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Speaker Alert! 🗣️📝 

Wir freuen uns sehr, unser anste­hendes Online-Gespräch mit der Aktivistin, Pädagogin und trans­na­tio­nalen Feministin, Dr. Margo Okazawa-Rey anzukündigen.

Wie hängen Identität(en) und eman­zi­pa­to­rische Kämpfe mit­ein­ander zusammen? Was ist das Schwarze Feministische Manifest vom Combahee River Collective? Wie blickt Dr. Okazawa-Rey als Gründungsmitglied jetzt auf dessen Inhalte, Effekte und Missverständnisse und was können wir für heute daraus lernen?
Und wie kann eine trans­na­tionale, femi­nis­tische, anti­ras­sis­tische Praxis gegen globale Unterdrückung und kapi­ta­lis­tische Strukturen eigentlich aus­sehen?

Wir stellen uns mit Dr. Okazawa-Rey diesen Fragen, weil wir derzeit vor der immer größer wer­denden Herausforderung stehen soli­da­rische Kämpfe zu führen, die Differenzen als auch gemeinsame Ziele pro­duktiv ver­knüpfen können. Deswegen wollen wir in diesem Online-Format von ihren Analysen und ihrer poli­ti­schen Praxis lernen: einer Politik der Hoffnung, Befreiung und auf­rich­tiger Verbindung.

🌟 Es wird Raum geben (u.a. in Kleingruppen) fürs gemeinsame Gespräch und um mit­ein­ander Fragen zu dis­ku­tieren – genauso wie für (Tanz-)Pausen mit Musik!

Online Gespräch und Live-Screening

📅Wann: Freitag, 18.09.2026, 18.00–21.00 Uhr
📍Wo: Online über Zoom & HACKE, Hacketäuerstr.82, 51063 Köln
👥Wer: Community & Friends, alle Interessierten
🗣 Sprache: English
🎫Anmeldung: schreibt eine Mail an koeln(ät)korientation.de

About Dr. Margo Okazawa-Rey

Margo Okazawa-Rey ist eme­ri­tierte Professorin der San Francisco State University und eine Aktivistin-Pädagogin, die seit über 30 Jahren und um die Themen Militarisierung und Gewalt gegen Frauen arbeitet und schreibt. Sie ist seit langem auch außerhalb der USA als Aktivistin aktiv und pflegt dort enge Beziehungen, die ihre poli­tische Perspektiven und Praxis, ins­be­sondere in Bezug auf trans-nationale, femi­nis­tische Solidaritäten prägen. Sie ist Gründungsmitglied des „International Women’s Network against Militarism” und dessen US-Gruppe „Women for Genuine Security“ sowie des in den 1970er Jahren gegrün­deten „Combahee River Collective“. Außerdem pro­du­ziert und mode­riert sie die femi­nis­tische Radiosendung „Women’s Magazine“ auf dem Sender KPFA Berkeley California im „Pacifica-Radio“-Netzwerk und ist als „trans­na­tional feminist virtual dance party” DJ MOR Love and Joy bekannt.

ℹ️ Zugänglichkeit und Barrieren

Online

  • Die Veranstaltung findet Online auf Zoom statt.
  • Die Veranstaltung findet auf eng­li­scher Lautsprache statt.
  • Während der Veranstaltung sind Live-Untertitel via Zoom aktiviert.
  • Eure Beiträge sind mündlich mit Mikrofon oder schriftlich im Chat möglich. 

Vor Ort

  • Sprachen: Die Veranstaltung findet auf eng­li­scher Lautsprache statt.
  • Hinkommen: Die nächsten Bus- & Bahnhaltestellen (Von-Sparr-Str., Berliner Str., Bürgerpark Mühlheim) sind ca. 5–7 Minuten zu Fuß entfernt.
  • Behindertenparkplätze: Es gibt jeweils einen Behindertenparkplatz in der Berliner Str.76 und 77, beides 400m vom Veranstaltungsort.
  • Reinkommen: Der Raum liegt im Erdgeschoss und es gibt 3 Treppenstufen im Eingang, für die eine Rampe bereit haben.
  • Toiletten: Die Toilette liegt eben­falls im EG im Hausflur, ist sehr eng und schmal.
  • Wickeltisch: Es gibt keinen Wickeltisch, der hintere Raum kann jedoch als Rückzugsraum dafür genutzt werden.
  • Infektionsschutz: Bitte seht bei Erkältungs- und Grippesymptomen von einer Teilnahme ab.

FilmVeranstaltungenVerein


Titelbild @studio_yukiko Webseite zum Film: www.staatsschutz-film.de

Community-Screening von „Staatsschutz“ mit Special Q&A im Anschluss 
📅Wann: Donnerstag, 03.09.2026, 19 Uhr
❗️UPDATE – zusätz­liches Screening: 03.09. um 20 Uhr
📍Wo: Kino Central Berlin, Rosenthaler Str. 39, 10178 Berlin, www.kino-central.de
👥Wer: Community & Friends
🗣 Sprache: Deutsche Lautsprache größ­ten­teils
🎫Tickets: Vorverkauf online unter Kinoheld oder direkt an der Kinokasse

🎟️ Tickets mit Community-Rabatt für 9 € (max 2 pro Person)

Online Vorverkauf
- für 03.09. um 19 h (Original mit engl UT) – Link Kinoheld - KORREKTUR! Es sind doch eng­lische UT!
- für 03.09. um 20 h (Original mit engl UT) – Link Kinoheld

Vorverkauf an fol­genden 3 Kinokasse

1) Kino Central (Mitte), Rosenthaler Str. 39, 10178 Berlin https://kino-central.de/
2) Kino Toni (Weißensee), Antonplatz 1, 13086 Berlin, https://kino-toni.de
3) Kino Moviemento (Kreuzberg), Kottbusser Damm 22, 10967 Berlin https://moviemento.de/

Community-Code:
Wie kommt ihr an den Community-Rabatt?
1) Kontaktiert uns über das Formular weiter unten, dann bekommt ihr das Codewort per Email zuge­schickt.
2) Oder meldet euch auf unserem Insta-Account @korientation per DM, dann erhaltet ihr das als DM.

Beim Ticketkauf an der Kasse müsst ihr der Verkaufsperson den Community-Code sagen, damit ihr den ermä­ßigten Preis erhaltet.

Infos zu Barrierefreiheit im Kino Central:

In beiden Sälen gibt es eine Hörschleife, die den Ton direkt auf Hörgeräte über­trägt.
Einige unserer Filme sind auf Anfrage in bar­rie­re­freier Fassung ver­fügbar.

Das Kino ist nur sehr ein­ge­schränkt für Rollis geeignet.
* Kino 1 ist per Fahrstuhl über den Hof direkt erreichbar. Von dort kommt Ihr nur über einige Stufen ins Foyer & die Toiletten.
* Kino 2 ist über ein paar wenige Stufen direkt über den Hof erreichbar. Auch hier ist der Zugang zum Foyer nur über einige Stufen erreichbar.
Am besten ruft ihr vorher an, wenn ihr mit Rolli kommt: 030 – 285 999 73 (Kinokasse)

Zum Film

Der Spielfilm „Staatsschutz“ in der Regie von Faraz Shariat kommt am 27.08.2026 bun­desweit in die Kinos – mit der ersten Asiatisch-Deutschen Staatsanwältin als Hauptfigur auf der großen Leinwand. In dem Film tritt Staatsanwältin Seyo Kim, gespielt von Chen Emilie Yan, ihre erste Stelle in einer Staatsanwaltschaft in einer fik­tiven ost­deut­schen Stadt an – und geht nach einem ras­sis­ti­schen Anschlag auf ihr Leben in eigener Sache vor Gericht. Um ihren eigenen Fall auf­zu­klären, beginnt sie eigen­sinnig, teil­weise rück­sichtlos und auf eigene Faust, Ermittlungen in rechts­extreme Netzwerke und andere Fälle rechter und ras­sis­ti­scher Gewalt zu führen – gegen den erbit­terten Widerstand von Vorgesetzten und Kolleg*innen. Der Film ver­weist auf die gesell­schaft­lichen Realitäten insti­tu­tio­nellen und struk­tu­rellen Rassismus, die offen­sichtlich vor Justiz und Sicherheitsbehörden nicht halt machen sowie die Gefahren für unsere demo­kra­tisch ver­fasste Gesellschaft, wenn diese Einrichtungen von Rechtsextremen gekapert werden.

Das Drehbuch wurde von Claudia Schaefer als Hauptautorin in Zusammenarbeit mit Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim geschrieben. Sun-Ju und Jee-Un haben kori­en­tation mit­ge­gründet und waren über die Jahre hinweg in unter­schied­lichen Rollen und Funktionen im Verein engagiert.

Special Screening am 03.09.2026 mit Q&A

Wir freuen uns daher sehr, dass wir in Kooperation mit unserem „Hauskino“ Kino Central Berlin ein ganz beson­deres Screening am 03.09.2026 organisieren. 

Im Anschluss an den Film werden für das Q&A die Schauspielerin Chen Emilie Yan, die Produzentin Paulina Lorenz von Jünglingen und alle drei Drehbuch-Autor*innen Claudia, Sun-Ju und Jee-Un anwesend sein, um mode­riert durch Nhat Vi Nguyen aus dem korientation-Team mit euch ins Gespräch zu kommen. 

Gäst*innen

Chen Emilie Yan, Schauspielerin

Chen wurde 2000 in Shanghai geboren. Aufgewachsen nahe Düsseldorf, absol­vierte sie zunächst ein Psychologiestudium, bevor sie ihre Schauspielausbildung an der Kunstuniversität Graz abschloss. Ihre Arbeiten führten sie u.a. an das Deutsche Theater Berlin, das Schauspielhaus Graz, das Stadttheater Ingolstadt sowie zu inter­na­tio­nalen Festivals. STAATSSCHUTZ mar­kiert ihr Kinofilmdebüt in der Rolle der Hauptfigur Seyo Kim.
www.filmmakers.eu/de/actors/chen-emilie-yan

Foto: Massimiliano Corteselli


Paulina Lorenz, Produzentin, Jünglinge Film

Paulina ist Produzentin, Drehbuchautorin und Mitgründerin der Produktionsfirma Jünglinge, die Filme und Serien mit einer que­er­fe­mi­nis­ti­schen, post­mi­gran­ti­schen Perspektive ent­wi­ckelt. Hierzu gehören der Kinofilm „Futur Drei“ (2020), die ARD Serie „Schwarze Früchte“ (2024) wie auch der aktuelle Film „Staatsschutz“, der seine Première auf der Berlinale 2026 feierte. 

Foto: Brigitte Dummer


Claudia Schaefer, Hauptautorin Drehbuch

Claudia Schaefer ist Diplompsychologin und stu­dierte später an der dffb Drehbuch. Ihr Leben ist geprägt von poli­ti­schem Aktivismus und so ent­standen auch ihre ersten beiden Kinofilme: WEIL ICH SCHÖNER BIN (2012) und NAOMIS REISE (2017). Ihr dritter Film, nach dem Roman ELLBOGEN von Fatma Aydemir, prä­mierte 2024 auf der Berlinale. 2026 kehrte sie mit STAATSSCHUTZ zur Berlinale zurück. Ihr aktu­elles Projekt KASCHIERT wurde für den deut­schen Drehbuchpreis 2026 nomi­niert.
www.claudia-schaefer-drehbuch.de


Sun-Ju Choi, Co-Autorin Drehbuch, Kuratorin und Autorin

Sun-Ju stu­dierte Literatur an der Universität zu Köln und Drehbuch an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin), ist Gründungsmitglied von kori­en­tation und war lange Jahre im Vorstand des Vereins. Sie setzt sich als Vorstandsmitglied von „Vielfalt im Film“ und den „neuen deut­schen orga­ni­sa­tionen“ wei­terhin für mehr Viefalt und Intersektionalität ein, besonders auch im Film. 


Jee-Un Kim, Co-Autorin Drehbuch

Jee-Un ist Gründungsmitglied und Geschäftsleitung von kori­en­tation. Sie war nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften und Kulturmanagement zunächst anwaltlich tätig, bevor sie als wis­sen­schaft­liche Mitarbeiterin an die Koreanistik Tübingen ging. Seit 2020 arbeitet sie haupt­amtlich für kori­en­tation, mit einem Interesse an Selbstorganisierungen, macht­kri­ti­scher Organisationsentwicklung, Aufbau von post/migrantischen Wissensbeständen und wider­stän­digen Community-orientierten Strategien in einer zunehmend auto­ri­tären Gesellschaft. 

Moderation

Nhat Vi Nguyen, Moderation

Vee (alle Pronomen) ist Viet-Deutsch und chro­nische Virgo. Auf der Bühne ist sie als Musikerin veenus unterwegs, auf Social Media als Strategin/Content Creator aka Social Veedia. Sie bietet sowohl für Gesang als auch für Social Media Workshops an und spricht auf Panels über den Mangel an inter­sek­tio­naler Repräsentation in der Musikbranche. Seit 2022 ver­ant­wortet sie für kori­en­tation alles, was mit Social Media zu tun hat, 2023 unter­stützte teil­weise auch KARAKAYA TALKS. Politisch orga­ni­sierten Gruppen ver­mittelt sie ab und an in Form von Workshops das Wissen, ihre Themen auf Social Media greifbar zu machen.

Community Code für den Community-Rabatt:

    BlogPolitik

    Rassismus in deut­schen Medien ist kein Ausrutscher, sondern ein fort­be­stehendes Phänomen. Und das, obwohl er schon lange von betrof­fenen Communities und darüber hinaus adres­siert, kri­ti­siert und ana­ly­siert wurde.

    Am 12.07.2026 ist der Moderatorin Andrea Kiewel in der Sendung ZDF Fernsehgarten ange­sichts einer Pokemon-Karte mit japa­ni­schen Schriftzeichen eine ras­sis­tische Äußerung („Ch*Ch*Ch*“) „her­aus­ge­rutscht“. Nach dem Vorfall haben Medienschaffende und Menschen aus den Communities sofort das Thema auf­ge­griffen und sichtbar gemacht: Sie haben Programmbeschwerden ein­ge­reicht, sich gegen­seitig infor­miert und aus­ge­tauscht, eine fun­dierte, kri­tische Einordnung der Szene (Timecode ca. bei 1:03:50) vor­ge­nommen, geteilt und verbreitet.

    Aufgrund der sicht­baren Kritik in den Sozialen Medien ist auch die Mainstream-Presse auf den Vorfall und den zutage tre­tenden Anti-Asiatischen Rassismus auf­merksam geworden. Das ZDF hat dar­aufhin das übliche Standard-Prozedere ein­ge­halten und eine Sorry-not-sorry-Entschuldigung mit den eben­falls üblichen Floskeln ver­öf­fent­licht. Das ZDF stelle sich „explizit gegen jede Form von Rassismus.“ Unklar ist, wie das ZDF das bewerk­stel­ligen möchte, wenn weder der Sender noch die Moderatorin wirk­liche Verantwortung für den Vorfall über­nehmen: Der Sender teilt mit, dass die Moderatorin den Vorfall „bedauert“. Es „sei der Live Situation geschuldet und kei­nes­falls ras­sis­tisch gemeint“.

