korientation ist eine (post)migrantische Selbstorganisation und ein Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven mit einem gesellschaftskritischen Blick auf Kultur, Medien und Politik.
Dan Thy Nguyen, der sich bisher vor allem als Theatermacher, Festivalleiter und Schauspieler einen Namen gemacht hat, hat mit dem Band „Über Wasser und Tote“ ein sehr persönliches und poetisches Buch vorgelegt. Das Buch ist eine kleine, aber feine und eindrückliche Gedichtsammlung, die vier Abschnitte umfasst. Es hat insgesamt 67 Seiten und beginnt mit einem berühmten Zitat des buddhistischen Lehrmeisters Thích Nhất Hạnh: „Menschen fällt es schwer, ihr Leiden loszulassen. Aus Angst vor dem Unbekannten bevorzugen sie das vertraute Leiden“. Weitere Kapitel werden durch Zitate von Novalis („Wir sind nichts, was wir suchen, ist alles“) und Martin Luther King („Der alte Grundsatz ‚Auge um Auge‘ macht schließlich alle blind“) eingeleitet. Die Kapitel sind nach ihren Themen benannt: 1. „Boat Peoplezyklus“ (6–27), 2. „Über meine Mutter“ (28–37), 3. „Semra Ertan – Ein Gedichtzyklus in neun Bildern“ und 4. „Über die Reform des Theaters“ (54–67). Die ersten beiden Kapitel sind die persönlichsten und behandeln Themen, die vielen Menschen in der vietnamesischen Diaspora sehr vertraut sind, darunter eine breite Palette von Themen wie Krieg, Tod, Geschichte, Flucht, Erinnerung, Identität, familiäre Beziehungen, Exil und die Suche nach einer neuen Heimat, hier in Hamburg.
Die Kombination aus historischen, persönlichen und kulturellen Bildern mit vietnamesisch-diasporischem Hintergrund wird mit einem Gefühl für die Lokalität und den politischen Kämpfen anderer marginalisierter Gemeinschaften verflochten. So erinnert der Autor an die türkisch-deutsche Arbeitsmigrantin und Dichterin Semra Ertan, die sich 1982 in Hamburg selbst in Brand setzte, um gegen den zunehmenden Rassismus in Deutschland zu protestieren. Ihr Werk war lange vergessen. Eine Sammlung ihrer Gedichte „Mein Name ist Ausländer“ wurde erst 2020 von dem linken Verlag edition asssemblage veröffentlicht und erhielt dadurch etwas öffentliche Anerkennung. In diesem Kapitel verwendet Dan Thy häufig Parallelen und Analogien, die unterschiedliche Geschichten miteinander verbinden – etwa indem er auf die politische Selbstverbrennung des buddhistischen Mönchs Thích Quảng Đức 1963 in Saigon gegen den neokolonialen US-Krieg in Vietnam verweist.
Eine andere, sehr nahe liegende, wenn auch etwas anders gelagerte Parallele taucht dagegen im Buch erstaunlicherweise gar nicht auf und verdient deswegen hier eine ausführlichere Erwähnung. Am 22. August 1980 wurden in der Hamburger Halskestrasse Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân von Rechtsextremisten verbrannt. Beide wurden kurz zuvor von der Hansestadt aus Lagern in Malaysia ausgeflogen und als Boat People aufgenommen. Obwohl Đỗ Anh Lân sogar in einer vom Hamburger Wochenblatt „Die Zeit“ gesponserten Hilfsaktion hergeholt wurde, interessierten sich die Medien nach einer kurzen Meldung nicht mehr für diese Geschichte. Dieser Fall geriet auf diese Weise schnell in Vergessenheit und wurde erst 2012 im Zuge der Recherchen zum Hamburger NSU-Opfer Süleyman Taşköprü vom freien Journalisten Frank Keil wieder ausgegraben. Zwei Jahre später formierte sich vor Ort eine anti-rassistische Gedenkinitiative und lud mich zur ersten öffentlichen Diskussionsveranstaltung ein, die zur ersten öffentlichen Gedenkveranstaltung nach der Beerdigung aufrief. Erst 42 Jahre nach den Morden, und nach acht Jahren unermüdlicher wie mühseliger Lobby‑, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit lenkte die Stadtverwaltung endlich ein und verkündete 2022, dass der Abschnitt am Tatort in Châu-und-Lân-Straße umbenannt werden soll. Die Forderungen nach einer öffentlichen Lern- und Gedenkstätte wurden dagegen bisher nicht erfüllt.
Dan Thy, dessen Eltern ebenfalls als Boat People in der BRD ankamen, erinnert hier in anderer Weise an diese Hamburger Geschichte. Ein Gedicht, das in unterschiedlichen Abwandlungen den Anfang und das Ende des Boat People-Zyklus umrahmt und in Handschrift auf dem Backcover aufgedruckt ist, fängt so an:
„An den Hamburger Landungsbrücken hat jemand ein bronzenes Buch aufgeschlagen. Ganz unscheinbar steht es da und sehnt sich danach gesehen zu werden.“
Foto: privat
Eine Initiative ehemaliger Boat People hat 2009 anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Aufnahme den „Gedenkstein der Dankbarkeit gegenüber dem deutschen Volk und den deutschen Regierungen“ errichtet und im Beisein des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble das Denkmal an den Hamburger Landungsbrücken enthüllt. Damals spielte weder Rostock-Lichtenhagen noch das Schicksal der ertrinkenden Boat People im Mittelmeer eine Rolle. Selbst das Schicksal von Châu und Lân wurde ausgeblendet. Gegen Verblendung hilft nur die Kraft sich zu erinnern. Wichtig ist nicht nur an was und wie wir uns erinnern. Mindestens genauso wichtig ist, woran wir uns nicht erinnern.
Ein Gedichtband kann natürlich kein Geschichtsbuch ersetzen, aber als subjektive kulturelle Verarbeitung ist „Über Wasser und Tote“ ein spannendes und kraftvolles Kleinod. Es bleibt zu wünschen, dass die vom deutsch-arabischen Lyriker Hassan Hasune El-Choly neu gegründete edition neje tieden, was soviel wie „neue Zeiten“ auf Friesisch heißt, nach diesem doppelten Debüt vom Autor und Verlag bald weitere Werke mit frischen Stimmen auflegt, die unerhörte Geschichten erzählen.
Kiek mol wedder in!
PS: Bestellt bitte direkt beim Verlag oder unterstützt Eure lokalen Buchdealer.
Kien Nghi Ha wurde 1979 als Kind mit seiner Familie als Boat People aufgenommen und wuchs im Märkischen Viertel in West-Berlin auf. Später studierte er Politikwissenschaften und promovierte in der Kulturwissenschaft. Er leitet den Arbeitsbereich Asian German Studies am Asien-Orient-Institut der Universität Tübingen. Aktuell editiert er den Sammelband Asiatische Präsenzen in der Kolonialmetropole Berlin (Assoziation A, 2023) und schreibt am Essay Boat People – Vom schutzwürdigen Flüchtling zur Zielscheibe des Anti-Asiatischen Rassismus für den Ausstellungskatalog „Alfredo Jaar – The Kindness of Strangers“ (2024) des Museums der Moderne Salzburg.
Im Erscheinen: Verwobene Geschichten in Hito Steyerls „Die leere Mitte“ (1998) aus Asiatisch-deutscher Perspektive. In: Ömer Alkin/Alena Strohmaier (Hg.): Rassismus und Film. Marburg: Schüren Verlag, 2023. Zur kolonialen Matrix des anti-Asiatischen Rassismus: Gelbe Gefahr, Unsichtbarkeit und Exotisierung. In: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) (Hg.): Rassismusforschung: Rassismen, Communities und antirassistische Bewegungen, Bd. 2, Bielefeld: transcript 2023. Das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen als institutionalisierter Rassismus. In: Gudrun Heinrich/David Jünger/Oliver Plessow/Cornelia Sylla (Hg.): Perspektiven aus der Wissenschaft auf 30 Jahre Lichtenhagen 1992. Berlin: Neofelis 2023.
