Welche Gründe gibt es hierfür?
Es gibt häufig in weiten Teilen der Gesellschaft kein Bewusstsein für die Existenz von anti-asiatischem Rassismus wegen des vor­herr­schenden „Model Minority Mythos“. Als „Model Minority Mythos“ wird das Narrativ bezeichnet, dass „asia­tische“ Menschen per se bestens inte­griert und leis­tungs­willig sind, aus diesem Grunde wenig Probleme machen und wenig Probleme haben. Sie gelten als unsichtbar, leise und passiv und diese Kategorisierung wird genutzt, um die „Mustermigrant*innen“ gegen andere migran­tische Gruppen aus­zu­spielen. Darüber hinaus gibt es im Grunde keine Auseinandersetzung mit diesen Bevölkerungsgruppen und ihren Lebensrealitäten, Betroffenen werden Rassismuserfahrungen häufig abge­sprochen. Wie wenig Wissen nicht nur in der Mehrheitsgesellschaft zu anti-asiatischem Rassismus und über Asiatische Deutsche bekannt ist, wurde in der Pandemie deutlich, als Medien und Politik anti-asiatischen Rassismus zum Teil selbst repro­du­zierten und ihn später auf­grund der plötzlich für alle sichtbar wer­denden ras­sis­ti­schen Übergriffe auf asia­tisch gelesene Menschen neu „ent­deckten“.

Der Begriff des anti-asiatischen Rassismus ist zudem im deut­schen Kontext noch nicht eta­bliert. Dies hängt damit zusammen, dass spe­zi­fische Diskriminierungsformen erst dann sichtbar werden, wenn die Betroffenen selbst diese Ungleichheiten benennen, ihre Anerkennung durch­setzen und in den Machtdiskurs ein­schreiben können. Mittlerweile sind auch in Deutschland in unter­schied­lichen asia­ti­schen Communities die zweite und auch dritte Generation in der Position, ihre Stimmen zu erheben, um gleich­be­rech­tigte Teilhabe als Bürgerinnen und Bürger mit gleichen Rechten ein­zu­fordern. „kori­en­tation“ sieht sich als Teil dieser Entwicklung und hof­fentlich wach­senden Bewegung.

Die 15 Thesen der Initiative kul­tu­relle Integration tragen den Titel „Zusammenhalt in Vielfalt“. Was bedeutet für dich „Zusammenhalt in Vielfalt“ und welche der 15 Thesen ist deine „Lieblingsthese“?
Meine Assoziation mit „Zusammenhalt in Vielfalt“ ist das Bild einer plu­ralen, soli­da­ri­schen Gesellschaft. Zwei Thesen sprechen mich an:

These 1 „Das Grundgesetz als Grundlage für das Zusammenleben der Menschen muss gelebt werden“ ist als Forderung for­mu­liert, was mir an dieser Stelle gefällt, weil schließlich wei­terhin, auch im Jahr 2022, die Grundrechte in Deutschland nicht für alle Menschen gelten.

These 13 „Die Auseinandersetzung mit der Geschichte ist nie abge­schlossen“ – Es bleibt wei­terhin eine offene Aufgabe für die deutsche Gesellschaft, sich bei­spiels­weise auch der eigenen Kolonialgeschichte zu stellen, nationale Mythen zu dekon­stru­ieren und sich zu ver­ge­gen­wär­tigen, dass unsere Geschichten, das heißt auch die post/migrantischer Bevölkerungsgruppen, Teil der deut­schen Geschichte sind.

Vielen Dank!

AllgemeinVeranstaltungen

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Am 30.04.1997 starb Phan Văn Toàn an den Folgen einer gewalt­tä­tigen Auseinandersetzung am S‑Bahnhof Fredersdorf bei Berlin. 25 Jahre später wollen wir erinnern: An den Menschen Phan Văn Toàn. An die Tat, die trotz ras­sis­ti­scher Aussagen des Haupttäters gegen Vietnames*innen nicht als ras­sis­tische Tat ver­ur­teilt wurde. Und daran, dass (anti-asiatischer) Rassismus ein aktu­elles Thema ist, das in Fredersdorf und darüber hinaus benannt und bekämpft werden muss. 