    Der Verweis auf die Absicht hält an einem Verständnis von Rassismus als indi­vi­du­elles Vorurteil fest und lenkt von den ras­sis­ti­schen Strukturen in Massenmedien und Redaktionen ab. Die Logik: Es ist keine böse Absicht, also auch nicht (so) schlimm, folglich gibt es nichts, was geändert werden muss. Genau solche Ausreden wie die des ZDFs ermög­lichen es immer wieder, dass sich ras­sis­tische Entgleisungen wie­der­holen – ob nun live oder aufgezeichnet.

    Einzelpersonen, Initiativen und Vereine – auch wir – haben in den letzten Jahren immer wieder auf den weit­gehend unbe­ach­teten Anti-Asiatischen Rassismus in Berichterstattungen auf­merksam gemacht, der in der Pandemie besonders offen zutrage trat. Und Organisationen wie u.a. die Neuen deut­schen Medienmacher*innen bemühen sich seit Jahren darum, gezielt Redaktionen wie auch jour­na­lis­ti­schen Kolleg*innen das erfor­der­liche Grundwissen in Sachen dis­kri­mi­nie­rungs­sen­sibler Berichterstattung an die Hand zu geben. 

    Trotzdem fordern wir Mainstream-Medien auch noch im Jahr 2026 – immer und immer wieder aufs Neue – auf, Verantwortung für ras­sis­tische Vorfälle in ihren Sendungen und Berichterstattungen zu übernehmen.

    Die breite und ver­netzte Kritik zeigt, dass Asiatische Communities laut und wirksam wider­sprechen, wenn Grenzen über­schritten werden. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Initiative von Asian Voices Europe, der wir uns explizit anschließen.

    Asian Voices Europe hat einen Offenen Brief an das ZDF for­mu­liert, in dem sie nicht nur den Vorfall ana­ly­sieren sowie eine echte Entschuldigung ein­fordern.

    Sie fordern darüber hinaus:
    1) die Aufarbeitung des ras­sis­ti­schen Vorfalls durch den Sender
    2) Schulungen zu anti-asiatischem Rassismus von Moderation- und Redaktionspersonal sowie Produktionsleitungen
    3) kon­krete Handlungskonzepte zum Umgang mit ras­sis­ti­schen und dis­kri­mi­nie­renden Inhalten im Rahmen von Live-Sendungen

    Hier findet ihr den Offenen Brief in ver­schie­denen Sprachen*:
    https://www.asianvoiceseurope.org/openletter-15072026

    Bildcredit: Asian Voices Europe, 2020notok

    Was könnt ihr tun?

    • Es werden zudem noch weitere Übersetzungen in andere Sprachen gewünscht – meldet euch bei AVE, wenn ihr unter­stützen könnt.
      Stand 17.07. gibt es die fol­genden Sprachversionen: Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch, Koreanisch, Spanisch. 

    Links

    Mehr zu Anti-Asiatischem Rassismus in den Medien findet ihr in den fol­genden Links (eine kleine Auswahl!):

    kori­en­tation, Rassismus in der COVID-19-Berichterstattung, Zeitraum 01/2020 – 02-/2021
    https://www.korientation.de/projekte/projekte-verein/corona-rassismus-medien/

    Victoria, anti-asiatischer Rassismus in den Medien – Wie Medien Rassismus befördern und was sie dagegen unter­nehmen können, Blogbeitrag vom 23.06.2020
    www.korientation.de/anti-asiatischer-rassismus-medien/
    Thematisierung der Ausstrahlung des Ch*Ch*Ch*-Slur im ARD

    kori­en­tation, Rassismus als „Tradition“? Die jähr­liche Berichterstattung zum „Chinesenfasching“ (2025)
    https://www.korientation.de/rassismus-berichterstattung-chinesenfasching/

    Kien Nghi Ha, Anti-Asiatischer Rassismus in deut­schen Medien, Migazin vom 15.08.2022
    https://www.migazin.de/2022/08/15/anti-asiatischer-rassismus-in-deutschen-medien/

    Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V., Leitfaden für einen ras­sis­mus­kri­ti­schen Sprachgebrauch, 2. Aufl. 2022
    https://www.oegg.de/leitfaden-fuer-einen-rassismuskritischen-sprachgebrauch-2-aktualisierte-auflage/

    Neue deutsche Medienmacher*innen: https://www.neuemedienmacher.de/
    Bundesweites Netzwerk von Medienschaffenden, die jour­na­lis­tische Praxis und kon­struktive Medienkritik ver­binden. Hier finden sich viel­fältige Angebote zu dis­kri­mi­nie­rungs­sen­sibler Berichterstattung

    Aktuell: Rassismus Report des Kitt Kollektivs (2026)
    https://mediummagazin.de/news/beitrag/1297-rassismus-in-den-redaktionen.html
    https://taz.de/Sarah-Zaheer-zu-Rassismus-in-Redaktionen/!6191170/

    Kitt Kollektiv: 7 Schritte, die Medienschaffende und Betroffene unter­stützen (2026)
    https://mediummagazin.de/news/beitrag/1295–7‑schritte-gegen-rassismus.html

    FilmInterviewsKulturVeranstaltungen

    Koloniale Geschichte ist nicht nur Vergangenheit – sie prägt, wie und was wir heute erinnern und wissen (können). Die Filmreihe Decolonial Visions in Diaspora Cinema hin­ter­fragt hege­mo­niale Narrative und eröffnet alter­native Perspektiven durch die Arbeiten asiatisch-diasporischer Filmschaffender.
    Diese Werke zeigen als post­ko­lo­niale kul­tu­relle Produktionen neue Sichtweisen auf die von Ausbeutung und Kolonialgeschichte geprägten Wissensarchive unserer Gegenwart auf. 

    Die Filmreihe umfasst vier Screenings, gefolgt von Diskussionen mit den Filmschaffenden und wurde kura­tiert von Sun-Ju Choi & Feng Mei Heberer in Kooperation mit der Dekoloniale 2024 und kori­en­tation e.V.

    Filmreihe „Decolonial Visions in Diaspora Cinema
    📍 Ort: Sinema Transtopia, Lindower Str. 2022 (Haus C), 13347 Berlin
    🎟️ Preise: Regulär 7 Euro hier


    📅 12. Dezember 2024, 20:00 Uhr
    Gefolgt von einem Gespräch mit Sylvia Schedelbauer, Aykan Safoğlu und Charlotte Ming
    🎫 Tickets hier

    🎞️ Oh, Butterfly!
    Sylvia Schedelbauer, Deutschland, 2022, 20 min. Englisch, Japanisch mit eng­li­schen Untertiteln
    🎞️ Dog Star Descending
    Aykan Safoğlu, Deutschland, 2021, 12 min. Deutsch mit eng­li­schen Untertiteln
    🎞️ Between the Waves
    Ye Charlotte Ming, Deutschland, 2024, 12 min. Englisch mit deut­schen Untertiteln


    📅 3. Dezember 2024, 20:00 Uhr
    🎞️ Fly in Power
    Yin Q, Yoon Grace Ra, USA/Australien, 2023, 78 min


    📅 27. November 2024, 20:00 Uhr
    🎞️ The Lake and the Lake
    Sindhu Thirumalaisamy, Indien, 2019, 38 min, Kannada mit eng­li­schen Untertiteln
    🎞️ An Asian Ghost Story
    Bo Wang, Hongkong/Niederlande, 2023, 37 min, Kantonesisch/Englisch mit eng­li­schen Untertiteln


    📅 21. November 2024, 20:00 Uhr
    🎞️ Nervous Translation
    Shireen Seno, Philippinen, 2018, 90 min, Tagalog mit eng­li­schen Untertiteln


    kura­tiert von Sun-Ju Choi & Feng Mei Heberer
    in Kooperation mit der Dekoloniale 2024 und kori­en­tation e.V.

    BlogFilmKulturVeranstaltungen

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    Eine Filmreihe des Projekts DARE (Decolonize Anti-Asian Racist Entanglements)
    in Kooperation mit Sinema Transtopia/bi’bak, sup­ported von korientation

    Asiatische Präsenzen in der Kolonialmetropole Berlin
    Localizing Decolonialization – Dekolonialisierung loka­li­sieren
    Filme – Vorträge – Diskussionen
    Kurator und Projektleitung: Dr. Kien Nghi Ha

    WO: SİNEMA TRANSTOPIA vom 11.04. – 20.06.2023
    Lindower Str. 20–22, Haus C, 13347 Berlin, U+S‑Bahn Wedding

    Flyer Download hier

    Zur Filmreihe

    Deutschlands kolonial-rassistischen Fantasien und Ambitionen wurde nach dem Abgang des Imperial
    Germany ver­stärkt in eine ima­ginäre Kolonialität über­führt. Ihre fil­mi­schen Inszenierungen begeis­terten nicht nur ein Massenpublikum, sondern führten auch zu einer mehr­deu­tigen Überlagerung von Fiktion und Realität. Die Filmkulisse, aber auch ihre Produktion und Konsumption wurden selbst zum kul­tu­rellen Kolonialraum. Das Film‑, Vortrags- und Gesprächsprogramm leistet Pionierarbeit, indem wir die „wilde Weltmetropole Berlin der Goldenen Zwanziger“ als kolo­nialen Kulturraum mit (anti-)Asiatischen Bezügen erfor­schen. Gleichzeitig wird die deko­lo­niale Debatte um anti-Asiatischen Rassismus sowie Orientalismus erweitert und dadurch mul­ti­per­spek­ti­vi­scher. Ende 2023 wird ein Sammelband im Verlag Assoziation A erscheinen.

    Filmprogramm mit Einführungsvorträgen und Gesprächen

    11.04.2023 um 19 Uhr: Das indische Grabmal – Die Sendung des Yoghi (1921) von Joe May, OmU, 132 Min.

    „Der Welt größter Film” – die so ange­kün­digte Großproduktion mit Kolonialambiente war ein Publikumsmagnet. Joe May beschwor darin das mys­tische Indien und ver­wan­delte die Filmstadt Berlin-Woltersdorf in einen „indi­schen“ Ort mit präch­tigen Tempeln und Palästen, der von Statist:innen in Fantasiekostümen und Elefanten bevölkert wird. Angereichert mit sexua­li­sierter weib­licher Exotik erzählt er eine ver­wi­ckelte Geschichte, in der der bös­artige Maharadscha Rache an seiner Frau und ihrem bri­ti­schen Geliebten nimmt. Dieses Setting war so fas­zi­nierend, dass nach einem Remake in den 1930ern Jahren Fritz Lang, der bereits an der ersten Produktion beteiligt war, 1959 den Stoff erneut verfilmte.

    Einführung:
    Dr. Subin Nijhawan, British Empire, German Illusion – Über Tiger und Grabmale in der Kolonialzeit

    Moderation: Anujah Fernando / Kien Nghi Ha

    25.04.2023 um 19 Uhr: Die Herrin der Welt – Die Freundin des gelben Mannes (1919) von Joe May,
    OV, 90 Min.
    Live-Musik: Stummfilmpianist Jürgen Kurz

    Unmittelbar nach dem Verlust der außer­eu­ro­päi­schen Kolonien ent­stand 1919 unter der Regie von Joe May in der heute ver­ges­senen Filmstadt Berlin-Woltersdorf ein monu­men­taler Kolonialepos, der acht Teile umfasst. Unter großem Aufwand gedreht, wird die aben­teu­er­liche Geschichte der jungen, schönen wie Weißen Maud Gregaards erzählt. Im ersten Teil ihre welt­um­span­nenden Reise gerät die Erzieherin im süd­chi­ne­si­schen Kanton in die Fänge des bru­talen Bordellbesitzers Hai-Fung. Mit Hilfe von Dr. Kien
    Lung wird sie befreit, der sich aber eben­falls als dubiose Gestalt herausstellt.

    Einführung
    Dr. Tobias Nagl (via Zoom), Entfreundet: Die Freundin des gelben Mannes (1919/20), asia­tische Präsenz und anti­ras­sis­tische Filmproteste in der Weimarer Republik

    Moderation: Joshua Kwesi Aikins / Kien Nghi Ha

    09.05.2023 um 19 Uhr: Sumurun (1920) von Ernst Lubitsch, OmeU, 103 Min.

    Im Unterschied zu Joe May war Ernst Lubitsch nicht nur ein Meister des Weimarer Kinos, sondern avan­cierte auch zu einem Starregisseur in Hollywood. In seinem frühen Filmschaffen nutzte er mehrfach Orient- und Roma-Stereotypen um seine Karriere in der Unterhaltungsindustrie zu befördern. Bereits 1910 von Max Reinhardt für das Theater dra­ma­ti­siert und ver­filmt, wurde der Stoff 1920 mit Starbesetzung monu­mental in den Ufa-Studios in Berlin-Tempelhof erneut insze­niert. Sumurun ist Lubitschs Version von Tausendundeine Nacht – ein Eifersuchtsdrama im vor­mo­dernen Morgenland, dass mit euro­päi­schen Fantasien über das Harem, ver­sklavten Tänzerinnen und ori­en­ta­li­scher Despotie spielt.

    Introduction
    Prof. Dr. Qinna Shen: A Berliner’s One Arabian Night: Lubitsch’s Orientalist Parody

    Moderation: Sun-ju Choi / Kien Nghi Ha

    23.05.2023 um 19 Uhr: Piccadilly – Nachtwelt (1929) von Ewald André Dupont, OmeU, 109 Min.

    „Piccadilly“ ist nicht wie die anderen Filme der Reihe in einem ima­gi­nären Asien ange­siedelt, sondern spielt sich im Herzen des modernen Londons mit exo­ti­schen Ausflügen nach Chinatown ab. Trotz dieses Settings bleiben die ste­reo­typen Rollen nahezu unver­ändert: Der US-Star Anna May Wong ver­körpert in diesem tra­gi­schen Liebes- und Eifersuchtsdrama eine Chinesin, die mit viel ethnic chic zum sexuell begeh­rens­werten Revuegirl im Nachtclub auf­steigt und dann tra­gisch endet. Sie ist eine asia­tische Arbeitsmigrantin, die als ver­füh­re­rische femme fatale den Weißen Mann bedroht, aber auch
    befriedigt und gleich­zeitig Opfer ihrer eigenen kul­tu­rellen Herkunft wird.

    Einführung
    Yumin Li, Anna May Wong – ein chinesisch-amerikanischer Hollywoodstar in Berlin

    Moderation: Kimiko Suda / Kien Nghi Ha

    Dieses Screening findet als Teil des korientation-Festivals zu(sammen)künfte (20.–27.05.2023) statt.

    06.06.2023 um 19 Uhr: Hito Steyerl Special – Babenhausen (1997), 4 Min. / Die leere Mitte (1998), 62 Min. / Normalität 1‑X (1999–2001), 37 Min. Alle Filme OmeU

    Die Trilogie aus dem Frühwerk von Hito Steyerl lässt sich viel­schichtig lesen. Sie ist nicht nur zeit­his­to­ri­sches Dokument und künst­le­rische wie akti­vis­tische Positionierung, sondern stellt auch ein her­aus­ra­gendes Filmessay dar. Entstanden zwi­schen 1990–1998 unter­sucht die ein­drück­liche Langzeitstudie „Die leere Mitte“ die unsichtbar gemachten Zusammenhänge zwi­schen Antisemitismus, Kolonialismus und Rassismus im Berliner Kultur- und Stadtraum. Ein Beispiel ist die Geschichte des „Haus Vaterland“ am heu­tigen Potsdamer Platz. Gleichzeitig nehmen diese Filme auch migran­tische Protestbewegungen und asiatisch-diasporische Stimmen in den Fokus, die sich gegen kolo­niale Kontinuitäten und ras­sis­tische Gewalt zur Wehr setzen.