International Conference Anti-Asian Racism: History, Theory, Cultural Representations and Antiracist Movements
Venue: Fürstenzimmer of Schloss Hohentübingen, Burgsteige 11, 72070 Tübingen, Germany Date: Friday, 07.07.2023 − Saturday, 08.07.2023 Conveners: Dr. Kien Nghi Ha and Prof. Dr. You Jae Lee
Registration required because of limited space via email to: koreanistik@uni-tuebingen.de Participation: free of charge
The international conference, hosted by the Center for Korean Studies at the University of Tübingen, is divided into four sections. It explores how anti-Asian racism is related to modern history, theory, cultural representations and anti-racist movements. We cordially invite interested scholars, cultural workers and community activists to join the discussions of the first conference on anti-Asian racism in German academia.
P r o g r a m
Friday, 07.07.2023
14:30 – 14:45 Arrival, registration and coffee
14:45 – 15:00 Welcome and Introduction: Dr. Kien Nghi Ha and Prof. Dr. You Jae Lee
15:00 – 16:00KEYNOTE: HISTORY Making Asians Foreign: Methods of Exclusion and Contingent Belonging Lok Siu, Professor of Asian American Studies, University of California (Berkeley)
Chair: Bernd-Stefan Grewe, Professor of History, University of Tübingen
16:00 – 17:00 PANEL: HISTORY
Discrimination, Resistance, and Meritocracy. Korean Guest workers in Germany You Jae Lee, Professor of Korean Studies, University of Tübingen
The Pogrom in Rostock-Lichtenhagen as Institutional Racism Kien Nghi Ha, Postdoc Cultural Scientist, University of Tübingen
Chair: Jee-Un Kim, Managing Director of korientation. Network for Asian German Perspectives e.V.
17:30 – 18:30KEYNOTE: THEORY
The Intersections between European Racial Constructions and Modern Colonialism:Theoretical Issues and the Place of Asia Rotem Kowner, Professor of Japanese Studies, University of Haifa
Chair: Anthony Pattahu, Habilitation Candidate at the Department of Social and Cultural Anthropology, University of Tübingen
18:30 – 19:30 PANEL: THEORY
Socialists and Anti-Asian Sentiment in the Era of Mass Migration (1880–1930) Lucas Poy, Assistant Professor in Global Economic and Social History, Vrije Universiteit Amsterdam
Abolitionist Perspectives on Demands of Asian-German Formations Cuso Ehrich, Graduate Student, Institute of Sociology, Justus Liebig University Gießen
Chair: Bani Gill, Junior Professor of Sociology, University of Tübingen
Saturday, 08.07.2023
09:00 – 10:00KEYNOTE: CULTURAL REPRESENTATIONS
Racialized Screen in Early German Cinema: What Asian German Studies Can Address Qinna Shen, Associate Professor of German Studies, Bryn Mawr College
Chair: Fei Huang, Professor of Chinese Studies, University of Tübingen
10:00 – 11:00PANEL: CULTURAL REPRESENTATIONS
Anti-Asian Racism and the Politics of Asian Self-Representation in Germany: the Asian Film Festival Berlin Feng-Mei Heberer, Assistant Professor for Cinema Studies, New York University
Opportunity and Threat: Ambivalent Reporting on China in Der Spiegel, 1947–2023 Anno Dederichs, Postdoc Sociologist at China Center, University of Tübingen
Chair: Zach Ramon Fitzpatrick, Assistant Professor of German Studies at the University of Wisconsin-Madison (from fall 2023)
11:30 – 12:30 PANEL: ANTIRACIST MOVEMENTS
“Take Off Your Masks“: The Invisibility and Visibility of Anti-Asian Racism in Germany Sara Djahim, Independent Researcher, Asian and International Development Studies, Tae Jun Kim, Sociologist at German Center for Integration and Migration Research (DeZIM), Berlin
Yellow is the new Black? Emergence and Development of Asian Antiracist Activism in France Ya-han Chuang, Postdoc Sociologist at the Institut national d’études démographiques (Ined), Sciences Po Paris
Chair: Yewon Lee, Junior Professor of Korean Studies, University of Tübingen
12:30 – 13:00 Round Table: Challenging Anti-Asian Racism in Society and Academia Panelists: Qinna Shen, Lok Siu, Rotem Kowner, You Jae Lee
Chair: Kien Nghi Ha
Supported by the Platform Global Encounters of the University of Tübingen. Funded by the Federal Ministry of Education and Research (BMBF) and the Ministry of Science Baden-Württemberg within the framework of the Excellence Strategy of the German Federal and State Governments. Additional funding provided by the Academy of Korean Studies.
Eine Filmreihe des Projekts DARE (Decolonize Anti-Asian Racist Entanglements) in Kooperation mit Sinema Transtopia/bi’bak, supported von korientation
Asiatische Präsenzen in der Kolonialmetropole Berlin Localizing Decolonialization – Dekolonialisierung lokalisieren Filme – Vorträge – Diskussionen Kurator und Projektleitung: Dr. Kien Nghi Ha
WO: SİNEMA TRANSTOPIA vom 11.04. – 20.06.2023 Lindower Str. 20–22, Haus C, 13347 Berlin, U+S‑Bahn Wedding
Deutschlands kolonial-rassistischen Fantasien und Ambitionen wurde nach dem Abgang des Imperial Germany verstärkt in eine imaginäre Kolonialität überführt. Ihre filmischen Inszenierungen begeisterten nicht nur ein Massenpublikum, sondern führten auch zu einer mehrdeutigen Überlagerung von Fiktion und Realität. Die Filmkulisse, aber auch ihre Produktion und Konsumption wurden selbst zum kulturellen Kolonialraum. Das Film‑, Vortrags- und Gesprächsprogramm leistet Pionierarbeit, indem wir die „wilde Weltmetropole Berlin der Goldenen Zwanziger“ als kolonialen Kulturraum mit (anti-)Asiatischen Bezügen erforschen. Gleichzeitig wird die dekoloniale Debatte um anti-Asiatischen Rassismus sowie Orientalismus erweitert und dadurch multiperspektivischer. Ende 2023 wird ein Sammelband im Verlag Assoziation A erscheinen.
Filmprogramm mit Einführungsvorträgen und Gesprächen
11.04.2023 um 19 Uhr: Das indische Grabmal – Die Sendung des Yoghi (1921) von Joe May, OmU, 132 Min.
„Der Welt größter Film” – die so angekündigte Großproduktion mit Kolonialambiente war ein Publikumsmagnet. Joe May beschwor darin das mystische Indien und verwandelte die Filmstadt Berlin-Woltersdorf in einen „indischen“ Ort mit prächtigen Tempeln und Palästen, der von Statist:innen in Fantasiekostümen und Elefanten bevölkert wird. Angereichert mit sexualisierter weiblicher Exotik erzählt er eine verwickelte Geschichte, in der der bösartige Maharadscha Rache an seiner Frau und ihrem britischen Geliebten nimmt. Dieses Setting war so faszinierend, dass nach einem Remake in den 1930ern Jahren Fritz Lang, der bereits an der ersten Produktion beteiligt war, 1959 den Stoff erneut verfilmte.
Einführung: Dr. Subin Nijhawan, British Empire, German Illusion – Über Tiger und Grabmale in der Kolonialzeit
Moderation: Anujah Fernando / Kien Nghi Ha
25.04.2023 um 19 Uhr: Die Herrin der Welt – Die Freundin des gelben Mannes (1919) von Joe May, OV, 90 Min. Live-Musik: Stummfilmpianist Jürgen Kurz
Unmittelbar nach dem Verlust der außereuropäischen Kolonien entstand 1919 unter der Regie von Joe May in der heute vergessenen Filmstadt Berlin-Woltersdorf ein monumentaler Kolonialepos, der acht Teile umfasst. Unter großem Aufwand gedreht, wird die abenteuerliche Geschichte der jungen, schönen wie Weißen Maud Gregaards erzählt. Im ersten Teil ihre weltumspannenden Reise gerät die Erzieherin im südchinesischen Kanton in die Fänge des brutalen Bordellbesitzers Hai-Fung. Mit Hilfe von Dr. Kien Lung wird sie befreit, der sich aber ebenfalls als dubiose Gestalt herausstellt.