Die Gedenkinitiative Phan Văn Toản lädt ein zur Gedenkveranstaltung am 30.04.2022

Programm:

  • 14 Uhr Kundgebung am S‑Bhf Fredersdorf, anschließend gemein­sames Laufen zur Angerscheune Dorfstraße 1, 15370 Petershagen/Eggersdorf

Zur Gedenkveranstaltung möchten wir besonders Personen aus vietnamesisch(-deutschen), wei­teren asiatischen/Asiatisch-Deutschen und anderen (post)migrantischen Communities ein­laden, sowie Personen, die in Deutschland Rassismus und Antisemitismus erfahren. Wir hoffen auf viele Anwohner*innen aus Fredersdorf und Umgebung und Teilnehmende aus Berlin.

Für alle, die nicht alleine von Berlin nach Fredersdorf fahren möchten: Wir treffen uns als Gruppe um 13 Uhr am Gleis 3/Berlin Ostkreuz.

Während der Veranstaltung wird ein Team für die Sicherheit der Teilnehmenden sorgen.

Lasst uns viele sein und lasst uns zeigen, dass die Tat und vor allem der Mensch Phan Văn Toàn nicht ver­gessen sind! Erinnern heißt verändern!

Mehr Informationen zur Tat und den Hintergründen findet Ihr hier: https://phanvantoan.de (Achtung: detail­lierte Beschreibung von Gewalt). Falls Ihr Phan Văn Toàn kanntet oder etwas über ihn wisst, meldet Euch gern bei gedenken-fredersdorf@riseup.net 




TCÁC BẠN TỪNG BIẾT PHAN VĂN TOẢN?

Lời kêu gọi tham gia sự kiện tưởng niệm vào ngày 30.04 tại Fredersdorf – Berlin

Ngày 30.04.1997, Phan Văn Toản đã mất vì chấn thương sau một cuộc xung đột bạo lực tại bến tàu S‑Bahn Fredersdorf tại Berlin. 25 năm sau chúng tôi vẫn đang: Nhớ đến con người Phan Văn Toản. Nhớ đến sự thật không bị phán xét và công nhận là kì thị chủng tộc đó, dù lời nói của kẻ gây án chính đã thể hiện sự kì thị chống lại người Việt Nam. Và nhớ rằng, Kì thị chủng tộc (bài người châu Á) là một vấn đề thời sự cần phải được nhắc đến và đấu tranh tại Fredersdorf và rộng hơn nữa.

Gedenkinitiative Phan Văn Toản – Sáng kiến Tưởng Nhớ Phan Văn Toản mời các bạn tham gia sự kiện tưởng niệm vào ngày 30.04.2022.

Chương trình:

  • 14 giờ: Tập trung tại bến tàu S‑Bahn Fredersdorf, cùng đi bộ đến phố Angerscheune Dorfstrasse 1, 15370 Petershagen/Eggersdorf.
  • 16 giờ: Trò chuyện công cộng “Ghi nhớ là sự can thiệp mang tính chính trị – Những thử thách trong công tác chống kì thị chủng tộc và chống phát xít”

    Cùng đại diện của Initiative 12. August – Sáng Kiến 12 Tháng Tám (Merserburg), Initiative Châu und Lân – Sáng Kiến Châu und Lân (Hamburg), Gedenkinitiative Phan Văn Toản – Sáng Kiến Tưởng Nhớ Phan Văn Toản tại Fredersdorf và Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt – Điểm tư vấn cho nạn nhân của bạo lực cánh hữu (Strausberg), dẫn dắt chương trình bởi Tiến Sĩ Kimiko Suda.
  • 12–18 giờ: Triển lãm “Kein Schöner Land” (tiếng Việt: Không phải một đất nước xinh đẹp – cách viết sai ngữ pháp) để tưởng nhớ các nạn nhân của bạo lực cánh hữu tại Brandenburg thuộc Opferperspektive e.V. – Hiệp hội Góc nhìn nạn nhân.

Chúng tôi đặc biệt thân mời người Việt, Việt Kiều, người Đức gốc Việt, những người châu Á, người Đức gốc Á và cộng đồng (hậu) di cư khác, cũng như những người từng trải qua nạn kì thị chủng tộc và nạn bài Do Thái tại Đức. Chúng tôi mong chờ sự tham gia của những người dân đang và đã từng sống tại Fredersdorf và vùng lân cận, cũng như người tham gia đến từ khu vực Berlin.