    Mit anschlie­ßendem Gespräch: Hito Steyerl, Gülşah Stapel, Kien Nghi Ha

    20.06.2023 um 19 Uhr: Halfmoon Files (2006) von Philip Scheffner, OmeU, 87 Min.

    Unweit von Berlin wurde am 11. Dezember 1916 im Kriegsgefangenenlager Wünsdorf die Stimme des bri­ti­schen Kolonialsoldaten Mall Singh auf­ge­nommen. Die Aufnahmen wurden im Auftrag von Militär, Wissenschaft und Unterhaltungsindustrie erstellt und waren Bestandteil des Tonarchivs „Sämtlicher Völker der Erde“. Heute befinden sie sich im Lautarchiv der Humboldt Universität Berlin und ver­weisen auf den kolo­nialen Charakter des Ersten Weltkrieges und des Lagers: Um sich als für­sorg­liche Kolonialmacht zu insze­nieren, wurde im Halbmondlager für afri­ka­nische, ara­bische und (süd-)asiatische Gefangene die erste Moschee Deutschlands für reli­giöse Praktiken gebaut. Gleichzeitig wurden Lager und Insassen als Filmkulisse für die deutsche Kolonial-propaganda genutzt. Der Film geht diesen ver­wischten kolo­nialen Verbindungen im Berliner Umland nach.

    Mit anschlie­ßendem Gespräch: Philip Scheffner, Merle Kröger, Kien Nghi Ha

    Sprecher:innen

    Joshua Kwesi Aikins ist Politikwissenschaftler und Menschenrechtsaktivist. Er arbeitet als wis­sen­schaft­licher Mitarbeiter im Fachgebiet „Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien“ der Universität Kassel und enga­giert sich u.a. im Beirat der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD). Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. kul­tu­relle und poli­tische Repräsentation der afri­ka­ni­schen Diaspora, Kolonialität und Erinnerungspolitik. sowie Empowerment und Gleichstellungsdaten. Er ist Co-Autor des „Afrozensus“, einer Befragung Schwarzer, afri­ka­ni­scher und afro­dia­spo­ri­scher Menschen in Deutschland.

    Sun-ju Choi stu­dierte Literatur an der Universität zu Köln und Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. 2017 erschien ihre Dissertation “Vater Staat und Mutter Partei: Familienkonzepte und Repräsentation von Familie im nord­ko­rea­ni­schen Film”. Sie enga­giert sich ehren­amtlich im Vorstand von ndo e.V. und kori­en­tation e.V..

    Anujah Fernando arbeitet als Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin. In recher­che­ba­sierten Ausstellungen und Texten sowie in doku­men­ta­ri­schen Filmprojekten, arbeitet sie zu erin­ne­rungs­po­li­ti­schen Themen rund um Migration und Kolonialismus. Sie inter­es­siert sich besonders für die sprach­lichen und kul­tu­rellen Aushandlungsprozesse zwi­schen erster und zweiter Migrationsgeneration. Zuletzt co-kuratierte sie die Ausstellung „Trotz Allem: Migration in die Kolonialmetropole Berlin“ am Museum FHXB.

    Dr. Kien Nghi Ha, Kultur- und Politikwissenschaftler, forscht zu Asian German Studies an der Universität Tübingen. Zahlreiche Publikationen zu post­ko­lo­nialer Kritik, Rassismus und Migration. Herausgeber von Asiatische Deutsche Extended. Vietnamesische Diaspora and Beyond (2012/2021). Seine Monografie „Unrein und ver­mischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolo­nialen ‚Rassenbastarde‘“ (tran­script, 2010) wurde mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien aus­ge­zeichnet. https://uni-tuebingen.de/de/208381

    Merle Kröger arbeitet als Autorin, Dramaturgin und Kuratorin in Berlin und ist seit 2001 Teil von pong Film. Auch ist sie als Hochschuldozentin in Halle sowie Mainz tätig. Bisher hat sie fünf Romane ver­öf­fent­licht, dar­unter Grenzfall (2012), Havarie (2015) und Die Experten (2021). Als Kuratorin arbeitet sie seit 2007 mit dem Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V., u.a. an den Projekten Work in Progress, Living Archive und Die fünfte Wand. Navina Sundaram: Innenansichten einer Außenseiterin oder Außenansichten einer Innenseiterin, das eine Nominierung für den Grimme Online Award 2022 erhielt. www.merlekroeger.de

    Jürgen Kurz ist Improvisationskünstler. Ob am prä­pa­rierten Flügel, Elektro-Piano oder am ver­staubten Klavier, er bringt die Saiten zum Klingen und Tasten zum Klirren. Nach dem Studium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin hat er sich als Komponist, Theatermusiker (u. a. Volksbühne) und Pianist einen Namen gemacht. Insbesondere als Stummfilmpianist – live im Kino, Open-Air und auf Festivals. So zum Beispiel im Freiluftkino Friedrichshain, bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin, im Kino Babylon, im Kino Krokodil oder auf dem Fusion Festival. Dabei gleicht keine Vorstellung der anderen, denn die nun um die hun­dert­jäh­rigen Filme, erstrahlen stets in neuen impro­vi­sierten Tongewändern.

    Yumin Li ist Kulturwissenschaftlerin und unter­sucht in ihrer Dissertation Anna May Wongs mehrere Jahrzehnte umspan­nende Karriere auf vier Kontinenten. Zusammen mit dem Kollektiv andcompany&Co. erar­beitet sie die Theaterperformance „Shanzhai Express“, das sich spie­le­risch mit Anna May Wong befasst (Première 10.6.2023 Volksbühne Berlin).

    Dr. Tobias Nagl ist Film- und Musikkritiker, DJ und seit 2007 Associate Professor für Filmwissenschaft an der University of Western Ontario in Kanada. Forschungsschwerpunkte: Filmtheorie, Stummfilm, Avantgardefilm, (Post-)Kolonialismus, afro­deutsche Geschichte vor 1945, kri­tische Theorie. Buchveröffentlichungen: „Die unheim­liche Maschine: Rasse und Repräsentation im Weimarer Kino“ (2009) und (zusammen mit Janelle Blankenship) „European Vision: Small Cinemas in Transition“ (2015).

    Dr. Subin Nijhawan ist wis­sen­schaft­licher Mitarbeiter am Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität Frankfurt. In seinem Postdoc-Projekt arbeitet er zu dem Thema Mehrsprachigkeit und Nachhaltigkeit, was auch lite­ra­rische und künst­le­rische Quellen ein­schließt, um inter­sek­tionale Zugänge zu ermög­lichen. Hierzu gehören auch neue Modelle zur glo­balen Gerechtigkeit und einer kos­mo­po­li­ti­schen Weltbürger:innenschaft, um einer euro­zen­tri­schen Dominanz des Diskurses vorzubeugen.

    Philip Scheffner arbeitet seit 1985 als Visual Artist. Seine abend­fül­lenden künst­le­ri­schen Dokumentarfilme The Halfmoon Files (2007), Der Tag des Spatzen (2010), Revision (2012), And-Ek Ghes… (2016) und Havarie (2016) wurden weltweit gezeigt und mit zahl­reichen Preisen aus­ge­zeichnet. Seit 2021 ist er Professor für Dokumentarische Praxen an der KHM Köln. Sein neuer Film Europe feierte 2022 Première auf der Berlinale. Scheffner ist Teil der Berliner Produktionsplattform / Kollektivs pong (zusammen mit Merle Kröger, Alex Gerbaulet, Caroline Kirberg und Mareike Bernien).

    Qinna Shen ist Associate Professor of German am Bryn Mawr College, Pennsylvania. Nach einem Germanistik-Studium in Beijing und Heidelberg pro­mo­vierte sie 2008 an der Yale Universität in den USA. Sie ist Autorin von „The Politics of Magic: DEFA Fairy-Tale Films“ und Mitherausgeberin von „Beyond Alterity: German Encounters with Modern East Asia.“ Sie hat viel über deutsch-asiatische Themen veröffentlicht.

    Dr. Gülşah Stapel stu­dierte Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin mit einem Schwerpunkt auf Denkmalpflege. Ihre Forschungsexpertise liegt in der Untersuchung von Identitäts- und Erbekonstruktionen im öffent­lichen Raum und Berliner Stadtgeschichte. Seit 2020 arbeitet sie als Kuratorin für Outreach für die Stiftung Berliner Mauer. Soeben ist ihr Buch „Recht auf Erbe in der Migrationsgesellschaft. Eine Studie an Erinnerungsorten tür­kei­stäm­miger Berliner:innen“ (Urbanophil 2023) erschienen.

    Hito Steyerl ist Professorin für Experimentalfilm und Video an der Universität der Künste Berlin. Sie ist Medienkünstlerin, Filmemacherin, Kulturkritikerin und ‑theo­re­ti­kerin. Ihre inter­na­tional bekannten medien‑, technologie- und kul­tur­kri­ti­schen Arbeiten wurden mit zahl­reichen Preisen aus­ge­zeichnet. Die Ausstellung „I Will Survive. Films and Installations“ (gleich­na­miger Katalog von Spector Books) bildet die bisher größte Retrospektive ihres Gesamtwerks und wurde 2020 zunächst im K21 des Düsseldorfer Ständehaus, dann 2021 im Pariser Centre Pompidou gezeigt.

    Dr. Kimiko Suda arbeitet an der Technischen Universität Berlin zu insti­tu­tio­nellem Rassismus in Deutschland. Sie ist ehren­amtlich bei kori­en­tation e.V. zu dekolonialer/antirassistischer Erinnerungskultur aktiv. Von 2011–2017 hat sie mit Dr. Sun-ju Choi das Asian Film Festival Berlin geleitet.

    Impressum

    Kurator und Projektleitung: Dr. Kien Nghi Ha.

    In Kooperation mit bi’bak e.V., kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. und der Abteilung Koreanistik des Asien-Orient-Instituts der Universität Tübingen. 

    Mit Filmen aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden.

    Gefördert im Programm „Förderung zeit­ge­schicht­licher und erin­ne­rungs­kul­tu­reller Projekte“ der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.


    ENGLISH VERSION

    A Film Program of the Project
    DARE (Decolonize Anti-Asian Racist Entanglements)

    in co-operation with SİNEMA TRANSTOPIA, sup­ported by kori­en­tation

    Asian Presences in the Colonial Metropolis of Berlin
    Localizing Decolonialization – Dekolonialisierung loka­li­sieren
    Movies – Lectures – Discussions
    Curator and project leader: Dr. Kien Nghi Ha

    At SİNEMA TRANSTOPIA from 11.04. to 20.06.2023
    Lindower Str. 20–22, House C, 13347 Berlin, subway and train station: Wedding
    Info: sinematranstopia.com

    Flyer Download HERE

    About the Film Program

    After the end of Imperial Germany, colonial-racist fan­tasies and ambi­tions were incre­asingly trans­formed into an ima­ginary colo­niality. Their cine­matic sta­gings not only delighted a mass audience, but also led to an ambi­guous over­lapping of fiction and reality. Not only film sets but film pro­duction and con­sumption also became cul­tural colonial spaces. This film, lecture and dis­cussion program is a pio­neering explo­ration of the “wild cos­mo­po­litan metro­polis Berlin in the Golden Twenties” as a colonial cul­tural space with (anti-)Asian refe­rences. At the same time, the deco­lonial debate will be expanded to include anti-Asian racism and ori­en­talism, and thus becoming more multi-perspectival. A book is planned for the end of 2023 (Assoziation A).

    Film Screenings

    11.04.2023 at 19:00: Das indische Grabmal – Die Sendung des Yoghi (1921) by Joe May, OmU, 132 Min.

    “The world’s greatest film” – this large-scale pro­duction with colonial ambience was a crowd puller. In it, Joe May con­jured up mys­tical India, trans­forming the film city of Berlin-Woltersdorf into an “Indian” space with magni­ficent temples and palaces, popu­lated by dummies in fantasy cos­tumes and ele­phants. Enriched with sexua­lized female exo­ticism, it tells an intricate story in which the evil maha­rajah seeks revenge on his native wife and her British lover. This setting was so fasci­nating that after a German remake in the 1930s, Fritz Lang, who was already involved in the first pro­duction, filmed this nar­rative again in 1959.

    Introduction by Dr. Subin Nijhawan:
    British Empire, German Illusion – Über Tiger und Grabmale in der Kolonialzeit

    Moderation: Anujah Fernando / Kien Nghi Ha

    25.04.2023 at 19:00: Die Herrin der Welt – Die Freundin des gelben Mannes (1919) by Joe May, OV, 90 Min. With live music by silent film pianist Jürgen Kurz

    Immediately after the loss of the non-European colonies, a monu­mental colonial epic com­prising eight parts was made in the now for­gotten film city of Berlin-Woltersdorf. Shot at great expense, it tells the adven­turous story of Maud Gregaards, a young woman as beau­tiful as she is white. In the first part
    of her world-spanning journey, the edu­cator falls into the clutches of the brutal brothel owner Hai-Fung in the sou­thern Chinese city of Canton. She is freed with the help of Dr. Kien Lung, who, however, also turns out to be a dubious character.

    Introduction by Dr. Tobias Nagl (via Zoom)
    Entfreundet: Die Freundin des gelben Mannes (1919/20), asia­tische Präsenz und anti­ras­sis­tische Filmproteste in der Weimarer Republik

    Moderation: Joshua Kwesi Aikins / Kien Nghi Ha

    09.05.2023 at 19:00: Sumurun (1920) by Ernst Lubitsch, OmeU, 103 Min.

    Unlike Joe May, Ernst Lubitsch was not only a master of Weimar cinema, but also became a star director in Hollywood. In his early film work, he repea­tedly used Oriental and Roma ste­reo­types to advance his career in the enter­tainment industry. Already filmed and dra­ma­tized by Max Reinhardt for the theater in 1910, just ten years later Lubitsch staged the material again in a monu­mental manner with a star cast at the Ufa studios in Berlin-Tempelhof. Sumurun is Lubitsch’s version of One Thousand and One Nights – a jea­lousy drama set in the pre-modern Orient that plays with European fan­tasies about the harem, ens­laved dancers and ori­ental despotism.

    Introduction by Prof. Dr. Qinna Shen
    A Berliner’s One Arabian Night: Lubitsch Orientalist Parody

    Moderation: Sun-ju Choi / Kien Nghi Ha

    23.05.2023 at 19:00: Piccadilly – Nachtwelt (1929) by Ewald André Dupont, OmeU, 109 Min.

    Unlike the other films in the series, “Piccadilly” is not set in an ima­ginary Asia, but takes place in the heart of modern London with exotic excur­sions to Chinatown. Despite this setting, the ste­reo­ty­pical roles remain vir­tually unch­anged: in this tragic drama of love and jea­lousy, the US star Anna May Wong embodies a Chinese woman who, with ethnic chic, rises to become a sexually desi­rable showgirl in a nightclub but meets a tragic end. She is an Asian migrant worker who, as a seductive femme fatale, threatens but also satisfies the White man whilst at the same time becoming a victim of her own cul­tural origins.