Einführung Dr. Tobias Nagl (via Zoom), Entfreundet: Die Freundin des gelben Mannes (1919/20), asiatische Präsenz und antirassistische Filmproteste in der Weimarer Republik
Moderation: Joshua Kwesi Aikins / Kien Nghi Ha
09.05.2023 um 19 Uhr: Sumurun (1920) von Ernst Lubitsch, OmeU, 103 Min.
Im Unterschied zu Joe May war Ernst Lubitsch nicht nur ein Meister des Weimarer Kinos, sondern avancierte auch zu einem Starregisseur in Hollywood. In seinem frühen Filmschaffen nutzte er mehrfach Orient- und Roma-Stereotypen um seine Karriere in der Unterhaltungsindustrie zu befördern. Bereits 1910 von Max Reinhardt für das Theater dramatisiert und verfilmt, wurde der Stoff 1920 mit Starbesetzung monumental in den Ufa-Studios in Berlin-Tempelhof erneut inszeniert. Sumurun ist Lubitschs Version von Tausendundeine Nacht – ein Eifersuchtsdrama im vormodernen Morgenland, dass mit europäischen Fantasien über das Harem, versklavten Tänzerinnen und orientalischer Despotie spielt.
Introduction Prof. Dr. Qinna Shen: A Berliner’s One Arabian Night: Lubitsch’s Orientalist Parody
Moderation: Sun-ju Choi / Kien Nghi Ha
23.05.2023 um 19 Uhr: Piccadilly – Nachtwelt (1929) von Ewald André Dupont, OmeU, 109 Min.
„Piccadilly“ ist nicht wie die anderen Filme der Reihe in einem imaginären Asien angesiedelt, sondern spielt sich im Herzen des modernen Londons mit exotischen Ausflügen nach Chinatown ab. Trotz dieses Settings bleiben die stereotypen Rollen nahezu unverändert: Der US-Star Anna May Wong verkörpert in diesem tragischen Liebes- und Eifersuchtsdrama eine Chinesin, die mit viel ethnic chic zum sexuell begehrenswerten Revuegirl im Nachtclub aufsteigt und dann tragisch endet. Sie ist eine asiatische Arbeitsmigrantin, die als verführerische femme fatale den Weißen Mann bedroht, aber auch befriedigt und gleichzeitig Opfer ihrer eigenen kulturellen Herkunft wird.
Einführung Yumin Li, Anna May Wong – ein chinesisch-amerikanischer Hollywoodstar in Berlin
06.06.2023 um 19 Uhr: Hito Steyerl Special – Babenhausen (1997), 4 Min. / Die leere Mitte (1998), 62 Min. / Normalität 1‑X (1999–2001), 37 Min. Alle Filme OmeU
Die Trilogie aus dem Frühwerk von Hito Steyerl lässt sich vielschichtig lesen. Sie ist nicht nur zeithistorisches Dokument und künstlerische wie aktivistische Positionierung, sondern stellt auch ein herausragendes Filmessay dar. Entstanden zwischen 1990–1998 untersucht die eindrückliche Langzeitstudie „Die leere Mitte“ die unsichtbar gemachten Zusammenhänge zwischen Antisemitismus, Kolonialismus und Rassismus im Berliner Kultur- und Stadtraum. Ein Beispiel ist die Geschichte des „Haus Vaterland“ am heutigen Potsdamer Platz. Gleichzeitig nehmen diese Filme auch migrantische Protestbewegungen und asiatisch-diasporische Stimmen in den Fokus, die sich gegen koloniale Kontinuitäten und rassistische Gewalt zur Wehr setzen.
Mit anschließendem Gespräch: Hito Steyerl, Gülşah Stapel, Kien Nghi Ha
20.06.2023 um 19 Uhr: Halfmoon Files (2006) von Philip Scheffner, OmeU, 87 Min.
Unweit von Berlin wurde am 11. Dezember 1916 im Kriegsgefangenenlager Wünsdorf die Stimme des britischen Kolonialsoldaten Mall Singh aufgenommen. Die Aufnahmen wurden im Auftrag von Militär, Wissenschaft und Unterhaltungsindustrie erstellt und waren Bestandteil des Tonarchivs „Sämtlicher Völker der Erde“. Heute befinden sie sich im Lautarchiv der Humboldt Universität Berlin und verweisen auf den kolonialen Charakter des Ersten Weltkrieges und des Lagers: Um sich als fürsorgliche Kolonialmacht zu inszenieren, wurde im Halbmondlager für afrikanische, arabische und (süd-)asiatische Gefangene die erste Moschee Deutschlands für religiöse Praktiken gebaut. Gleichzeitig wurden Lager und Insassen als Filmkulisse für die deutsche Kolonial-propaganda genutzt. Der Film geht diesen verwischten kolonialen Verbindungen im Berliner Umland nach.
Mit anschließendemGespräch: Philip Scheffner, Merle Kröger, Kien Nghi Ha
Sprecher:innen
Joshua Kwesi Aikins ist Politikwissenschaftler und Menschenrechtsaktivist. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet „Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien“ der Universität Kassel und engagiert sich u.a. im Beirat der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD). Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. kulturelle und politische Repräsentation der afrikanischen Diaspora, Kolonialität und Erinnerungspolitik. sowie Empowerment und Gleichstellungsdaten. Er ist Co-Autor des „Afrozensus“, einer Befragung Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland.
Sun-ju Choi studierte Literatur an der Universität zu Köln und Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. 2017 erschien ihre Dissertation “Vater Staat und Mutter Partei: Familienkonzepte und Repräsentation von Familie im nordkoreanischen Film”. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand von ndo e.V. und korientation e.V..
Anujah Fernando arbeitet als Kulturwissenschaftlerin und Kuratorin. In recherchebasierten Ausstellungen und Texten sowie in dokumentarischen Filmprojekten, arbeitet sie zu erinnerungspolitischen Themen rund um Migration und Kolonialismus. Sie interessiert sich besonders für die sprachlichen und kulturellen Aushandlungsprozesse zwischen erster und zweiter Migrationsgeneration. Zuletzt co-kuratierte sie die Ausstellung „Trotz Allem: Migration in die Kolonialmetropole Berlin“ am Museum FHXB.
Dr. Kien Nghi Ha, Kultur- und Politikwissenschaftler, forscht zu Asian German Studies an der Universität Tübingen. Zahlreiche Publikationen zu postkolonialer Kritik, Rassismus und Migration. Herausgeber von Asiatische Deutsche Extended. Vietnamesische Diaspora and Beyond (2012/2021). Seine Monografie „Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen ‚Rassenbastarde‘“ (transcript, 2010) wurde mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien ausgezeichnet. https://uni-tuebingen.de/de/208381
Merle Kröger arbeitet als Autorin, Dramaturgin und Kuratorin in Berlin und ist seit 2001 Teil von pong Film. Auch ist sie als Hochschuldozentin in Halle sowie Mainz tätig. Bisher hat sie fünf Romane veröffentlicht, darunter Grenzfall (2012), Havarie (2015) und Die Experten (2021). Als Kuratorin arbeitet sie seit 2007 mit dem Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V., u.a. an den Projekten Work in Progress, Living Archive und Die fünfte Wand. Navina Sundaram: Innenansichten einer Außenseiterin oder Außenansichten einer Innenseiterin, das eine Nominierung für den Grimme Online Award 2022 erhielt. www.merlekroeger.de
Jürgen Kurz ist Improvisationskünstler. Ob am präparierten Flügel, Elektro-Piano oder am verstaubten Klavier, er bringt die Saiten zum Klingen und Tasten zum Klirren. Nach dem Studium an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin hat er sich als Komponist, Theatermusiker (u. a. Volksbühne) und Pianist einen Namen gemacht. Insbesondere als Stummfilmpianist – live im Kino, Open-Air und auf Festivals. So zum Beispiel im Freiluftkino Friedrichshain, bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin, im Kino Babylon, im Kino Krokodil oder auf dem Fusion Festival. Dabei gleicht keine Vorstellung der anderen, denn die nun um die hundertjährigen Filme, erstrahlen stets in neuen improvisierten Tongewändern.
Yumin Li ist Kulturwissenschaftlerin und untersucht in ihrer Dissertation Anna May Wongs mehrere Jahrzehnte umspannende Karriere auf vier Kontinenten. Zusammen mit dem Kollektiv andcompany&Co. erarbeitet sie die Theaterperformance „Shanzhai Express“, das sich spielerisch mit Anna May Wong befasst (Première 10.6.2023 Volksbühne Berlin).