Dành cho những ai không muốn đi một mình từ Berlin đến Fredersdorf: Chúng ta sẽ gặp nhau lúc 13 giờ tại đường ray số 3/ bến tàu Berlin Ostkreuz và di chuyển theo nhóm.

Trong quá trình diễn ra sự kiện sẽ có một nhóm phụ trách bảo đảm an ninh cho người tham gia ở đó.

Hãy để chúng ta cùng đứng bên nhau và hãy để chúng ta chỉ rõ ra rằng, hành động ấy và trên tất cả con người Phan Văn Toản chưa bị lãng quên. Ghi nhớ chính là thay đổi!

Các bạn có thể tìm đọc về sự thật và bối cảnh xảy ra tại đây: https://phanvantoan.de (Lưu ý: Thông tin trên trang web bao gồm miêu tả chi tiết về hành động bạo lực). Nếu bạn từng biết Phan Văn Toản hoặc biết điều gì đó về ông, hãy liên lạc với chúng tôi qua gedenken-fredersdorf@riseup.net.

Tưởng niệm Phan Văn Toản

Vielen Dank an Nguyễn Thuỳ Trang, Ly und Nga von Việt Kiều 2.0 und Tran Thu-Anh von Mental Health Vietnam Germany für die Übersetzung und das Korrekturlesen!


Phan Văn Toàn’u tanıyor muydunuz? 

30.4 tari­hinde Berlin yakın­larındaki Fredersdorf’ta düzen­le­necek olan anma etkin­liğine katılın.

Phan Văn Toàn, 30 Nisan 1997’de Berlin yakın­larındaki Fredersdorf S‑Bahn istasyonunda çıkan şid­detli bir kavga sonucu hayatını kay­betti. Öldürülüşünün 25. yılında Phan Văn Toàn’I anıyoruz. Ana failin Viyetnamlılara yönelik ırkçı bey­an­larına rağmen, saldırı ırkçı bir eylem olarak görülmedi. Asya-karşıtı ırk­çılık, Fredersdorf başta olmak üzere her yerde mücadele edilmesi gereken güncel bir sorundur.

Phan Văn Toản Anma Girişimi olarak sizi 30 Nisan 2022’deki anma etkin­liğine davet ediyoruz.

Program:

Vietnam(-Alman) ve diğer Asya/Asya-Alman asıl­lılar ve (post)göçmen toplu­lu­kları başta olmak üzere, Almanya’da ırk­çılığa ve anti-Semitizme maruz bırakılan herkesi anma etkin­liğine davet ediyor; Fredersdorf ve çevre sakin­lerinin yanı sıra Berlin’den gelecek olan katılımcıları aramızda görmeyi umut ediyoruz.

Berlin’den Fredersdorf’a yalnız seyahat etmek iste­mey­enler, saat 13:00’da Berlin- Ostkreuz S‑Bahn istasyonu 3. Peronda bize katılabilirler.

Etkinlik sırasında, katılımcıların güven­liğinden sorumlu bir ekip bulunacaktır.

Haydi, bir­likte kala­balıklaşalım, Phan Văn Toàn’u anarak unut­ul­ma­dığını gös­terelim! Hatırlamak, değiştirmektir!

Suç ve olayın arka planı hak­kında daha fazla bilgiyi için: https://phanvantoan.de (Uyarı: şid­detin ayrıntılı açıkla­masını içerir.) Phan Văn Toàn’ı tanıyor veya hak­kında bir şeyler bili­yor­sanız, gedenken-fredersdorf@riseup.net ile ile­tişime geç­mekten çekinmeyin.


Did you know Phan Văn Toàn?
Invitation to a memorial gathering on 30.4. in Fredersdorf near Berlin 

On April 30, 1997, Phan Văn Toàn died due to a violent con­fron­tation at the S‑Bahn station in Fredersdorf near Berlin. 25 years later, we want to remember: the indi­vidual Phan Văn Toàn; the assault, which was not con­demned as a racist act despite the racist state­ments of the main per­pe­trator against Vietnamese people; and that (anti-Asian) racism is a major current issue, which must be named and con­fronted both in Fredersdorf and beyond. The memorial initiative Phan Văn Toản invites you to the memorial gathering on 30.04.2022

Program:

  • 2 p.m. Rally at S‑Bhf Fredersdorf, fol­lowed by a joint walk to the Angerscheune Dorfstraße 1, 15370 Petershagen/Eggersdorf.
  • 12–6 p.m. Exhibition „Kein Schöner Land“ („No country more beau­tiful“) in memory of the victims of right-wing vio­lence in Brandenburg by the asso­ciation Opferperspektive e.V.