    Introduction by Yumin Li
    Anna May Wong – ein chinesisch-amerikanischer Hollywoodstar in Berlin

    Moderation: Kimiko Suda / Kien Nghi Ha

    This Screening is part of the korientation-Festival zu(sammen)künfte (20.–27.05.2023).

    06.06.2023 at 19:00: Hito Steyerl SPECIAL – Babenhausen (1997), 4 Min., Die leere Mitte (1998), 62 Min. Normalität 1‑X, (1999–2001), 37 Min. With OmeU.

    This trilogy of Hito Steyerl’s early work can be read in many dif­ferent ways. It is not only a document of con­tem­porary history and an artistic and activist posi­tioning, but also an out­standing film essay. Created between 1990–1998, the impressive long-term study “The Empty Center” examines the invi­sible con­nec­tions between anti-Semitism, colo­nialism and racism in Berlin’s cul­tural and urban spaces. One example is the history of the “Haus Vaterland” located at today’s Potsdamer Platz. At the same time, these films also focus on migrant protest move­ments and Asian-diasporic voices resisting colonial con­ti­nuity and racist violence.

    Followed by a Talk with Hito Steyerl, Gülşah Stapel, Kien Nghi Ha

    20.06.2023 at 19:00: Halfmoon Files (2006) by Philip Scheffner, OmeU, 87 Min.

    Not far from Berlin, the voice of the British colonial soldier Mall Singh was recorded on December 11, 1916 in the pri­soner of war camp Wünsdorf. The recor­dings, com­mis­sioned by the military, science and enter­tainment industry, were part of the sound archive “All Peoples of the World”. Today they are housed in the sound archive of the Humboldt University Berlin and refer to the colonial cha­racter of the First World War and the camp: In order to present itself as a caring colonial power, Germany’s first mosque for reli­gious prac­tices was built in the halfmoon camp for African, Arab and (South) Asian pri­soners. At the
    same time, the camp and its inmates were used as film sets for German colonial pro­pa­ganda. Halfmoon Files traces these blurred colonial con­nec­tions in the Berlin area.

    Followed by a talk with Philip Scheffner, Merle Kröger, Kien Nghi Ha

    Speakers

    Joshua Kwesi Aikins is a poli­tical sci­entist and human rights activist. He works as a research assistant in the department of “Development Policy and Postcolonial Studies” at the University of Kassel and is active, among other things, on the advisory board of the Initiative Black People in Germany (ISD). His research inte­rests include cul­tural and poli­tical repre­sen­tation of the African dia­spora, colo­niality and the politics of memory. as well as empowerment and gender equality data. He is co-author of the “Afrozensus”, a survey of Black, African and Afrodiasporic people in Germany.

    Sun-ju Choi studied lite­rature at the University of Cologne and screen­writing at the German Film and Television Academy in Berlin. Her dissertation,„Vater Staat und Mutter Partei: Familienkonzepte und Repräsentation von Familie im nord­ko­rea­ni­schen Film“ was published in 2017. She serves as an honorary member of the board of directors for ndo e.V. and kori­en­tation e.V.

    Anujah Fernando works as a cul­tural scholar and curator based in Berlin. Her work focuses on the politics of coll­ective memory as they relate to migration and colo­nialism. She pro­duces research-based exhi­bi­tions, publi­ca­tions and docu­mentary film pro­jects. Her par­ti­cular interest is on the prac­tices first and second gene­ration of migrants use to nego­tiate lan­guage and culture. Most recently, she co-curated the exhi­bition „Despite All: Migration to the Colonial Metropolis of Berlin“ at the FHXB Museum.

    Dr. Kien Nghi Ha, cul­tural and poli­tical sci­entist, is a Postdoc rese­archer of Asian German Studies at the University of Tübingen. Numerous publi­ca­tions on post­co­lonial cri­ticism, racism and migration. Editor of „Asiatische Deutsche Extended. Vietnamesische Diaspora and Beyond“ (Assoziation A, 2012; 2021). His mono­graph „Unrein und ver­mischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolo­nialen ‚Rassenbastarde‘“ (tran­script, 2010) was awarded with the Augsburg Science Prize for Intercultural Studies. https://uni-tuebingen.de/en/208381

    Merle Kröger works as an author, dra­ma­turge and curator in Berlin and has been part of pong Film since 2001. She also works as a uni­versity lec­turer in Halle and Mainz. She has published five novels, including Grenzfall (2012), Havarie (2015) and Die Experten (2021). As a curator, she has worked with Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V. since 2007 on pro­jects including Work in Progress, Living Archive, and Die fünfte Wand. Navina Sundaram: Innenansichten einer Außenseiterin oder Außenansichten einer Innenseiterin, which received a nomi­nation for the Grimme Online Award 2022. www.merlekroeger.de

    Jürgen Kurz is an impro­vi­sation artist. Whether on the pre­pared grand piano, electric piano or dusty piano, he makes the strings sound and keys clink. After stu­dying at the Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, he made a name for himself as a com­poser, theater musician (including Volksbühne) and pianist, espe­cially as a silent film pianist – live in the cinema, open-air and at fes­tivals. For example at the Freiluftkino Friedrichshain, the Berlin International Film Festival, in the cinemas Babylon, Krokodil and at the Fusion Festival. No two per­for­mances are the same, because the films, which are now around a hundred years old, always shine dressed with new impro­vised sound.

    Yumin Li is a cul­tural his­torian whose dis­ser­tation examines Anna May Wong’s career spanning several decades on four con­ti­nents. Together with
    the coll­ective andcompany&Co. she is deve­loping the theater per­for­mance Shanzhai Express, which playfully deals with Anna May Wong (pre­mière 10.6.2023 at Volksbühne Berlin).

    Dr. Tobias Nagl is a film and music critic, DJ, and has been Associate Professor of Film Studies at the University of Western Ontario in Canada since 2007. Research inte­rests: Film theory, silent film, avant-garde film, (post-)colonialism, Afro-German history before 1945, cri­tical theory. Book publi­ca­tions: “The Uncanny Machine: Race and Representation in Weimar Cinema” (2009) and (with Janelle Blankenship) “European Vision: Small Cinemas in Transition” (2015).

    Dr. Subin Nijhawan is a research asso­ciate at the Institute of English and American Studies at Goethe University Frankfurt. His postdoc project gra­vi­tates around the nexus of mul­ti­l­in­gualism and sus­taina­bility, incor­po­rating lite­rature and media, in order to faci­litate an inter­sec­tional view. This also includes new models for global justice and a cos­mo­po­litan world citi­zenship, for pre­venting a Eurocentric domi­nance in discourses.

    Philip Scheffner has been working as a visual artist since 1985. His feature-length artistic docu­men­taries The Halfmoon Files (2007), The Day of the Sparrow (2010), Revision (2012), And-Ek Ghes… (2016), and Havarie (2016) have been screened worldwide and won num­erous awards. Since 2021 he is Professor of Documentary Practices at the KHM Cologne. His new film Europe pre­miered at the Berlinale in 2022. Scheffner is part of the Berlin pro­duction platform / coll­ective pong (tog­ether with Merle Kröger, Alex Gerbaulet, Caroline Kirberg and Mareike Bernien).

    Qinna Shen ist Associate Professor of German am Bryn Mawr College, Pennsylvania. Nach einem Germanistik-Studium in Beijing und Heidelberg pro­mo­vierte sie 2008 an der Yale Universität in den USA. Sie ist Autorin von „The Politics of Magic: DEFA Fairy-Tale Films“ und Mitherausgeberin von „Beyond Alterity: German Encounters with Modern East Asia.“ Sie hat viel über deutsch-asiatische Themen veröffentlicht.

    Dr. Gülşah Stapel studied urban and regional planning at the TU Berlin with a focus on his­toric pre­ser­vation. Her research expertise lies in the study of identity and heritage con­s­truction in public space and Berlin urban history. Since 2020, she has worked as an out­reach curator for the Berlin Wall Foundation. She has just published her book „Recht auf Erbe in der Migrationsgesellschaft“ (Urbanophil 2023), a study on places of remem­berance of Berliners with a family back­ground from Turkey.

    Hito Steyerl is pro­fessor of expe­ri­mental film and video at the Berlin University of the Arts. She is a media artist, film­maker, cul­tural critic and theorist. Her inter­na­tio­nally renowned media‑, technology- and culture-critical works have been awarded num­erous prizes. The exhi­bition „I Will Survive. Films and Installations“ (catalog published by Spector Books) is the largest retro­s­pective of her entire oeuvre to date and was first shown at the K21 of the Düsseldorf Ständehaus in 2020, then at the Centre Pompidou in Paris in 2021.

    Dr. Kimiko Suda works at the Technical University of Berlin on insti­tu­tional racism in Germany. She is an active member of kori­en­tation e.V. and inte­rested in decolonial/antiracist memory culture. From 2011-
    2017, she co-directed the Asian Film Festival Berlin with Dr. Sun-ju Choi.

    Imprint

    Curator and project leader: Dr. Kien Nghi Ha.

    In coope­ration with bi’bak e.V., kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. and the
    Department of Korean Studies, Institute of Asian and Oriental Studies at the University of Tübingen.

    With films from the hol­dings of the Friedrich Wilhelm Murnau Foundation (www.murnau-stiftung.de) in Wiesbaden.

    Funded by the program Promotion of Contemporary History and Remembrance Culture of the Berlin Senate Department for Culture and Europe.

    BlogMedienkritikVerein

    Am 16.02.2023 erschien im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung der Artikel „Die fal­schen Chinesen zu Dietfurt“ von Lisa Schnell. Für diesen Artikel wurde sehr kurz­fristig der kori­en­tation e.V. um ein Interview ange­fragt und die wei­ter­ge­leitete Anfrage durch Dr. Kien Nghi Ha beant­wortet. Diese Berichterstattung zeigt lehr­buch­artig auf, wie weite Teile der deut­schen Medien wei­terhin mit ras­sis­ti­schen Phänomenen sowie ras­sis­mus­kri­ti­schen Ansätzen umgehen, womit sich auch der fol­gende Kommentar unseres Vorstandstandmitglied Su-Ran Sichling beschäftigt, der auch als Offener Brief an die Redaktion der SZ geschickt wird.
    Der SZ-Artikel ver­schwand kurz nach seiner Veröffentlichung hinter einer Paywall.

    Beobachtungen zu wiederkehrenden Argumentationsmustern in deutschen Medien

    Äußern sich weiße Journalist*innen deut­scher Medien über ras­sis­tische Phänomene – seien es Debatten um ras­sis­tische Sprache in Kinderbüchern oder umstrittene Karnevalspraktiken wie im Artikel „Die fal­schen Chinesen von Dietfurt“ von Lisa Schnell – zeigen sich die immer gleichen Argumentationsmuster. Dass dabei jour­na­lis­tische Genauigkeit auf der Strecke bleiben, ist leider ebenso oft zu beobachten.

    Dieser Kommentar möchte nicht erneut beur­teilen, ob in Dietfurt ras­sis­tische Stereotype repro­du­ziert werden. Vielmehr möchte er die medialen Argumentationsmuster in den Blick nehmen, die bemer­kenswert oft zu beob­achten sind, wenn deutsche (weiße) Medien sich zu Rassismuskritik äußern.

    Zuerst – so der popu­lis­tische Fahrplan der Journalist*innen – müssen gesell­schaft­liche Fronten gezogen werden: Zwischen denen, die lachen und das alles nicht so ernst nehmen (müssen) und all den anderen – die Schreiberin Lisa Schnell weiß anscheinend selbst nicht so genau, wer über­haupt etwas gegen den „Riesenspaß eines Chinesenfaschings“ haben könne: Vielleicht, so ver­mutet die Schreiberin, ließen sie sich unter den größten gemein­samen Nenner des Gendersternchens sub­su­mieren. Gerne werden in Artikeln zu Rassismusvorwürfen alle poli­ti­schen Kämpfe um Feminismus, Gendergerechtigkeit, Antisemitismus und Antirassismus[1] in einen Topf geworfen. Dabei geht es mit­nichten darum, den Kritiker*innen mehr Gewicht oder Stimme zu geben – vielmehr sollen die spe­zi­fi­schen Forderungen der ein­zelnen Kämpfe ent­kräftet werden. So genau will es eine weiße Dominanzgesellschaft aber auch nicht wissen, worum im Einzelnen gekämpft wird. Des Öfteren werden hier auch Begrifflichkeiten ver­wechselt, um dann in Folge, Praktiken der weißen Mehrheitsgesellschaft doch positiv inter­pre­tieren zu können, wie es bei­spiels­weise Ewald Hetrodt in seinem Artikel „Die Angst vor dem schwarzen Mann“[2] vor­nimmt. Hier wird „Blackfacing“ ersetzt durch den Begriff der kul­tu­rellen Aneignung, der – laut Hetrodt – eine stärkere Differenzierung erlaubt, um dann in Folge auch ver­meintlich positive Beispiele von kul­tu­reller Aneignung zu nennen. Was „Blackfacing“ mit kul­tu­reller Aneignung zu tun hat, erschließt sich der Schreiberin dieses Artikels aller­dings nicht.

    Leider kann sich die Schreiberin Schnell nicht einer gewissen Parteilichkeit ver­wehren. Interviewpartner*innen wie der Kultur- und Politikwissenschaftler Kien Nghi Ha werden als größt­mög­liche Krach[-macher] ange­kündigt, denen man aber zu Beginn des Artikels dann lieber doch nicht das Wort geben möchte. „Angemessen“ – so der Artikel – ist es dann eher, zuerst einen Befürworter des Karnevals sprechen zu lassen. Neben der par­tei­ischen Wortwahl hat Schnell aber auch eine grund­le­gende Sache miss­ver­standen: Geht es der weißen Mehrheit bei Rassismusfragen meist darum, die eigene Meinung gelten zu lassen und dass man sich laut Autorin einfach „an einen Tisch setzen sollte“, so stellt sich bei Angehörigen einer dis­kri­mi­nierten Minderheit oft die Frage nach Rassismus als struk­tu­relles Problem. Oft würden sich von Rassismus betroffene Menschen lieber über das Phänomen Rassismus äußern als über per­sön­liche Erfahrungen. Einer weißen Mehrheit ist es anscheinend aber auch nach gedul­digem Erklären (Kien Nghi Ha hat es bewun­derns­werter Weise wieder einmal ver­sucht) nicht möglich nach­zu­voll­ziehen, dass die Benachteiligung in Deutschlands Institutionen, Gesetzen, Schulen und Behördenroutinen pas­siert. Und dass dahinter oft keine indi­vi­duelle, böse Absicht stecken muss, sich also Jede*r immer wieder ver­si­chern kann, dass man ja selbst niemals ras­sis­tisch handeln würde.

    Noah Sow schreibt in diesem Zusammenhang, dass weiße Deutsche von Geburt an u.a. das Privileg haben, jede andere Kultur nach­äffen oder sich in Teilen aneignen zu können. Dass sie auch bestimmen dürfen, inwiefern die Errungenschaften und Meinungen aller Menschen, die nicht weiß sind, zählen.