Dr. Tobias Nagl ist Film- und Musikkritiker, DJ und seit 2007 Associate Professor für Filmwissenschaft an der University of Western Ontario in Kanada. Forschungsschwerpunkte: Filmtheorie, Stummfilm, Avantgardefilm, (Post-)Kolonialismus, afrodeutsche Geschichte vor 1945, kritische Theorie. Buchveröffentlichungen: „Die unheimliche Maschine: Rasse und Repräsentation im Weimarer Kino“ (2009) und (zusammen mit Janelle Blankenship) „European Vision: Small Cinemas in Transition“ (2015).
Dr. Subin Nijhawan ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität Frankfurt. In seinem Postdoc-Projekt arbeitet er zu dem Thema Mehrsprachigkeit und Nachhaltigkeit, was auch literarische und künstlerische Quellen einschließt, um intersektionale Zugänge zu ermöglichen. Hierzu gehören auch neue Modelle zur globalen Gerechtigkeit und einer kosmopolitischen Weltbürger:innenschaft, um einer eurozentrischen Dominanz des Diskurses vorzubeugen.
Philip Scheffner arbeitet seit 1985 als Visual Artist. Seine abendfüllenden künstlerischen Dokumentarfilme The Halfmoon Files (2007), Der Tag des Spatzen (2010), Revision (2012), And-Ek Ghes… (2016) und Havarie (2016) wurden weltweit gezeigt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seit 2021 ist er Professor für Dokumentarische Praxen an der KHM Köln. Sein neuer Film Europe feierte 2022 Première auf der Berlinale. Scheffner ist Teil der Berliner Produktionsplattform / Kollektivs pong (zusammen mit Merle Kröger, Alex Gerbaulet, Caroline Kirberg und Mareike Bernien).
Qinna Shen ist Associate Professor of German am Bryn Mawr College, Pennsylvania. Nach einem Germanistik-Studium in Beijing und Heidelberg promovierte sie 2008 an der Yale Universität in den USA. Sie ist Autorin von „The Politics of Magic: DEFA Fairy-Tale Films“ und Mitherausgeberin von „Beyond Alterity: German Encounters with Modern East Asia.“ Sie hat viel über deutsch-asiatische Themen veröffentlicht.
Dr. Gülşah Stapel studierte Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin mit einem Schwerpunkt auf Denkmalpflege. Ihre Forschungsexpertise liegt in der Untersuchung von Identitäts- und Erbekonstruktionen im öffentlichen Raum und Berliner Stadtgeschichte. Seit 2020 arbeitet sie als Kuratorin für Outreach für die Stiftung Berliner Mauer. Soeben ist ihr Buch „Recht auf Erbe in der Migrationsgesellschaft. Eine Studie an Erinnerungsorten türkeistämmiger Berliner:innen“ (Urbanophil 2023) erschienen.
Hito Steyerl ist Professorin für Experimentalfilm und Video an der Universität der Künste Berlin. Sie ist Medienkünstlerin, Filmemacherin, Kulturkritikerin und ‑theoretikerin. Ihre international bekannten medien‑, technologie- und kulturkritischen Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Ausstellung „I Will Survive. Films and Installations“ (gleichnamiger Katalog von Spector Books) bildet die bisher größte Retrospektive ihres Gesamtwerks und wurde 2020 zunächst im K21 des Düsseldorfer Ständehaus, dann 2021 im Pariser Centre Pompidou gezeigt.
Dr. Kimiko Suda arbeitet an der Technischen Universität Berlin zu institutionellem Rassismus in Deutschland. Sie ist ehrenamtlich bei korientation e.V. zu dekolonialer/antirassistischer Erinnerungskultur aktiv. Von 2011–2017 hat sie mit Dr. Sun-ju Choi das Asian Film Festival Berlin geleitet.
Impressum
Kurator und Projektleitung: Dr. Kien Nghi Ha.
In Kooperation mit bi’bak e.V., korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. und der Abteilung Koreanistik des Asien-Orient-Instituts der Universität Tübingen.
Mit Filmen aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden.
Gefördert im Programm „Förderung zeitgeschichtlicher und erinnerungskultureller Projekte“ der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.
ENGLISH VERSION
A Film Program of the Project DARE (Decolonize Anti-Asian Racist Entanglements)
in co-operation with SİNEMA TRANSTOPIA, supported by korientation
Asian Presences in the Colonial Metropolis of Berlin Localizing Decolonialization – Dekolonialisierung lokalisieren Movies – Lectures – Discussions Curator and project leader: Dr. Kien Nghi Ha
At SİNEMA TRANSTOPIA from 11.04. to 20.06.2023 Lindower Str. 20–22, House C, 13347 Berlin, subway and train station: Wedding Info: sinematranstopia.com
After the end of Imperial Germany, colonial-racist fantasies and ambitions were increasingly transformed into an imaginary coloniality. Their cinematic stagings not only delighted a mass audience, but also led to an ambiguous overlapping of fiction and reality. Not only film sets but film production and consumption also became cultural colonial spaces. This film, lecture and discussion program is a pioneering exploration of the “wild cosmopolitan metropolis Berlin in the Golden Twenties” as a colonial cultural space with (anti-)Asian references. At the same time, the decolonial debate will be expanded to include anti-Asian racism and orientalism, and thus becoming more multi-perspectival. A book is planned for the end of 2023 (Assoziation A).
Film Screenings
11.04.2023 at 19:00: Das indische Grabmal – Die Sendung des Yoghi (1921) by Joe May, OmU, 132 Min.
“The world’s greatest film” – this large-scale production with colonial ambience was a crowd puller. In it, Joe May conjured up mystical India, transforming the film city of Berlin-Woltersdorf into an “Indian” space with magnificent temples and palaces, populated by dummies in fantasy costumes and elephants. Enriched with sexualized female exoticism, it tells an intricate story in which the evil maharajah seeks revenge on his native wife and her British lover. This setting was so fascinating that after a German remake in the 1930s, Fritz Lang, who was already involved in the first production, filmed this narrative again in 1959.
Introduction by Dr. Subin Nijhawan: British Empire, German Illusion – Über Tiger und Grabmale in der Kolonialzeit
Moderation: Anujah Fernando / Kien Nghi Ha
25.04.2023 at 19:00: Die Herrin der Welt – Die Freundin des gelben Mannes (1919) by Joe May, OV, 90 Min. With live music by silent film pianist Jürgen Kurz
Immediately after the loss of the non-European colonies, a monumental colonial epic comprising eight parts was made in the now forgotten film city of Berlin-Woltersdorf. Shot at great expense, it tells the adventurous story of Maud Gregaards, a young woman as beautiful as she is white. In the first part of her world-spanning journey, the educator falls into the clutches of the brutal brothel owner Hai-Fung in the southern Chinese city of Canton. She is freed with the help of Dr. Kien Lung, who, however, also turns out to be a dubious character.
Introduction by Dr. Tobias Nagl (via Zoom) Entfreundet: Die Freundin des gelben Mannes (1919/20), asiatische Präsenz und antirassistische Filmproteste in der Weimarer Republik
Moderation: Joshua Kwesi Aikins / Kien Nghi Ha
09.05.2023 at 19:00: Sumurun (1920) by Ernst Lubitsch, OmeU, 103 Min.
Unlike Joe May, Ernst Lubitsch was not only a master of Weimar cinema, but also became a star director in Hollywood. In his early film work, he repeatedly used Oriental and Roma stereotypes to advance his career in the entertainment industry. Already filmed and dramatized by Max Reinhardt for the theater in 1910, just ten years later Lubitsch staged the material again in a monumental manner with a star cast at the Ufa studios in Berlin-Tempelhof. Sumurun is Lubitsch’s version of One Thousand and One Nights – a jealousy drama set in the pre-modern Orient that plays with European fantasies about the harem, enslaved dancers and oriental despotism.
Introduction by Prof. Dr. Qinna Shen A Berliner’s One Arabian Night: Lubitsch Orientalist Parody
Moderation: Sun-ju Choi / Kien Nghi Ha
23.05.2023 at 19:00: Piccadilly – Nachtwelt (1929) by Ewald André Dupont, OmeU, 109 Min.