We would like to espe­cially invite people from Vietnamese (-German), other Asian/Asian-German and other (post-) migrantic com­mu­nities to the memorial event, as well as people who expe­rience racism and anti-Semitism in Germany. 

We are hoping for many resi­dents from Fredersdorf and the sur­rounding area and par­ti­ci­pants from Berlin to join the event as well. 

For those who do not want to travel alone from Berlin to Fredersdorf: We will meet as a group at 1pm at platform 3 at Berlin Ostkreuz. During the event a team will take care of the safety of the participants. 

Let us be many and let us show that the crime and espe­cially the person Phan Văn Toàn are not for­gotten! To remember means to bring about change! More infor­mation about the crime and the back­ground can be found here: https://phanvantoan.de (Attention: detailed description of vio­lence). If you knew Phan Văn Toàn or know some­thing about him, please contact us at gedenken-fredersdorf@riseup.net.

Thank you Tebessüm and partner for the turkish and english translation.

AllgemeinVerein

kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. ist eine Selbstorganisation und ein
Netzwerk von Asiatischen Deutschen und Asiat*innen mit dem Lebensschwerpunkt Deutsch­land mit einem gesell­schafts­kri­ti­schen Blick auf Kultur, Medien und Politik. Das Ziel ist es, viel­fältige Lebenswirklichkeiten in Deutschland bewusst und sichtbar zu machen und damit Rassismus ent­gegen zu wirken.

Asiatisch-Deutsch als Selbstbezeichnung ist für kori­en­tation ein ver­bin­dendes Element, das der poli­ti­schen Positionierung dient und sich weder auf nationale Grenzen noch auf eine kul­tu­relle Essentialisierung bezieht. kori­en­tation ver­sucht den Widerspruch und die Gleichzeitigkeit zu reflek­tieren, dass (Süd‑, West‑, Zentral‑, Nord‑, Ost- und Südost-)Asien Konstrukte sind und Bezüge, wie bspw. ‚tamilisch-‘, ‚südkoreanisch-‘, in Jakarta geboren und in Deutschland aufgewachsen-‚Sein‘ in den gelebten Erfahrungen eine Rolle spielen.


Wir suchen für unser neues Projekt RADAR – Ressourcen von/für Asiatische Deutsche gegen anti-asiatischen Rassismus – vor­be­haltlich der Förderzusage – eine

PROJEKTLEITUNG
50 %-Stelle in Anlehnung an TVöD Bund E12
frü­hestens ab 01.07.2022 in Berlin – Arbeitsbeginn ver­han­delbar (UPDATE)

Bewerbungsfrist: 15.05.2022ver­längert!
Bewerbung per Email an: info@korientation.de
Hast Du Fragen? Melde Dich bei uns, auch gern per Email.

Wir laden ins­be­sondere BPoC mit Bezügen zu Asien (Zur Klarstellung: Damit meinen wir Süd‑, West‑, Nord‑, Südost‑, Ost- und Zentralasien) und inter­sek­tio­nalen Identitäten ein,
sich zu bewerben.

Ziel des auf zwei Jahre ange­legten Modellprojektes ist die inhalt­liche Qualifizierung und Professionalisierung von (Asiatisch-Deutschen) Multiplikator*innen der ras­sis­mus­kri­ti­schen Bildungsarbeit zum Thema „anti-asiatischer Rassismus“ durch

  • die Aufbereitung von Wissen zu anti-asiatischem Rassismus und Asiatisch-Deutschen Perspektiven;
  • die Schaffung von Räumen für Asiatisch-Deutsche Multiplikator*innen für Empowerment und Austausch;
  • Cross-Community Knowledge-Transfer bei der Produktion von inter­sek­tio­nalem Wissen zu anti-asiatischem Rassismus;
  • Erarbeitung eines dekon­stru­ierten, kol­la­bo­rativ neu­be­setzten und inter­sek­tional dis­ku­tierten Konzepts von anti-asiatischen Rassismus als Grundlage für zukünftige ras­sis­mus­kri­tische Bildungsarbeit, Transfer und Aufbereitung kom­plexer Zusammenhänge in die prak­tische Bildungsarbeit.