    Der Artikel von Lisa Schnell offenbart einmal wieder die abwer­tenden medialen Praktiken, die die bestehenden Hierarchien und sozio­kul­tu­rellen Ausschlüsse ver­fes­tigen. Kien Nghi Ha kommt an einer anderen Stelle zu dem Schluss, dass auf­grund dieser weißen medialen Deutungshoheit vielen Menschen mit einer Migrationsbiographie öffent­liche Sichtbarkeit ver­wehrt bleibt. Zwar werden sie mitt­ler­weile gerne von Journalist*innen inter­viewt, aber nur um den humor­losen „Krachmacher*innen“ mit einer Gegenstimme – dem „einzig echten Chinesen von Dietfurt“ – im Nachgang zu beweisen, dass das, was man tut, in keinem Fall ras­sis­tisch ist. Dass sich aller­dings zu allem und jedem immer eine Stimme (die, even­tuell auch sozial, öko­no­misch etc. abhängig ist von der Mehrheitsmeinung) finden lässt, um die Kritik an der Sache zu ent­kräften, dürfte eigentlich klar sein.

    Dass Artikel dieser Art durch die Gegenüberstellung gesell­schaft­licher Fronten oft sehr bewusst einen Aufschrei („…und sie wird wieder los­gehen, die Debatte um den Dietfurter „Chinesenfasching“) pro­vo­zieren wollen, um somit Aufmerksamkeit zu gene­rieren, scheint anscheinend in Krisenzeiten von Printmedien immer wieder das heils­ver­spre­chende Mittel gegen eine schwin­dende Leser*innenschaft. Journalist*innen dieser Medien gehen hier von tra­genden Teilen der Gesellschaft aus, die mehr­heitlich weiß ist. Die, so Hetrodt in oben genanntem Artikel, „regis­trieren, dass das Normale plötzlich skan­da­li­siert und das Vertraute aus dem öffent­lichen Leben gedrängt wird“. Weiter sagt er: „Und sie [die tra­genden Teile der Gesellschaft, Anm.] schauen auf das Bild, das im öffent­lichen Diskurs von dem Staat gezeichnet wird, den sie mit­tragen und mitfinanzieren.“ 

    Hier zeigt sich, dass Medien ein bestimmtes Weltbild kon­stru­ieren und damit auch ver­bundene Normen- und Wertesysteme. Doch: In einer Gesellschaft in der mitt­ler­weile beinahe 30 % der Menschen einen soge­nannten Migrationshintergrund[3] haben (Tendenz steigend) stellt sich die Frage: Welche medial dar­ge­stellte Welt bleibt also heute noch für den Großteil der Menschen nach­voll­ziehbar? Und: Wer sind die tra­genden Teile der Gesellschaft?

    Die Autorin Su-Ran Sichling ist Vorstandsmitglied des kori­en­tation e.V.


    [1] Siehe auch der Artikel „Die kleine Hexenjagd“ von Ulrich Greiner, in: Die ZEIT, 17.01.2013, https://www.zeit.de/2013/04/Kinderbuch-Sprache-Politisch-Korrekt?

    [2] Siehe auch der Artikel „Die Angst vor dem schwarzen Mann.“ von Ewald Hetrodt, in: Die FAS, 19.02.2023, https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/blackfacing-an-karneval-mohr-bei-fastnacht-in-hessen-18686690.html

    [3] 2021 lebten in Deutschland rund 22,6 Millionen Menschen mit einem soge­nannten Migrationshintergrund – das ent­spricht 27,5 Prozent der Bevölkerung (2020 lag der Anteil bei 26,7 Prozent), Quelle: Statistisches Bundesamt.

    BlogVeranstaltungenWorkshop

    Was können wir von den akti­vis­ti­schen Praktiken mar­gi­na­li­sierter Gruppen über Konflikte und Vertrauensbildung lernen? Welche Erkenntnisse eröffnen ins­be­sondere inter­sek­tionale Grassroots-Perspektiven über die Anforderungen und Herausforderungen von Gemeinschafts-Bildung und Solidarität? Welche Rolle spielen Medien, in ver­schie­denster Form, in der Mobilisierung von poli­ti­schem Bewusstsein und kon­kreter Änderung? Diesen und ähn­lichen Fragen widmet sich unser Workshop Asiatisch Deutscher Kultur-Aktivismus: Medien, Repräsentation, Generationen. Mit Fallbeispielen aus der relativ unbe­kannten Geschichte von asia­tisch deut­schen Aktivismen von den 1970er Jahren bis zur Gegenwart unter­suchen wir Formen von kul­tu­reller und Medien-Arbeit, die mar­gi­na­li­sierte Gruppen leisten und leisten müssen, um ihre Position in einem Mehrheitsumfeld zu behaupten und ein gerech­teres und inte­gra­ti­veres Umfeld zu schaffen. Diese Formen von Arbeit sind letzt­endlich auch unab­dingbar für die Ausübung demo­kra­ti­scher Kultur.

    In zwei Gesprächsrunden laden wir zu einer gemein­samen Diskussion mit Aktivist*innen und Kulturschaffenden aus der asia­tisch deut­schen Community ein. Dabei wird es sowohl um eigene Erfahrungen im akti­vis­ti­schen Arbeiten gehen, als auch um über­grei­fende Fragen nach Kontinuitäten, Differenzen und Spannungsfelder zwi­schen Generationen und innerhalb der Communities.

    DATUM: 16. Dezember 2022, 15:00 – 18:30 h
    ORT: Goethe-Universität Frankfurt a.Main, Gebäude „Normative Ordnungen“
    Raum EG.01 Max-Horkheimer-Str. 2, 60323 Frankfurt
    Um Anmeldung wird gebeten unter: office@normativeorders.net

    VERANSTALTER: „ConTrust. Vertrauen im Konflikt. Politisches Zusammenleben unter Bedingungen der Ungewissheit“ – ein Clusterprojekt des Landes Hessen am Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main

    Link: https://contrust.uni-frankfurt.de/event/asiatisch-deutscher-kultur-aktivismus-medien-repraesentation-generationen/


    Programm

    15.00 – 16:30
    In der ersten Runde dis­ku­tieren Dr. Sun-ju Choi, Cuso Ehrich und Jee-Un Kim von kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. gene­ra­tio­nen­spe­zi­fische Zugehörigkeitspolitiken und Verständnisse von Selbstrepräsentation, Kollektivität und poli­ti­scher Mobilisierung: Vom orga­ni­sierten Widerstand der ersten Generation süd­ko­rea­ni­scher Krankenschwestern Ende der 1970er Jahre, über die inter­sek­tionale Kulturarbeit der zweiten Generation, zu der trans­na­tional ver­netzten Social Media-Landschaft einer jün­geren Generation von asia­tisch dia­spo­ri­schen Menschen.

    16.30 – 17.00
    Kaffeepause

    17.00 – 18.30
    Eine weitere Diskussionsrunde führen Drehbuchautorin Viktoria So Hee Alz und die Regisseure Dieu Hao Do und Duc Ngo Ngoc als Filmschaffende der asia­ti­schen Diaspora in Deutschland. Ausgehend vom aktu­ellen Trend, mehr Sichtbarkeit für BIPOC und Diversität zu schaffen, z.B. mit der Studie „Vielfalt im Film“, dis­ku­tieren sie, warum Repräsentation so wichtig ist und welche struk­tu­rellen Hindernisse den Zugang für mar­gi­na­li­sierte Gruppen nach wie vor erschweren. Darüber hinaus wagen die Filmschaffenden einen Blick in die Zukunft, sprechen über Best-Practices und stellen kon­krete Forderungen und Wünsche auf, um die Film- und Fernsehbranche viel­fäl­tiger und nach­haltig gerechter zu gestalten.

    Beide Gesprächsrunden sind jeweils 90 Minuten und bieten fokus­sierte Beiträge wie auch Raum für direkten Dialog mit allen Anwesenden. 

    Moderiert wird der Workshop von Feng-Mei Heberer.


    Personen

    Viktoria So Hee Alz – geboren in Südkorea, auf­ge­wachsen in Deutschland – ist Drehbuchautorin und Aktivistin aus Berlin. Neben ihrer Headautorinnenarbeit bei PARA – Wir sind King und DRUCK, lie­ferte sie 2020 sowohl Idee als auch Bücher für die Web-Serie #heuldoch – Therapie wie noch nie. Des Weiteren setzt sie sich für struk­tu­relle Veränderungen in der Film- und Fernsehlandschaft ein und hält Workshops, Panels und Mentoring Sessions mit Fokus auf Gender & Diversität. 

    Dr. Sun-Ju Choi ist Autorin und Kulturschaffende. Sie stu­dierte Literatur an der Universität zu Köln und Drehbuch an der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) und ist bei den Neuen deut­schen Medienmacher*innen e.V. als stell­ver­tre­tende Geschäftsführerin tätig. Sie ist außerdem Gründungsmitglied von kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. und leitet seit 2007 gemeinsam mit Kimiko Suda das Asian Film Festival Berlin.

    Dieu Hao Do ist Künstler, Filmemacher und Filmaktivist. Seine Filme erfor­schen neue Perspektiven auf Geschichtserinnerung des Amerikanischen Kriegs in Vietnam. Mit dem Ziel, neue BIPOC Stimmen fürs Erzählen zu empowern, enga­giert er sich u.a. für #VielfaltImFilm. Er ist aktives Mitglied der gemein­nüt­zigen Initiative Berlin Asian Film Network (BAFNET), die sich seit 2012 für dif­fe­ren­zierte Repräsentationen asia­tisch deut­scher Lebensrealitäten in Film und Fernsehen engagiert.

    Cuso Ehrich ist seit 2022 bei kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. und leitet dort das Projekt RADAR (Ressourcen von/für Asiatische Deutsche gegen anti-asiatischen Rassismus). Schwerpunkte sind u.a. kri­tische poli­tische Bildungsarbeit, anti-asiatischer Rassismus sowie Intersektionen von Kolonialismus und Geschlecht. Neben Vorstands- und Gremiumsarbeit orga­ni­siert sich Cuso in poli­ti­schen Kleingruppen und ver­sucht durch Podcasts Ressourcen für soziale Bewegungen zu erarbeiten.

    Feng-Mei Heberer ist Assistant Professor am Fachbereich Filmwissenschaft an der New York University. Ihre Forschung umfasst die Bereiche trans­na­tionale Medien, Intersektionalität, Migration und Arbeit. Ihr Buch, Asians On Demand: Mediating Race in Video Art and Activism erscheint nächsten Herbst bei der University of Minnesota Press. Seit 2008 ist sie Teil des Asian Film Festival Berlin Teams.

    Jee-Un Kim ist Juristin, Kulturmanagerin und Gründungsmitglied von kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. Sie stu­dierte Jura und Kulturmanagement in Berlin und war als Anwältin in eigener Kanzlei tätig, bis sie als wis­sen­schaft­liche Mitarbeiterin an die Koreanistik der Universität Tübingen wech­selte. Seit Anfang 2020 ist sie Geschäftsführung bei kori­en­tation und Projektleiterin von MEGA (Media and Empowerment for German Asians).

    Duc Ngo Ngoc ist Filmemacher für Spiel- und Dokumentarfilme. Neben seinen eigenen Arbeiten, die u.a. mit dem Max Ophüls Publikumspreis aus­ge­zeichnet wurden, rea­li­sierte er Radio-Dokumentationen, Filme und serielle Formate für öffentlich-rechtliche Sender (NDR, rrb, BR, ZDF, KIKA). Er ist außerdem Initiator und Projektleiter des Workshops Dreh’s Um – deutsch-vietnamesische Perspektiven, bei dem deutsch-vietnamesische Jugendliche lernen ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

    BlogNewsletter

    Liebe korientation-Mitglieder, liebe Freund*innen,

    wir hoffen, Ihr seid gut durch den heißen Sommer gekommen!

    Fokus dieser Ausgabe ist die Erinnerung an das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen vor 30 Jahren. Wir berichten von der Demo am 27. August in Rostock, bei der kori­en­tation mit einem Redebeitrag ver­treten war. Und wir daten Euch up zu anste­henden und ver­gan­genen Veranstaltungen mit dem Thema Erinnerungsarbeit aus anti­ras­sis­ti­schen und (post-)migrantischen cross-community-Perspektiven .

    Außerdem werdet Ihr erfahren, welche freshen Personen sich seit Kurzem hinter der Entwicklung unserer Social Media-Strategie und der Leitung unseres neuen Projekts RADAR ver­bergen. Spoiler: Der ein oder anderen Person dürften die beiden auch aus anderen akti­vis­ti­schen und musi­ka­li­schen Kontexten ein Begriff sein. 😉

    Es gibt aktuelle Neuigkeiten zu kom­menden und Rückblicke auf bereits statt­ge­funde korientation- und MEGA-Veranstaltungen und Hinweise auf Wissenswertes und Literatur, die wir Euch ans Herz legen.

    Also viel Spaß beim Lesen, bleibt gesund und solidarisch!

    Sina für das MEGA Team

    Foto: Broschüre „Damals wie heute: Erinnern heißt ver­ändern! 30 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen“ des Bündnis Gedenken an das Pogrom.Lichtenhagen 1992


    FOKUS: 30 JAHRE ERINNERN AN ROSTOCK-LICHTENHAGEN

    Demonstration „30 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen“ am 27.08.2022 #ErinnernHeisstVerändern

    „Rostock im August 1992. Im Stadtteil Lichtenhagen werden über drei Tage hinweg [g]eflüchtete [Rom*nja] und ehe­malige Vertragsarbeiter*innen aus Vietnam ange­griffen. Die Polizei schreitet gegen den zeit­weise aus meh­reren tausend Menschen bestehenden Mob kaum ein und zieht sich schließlich ganz zurück. Die Angreifer*innen werfen dar­aufhin Brandsätze in das Haus. Mehr als 120 Menschen retten sich über das Dach des Gebäudes. Bis heute scheut sich die Hansestadt Rostock dieses Pogrom klar als solches zu benennen.“Bündnis Gedenken an das Pogrom.Lichtenhagen 1992

    Am 27. August 2022 folgte kori­en­tation dem Aufruf des Bündnis Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992 zur bun­des­weiten Demo in Rostock. Jee-Un aus dem Büroteam und Maria aus dem Vorstand haben in einem Redebeitrag den Widerstand, Mut und die Selbstorganisation der damals ange­grif­fenen viet­na­me­si­schen Vertragsarbeitenden und geflüch­teten Rom*nja erinnert, ras­sis­tische Kontinuitäten the­ma­ti­siert, auf die Wichtigkeit von cross-community Solidarität hin­ge­wiesen und Forderungen des Bündnisses aus Rostock bestärkt. Den gesamten Redebeitrag findet Ihr auf der kori­en­tation Webseite.

    Auch Kien Nghi Ha war mit seinem Redebeitrag „Entschädigung und Rückkehrrecht für die Betroffenen des Pogroms“ ver­treten, den Ihr hier nach­lesen könnt.

    Fotocredit: Dongha Choe

    Videodokumentation der Diskussionsveranstaltung „Remember, Resist, Unite“ bald online

    Am 23.09.2021 dis­ku­tierten Mai Phuong Kollath (Zeitzeugin Rostock-Lichtenhagen, Berlin), Jessica Massóchua (Initiative 12. August, Merseburg/Berlin) und Paulino Miguel (Forum der Kulturen, Stuttgart) in der Berliner Landeszentrale für poli­tische Bildung zu Cross-Community-Strategien gegen ras­sis­tische Gesellschaftsverhältnisse in der Nachwendezeit und Gegenwart. Moderiert wurde das Panel von Noa Ha (z.Zt. Kunsthochschule Weißensee).

    Alle, die letztes Jahr nicht die Möglichkeit hatten, vor Ort dabei zu sein oder sich die Veranstaltung noch einmal anschauen wollen, können dies in Kürze auf der kori­en­tation Webseite nachholen.