Unlike the other films in the series, “Piccadilly” is not set in an imaginary Asia, but takes place in the heart of modern London with exotic excursions to Chinatown. Despite this setting, the stereotypical roles remain virtually unchanged: in this tragic drama of love and jealousy, the US star Anna May Wong embodies a Chinese woman who, with ethnic chic, rises to become a sexually desirable showgirl in a nightclub but meets a tragic end. She is an Asian migrant worker who, as a seductive femme fatale, threatens but also satisfies the White man whilst at the same time becoming a victim of her own cultural origins.
Introduction by Yumin Li Anna May Wong – ein chinesisch-amerikanischer Hollywoodstar in Berlin
Moderation: Kimiko Suda / Kien Nghi Ha
This Screening is part of the korientation-Festival zu(sammen)künfte (20.–27.05.2023).
06.06.2023 at 19:00: Hito Steyerl SPECIAL – Babenhausen (1997), 4 Min., Die leere Mitte (1998), 62 Min. Normalität 1‑X, (1999–2001), 37 Min. With OmeU.
This trilogy of Hito Steyerl’s early work can be read in many different ways. It is not only a document of contemporary history and an artistic and activist positioning, but also an outstanding film essay. Created between 1990–1998, the impressive long-term study “The Empty Center” examines the invisible connections between anti-Semitism, colonialism and racism in Berlin’s cultural and urban spaces. One example is the history of the “Haus Vaterland” located at today’s Potsdamer Platz. At the same time, these films also focus on migrant protest movements and Asian-diasporic voices resisting colonial continuity and racist violence.
Followed by a Talk with Hito Steyerl, Gülşah Stapel, Kien Nghi Ha
20.06.2023 at 19:00: Halfmoon Files (2006) by Philip Scheffner, OmeU, 87 Min.
Not far from Berlin, the voice of the British colonial soldier Mall Singh was recorded on December 11, 1916 in the prisoner of war camp Wünsdorf. The recordings, commissioned by the military, science and entertainment industry, were part of the sound archive “All Peoples of the World”. Today they are housed in the sound archive of the Humboldt University Berlin and refer to the colonial character of the First World War and the camp: In order to present itself as a caring colonial power, Germany’s first mosque for religious practices was built in the halfmoon camp for African, Arab and (South) Asian prisoners. At the same time, the camp and its inmates were used as film sets for German colonial propaganda. Halfmoon Files traces these blurred colonial connections in the Berlin area.
Followed by a talk with Philip Scheffner, Merle Kröger, Kien Nghi Ha
Speakers
Joshua Kwesi Aikins is a political scientist and human rights activist. He works as a research assistant in the department of “Development Policy and Postcolonial Studies” at the University of Kassel and is active, among other things, on the advisory board of the Initiative Black People in Germany (ISD). His research interests include cultural and political representation of the African diaspora, coloniality and the politics of memory. as well as empowerment and gender equality data. He is co-author of the “Afrozensus”, a survey of Black, African and Afrodiasporic people in Germany.
Sun-ju Choi studied literature at the University of Cologne and screenwriting at the German Film and Television Academy in Berlin. Her dissertation,„Vater Staat und Mutter Partei: Familienkonzepte und Repräsentation von Familie im nordkoreanischen Film“ was published in 2017. She serves as an honorary member of the board of directors for ndo e.V. and korientation e.V.
Anujah Fernando works as a cultural scholar and curator based in Berlin. Her work focuses on the politics of collective memory as they relate to migration and colonialism. She produces research-based exhibitions, publications and documentary film projects. Her particular interest is on the practices first and second generation of migrants use to negotiate language and culture. Most recently, she co-curated the exhibition „Despite All: Migration to the Colonial Metropolis of Berlin“ at the FHXB Museum.
Dr. Kien Nghi Ha, cultural and political scientist, is a Postdoc researcher of Asian German Studies at the University of Tübingen. Numerous publications on postcolonial criticism, racism and migration. Editor of „Asiatische Deutsche Extended. Vietnamesische Diaspora and Beyond“ (Assoziation A, 2012; 2021). His monograph „Unrein und vermischt. Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen ‚Rassenbastarde‘“ (transcript, 2010) was awarded with the Augsburg Science Prize for Intercultural Studies. https://uni-tuebingen.de/en/208381
Merle Kröger works as an author, dramaturge and curator in Berlin and has been part of pong Film since 2001. She also works as a university lecturer in Halle and Mainz. She has published five novels, including Grenzfall (2012), Havarie (2015) and Die Experten (2021). As a curator, she has worked with Arsenal Institut für Film und Videokunst e.V. since 2007 on projects including Work in Progress, Living Archive, and Die fünfte Wand. Navina Sundaram: Innenansichten einer Außenseiterin oder Außenansichten einer Innenseiterin, which received a nomination for the Grimme Online Award 2022. www.merlekroeger.de
Jürgen Kurz is an improvisation artist. Whether on the prepared grand piano, electric piano or dusty piano, he makes the strings sound and keys clink. After studying at the Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, he made a name for himself as a composer, theater musician (including Volksbühne) and pianist, especially as a silent film pianist – live in the cinema, open-air and at festivals. For example at the Freiluftkino Friedrichshain, the Berlin International Film Festival, in the cinemas Babylon, Krokodil and at the Fusion Festival. No two performances are the same, because the films, which are now around a hundred years old, always shine dressed with new improvised sound.
Yumin Li is a cultural historian whose dissertation examines Anna May Wong’s career spanning several decades on four continents. Together with the collective andcompany&Co. she is developing the theater performance Shanzhai Express, which playfully deals with Anna May Wong (première 10.6.2023 at Volksbühne Berlin).
Dr. Tobias Nagl is a film and music critic, DJ, and has been Associate Professor of Film Studies at the University of Western Ontario in Canada since 2007. Research interests: Film theory, silent film, avant-garde film, (post-)colonialism, Afro-German history before 1945, critical theory. Book publications: “The Uncanny Machine: Race and Representation in Weimar Cinema” (2009) and (with Janelle Blankenship) “European Vision: Small Cinemas in Transition” (2015).
Dr. Subin Nijhawan is a research associate at the Institute of English and American Studies at Goethe University Frankfurt. His postdoc project gravitates around the nexus of multilingualism and sustainability, incorporating literature and media, in order to facilitate an intersectional view. This also includes new models for global justice and a cosmopolitan world citizenship, for preventing a Eurocentric dominance in discourses.
Philip Scheffner has been working as a visual artist since 1985. His feature-length artistic documentaries The Halfmoon Files (2007), The Day of the Sparrow (2010), Revision (2012), And-Ek Ghes… (2016), and Havarie (2016) have been screened worldwide and won numerous awards. Since 2021 he is Professor of Documentary Practices at the KHM Cologne. His new film Europe premiered at the Berlinale in 2022. Scheffner is part of the Berlin production platform / collective pong (together with Merle Kröger, Alex Gerbaulet, Caroline Kirberg and Mareike Bernien).
Qinna Shen ist Associate Professor of German am Bryn Mawr College, Pennsylvania. Nach einem Germanistik-Studium in Beijing und Heidelberg promovierte sie 2008 an der Yale Universität in den USA. Sie ist Autorin von „The Politics of Magic: DEFA Fairy-Tale Films“ und Mitherausgeberin von „Beyond Alterity: German Encounters with Modern East Asia.“ Sie hat viel über deutsch-asiatische Themen veröffentlicht.
Dr. Gülşah Stapel studied urban and regional planning at the TU Berlin with a focus on historic preservation. Her research expertise lies in the study of identity and heritage construction in public space and Berlin urban history. Since 2020, she has worked as an outreach curator for the Berlin Wall Foundation. She has just published her book „Recht auf Erbe in der Migrationsgesellschaft“ (Urbanophil 2023), a study on places of rememberance of Berliners with a family background from Turkey.
Hito Steyerl is professor of experimental film and video at the Berlin University of the Arts. She is a media artist, filmmaker, cultural critic and theorist. Her internationally renowned media‑, technology- and culture-critical works have been awarded numerous prizes. The exhibition „I Will Survive. Films and Installations“ (catalog published by Spector Books) is the largest retrospective of her entire oeuvre to date and was first shown at the K21 of the Düsseldorf Ständehaus in 2020, then at the Centre Pompidou in Paris in 2021.