Zu den Aufgaben der Projektleitung gehören

  • Leitung und Koordination von RADAR: Inhaltliche Konzeptionsweiterentwicklung und Ausrichtung des Projekts, Projektdokumentation, Drittmitteladministration und ‑abrechnung, Berichtwesen
  • (Wissenschaftliche) Recherche, Zusammenführung und Aufbereitung bestehender Wissensressourcen zu anti-asiatischem Rassismus
  • Inhaltliche Konzeption und Organisation von Maßnahmen und Veranstaltungen im Projekt
  • Verantwortung einer Projektbroschüre in digital und Print sowie der Projektwebseite
  • Bedarfsermittlung Asiatisch-Deutscher Multiplikator*innen der ras­sis­mus­kri­ti­schen Bildungsarbeit
  • Auf- und Ausbau eines Netzwerks von Asiatisch-Deutschen Multiplikator*innen der ras­sis­mus­kri­ti­schen Bildungsarbeit
  • Unterstützung beim Ausbau und Pflege des Netzwerkes von Kooperationspartner*innen in Berlin und bundesweit
  • Verfassen von Texten für die interne und externe Kommunikation sowie Mitarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit
  • Ggf. Unterstützung der Geschäftsführung des Vereins bei der wei­teren Drittmittelakquise im Projekt
  • Die Projektleitung wird unter­stützt durch eine halbe Assistenzstelle, die gemeinsam mit der Projektleitung aus­ge­schrieben wird.

Die kom­plette Stellenausschreibung inkl. Bewerbungsprofil, was Dich bei uns erwartet und Informationen zum Bewerbungsverfahren findest Du hier: 


BlogPolitikVeranstaltungen

ENGLISH VERSION CLICK HERE

IN MEMORY, IN RESISTANCE

Gedenken an die Opfer des rassistischen & sexisistischen Anschlags in der Gegend um Atlanta vom 16.03.2021

Am 16. März jährt sich der ras­sis­tische & sexis­tische Anschlag auf Spa-Mitarbeiter*innen in der Gegend um Atlanta, Georgia/USA. Wir, als Teil der asia­ti­schen Diaspora in Deutschland, wollen den Anlass nehmen, um zusam­men­zu­kommen & eine Mahnwache in Gedenken an die acht Opfer, von denen sechs asia­tische Frauen waren, & im Kampf gegen die kapi­ta­lis­ti­schen, ras­sis­ti­schen & sexis­tisch patri­ar­chalen Strukturen, in den USA, Deutschland & global zu halten.

In Gedenken an Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan, Yong Ae Yue, Delaina Ashley Yaun, Paul Andre Michels.

Mahnwache

In Solidarität mit den Opfern & deren Angehörigen ver­an­stalten wir eine Mahnwache mit Redebeiträgen & Performances:

WANN: Samstag, den 19. März 2022 von 13:00 bis 15:30 Uhr
WO: an der Friedensstatue in Berlin-Moabit (Ecke Birkenstraße/Bremer Straße) 

Zur Mahnwache sind alle Menschen herzlich eingeladen!

Außerdem wird es nach den Redebeiträgen & Performances einen Community Space geben. Zu diesem Community Space laden wir alle Menschen herzlich ein, die negativ von Rassismus gegen ost­asia­tisch und süd­ost­asia­tisch gelesene Menschen betroffen sind, um sich bei Tee, Snacks & Musik ken­nen­zu­lernen, aus­zu­tau­schen & zu vernetzen.

Wir freuen uns sehr, euch alle zahl­reich auf der Mahnwache & auch auf dem Community Space zu sehen!

Bitte teilt die Infos zur Mahnwache! Dieser Veranstaltungstext wird noch in wei­teren Sprachen übersetzt.