    Weitere Infos und Ressourcen

    Auch die Journalistinnen Minh Thu Tran und Vanessa Vu haben Erinnerungen an Rostock-Lichtenhagen in ihrer aktu­ellen Podcastfolge zum Thema gemacht. Zu Wort kommen unter anderem der damals vier­jährige Tạ Minh Đức, der damalige Dolmetscher Nguyễn Đô Thịnh, das Ehepaar Huỳnh Thanh Sơn und Nguyễn Thị Minh sowie Frau Loan, die bis heute im Sonnenblumenhaus wohnt. Ebenfalls in der Folge zu hören sind Romeo Tiberiade, der damals in der ZAst (Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber) lebte (siehe auch Zeitzeuginnen-Interview mit seiner Tochter Izabela bei Roma Center e.V.), sowie Gianni Jovanovic und Oyindamola Alashe, die in ihrem Buch „Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“ (2022) dem Pogrom in Lichtenhagen ein Kapitel aus Rom*nja-Perspektive wid­meten.

    In der Webdokumentation „Rostock-Lichtenhagen 1992“ vom Dokumentationszentrums „Lichtenhagen im Gedächtnis“ könnt Ihr Euch an sechs Stationen über die Ursachen, den Ablauf und die Folgen der ras­sis­ti­schen Anschläge in Rostock-Lichtenhagen 1992 infor­mieren. Eine Station ist Mehmet Turgut gewidmet, der 2004 von Neonazis des Terrornetzwerkes „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) in Rostock ermordet wurde.

    Wir emp­fehlen Euch zudem die Dokumentationen „Bruderland ist abge­brannt“ (1991) von Angelika Bach Ngoc Nguyen in der Mediathek der Bundeszentrale für poli­tische Bildung zur Situtation ehe­ma­liger viet­na­me­si­scher Vertragsarbeiter*innen in der Wendezeit und „The truth lies in Rostock / Die Wahrheit lügt (liegt) in Rostock“ (1993).


    AUS DEM VEREIN

    kori­en­tation is growing

    Wir freuen uns sehr, Euch an dieser Stelle die beiden neuen Gesichter bei kori­en­tation vorzustellen:

    Euch ist viel­leicht bereits auf­ge­fallen, dass der kori­en­tation Feed auf Instagram ein bisschen schöner, ein­heit­licher und ein­facher zu durch­blicken ist? Falls nein, über­zeugt Euch selbst. Verantwortlich dafür ist niemand anders als the one and only ✨Vee aka veenus* ✨!

    Vee (alle Pronomen) ist Viet-Deutsch und chro­nische Virgo. Auf der Bühne ist sie als Sängerin veenus* unterwegs, auf Social Media als Consultant für Strategie/Content Creation aka Social Veedia.

    Ihr größter Traum ist ein Planet, auf dem es Bubble Vee for free gibt und auf dem dis­kri­mi­nie­rende Denk- sowie Verhaltensweisen dekon­struiert und alle einfach nur cute zuein­ander sind.

    Ihre Perspektiven und Meinungen voka­li­siert sie besonders im musik­in­dus­tri­ellen Rahmen: 2020 gründete Vee die Spendenkonzertreihe ChariVee Concert zum Support von Betroffenen ras­sis­ti­scher Gewalt. 2021 gab sie ihr Debut als veenus* und dreht ihre Musikvideos seitdem aus­schließlich in Vietnamese-owned Locations, neu­er­dings auch nur mit einem asiatisch-diasporischen Team. Seit 2022 redet sie auf Panels über den Mangel an inter­sek­tio­naler Repräsentation von Artists in der Musikbranche und für 2022 sowie 2023 ist ein Workshop und Veetreat-Programm für BIPoCs geplant, um musi­ka­lisch Rassismuserfahrungen zu verarbeiten.

    Vee/veenus* hat übrigens vor Kurzem ihre Debut EP „planet v“ ver­öf­fent­licht, also gönnt Euch und hört rein oder schaut Euch ihr Musikvideo zu „Redwinee“ an!


    Die zweite Person, die kori­en­tation seit knapp zwei Wochen mit ihrer Expertise beglückt ist ✨ Cuso ✨.

    Ihr kennt Cuso sicherlich vom Podcast „Diaspor.Asia“, den Cuso zusammen mit Xinan gehostet hat oder durch Cusos aktu­elles Podcast-Projekt „Hast Du alles?“. Bei kori­en­tation hat Cuso die Leitung des neuen Projekts RADAR – Ressourcen von und für Asiatische-Deutsche gegen anti-asiatischen Rassismus über­nommen.

    Neben RADAR arbeitet Cuso in Form von Vorträgen, Textbeiträgen und Workshops u.a. zu den Themen Einführung in die Rassismuskritik und kri­ti­scher poli­ti­scher Bildungsarbeit, anti-asiatischem Rassismus sowie Intersektionen von Kolonialismus und Geschlecht. Neben Vorstands- und Gremiumsarbeit orga­ni­siert sich Cuso in poli­ti­schen Kleingruppen und ver­sucht durch Podcasts Ressourcen für soziale Bewegungen zu erarbeiten.

    Cuso beschäftigt die Frage, wie Brücken zwi­schen Positionierungen, Communities und Generationen gebaut werden können, um gemeinsam in Bewegung zu sein.

    🙌 Wir freuen uns sehr darüber, dass Vee und Cuso unser Team erweitern und sagen an dieser Stelle noch mal: Willkommen an Board, Ihr beiden! 🙌


    Wir stellen ein: Projektassistenz bei RADAR

    Umfang und Gehalt: 35% Stelle / Anlehnung an TVöD E09‑1
    Wann: Arbeitsbeginn 01.10.2022
    Wo: Raum Köln bevorzugt

    E‑Mail an: info@korientation.de
    Bewerbungsfrist: 14.09.2022
    Hier findest Du die Ausschreibung als PDF zum Download.

    Wir laden ins­be­sondere BPoC mit Bezügen zu Asien (Zur Klarstellung: Damit meinen wir Süd‑, West‑, Nord‑, Südost‑, Ost- und Zentralasien) und inter­sek­tio­nalen Identitäten ein, sich zu bewerben.

    Über RADAR:
    Unser neues zwei­jäh­riges Projekt RADAR – Ressourcen von/für Asiatische Deutsche gegen anti-asiatischen Rassismus ist gestartet! Ziel des auf zwei Jahre ange­legten Modellprojektes ist die inhalt­liche Qualifizierung und Professionalisierung von (Asiatisch- Deutschen) Multiplikator*innen der ras­sis­mus­kri­ti­schen Bildungsarbeit zum Thema „anti-asiatischer Rassismus“ durch:

    - die Aufbereitung von Wissen zu anti-asiatischem Rassismus und Asiatisch-Deutschen Perspektiven;
    - die Schaffung von Räumen für Asiatisch-Deutsche Multiplikator*innen für Empowerment und Austausch;
    - Cross-Community Knowledge-Transfer bei der Produktion von inter­sek­tio­nalem Wissen zu anti-asiatischem Rassismus;
    - Erarbeitung eines dekon­stru­ierten, kol­la­bo­rativ neu­be­setzten und inter­sek­tional dis­ku­tierten Konzepts von anti-asiatischen Rassismus als Grundlage für zukünftige ras­sis­mus­kri­tische Bildungsarbeit, Transfer und Aufbereitung kom­plexer Zusammenhänge in die prak­tische Bildungsarbeit

    Wir freuen uns auf Eure Bewerbungen!


    PROJEKT MEGA – MEDIA AND EMPOWERMENT FOR GERMAN ASIANS

    MEGA-Logos und MEGA-Illustrationen von patu

    „If the Kids Speak Up“- MEGA Songwriting-Workshop mit Nashi44 & Another Nguyen am 10.09.+11.09.2022 in Zwickau

    Am Wochenende vom 10. und 11. September 2022 findet in Zwickau der MEGA Rap-/Songwriting Workshop „If the Kids speak up“ mit der viet-deutschen Rapperin Nashi44 aus Berlin-Neukölln und der in Berlin lebenden Sängerin, Songwriterin und Produzentin Another Nguyen statt.

    Im Vordergrund des Workshops steht es, gemeinsam Spaß zu haben, das eigene Selbstbewusstsein zu empowern und zu unseren eigenen Geschichten zu stehen. Die beiden Musiker*innen Nashi44 und Another Nguyen werden uns dabei unter­stützen, uns musi­ka­li­sches Grundwissen zu Rhythmik, Stimmbildung, Texten, Song-Struktur anzu­eignen und uns Tools an die Hand geben, einen eigenen Song zu schreiben.

    Der Workshop ist eine Kooperation zwi­schen kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V., W.I.R. Lautstark – Werdauer Initiative gegen Rassismus, Roter Baum Zwickau und Haus der Frauen Zwickau.

    Mehr Infos zum Workshop und der Anmeldung findet Ihr auf unserer Webseite.

    Talk „30 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen. Community-übergreifende Erinnerungskultur als wider­ständige Praxis“ am 16.09.2022 in Berlin & Live-Stream.

    Anhand von zwei Kurzvorträgen sowie einem Diskussionspanel möchten wir wichtige Strategien post­mi­gran­ti­scher Erinnerungsarbeit aus wis­sen­schaft­licher Perspektive und aus der Perspektive unter­schied­licher Communities auf­zeigen.

    Kurzvorträge von Dr. Kien Nghi Ha, Kultur- und Politikwissenschaftler der Uni Tübingen sowie Johann Henningsen vom Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“ im Soziale Bildung e.V.

    Auf dem Panel werden Kenan Emini (Roma Center e.V.), Mai Phuong Kollath (Coachin, inter­kul­tu­relle Beraterin, Zeitzeugin), Magdalena Lovrić (Jugendtheatergruppe „So keres?“, Projektkoordination bei der Stiftung EVZ) und Dan Thy Nguyen (Theaterregisseur, Autor, Festivalleiter von fluc­to­plasma), mode­riert von Kimiko Suda (kori­en­tation e.V.), mit­ein­ander ins Gespräch gehen über die Möglichkeiten einer community-übergreifenden Erinnerungskultur als wider­ständige Praxis. Dabei wollen wir auf mög­liche Differenzen und Unterschiede, aber auch Kontinuitäten in den Zugängen der ersten und zweiten Generation aus den betrof­fenen Communities auf Pogrom, Gedenken und Erinnerungspolitik ein­gehen.

    Weitere Infos zur Veranstaltung und Anmeldung findet Ihr auf der kori­en­tation Website.

    MEGA Schreibworkshop mit Elnaz Farahbakhsh am 24. + 25.09.2022 in Hannover

    Am Wochenende vom 24. und 25. September findet ein Schreibwochenende in Hannover statt, das von Elnaz Farahbakhsh mit Schreibmethoden des Biografischen und Kreativen Schreibens ange­leitet wird.

    Der Fokus des Wochenendes liegt auf Empowerment: Wir werden uns mit den eigenen Geschichten befassen und Erfahrungen und Gedanken nie­der­schreiben. Dabei werden Leichtigkeit und die Lust am Schreiben nicht fehlen. Es wird darum gehen, anzu­kommen, sich zu empowern, Geschichten mit­ein­ander zu teilen und Spaß am Schreiben zu ent­wi­ckeln.

    Elnaz ist eine queere Person of Colour, ist Autor*in, Dichter*in und Aktivist*in. Im Schreiben beschäftigt sich Elnaz mit den Themen Familie, Ancestors, Spiritualität, Flucht, Healing und mental Health. Elnaz hat den Master „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der Alice Salomon Hochschule in Berlin stu­diert, gibt Schreibworkshops und macht Bildungsarbeit zu inter­sek­tio­nalen Themen. Außerdem prak­ti­ziert Elnaz Reiki und gibt Healing Sessions.

    Die Anmeldung für den Workshop ist bis zum 09.09. über unsere Webseite möglich!

    Im Oktober warten weitere tolle MEGA events auf Euch! Zückt Eure Kalender und merkt Euch schonmal vor:

    06.10.2022: Zweiter Talk in unserer MEGA TALKREIHE „Shut up and listen!“ mit tollen Gäst*innen in Berlin
    15./16.10.2022 MEGA Comic-Workshop mit Elnaz und Patu auch in Berlin


    Es wird ein auf­re­gender MEGA-Herbst! Mehr dazu im nächsten Newsletter und natürlich auf unserer Webseite. 🤗

    Past events:

    Kurzfilme aus dem MEGA Kurzfilmworkshop 2021


    Im Rahmen des Kurzfilm-Workshops „Minor Feelings“ (siehe das gleich­namige Buch von Cathy Park Hong) haben zehn Teilnehmende aus der Asiatisch-Deutschen Community vier Kurzfilme erstellt. Der Workshop wurde geleitet von Monica Tedja (Soy Division Berlin) und Dieu Hao Do (BAFNET).

    We proudly present:

    The Wound (Trailer)
    Kebebasan
    Remember the Smoke
    The Giftmaking

    Ihr könnt Euch alle vier Filme über den kori­en­tation Youtube-Kanal ansehen.

    MEGA TALK #1: „On being silenced, but talking anyway“ am 20.05.2022 @BIWOC* RISING, Berlin

    Für unseren ersten Talk „On being silenced, but talking anyway“ – Podcasts als Orte des Widerstands und der Widerworte haben wir die Podcaster*innen Melmun Bajarchuu (Lose Fäden), Abilaschan Balamuraley (Maangai), Cuso Ehrich (Hast Du alles?) und Maya Zaheer (Curry on!) (konnte leider nicht kommen) ein­ge­laden.

    Unsere Gäst*innen unter­hielten sich über ihre Wege zum Podcasting und über den Mut, die Arbeit und die Kraft, die es braucht, um über sich selbst und inter­sek­tionale Unterdrückungsverhältnisse zu sprechen. Es ging um unsichtbar gemachte (Widerstands-)Geschichten von unter­schied­lichen (post-)migrantischen, asiatisch-diasporischen Communities und die Frage, ob und inwiefern Podcasts als Orte des Widerstands und der Widerworte betrachtet werden können. Wir haben auch erfahren, wie schwierig es ist, ‚sich‘ und den ‚eigenen‘ Themen im wahrsten Sinne des Wortes „Gehör zu ver­schaffen“.

    Vielen lieben Dank an alle für den schönen Abend. Vielen Dank an BIWOC* Rising für den schönen Space!

    Keine Sorge falls Ihr nicht dabei wart, wir haben den Talk „On being silenced, but talking anyway“ natürlich für Euch auf­ge­zeichnet und auf Youtube bereitgestellt.

    Vernetzungstreffen „Chill & Grill“ am 12. Juli in Köln und Chill & Potluck“ im 20. August in Berlin

    Wir freuen uns, dass wir einige bekannte und auch viele neue Leute beim Chill&Grill in Köln und dem Chill&Potluck in Berlin (wieder) getroffen haben! Wie zu erwarten war, wurde ordentlich auf­ge­tischt, außerdem haben wir endlich einige Gruppen und Initiativen per­sönlich ken­nen­ge­lernt, die in NRW aktiv sind. Auf unserem Insta-Feed könnt Ihr sehen, wie schön es war!