Dr. Kimiko Suda works at the Technical University of Berlin on institutional racism in Germany. She is an active member of korientation e.V. and interested in decolonial/antiracist memory culture. From 2011- 2017, she co-directed the Asian Film Festival Berlin with Dr. Sun-ju Choi.
Imprint
Curator and project leader: Dr. Kien Nghi Ha.
In cooperation with bi’bak e.V., korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. and the Department of Korean Studies, Institute of Asian and Oriental Studies at the University of Tübingen.
With films from the holdings of the Friedrich Wilhelm Murnau Foundation (www.murnau-stiftung.de) in Wiesbaden.
Funded by the program Promotion of Contemporary History and Remembrance Culture of the Berlin Senate Department for Culture and Europe.
Ein Angebot für Asians in der politischen Bildungsarbeit
Sa. 03. & So. 04. Juni 2023 in der Alten Feuerwache Köln
Wie sieht politische Bildungsarbeit aus kolonialismuskritischer Perspektive aus? Was haben Identität und Selbstzuschreibungen mit Kolonialismus zu tun? Wie können wir Praxen in der politischen Bildungsarbeit schaffen und ausbauen, die auf Solidarität mit anderen rassifizierten und marginalisierten Communities basieren? Welche Werkzeuge und Strategien brauchen wir, um den Mythos der Vorzeigeminderheit aufzudecken und aktiv gegen das Teile-und-Herrsche-Prinzip vorzugehen? Auf welche Art und Weise vermitteln wir Wissen in den Lernräumen, die wir kreieren? Und wie kann ein gemeinsamer Austausch aussehen, in dem wir uns in Selbstkritik und Verantwortungsübername in unserer Praxis üben?
Das Projekt RADAR von korientation lädt Anfang Juni Aktive aus der politischen Bildungsarbeit zu einer zwei-tägigen Zukunftswerkstatt nach Köln ein. Wir werden gemeinsam diesen Fragen nachgehen und dabei immer wieder die Verbindung zur Reflektion über Kolonialität beibehalten. Wir freuen uns auf euch!
Reflexion über Identitätskonstruktionen und eigene Verbindung zu ihnen
Selbstkritischer Blick auf die eigene Praxis der politischen Bildungsarbeit
Methodenentwicklung zur Thematisierung vom Mythos Vorzeigeminderheit
Erkundung von Notwendigkeiten und Möglichkeiten zur Solidarisierung mit verschiedenen Positionierungen
Materialsammlung für eine kritische, dekoloniale politische Bildungsarbeit mit Schwerpunkten auf verschiedene asiatische Diasporen entwickeln
Programm
Samstag03.06.
Sonntag 04.06.
10.00- 11.30 Uhr
Ankommen, Kennenlernen, Thematische Einführung
Thematischer Input zur Verbindung von kritischen Perspektiven auf politische Bildung und wieso kolonialkritische Perspektiven ausschlaggebend für das Netzwerktreffen sind.
Ankommen und Open Space
Möglichkeit Bedürfnisorientierte Spaces zu gestalten.
11.45- 13.45
Block 1 Selbstzuschreibung und Identität „Ich fühl mich so zwischen zwei Stühlen hin- und hergerissen.“ Wir wollen wissen, wie diese Stühle gebaut werden und wieso Menschen sich so fühlen, als müssten sie einen guten Stuhl für sich finden.
Block 3 Interkommunale Solidarität
Bildungsräume schaffen, die positioniert arbeiten und sich gleichzeitig in Solidarität mit anderen Positionierungen treffen.
Pause
14.45- 16.45
Block 2 Mythos Vorzeigeminderheit
Gemeinsam Strategien finden, den Mythos zu thematisieren & aufzudecken, wie er die realen Gewalterfahrungen unsichtbar macht, aber auch versucht Asians als Schachfiguren weißer Vorherrschaft einzusetzen. Nicht mit Uns.
Block 4 Intervisions- und Reflexionsräume aufbauen Praxisübung zu kollegialer Fallberatung und Aufbau eines regelmäßigen Intervisionstreffens. Austausch zu Räumen der (Selbst-)Kritik und Verantwortungsübernahme.
Pause
17.00- 17.30
Abschluss und Ausblick Tag 2
Abschluss
Optionales gemeinsames Abendessen
Ressourcen nach Themenblöcken
Im Laufe der Zukunftswerkstatt werden wir die Themenblöcke behandeln und die Ressourcen darauf untersuchen, inwiefern sie mit Theorien, Praktiken und Verständnissen zusammenhängen, die gewaltsam durch Kolonialismus etabliert wurden.
Diese Liste wird sich immer weiter mit Ressourcen füllen.
Sie richtet sich an in der politischen Bildungsarbeit aktive BIPoC, die Bezüge zu Nord-/Süd-/Ost-/Südost-/Vorder- oder Zentralasien strategisch für sich wählen (können), um ihre vielfältigen Lebensrealitäten sichtbar zu machen und Fragen von Rassismus und anderen Ausschlüssen aus einer spezifischen Perspektive solidarisch anzusprechen. Wenn Du Zweifel hast und nicht weißt, ob diese Selbstbezeichnung für Dich funktioniert oder Du dich darunter wiederfindest, melde Dich gerne bei uns und wir sprechen darüber!
Anmeldungen
Ihr könnt Euch bis zum 02.04.2023 für die Zukunftswerkstatt in Köln anmelden.
Falls mehr Anmeldungen eingehen, als wir Plätze vergeben können, wählen wir nach thematischen Überschneidungen mit der Praxis der politischen Bildungsarbeit und Wohngebiet aus, da wir eine selbstorganisierte Schlafplatzbörse anstoßen werden.
Die Anmeldungen sind geschlossen.
Unterkunft und Anfahrt
Die Anfahrtskosten können übernommen werden. Schlafplätze können wir leider nicht stellen, und werden daher eine selbstorganisierte Schlafplatzbörse anhand eurer Anmeldungen einleiten. Alle Personen, die angenommen werden und keine Unterkunft in Köln haben, werden einen Schlafplatz bekommen. Für die Leute, die näher an Berlin dran sind: wir werden eine ähnliche Zukunftswerkstatt im Herbst in Berlin anbieten, stay tuned!
Barrieren
Hinkommen: Die Zukunftswerkstatt wird in der Alten Feuerwache in Köln stattfinden. Die nächsten Bus- & Bahnhaltestellen sind ca. 5 Minuten zu Fuß entfernt. Falls du Parkplätze direkt an der Feuerwache benötigst, schreib uns gerne eine Mail.
Reinkommen: Wir werden in Räumen sein, die nur durch Treppen zugänglich sind. Die Zukunftswerkstatt ist umsonst.
Klarkommen: Wir werden am Anfang eine Accessibility Need Runde (Bedürfnisrunde zu Zugänglichkeit & Barrieren) machen, in der alle ihre Bedürfnisse äußern können, um gut an der Zukunftswerkstatt teilnehmen zu können.
Corona: Wir werden uns alle an beiden Morgen auf Covid selbsttesten. Weitere Hygieneabstimmungen können wir gemeinsam treffen.
Schreib uns auch gerne im Vorhinein und teil uns mit, was du brauchst, um gut am Treffen teilnehmen zu können.
Am 16.02.2023 erschien im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung der Artikel „Die falschen Chinesen zu Dietfurt“ von Lisa Schnell. Für diesen Artikel wurde sehr kurzfristig der korientation e.V. um ein Interview angefragt und die weitergeleitete Anfrage durch Dr. Kien Nghi Ha beantwortet. Diese Berichterstattung zeigt lehrbuchartig auf, wie weite Teile der deutschen Medien weiterhin mit rassistischen Phänomenen sowie rassismuskritischen Ansätzen umgehen, womit sich auch der folgende Kommentar unseres Vorstandstandmitglied Su-Ran Sichling beschäftigt, der auch als Offener Brief an die Redaktion der SZ geschickt wird. Der SZ-Artikel verschwand kurz nach seiner Veröffentlichung hinter einer Paywall.