UNTERSTÜTZT DIE ORGA-GRUPPE

Zudem wird für die Organisation der Mahnwache noch dringend Unterstützung gebraucht! Insbesondere Allies / Verbündete sind hier ange­sprochen ange­messene Aufgaben zu über­nehmen. Auf Instagram (u.a. bei @storiesbythuy und @korientation) gibt es einen Aufruf mit Aufgabenliste & Awareness-Konzept. 

Bei Interesse & Kapazitäten für Unterstützung & bei Rückfragen, meldet euch gerne bei uns unter:
in-memory-in-resistance@riseup.net 

ORGANISATOR*INNEN

Die Mahnwache wird von Einzelpersonen der asia­ti­schen Diaspora orga­ni­siert. „Wir sind eine kleine Gruppe von asiatisch-diasporischen Menschen aus Berlin. Wir stellen uns gegen die kapi­ta­lis­ti­schen, ras­sis­ti­schen und sexistisch-patriarchalen Strukturen in den USA, Deutschland und global.“ 

(Dies ist keine Veranstaltung von kori­en­tation, wird aber von kori­en­tation unterstützt.)

kori­en­tation ver­weist auf den Offenen Brief gegen anti-asiatischen Rassismus, der einen Monat nach dem Anschlag am 16.04.2021 ver­öf­fent­licht wurde.


English Version

In Memory, In Resistance

Remembering the victims of the racist and sexist attack in the Atlanta area on March 16, 2021.

March 16 marks the one-year anni­versary of the racist and sexist attack on spa workers in the Atlanta area, Georgia/USA. We, as part of the Asian dia­spora in Germany, want to take the occasion to come tog­ether and hold a vigil in memory of the eight victims, six of whom were Asian women, and in resis­tance against the capi­talist, racist, and sexist patri­archal struc­tures in the USA, Germany, and globally.

In memory of Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan, Yong Ae Yue, Delaina Ashley Yaun, Paul Andre Michels.

VIGIL

In soli­darity with the victims and their families, we will hold a vigil with speeches and per­formers (the speakers and per­formers will be announced soon).

DATE: Saturday, March 19, 2022 from 1:00 to 3:30 pm
WHERE: at the Statue of Peace / Friedensstatue in Berlin-Moabit (corner of Birkenstraße and Bremer Straße)

In addition, there will be a com­munity space after the speeches and per­for­mances. To this com­munity space we warmly invite all people who are nega­tively affected by racism against East Asian- and Southeast Asian-perceived people to meet, exchange and connect over tea, snacks, and music.

We are very much looking forward to seeing you all in large numbers at the vigil and also at the Community Space! Please spread the news and share the info about the vigil! 

This call text will also be trans­lated into other lan­guages. More infor­mation will follow.

SUPPORT NEEDED

Moreover, support is still urgently needed for the orga­nization of the vigil. Allies in par­ti­cular are addressed here to take on appro­priate tasks.In the pre­vious Instagram post (among others at @storiesbythuy and @korientation) there is a call with a task list and our awa­reness concept. 

If you are inte­rested and have capacity for support, as well as any ques­tions, feel free to contact us at:
in-memory-in-resistance@riseup.net

ORGANIZERS

This vigil is orga­nized by indi­vi­duals from the Asian dia­spora in Germany. „We are a small group of Asian-diasporic people from Berlin. We oppose the capi­talist, racist and sexist patri­archal struc­tures in the US, Germany and globally.“

(Note: This is not orga­nized by kori­en­tation. We support the vigil and the cause.)

We include a link to the Open Letter against anti-asian racism that was published one month after the attack on April 16, 2021.

KulturProjekt MEGAVeranstaltungenVerein

[For English Version see below or click here]

HOW FAR HAVE WE COME? Community Event in Gedenken an das Attentat von Atlanta am 16. März 2021

Am 16. März jährt sich der Amoklauf im Großraum Atlanta, Georgia, bei dem ins­gesamt acht Menschen ums Leben kamen, dar­unter sechs ost- und süd­ost­asia­ti­schen Frauen*, die aus ras­sis­ti­schen und sexis­ti­schen Motiven ermordet wurden. Wir gedenken Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan, Yong Ae Yue sowie Paul Andre Michels und Delaina Ashley Yaun Gonzalez. YEOJA Mag orga­ni­siert gemeinsam mit kori­en­tation in Kooperation mit dem Koreaverband und bi’bak eine Veranstaltung anlässlich des Jahrestages, um einen kri­ti­schen Blick auf anti-asiatischen Rassismus in seiner Verschränkung mit Klassismus und Sexismus zu werfen. 