    Wenn Ihr auf dem Laufenden bleiben möchtet, könnt Ihr z.B. der Telegramgruppe „Deutsch-Asiat*innen in Westdeutschland“ bei­treten. Dort findet Ihr Updates zum Asian Diaspora Stammtisch (für Rheinland & Ruhrgebiet), zur poli­ti­schen Aktionsgruppe gegen anti-asiatischen Rassismus in NRW und könnt auch selber Anliegen, Angebote und Fragen teilen.

    Ans Herz legen möchten wir Euch auch das Netzwerk „Halo Halo“, das Menschen mit phil­ip­pi­ni­schen Bezügen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusam­men­bringt.

    Danke nochmal an alle, die dabei waren – Asian Food is a love-language! ❤️


    KORIENTATION CRUSHES


    Fotocredit: KiWi Verlag

    In regel­mä­ßigen Abständen stellen wir Euch unsere CRUSHES vor: Personen, Bücher und Texte von Menschen, die uns berühren, und von denen wir denken, dass sie in einen Asiatisch-Deutschen/Asian-Diasporic (and beyond) Kanon gehören sollten!

    Unser heu­tiger kori­en­tation CRUSH kommt – von Fallon. Und zwar der Roman „Drei Kameradinnen“ von Shida Bazyar, der 2021 auch für den deut­schen Buchpreis nomi­niert worden ist!!

    Fallon: Ich habe Shidas Buch „Drei Kameradinnen“ super gern gelesen, weil es hier um drei sehr toughe, witzige und alle auf ihre eigene Art poe­tische Freundinnen geht, die sich von klein auf durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens in Deutschland begleiten. Der Roman beob­achtet und kom­men­tiert mit zeit­lichen Sprüngen zwi­schen Vergangenheit und Gegenwart sehr scharf, wie Klassismus, Rassismus und Sexismus im Alltag der erwach­senen Hauptfiguren und ihrer Familien wirken, bei­spiels­weise bei der Jobsuche oder beim Dating, und welche unter­schied­lichen Strategien – von zurück pampen, Bildungsarbeit leisten oder igno­rieren – sie im Umgang damit finden.

    Was mir am Buch sehr gut gefällt sind die nächt­lichen Recap-Gespräche beim Sleep-Over nach einer Party oder die spitzen Kommentierungen von Alltagssituationen in weißen Räumen oder bei Hochzeiten, die ich genauso auch mit meinen Freund*innen führen würde. In dieser Form habe ich das alles noch nicht als Roman auf Deutsch finden können. Ich fand es sehr empowernd ein Buch zu lesen, in dem es um ‚uns‘ geht und ‚wir‘ zu Wort kommen! Eine tolle femi­nis­tische Lektüre, die Beziehungsdynamiken von Freund*innen nicht roman­ti­siert. Und gleich­zeitig ver­deut­licht, wie wertvoll und lebens­wichtig Freund*innen als kri­ti­scher Spiegel und Allies sowie für die eigene Politisierung und Empowermentprozesse sein können.

    Das Hörbuch wird von „Futur Drei“ Schauspielerin Banafshe Hourmazdi gelesen, und das Theaterstück wird am 1. Oktober 2022 am Staatstheater in Darmstadt urauf­ge­führt!

    Hier könnt Ihr die tolle Autorin Shida Bazyar selbst sprechen hören!

    „Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, stu­dierte Literarisches Schreiben in Hildesheim und war, neben dem Schreiben, viele Jahre in der Jugendbildungsarbeit tätig. Ihr Debütroman »Nachts ist es leise in Teheran« erschien 2016 und wurde u.a. mit dem Bloggerpreis für Literatur, dem Ulla-Hahn-Autorenpreis und dem Uwe-Johnson-Förderpreis aus­ge­zeichnet und in mehrere Sprachen über­setzt.“ (Kiwi Verlag)


    BEMERKENSWERT

    Spendenaufruf Kashmir

    Wir möchten Euch auf einen Spendenaufruf von Mahwish Iftikhar hin­weisen, die Geld sammelt, um Menschen, die in Kashmir von der Hitzewelle und der daraus resul­tie­renden Dürre in ihren Existenzen gefährdet sind. Die Spenden werden für Lebensmittel, Hygieneartikel und Bildungsmaterial für Kinder gebraucht. Hier könnt ihr spenden und mehr über die Aktion erfahren.

    Petition gegen Abschiebung: „Nach 35 Jahren in Sachsen: Familie Pham/Nguyen muss bleiben!„

    Bitte unter­zeichnet diese Petition des Sächsischen Flüchtlingsrates e.V., um die Abschiebung von Familienvater Pham Phi Son, einem ehe­ma­ligen DDR-Vertragsarbeiter und seiner Familie zu ver­hindern! Hier könnt ihr mehr erfahren und die Petition unter­schreiben und teilen.

    Einladung zur Kick-Off Veranstaltung: Ein Erinnerungskonzept von Berliner Zivilgesellschaften für Berlin am 08.09.2022, 13:30 bis 20:00 Uhr

    Das Land Berlin hat 2019 die Entwicklung eines gesamt­städ­ti­schen Aufarbeitungskonzeptes sowie eines Erinnerungskonzeptes zur Geschichte und den Folgen des Kolonialismus des Landes Berlins beschlossen. Beteiligt an dem in Gang gesetzten Partizipationsprozess sind ins­be­sondere Decolonize Berlin e.V. und das Verbundprojekt „DEKOLONIALE Erinnerungskultur in der Stadt“.

    Worum es geht: Wie könnte ein ganz­heit­liches Aufarbeitungs- und Erinnerungskonzept zur Geschichte und den Folgen des Kolonialismus aus­sehen? Was braucht es, damit es seinem Namen gerecht wird? Welche Akteur*innen müssen mit am Tisch sitzen? Welche Perspektiven müssen berücksichtigt werden? Diese und andere Fragen möchten Berliner afro­dia­spo­rische Zivilgesellschaften und BPoC Organisationen gemeinsam mit Berliner*innen und inter­na­tio­nalen Akteur*innen und Organisationen dis­ku­tieren.

    Zum Kick-Off-Event laden ein Adefra, Afrikarat e.V., Decolonize Berlin e.V.,
    DEKOLONIALE Erinnerungskultur in der Stadt, Landesnetzwerk afri­ka­ni­scher Vereine (LAV) und kori­en­tation e.V.

    Kontakt: Dr. Ibou Diop
    Projektleitung Erinnerungskonzept

    Bitte meldet Euch ASAP an unter: erinnerungskonzept@berlin.de

    Bis 2.10.22 Where is my karaōke? Still, we sing | ສຽງນິທານຂອງພວກເຮົາ | សូរសៀងនិទាននៃពួកយើង។ | Nhưng chúng tôi vẫn hát

    WHERE IS MY KARAOKE? STILL, WE SING
    kon­zen­triert sich auf soziale Realitäten, Lebenswege und Praktiken der Vertragsarbeiter*innen und Austauschstudent*innen aus Kambodscha, Laos und Vietnam in der ehe­ma­ligen DDR. Es reflek­tiert kri­tisch das Nachleben der poli­ti­schen Beziehungen zwi­schen diesen Ländern, indem es die sozia­lis­ti­schen Konzepte von »Moderne«, »Brüderlichkeit«, »Solidarität« und »Freundschaft« auf­deckt, die über den Fall der Berliner Mauer hinaus Bestand haben.

    Inspiriert vom Konzept des Karaōke – bei dem die Sänger*innen das vor­ge­gebene musi­ka­lische Muster eines bestimmten Liedes nach­singen – stellen wir die Frage, wie sich (Post-)Migrant:innen ihre Heimat geschaffen und dieses Wissen über Generationen wei­ter­ge­geben wurde und wird.

    Das Projekt umfasst eine fünf­mo­natige Gruppenausstellung mit den Künstler*innen Ho Rui An, Xuân Huy Nguyễn, Phung-Tien Phan, Songhak Ky, Trần Minh Đức und dem BIPOC Kollektiv Postmigrantisches Radio, sowie ein Programm mit Filmvorführungen, Podiumsdiskussionen, eine audio­vi­suelle Archivsammlung, öffent­lichen Interventionen und Zusammenkünften.

    - 03.09.22: Workshop Kreatives Schreiben mit To Doan / Creative Writing Workshop with To Doan
    - 04.09.22: Paneldiskussion / Panel dis­cus­sions
    - 02.10.22: Finissage mit Lesekreis, Kurator*innengespräch & DJ-Set / Finissage with Reading Group, curator’s talk & DJ-Set

    Kuratiert durch Phuong Phan, Sarnt Utamachote

    Bustour „Boulette trifft Frühlingsrolle. Auf den Spuren viet­na­me­si­schen Lebens in Berlin“ am 11.09.2022

    Am Sonntag, den 11.09.2022 findet eine Busttour mit Tamara Hentschel von Reistrommel e.V. in Anwesenheit von Mitgliedern der viet­na­me­si­schen Community statt, die sich mit viet­na­me­si­schem Leben in Berlin beschäftigt. Die Teilnahme ist kos­tenlos.

    Datum: 11.09.2022 von 10–14 Uhr
    Treffpunkt: 9:30 Barnimplatz
    Anmeldung per Email: oleksandra.bienert@gmbh-kiekin.de

    Veranstaltet durch AG Vietnamesisches Leben in Marzahn-Nordwest von Kiek In e.V. Mehr Infos findet ihr hier!

    Buch „Spuren des Kolonialismus – der private Nachlass des Wandervogels Karl Fischer„

    Wir sind gespannt auf das Buch zur Ausstellung „Spuren des Kolonialismus – der private Nachlass des Wandervogels Karl Fischer“, das 2021 erschienen ist. Die Ausstellung rekon­struiert die Stationen von Fischer in Ostasien.

    Als Mitbegründer der Wandervogel-Bewegung spielte Karl Fischer (1881–1941) in der frühen Jugendbewegung eine pro­mi­nente Rolle. Weniger bekannt ist, dass Fischer von 1907 bis 1914 als Militärfreiwilliger, kauf­män­ni­scher Angestellter und Zeitungsredakteur in die deutsche Kolonialherrschaft in China ein­ge­bunden war. Die Publikation zeichnet die Spuren des Kolonialismus im pri­vaten Nachlass von Karl Fischer nach und nimmt sie zum Anlass für eine kri­tische Auseinandersetzung mit der deut­schen Kolonialgeschichte. Darüber hinaus werden in Form einer ersten Spurensuche his­to­rische und aktuelle Spuren des Kolonialismus im heu­tigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf vor­ge­stellt. (Quelle: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf)

    Unser korientation-Mitglied Dr. Kimiko Suda wurde zu einem späten Zeitpunkt des Projektes hin­zu­geholt, um eine kri­tische post­ko­lo­niale Perspektive ein­zu­führen, die die Form von text­lichen „Interventionen“ ange­nommen haben. Das Buch ist für 8 € im Buchhandel erhältlich.

    Projekt MEGAWorkshop


    Am Wochenende vom 24.–25. September fand ein Schreibwochenende in Hannover statt, das von Elnaz Farahbakhsh mit Schreibmethoden des Biografischen und Kreativen Schreibens ange­leitet wurde. Der Fokus des Wochenendes lag auf Empowerment: Wir haben uns gemeinsam mit unseren eigenen Geschichten befasst und Erfahrungen und Gedanken nie­der­ge­schrieben. Dabei haben Leichtigkeit und die Lust am Schreiben nicht gefehlt!

    Enstanden sind u.a. fol­gende Texte


    Workshop
    Ich schrieb die Worte.
    Öffnete meine Herzenstür.
    Es war viel, doch gut.

    Ein Haiku von Maria Hosein


    Der per­fekte Raum

    Der per­fekte Raum zum Schreiben. Schwierig. Wenn ich ihn hätte, würde ich nicht auf der Stelle schreiben. Es geht gar nicht um den Raum.
    Doch, aber nicht aus­schließlich. Mein Arbeitszimmer ist eigentlich mein per­fekter Raum zum Schreiben. 1 Schreibtisch. 1 Drucker. Bücher, die mich inter­es­sieren. Bücher, die mich berühren in einem Regal. In zwei circa 1‑Meter hohe Regale. Nicht so hoch. Nicht erdrü­ckend.
    Alles mög­lichst weiß. Möglichst neutral. Meine Malm-Kommode mit vier Schubladen voller Kunstmaterialien. Ein umfunk­tio­nierter Kleiderschrank mit zwei Bereichen voller Kunstmaterialien sowie Skizzenbücher und die Handtaschen, Taschen und Boxen in dem anderen Bereich. Gequetscht. Hauptsache die Kunstsachen sind da. Alles, was das Künstlerinnenherz begehrt. Alles, was ich mir als Kind gewünscht habe. Alles, was ich mir nicht leisten konnte.
    Und dann sind die weißen Wände bedeckt mit meinen Malereien. In Rahmen. Bildaufhängesystem. Wie in einer Galerie. Meine eigene private Ausstellung. 365 Tage im Jahr. Der per­fekte Raum zum Schreiben ist mein Lieblingsraum. Manchmal denke ich mir: „Ja so sieht es in meinem Kopf aus“. „The Brain“. So nannte ich diesen Raum manchmal. Ich meinte aber „My Brain“.
    Ich begann mit dem Satz „Wenn ich ihn hätte, würde ich nicht auf der Stelle schreiben.“
    Jetzt merke ich. Ich habe ihn. Aber ich sah ihn nicht mehr. Ich hatte ihn ver­loren. Aber er ist da, The Brain. My Brain. Vielleicht habe oder hatte ich ja mich ver­laufen. Verloren.
    Was für eine gewinn­brin­gende Übung. Was für eine Erkenntnis.
    10 Minuten Schreiben.
    Den per­fekten Raum fand ich in 10 Minuten Schreiben.

    von Maria Hosein


    Heimatlose Heimat. Verliebt.

    Man sagt man ver­liebt sich durch Gerüche. Und ich bin ver­liebt. Verliebt in meine Kindheit. Verliebt in meine hei­matlose Heimat. Meine Heimat, die nicht an einen Ort gebunden ist. Und zugleich an so vielen Orten und Personen. Weit weg und doch so nah. Nah dran und doch so weit.
    Ich sitze in einem Raum in Hannover. In der Kornstraße. So viele Dinge auf dem Tisch. Ich schaue sie mir an, ich halte sie und leg sie zurück.
    Und nun werden Gewürze rum­ge­geben. Verschiedene. Ich rieche sie und leg sie zurück. Beutel nach Beutel. Ein Gewürz nach dem anderen.

    Und dann ist auf einmal „Ehl“ (Kardamon) da. Ich fang an zu lächeln. 

    „Ach, Schin Tschai/ Tschai Sabz (Grüner Tee). Schin Tschai mit Ehl. Lecker“. Koltschey scherin, Koltschey schor, Shirtschai. Wie sehr liebe ich diese Dinge? Darüber möchte ich schreiben. Und trotzdem schau ich weiter. „Sei mal nicht so lang­weilig! Vielleicht gibt es noch was!“
    Und da sind auf einmal Nelken. Nelken. Ich war 13. Wir saßen alle zusammen. Meine Mutter, meine Oma und meine Tante. Nelken waren in Wasser ein­gelegt. Nelke – das Wort kannte ich damals nicht. „Lawang“, so nennen war es. Ein schöner Name. „Lawang“. Ein Wort, das wie ein Gedicht klingt. Ein Gewürz. Das wie eine Blume aus­sieht, denke ich mir. Meine Mutter, meine Tante und meine Oma stechen mühsam jedes Stück Lawang mit einer Nadel und mit Faden durch. Lawang für Lawang zu einer langen Kette.
    Sie wird an jede Ecke des „Destmals“ (Ein Tuch, für eine Hochzeitszeremonie) ange­bracht, zusammen mit Perlen und Minipompons. Für die Familie des zukünf­tigen Bräutigams. Das Destmal soll schön riechen. 22 Jahre ist es her. Und ich hab noch die eine Kette. Ein Lawangkette, die sie mir gaben, weil ich nicht auf­hörte zu fragen. 22 Jahre und Lawang lässt mich zeitreisen.