Beobachtungen zu wiederkehrenden Argumentationsmustern in deutschen Medien
Äußern sich weiße Journalist*innen deutscher Medien über rassistische Phänomene – seien es Debatten um rassistische Sprache in Kinderbüchern oder umstrittene Karnevalspraktiken wie im Artikel „Die falschen Chinesen von Dietfurt“ von Lisa Schnell – zeigen sich die immer gleichen Argumentationsmuster. Dass dabei journalistische Genauigkeit auf der Strecke bleiben, ist leider ebenso oft zu beobachten.
Dieser Kommentar möchte nicht erneut beurteilen, ob in Dietfurt rassistische Stereotype reproduziert werden. Vielmehr möchte er die medialen Argumentationsmuster in den Blick nehmen, die bemerkenswert oft zu beobachten sind, wenn deutsche (weiße) Medien sich zu Rassismuskritik äußern.
Zuerst – so der populistische Fahrplan der Journalist*innen – müssen gesellschaftliche Fronten gezogen werden: Zwischen denen, die lachen und das alles nicht so ernst nehmen (müssen) und all den anderen – die Schreiberin Lisa Schnell weiß anscheinend selbst nicht so genau, wer überhaupt etwas gegen den „Riesenspaß eines Chinesenfaschings“ haben könne: Vielleicht, so vermutet die Schreiberin, ließen sie sich unter den größten gemeinsamen Nenner des Gendersternchens subsumieren. Gerne werden in Artikeln zu Rassismusvorwürfen alle politischen Kämpfe um Feminismus, Gendergerechtigkeit, Antisemitismus und Antirassismus[1] in einen Topf geworfen. Dabei geht es mitnichten darum, den Kritiker*innen mehr Gewicht oder Stimme zu geben – vielmehr sollen die spezifischen Forderungen der einzelnen Kämpfe entkräftet werden. So genau will es eine weiße Dominanzgesellschaft aber auch nicht wissen, worum im Einzelnen gekämpft wird. Des Öfteren werden hier auch Begrifflichkeiten verwechselt, um dann in Folge, Praktiken der weißen Mehrheitsgesellschaft doch positiv interpretieren zu können, wie es beispielsweise Ewald Hetrodt in seinem Artikel „Die Angst vor dem schwarzen Mann“[2] vornimmt. Hier wird „Blackfacing“ ersetzt durch den Begriff der kulturellen Aneignung, der – laut Hetrodt – eine stärkere Differenzierung erlaubt, um dann in Folge auch vermeintlich positive Beispiele von kultureller Aneignung zu nennen. Was „Blackfacing“ mit kultureller Aneignung zu tun hat, erschließt sich der Schreiberin dieses Artikels allerdings nicht.
Leider kann sich die Schreiberin Schnell nicht einer gewissen Parteilichkeit verwehren. Interviewpartner*innen wie der Kultur- und Politikwissenschaftler Kien Nghi Ha werden als größtmögliche Krach[-macher] angekündigt, denen man aber zu Beginn des Artikels dann lieber doch nicht das Wort geben möchte. „Angemessen“ – so der Artikel – ist es dann eher, zuerst einen Befürworter des Karnevals sprechen zu lassen. Neben der parteiischen Wortwahl hat Schnell aber auch eine grundlegende Sache missverstanden: Geht es der weißen Mehrheit bei Rassismusfragen meist darum, die eigene Meinung gelten zu lassen und dass man sich laut Autorin einfach „an einen Tisch setzen sollte“, so stellt sich bei Angehörigen einer diskriminierten Minderheit oft die Frage nach Rassismus als strukturelles Problem. Oft würden sich von Rassismus betroffene Menschen lieber über das Phänomen Rassismus äußern als über persönliche Erfahrungen. Einer weißen Mehrheit ist es anscheinend aber auch nach geduldigem Erklären (Kien Nghi Ha hat es bewundernswerter Weise wieder einmal versucht) nicht möglich nachzuvollziehen, dass die Benachteiligung in Deutschlands Institutionen, Gesetzen, Schulen und Behördenroutinen passiert. Und dass dahinter oft keine individuelle, böse Absicht stecken muss, sich also Jede*r immer wieder versichern kann, dass man ja selbst niemals rassistisch handeln würde.
Noah Sow schreibt in diesem Zusammenhang, dass weiße Deutsche von Geburt an u.a. das Privileg haben, jede andere Kultur nachäffen oder sich in Teilen aneignen zu können. Dass sie auch bestimmen dürfen, inwiefern die Errungenschaften und Meinungen aller Menschen, die nicht weiß sind, zählen.
Der Artikel von Lisa Schnell offenbart einmal wieder die abwertenden medialen Praktiken, die die bestehenden Hierarchien und soziokulturellen Ausschlüsse verfestigen. Kien Nghi Ha kommt an einer anderen Stelle zu dem Schluss, dass aufgrund dieser weißen medialen Deutungshoheit vielen Menschen mit einer Migrationsbiographie öffentliche Sichtbarkeit verwehrt bleibt. Zwar werden sie mittlerweile gerne von Journalist*innen interviewt, aber nur um den humorlosen „Krachmacher*innen“ mit einer Gegenstimme – dem „einzig echten Chinesen von Dietfurt“ – im Nachgang zu beweisen, dass das, was man tut, in keinem Fall rassistisch ist. Dass sich allerdings zu allem und jedem immer eine Stimme (die, eventuell auch sozial, ökonomisch etc. abhängig ist von der Mehrheitsmeinung) finden lässt, um die Kritik an der Sache zu entkräften, dürfte eigentlich klar sein.
Dass Artikel dieser Art durch die Gegenüberstellung gesellschaftlicher Fronten oft sehr bewusst einen Aufschrei („…und sie wird wieder losgehen, die Debatte um den Dietfurter „Chinesenfasching“) provozieren wollen, um somit Aufmerksamkeit zu generieren, scheint anscheinend in Krisenzeiten von Printmedien immer wieder das heilsversprechende Mittel gegen eine schwindende Leser*innenschaft. Journalist*innen dieser Medien gehen hier von tragenden Teilen der Gesellschaft aus, die mehrheitlich weiß ist. Die, so Hetrodt in oben genanntem Artikel, „registrieren, dass das Normale plötzlich skandalisiert und das Vertraute aus dem öffentlichen Leben gedrängt wird“. Weiter sagt er: „Und sie [die tragenden Teile der Gesellschaft, Anm.] schauen auf das Bild, das im öffentlichen Diskurs von dem Staat gezeichnet wird, den sie mittragen und mitfinanzieren.“
Hier zeigt sich, dass Medien ein bestimmtes Weltbild konstruieren und damit auch verbundene Normen- und Wertesysteme. Doch: In einer Gesellschaft in der mittlerweile beinahe 30 % der Menschen einen sogenannten Migrationshintergrund[3] haben (Tendenz steigend) stellt sich die Frage: Welche medial dargestellte Welt bleibt also heute noch für den Großteil der Menschen nachvollziehbar? Und: Wer sind die tragenden Teile der Gesellschaft?
Die Autorin Su-Ran Sichling ist Vorstandsmitglied des korientation e.V.
[3] 2021 lebten in Deutschland rund 22,6 Millionen Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund – das entspricht 27,5 Prozent der Bevölkerung (2020 lag der Anteil bei 26,7 Prozent), Quelle: Statistisches Bundesamt.
In the transnational Corona pandemic, Asian-related racism became common headlines in the media of many Western immigration societies. In the course of this development, the term as well as the topic of “anti-Asian racism” became more prominent – in Germany for the very first time. Although anti-Asian projections and its accompanying colonial-racist constructions have been a constitutive component of Western modernity, they have hardly been perceived as a relevant topic in many European nations. This is also the case in German-speaking countries and its political, cultural and educational institutions. Thus, the academic research on the history and complexities of Asian German Diaspora, the subjectivities and needs of Asian immigrant communities is still largely marginalized and mostly deemed as unimportant. This is especially true for academic researches that centers the rich history of anti-Asian discourses and stereotypes as well as related contemporary practices, immigration policies and movements in Germany and other European countries.