Die Veranstaltung zeigt die Arbeiten von fünf ost- und süd­ost­asia­ti­schen Künstler*innen aus ver­schie­denen Disziplinen, die sich in ihren Werken mit den weit­rei­chenden Auswirkungen von anti-asiatischem Rassismus vor und nach dem 16. März 2021 und seit der Covid-19-Pandemie auseinandersetzen. 

Im Anschluss an das Screening folgt eine Podiumsdiskussion mit den Künstler*innen, bei der wir unter anderem der Frage nach­gehen: Wie weit sind wir in einem Jahr gekommen und wie weit müssen wir noch gehen?

Artists (Short Bios folgen)

WAS: How Far Have We Come. Community Event in Gedenken an das Attentat von Atlanta am 16.03.2021
WANN: 23.03.2022 (Mi) um 20 h
WO: SİNEMA TRANSTOPIA, Haus der Statistik – Haus B, Otto-Braun-Str. 72, 10178 Berlin, www.bi-bak.de
ANMELDUNG erfor­derlich: https://bit.ly/march23event
(First come first serve an der Tür.)
CORONA-REGELUNGEN: 2G, das heisst geimpft und geboos­tered oder geimpft und genesen.
Darüber hinaus finden wir es sehr wün­schenswert, wenn wei­terhin Masken im Innenraum getragen werden.
SPRACHE: Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Auf der Veranstaltung werden kei­nerlei Formen von dis­kri­mi­nie­rendem und ras­sis­ti­schem Verhalten geduldet, keine Formen von Rassismus, Anti-Semitismus, Anti-Muslimischer Rassismus, Klassismus, Queer- und Transfeindlichkeit, Fatphobia usw. 

Die Veranstaltung wird von YEOJA Mag in Kooperation mit kori­en­tation e.V., bi’bak und dem Korea Verband ver­an­staltet und im Rahmen des Projektes MEGA durch das BMFSFJ im Programm „Demokratie leben!“ sowie durch das Land Berlin im PartInt-Programm gefördert.


English Version

YEOJA x MEGA present: HOW FAR HAVE WE COME?

Community event in Memory of the Atlanta attacks on 16 March 2021

As of March 16th, it will be one year since the shooting in the area of Atlanta, Georgia, where eight persons lost their lives, six of them East- and South-East Asian women mur­dered for a racist and sexist motif. In memory of Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan, Yong Ae Yue as well as Paul Andre Michels and Delaina Ashley Yaun Gonzalez. YEOJA Mag in coope­ration with kori­en­tation e.V., Koreaverband and bi’bak will be hosting an event which will take a cri­tical look at anti-Asian racism and xeno­phobia in relation to classism and sexism. 

The event will feature the work of five East- and South-East Asian artists from varying disci­plines whose work directly con­front the larger impli­ca­tions of anti-Asian racism and xeno­phobia both pre and post March 16th 2021 as well as since the Covid-19 pandemic. 

After the screening there will be a panel dis­cussion where we inves­tigate, amongst other things, how far we have come in a year and how far we still need to go?

Artists (Short Bios will follow)

DATE: Feb 23, 2022 (Wed) at 8 pm
WHERE: SİNEMA TRANSTOPIA, Haus der Statistik – Haus B, Otto-Braun-Str. 72, 10178 Berlin, www.bi-bak.de
Register: Please sign up via this link to attend: https://bit.ly/march23event
CORONA-Regulations: 2G, that means vac­ci­nated and boos­tered or vac­ci­nated and reco­vered. Please note that the wearing of masks is strongly encou­raged.
LANGUAGE: The event will take place in English.
NICE: No Entry Fee!

Please note that we will not tolerate any form of dis­cri­mi­nation, racism, anti-semitism, isla­mo­phobia, classism, queer phobia, trans­phobia, fat­phobia etc. at our event.

This event is orga­nized by YEOJA Mag in coope­ration with kori­en­tation e.V., bi’bak, and Korea Verband. It is sup­ported as part of the project MEGA by the BMFSFJ via „Demokratie leben!“ and the PartInt-Programm, Berlin.