    „Komm schon. Weiter. „Zeera“ (Kümmel) Es ist Zeera. Oh Gott! Ich denke sofort an Palau, an Tschalau, an Qabeli und an all das leckere Essen. Afghanisches Essen. Ich denke an meine Mutter, an meine Oma, all die Besuche bis ich rea­li­siere. Ich bin ver­liebt. Verliebt in meine hei­matlose Heimat. Das Essen. Die Menschen. Die Gefühle. Ich lächle. Ich denke an Zuhause. Nicht an meine Wohnung. Nicht an irgend­einen Ort. Ich denke an das Gefühl von zuhause. Ich bin ver­liebt in mein Zuhause.

    Bild und Text von Maria Hosein


    Wort und Raum

    Ich lese Weiße Worte auf den Weißen Seiten,
    in meinen Büchern, die auch meistens weiß erscheinen.
    Zwischen dicht gedrängtem Weiß bleib ich unsichtbar
    auf weißen Seiten, die eigentlich nur Weiße meinen.

    Die uni­forme Einheit zwi­schen Wort und Räumen,
    Wie Weiße Mauern, die sich him­melhoch auf­bäumen
    vor unsren Worten, hält uns fern und hält ver­borgen,
    Wo wir täglich kämpfen, wovon wir nächtlich träumen.

    Weiße Mauern umzingeln mich im weißem Raum
    wie weißes Rauschen durch­dringt sie oft nur leises Raunen.
    Denn wenn wir alle einzeln ein­ge­mauert bleiben,
    Hören wir durch weiße Mauern unsre Worte kaum.

    Weißes Rauschen und ein weißer Nebel, der uns umgibt,
    Zeichnen alles weiß, was sich im Inneren ver­birgt
    Zwar wirft Nebel Schleier vor die Sicht, doch wenn es
    Nur genügend stürmt, hat er sein Dasein auch ver­wirkt.

    Wenn wir dann Seiten selbst beschreiben mit Geschichten,
    Die mehr als bloß gewei­ßeltes ans Licht bringen,
    Lichtet sich der Weiße Nebel immer um ein Stück.
    Denn Räume können wir auch mau­erlos errichten.

    Denn die Sache mit den Mauern und dem Rauschen,
    Ist, wenn wir lauter werden und dazwi­schen Lauschen,
    Wir doch viele sind in den Mauern weißer Worte,
    Wir sie stürzen können, indem wir uns aus­tau­schen.

    Platzieren wir im Weiß öfter auch mal Störmomente,
    Weil das Weiß durch das weiße Wohlfühlambiente,
    Letztlich lebt, nur die Störung es viel­leicht ein mal bewegt,
    bereiten wir dem seichten Weiß in Weiß ein Ende.

    Von Hoa-Lan Gutschke


    Die Überheblichkeit der Lebkuchen

    Lebkuchengewürz – Da gehören Nelken hin. Ein mal im Jahr feiern sie hier ihren großen Auftritt. Ein mal im Jahr wird aus der ver­ges­senen Ecke des Gewürzregales das fast unbe­rührte Glas her­vor­geholt, nur damit es im Januar wieder artig seinen Platz in der hin­tersten Reihe ein­nimmt. Um mich herum stapeln sich Backwaren, die in den Supermärkten schon am Sterbebett des Sommers lauern: Zu unge­duldig um die letzten Atemzüge noch abzu­warten, zu wichtig das all­ge­gen­wärtige Konsumangebot von Zuckerwaren aufrechtzuerhalten.

    Jetzt mit Gewürz.
    Plätzchen und Lebkuchen widern mich an, wie sie mit ihrer Selbstgefälligkeit
    und Selbstverständlichkeit die Regale besetzen und einzige Fürsprecher der
    Nelken sein wollen.

    An den Geschmack von Phở erinnere ich mich noch, doch es muss jetzt schon
    ein Jahrzehnt her sein. Eine fein­kantige Blüte, leicht und harmlos in meiner
    Hand. Acht oder zehn?
    Ich weiß nicht mehr wie viele, nur waren es wohl defi­nitiv zu viele. Diese
    kleinen unschein­baren Dinger ent­falten ihre Wirkmacht und über­rollen alles,
    was da mal nach Suppe schmeckte.
    Bitter. Grauenvoll. Meine erste Phở.

    Dabei sollte ich es doch können.
    Dabei sehe ich doch aus, als sollte ich es können.
    Wer bin ich dann?
    Plätzchen und Lebkuchen?

    Bild und Text von Hoa-Lan Gutschke


    Exit through a stanger’s car

    I wanted to dis­appear – so I opened the door to a stranger‚s car”*
    Ich ließ mich in die Sitze der Rückbank fallen, unendlich erschöpft und
    unbe­rührt von der Ratlosigkeit der Person auf dem Sitz vor mir.
    Nur irgend­etwas Anderes hier fühlen als das Altbekannte, die Erschöpfung der
    stän­digen Rücksichtnahme.
    Stören – Störgefühle auch für andere und nicht nur für mich.
    Dass es nun ganz unver­hofft diesen Menschen trifft, der an einem grauen
    Dienstagmorgen an der Ampel mal wieder die Grünphase ver­passt hat, sollte
    nicht mein Problem sein. Menschen werden halt vor Probleme gestellt, um die
    sie nicht gebeten haben.
    “Es kommt einzig auf dein Verhalten an, um deinen Umgang mit diesen
    soge­nannten Problemen”.

    Dem Gesichtsausdruck meines Schräg-Gegenübers zu urteilen, scheint es
    nicht allzu ver­traut mit derart grenz­über­schrei­tenden Verhalten zu sein. “Na,
    da einfach so mit offenen Mund rum­zu­sitzen nenn ich mal Umgang und
    Lösungsstrategie.”
    Es folgen Sekunden, eine Minute ohne Worte. Bis ich selbst
    ratlos werde. Mir schaut Hilfslosigkeit ent­gegen und da setzt sie auch schon
    ein: meine wohl­trai­nierte Umsicht, meine immer ver­langte Höflichkeit.
    Ich rutsche ungelenk mit einem für die Situation zu lauten Quietschen an den
    Griff der Autotür heran. Ich öffne die Tür und ver­lasse wortlos mit ver­le­genem
    Blick den Wagen. Die Ampel schaltet grün.
    Zurück bleiben ein paar Tropen Dienstagmorgenregen auf dem Leder der
    Rückbank.
    *Ocean Vuong

    Von Hoa-Lan Gutschke


    Raum zum Schreiben

    Fände ich den Raum in mir, in meinem Kopf, zum Schreiben,
    fände ich wohl auch den Raum zum Denken über die Frage, wie
    dieser Raum in Gestalt aussähe. Ich würde beginnen bei einer
    Tür ‚die alle ver­meint­lichen Pflichten aus­sperrt, all die Stimmen
    von außen und auch von innen, die zu oft sagen, dass meine
    Worte nicht so bedeu­tungsvoll sind. Diese Tür würde auch
    den Schmerz aus­schließen, der meine Hand manchmal lähmt,
    wenn die Geschichten wieder fast zu wahr zum Ertragen ist.
    Wenn ich mich sicher hinter dieser Tür wüsste, dann wäre mein
    Raum licht­durch­flutet und der Boden würde den satten Duft
    von fri­schem Gras in die Luft des ganzen Raumes legen. Meine
    Füße würden barfuß laufen und könnten die ein­zelnen Halme
    nicht mehr aus­ein­ander halten, die in ihrer Dichte einem kühlen
    Teppich gleichen. Dort stünde auch ein Sofa oder viel­leicht noch
    mehr ein Bett, denn manchmal schreibt es sich in der trös­tenden
    Wärme einer Bettdecke am besten. Das Geräusch vom Wind, der
    durch das Blätterdach des Sommers streicht, tanzt durch die Luft.
    Hinter meiner schüt­zenden Tür ver­nähme ich noch ab und zu,
    die Anwesenheit meiner liebsten Menschen, mal ein Lachen, mal
    Wortfetzen und ein wenig Gesang, aber immer ein Zeichen, dass
    es auch ihnen gut geht.
    In meinem Raum spielt leise Musik zum Rauschen des Windes,
    die mir zu bei­läufig erscheint, um ihr länger Aufmerksamkeit zu
    widmen.

    Von Hoa-Lan Gutschke



    Wattewelt

    Schon viertel vor elf. Vor einer Viertelstunde wollte ich das Haus ver­lassen
    haben. Die Türklinke legt sich kühl in meine Handfläche. Mein Körper wendet
    sich zum Treppenhaus.
    Verdammt, ich wollte noch meine Wasserflasche auf­füllen.
    Kann ich dort auch machen.
    Vielleicht schmeckt das Wasser dort aber nicht.
    Lieber sicher­gehen. Auf eine Minute kommt es auch nicht an. Vier Stockwerke
    nach unten, aber immerhin geht es nach unten. Ich gehe in den Hof und
    bin mir nicht ganz sicher, wo ich mein Fahrrad abge­stellt habe. Aber da
    ist es. Anscheinend war ich gestern noch moti­viert genug und habe es
    ord­nungs­gemäß im Fahrradschuppen ver­staut.
    Im nächsten Moment hieve ich mein schweres Hollandrad durch das
    Treppenhausund durch die Eingangstür. Aufsteigen. Es ist 10 Uhr 52. Ein paar
    Minuten später ist nicht so schlimm. Die Welt ist ver­schwommen. Es liegen
    gerade zehn Meter hinter mir. Alles wie in Watte. Ich habe ver­gessen meine
    Kontaktlinsen ein­zu­setzen. Jetzt fällt es mir ein. Ich drehe nicht um. Muss ich
    heute sehen können? Ich ent­scheide mich für nein.

    Von Hoa-Lan Gutschke


    Vielen Dank an Elnaz und alle Teilnehmender*innen für das gegen­seitige Empowern, Geschichten mit­ein­ander teilen und den Spaß am Schreiben! 

    Workshopleitung

    Elnaz ist ein*e queere Person of Colour, ist Autor*in, Dichter*in und Aktivist*in. Im Schreiben beschäftigt sich Elnaz mit den Themen Familie, Ancestors, Spiritualität, Flucht, Healing und mental Health. Elnaz hat den Master „Biografisches und Kreatives Schreiben“ an der Alice Salomon Hochschule in Berlin stu­diert, gibt Schreibworkshops und macht Bildungsarbeit zu inter­sek­tio­nalen Themen. Außerdem prak­ti­ziert Elnaz Reiki und gibt Healing Sessions. 

    Insta: @elnaz.farahbakhsh_

    Das Projekt MEGA wurde von 2020 bis 2024 durch das BMFSFJ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und durch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen des Partizipations- und Integrationsprogramms gefördert.

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    Projekt MEGAWorkshop

    Am Wochenende vom 10. und 11. September 2022 fand in Zwickau der MEGA Rap-/Songwriting Workshop „If the Kids speak up“ mit der viet-deutschen Rapperin NASHI44 aus Berlin-Neukölln und der in Berlin lebenden Sängerin, Songwriterin und Produzentin ANOTHER NGUYEN statt.

    Im Vordergrund des Workshops stand es, gemeinsam Spaß zu haben, das eigene Selbstbewusstsein zu empowern und zu unseren eigenen Geschichten zu stehen. Die beiden Musiker*innen NASHI44 und ANOTHER NGUYEN haben uns dabei sup­ported, uns musi­ka­li­sches Grundwissen zu Rhythmik, Stimmbildung, Texten, Song-Struktur anzu­eignen und uns Tools an die Hand geben, einen eigenen Song zu schreiben.

    Workshopleitung

    Ngoc Anh Nguyen aka Another Nguyen

    Fotocredit: Frederik Ferschke

    Ngoc Anh Nguyen ist eine vietnamesisch-deutsche Sängerin, Songwriterin und Sozialarbeiterin. Unter dem Künstlernamen ANOTHER NGUYEN ver­öf­fent­licht Ngoc Anh elek­tro­nische Popmusik. Ihre Songs wurden bereits auf Sendern wie Radio Fritz, Radio Eins und diverse Campusradios gespielt. In einer Zusammenarbeit mit der Audio-Firma SENNHEISER wurde.

    Ngoc Anhs künst­le­rische Entwicklung 2021 in einem Werbefilm por­trä­tiert. 2022 erhielt sie ein Stipendium des MUSICBOARD BERLINS und führte eine erfolg­reiche Crowdfunding Kampagne für die Produktion ihrer zweiten EP. Ngoc Anh ist Absolventin des BIMM Institutes sowie der Alice Salomon Hochschule. Als frei­schaf­fende Musikerin und Pädagogin gibt sie Songwriting-Workshops in ver­schie­denen Kultur- und Jugendzentren; als Sozialarbeiterin befasst sie sich mit Themen wie kul­tu­reller Identität, Intersektionalität und häus­licher Gewalt.
    https://anothernguyenmusic.com

    Nashi44

    Fotocredit: Hai Anh Pham

    Nashi44 steht für “ASIAN BERLIN PUSSY POWER”. So nennt die talen­tierte MC aus Neukölln ihre Attitüde, die nicht nur für empowernden Rap steht, sondern sie auch zur Stimme vieler betrof­fener Personen macht. Rap ist für Nashi auf meh­reren Ebenen ein Ausdrucksmittel ihrer Emotionen sowie ab und zu auch ein Sprachrohr für die­je­nigen, die oftmals ungehört bleiben. Abgesehen davon möchte die junge Künstlerin Safe Spaces für ihre Community schaffen: So arbeitet Nashi bei ihren Produktionen – ob Songs oder Videos – haupt­sächlich mit FLINTA*- oder BIPoc-Teams zusammen. 

    Musik begleitet Nashi schon über viele Jahre, das Jazz- und Popgesang-Studium in Leipzig bricht sie jedoch ab, um sich voll und ganz auf Rap zu kon­zen­trieren. Mit aus­drucks­starken Zeilen sowie poin­tiertem Humor und jeder Menge Attitüde basht sie das Fetischisieren süd­ost­asia­ti­scher Stereotypen und zeigt ein­drucksvoll, wie schwere Themen auf tanz­baren Sounds funk­tio­nieren können

    www.nashi44.de / Interview mit Nashi: www.zdf.de/kultur/germania/nashi44-100.html


    Der Workshop war eine Kooperation zwi­schen kori­en­tation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V., W.I.R. Lautstark – Werdauer Initiative gegen Rassismus, Roter Baum Zwickau und Haus der Frauen Zwickau. Der Workshop war Teil des Projekts „MEGA – Media and Empowerment for German Asians“ von kori­en­tation und fand im Rahmen des „If the kids are united against racism“ Festival 2022 statt.

    Das Projekt MEGA wurde von 2020 bis 2024 durch das BMFSFJ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und durch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen des Partizipations- und Integrationsprogramms gefördert.

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