To tackles this, the workshop aims at strengthening local cooperation as well as transnational networking. We like invite scholars from all academic disciplines to contribute. Inquiries from the Humanities including but not limited to Asian German Studies, Asian Diasporic Studies, Asian American Studies, Asian Studies, European Studies, German Studies, Anthropology, Media Studies, History and Social Sciences in general as well as other fields of expertise are welcome. Through the inclusion of multi-disciplinary exchanges and insights we seek to broaden our perspectives and understanding. We encourage especially scholars of Color and young academics to apply, who aims to explore this field of research in the German context.
The conference is divided into three sections:
1) The section “History” discusses historical backgrounds of the origin of Asian diasporas in Western societies. In addition to legal frameworks and political practices, the attitudes and reactions of the White mainstream are also relevant. Travel routes, work, housing, language, and gender differences and other social and spatial dimensions are also of great importance for the structure of Asian diasporic communities. Likewise, the modes of response to racism, self-organization, and community building are also important for the arrival and settlement processes. In this context, a comparative perspective allows for inferences not only about local, regional, and national, but also about transnational analogies and differences.
2) The section “Theory” deals with approaches that historically reconstruct, define, and analytically classify anti-Asian racism and its various manifestations. In addition to the functioning of structural exclusions and institutionalized discriminations, the construction and meanings of cultural stereotypes in popular culture or media can also be examined. Intersectional relations to other forms of racism and social categories such as class, gender and sexuality are also of great interest.
3) The section “Case Studies” narrows down the object of study and, with its inductive approach, allows for a change of perspective that highlights interesting aspects that are easily overlooked in the macro view. Possible formats include historical, political, cultura eventsl, but also individual cases, smaller-scale thematic aspects, biographical analyses, exemplary reception histories of cultural artifacts, and so on, which are also significant through their detailed view.
Practical informations
Due to budget limits, we can only provide a limited travel reimbursement (up to 200,- €), hotel accomodation for one night in Tübingen and meals, snacks and soft drinks for the selected submissions. Online presentation is possible in order to give overseas scholars the chance to participate.
Please send proposals (approx. 300 words) and a short CV (up to 150 words) to the organizers. Please pass this CfP along to anyone else who might be interested. Thank you for your interest!
Submission CfP
Deadline: 15.03.2023 for abstract (approx. 300 words) and short CV (up to 150 words) Result Notification: 31.03.2023 Contact: Dr. Kien Nghi Ha, Email: nghi.ha@uni-tuebingen.de More Information: Asian German Studies Tübingen https://uni-tuebingen.de/en/219396
Publication
Conference proceedings planned for 2024 by an international academic publisher
Supported by the Platform Global Encounters of the University of Tübingen. Funded by the Federal Ministry of Education and Research (BMBF) and the Ministry of Science Baden-Württemberg within the framework of the Excellence Strategy of the German Federal and State Governments.
2022 jährte sich das rassistische Pogrom in Rostock-Lichtenhagen zum 30. Mal. Zwischen dem 22. und 26. August 1992 griffen hunderte Rechtsextremist*innen unter dem Applaus tausender Schaulustiger zunächst die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende an, in der vorrangig geflüchtete Rom*nja untergebracht waren. Nachdem diese in Sicherheit gebracht worden waren, richteten sich die gewaltsamen Ausschreitungen des Mobs gegen das Wohnheim ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen im „Sonnenblumenhaus“.
Für ein mediales Erinnern und kollektives Gedenken an die Ereignisse und insbesondere an die Opfer rassistischer und rechter Gewalt, das nicht aus dominanzgesellschaftlich geprägter Perspektive auf die marginalisierten und von Rassismus betroffenen Communities blickt, stellten wir folgende Fragen: Welche Perspektiven und Formen von Gedenken an das Pogrom existieren in der vietnamesischen und in der Rom*nja Community? Welche gesellschaftspolitischen und künstlerischen Zugriffe gibt es auf das Pogrom und welche Räume werden den Betroffenenperspektiven gegeben? Welche gesellschaftspolitische Dimension nehmen diese Ereignisse in der Geschichte Deutschlands ein?
In zwei Kurzvorträgen sowie einem Diskussionspanel sprachen wir über wichtige Strategien postmigrantischer Erinnerungsarbeit sowohl aus wissenschaftlicher Perspektive als auch aus der Perspektive von unterschiedlichen Communities. Zusammen mit Personen aus vietnamesischen und Rom*nja-Communities haben wir die Möglichkeiten einer community-übergreifenden Erinnerungskultur als widerständige Praxis diskutiert und sind dabei auch auf mögliche Differenzen und Unterschiede, aber auch Kontinuitäten in den Zugängen der ersten und zweiten Generation aus den betroffenen Communities auf Pogrom, Gedenken und Erinnerungspolitik eingegangen.
Programm
Kurzvorträge
„Das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen als institutionalisierter Rassismus“, Dr. Kien Nghi Ha, Kultur- und Politikwissenschaftler, Uni Tübingen
„Das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen – Lokale Perspektive auf Akteur:innen und Gedenken“, Johann Henningsen, Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“, Soziale Bildung e.V.
Dan Thy Nguyen, Theaterregisseur, Autor, Festivalleiter von fluctoplasma
Moderation: Dr. Kimiko Suda, korientation e.V.
Zu den Referent*innen und Panelist*innen
Kenan Emini, Vorsitzender vonRoma Center e.V., Gründung und Leitung des Roma Antidiscrimination Networks seit 2015 bundesweit. Mitbegründer und stellv. Vorsitzender des Bundes Roma Verbandes, Dachorganisation der migrantischen Roma in Deutschland. Recherchereisen zur Situation abgeschobener Roma, unter anderem in Serbien, Kosovo, Mazedonien, und geflüchteter Roma aus der Ukraine in verschiedenen Ländern. Dokufilm „The Awakening“ über die Situation abgeschobener junger Roma in verschiedenen Ländern, von Abschiebung bedrohter junger Roma in Deutschland und Rechtsruck in Europa allgemeine Arbeit zu diesen Themen.
Johann Henningsen ist freier Mitarbeiter im Rostocker Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“. Er koordiniert dort ein Forschungsprojekt zu den betroffenen Geflüchteten des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen 1992. Das Dokumentationszentrum ist Teil von Soziale Bildung e.V. und arbeitet seit 2015 mit einem Archiv sowie Informations- und Vermittlungsangeboten zum rassistischen Pogrom in Lichtenhagen: lichtenhagen-1992.de
Mai-Phuong Kollath *1963 in Hanoi, Vietnam. 1981 kam sie als Vertragsarbeiterin in die DDR. In der Anfangszeit lebte sie im Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen, das 1992 von einem rassistischen Mob angezündet wurde. Zu dieser Zeit lebte sie weiterhin in Rostock und wurde Zeitzeugin des Pogroms und der rassistischen Stimmung nach der Wiedervereinigung. Die Diplom-Pädagogin leitete 16 Jahre hauptamtlich die Migrationsberatungsstelle in Rostock und leistete aktive Vorstandsarbeit bei dem deutsch-vietnamesischen Verein Diên Hồng. Heute arbeitet sie als Coach, interkulturelle Beraterin sowie Familientherapeutin in Berlin.
Magdalena Lovrić, Dipl. Pädagogin der Jugend-und Erwachsenenbildung. Seit den 1990ern in Rom*nja-Selbstorganisationen tätig. Gründete 2013 die Jugendtheatergruppe „So keres?“ in Berlin zur Reflexion der Verfolgungsgeschichte von Sintizze* und Romnja* aus der Perspektive des Überlebens und Widerstands sowie zum Empowerment junger Rom*nja. Referentin der historisch politischen Bildung zu Rassismus gegen Rom*nja im Kontext von Schule, Erinnerungskultur und sozialer Arbeit für Pädagog*innen der formalen, non-formalen Bildung und Sozialer Dienste. Seit 2020 Projektkoordination im Förderprogramm Migration und Erinnerungskultur der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ).
Dan Thy Nguyen ist freier Theaterregisseur, Schauspieler, Schriftsteller und Sänger in Hamburg. Er arbeitete an diversen Produktionen u.a. im Ballhaus Naunynstraße, auf Kampnagel, dem Mousonturm Frankfurt, dem MDR und an der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. 2014 entwickelte und produzierte er das Theaterstück „Sonnenblumenhaus“ über das Pogrom von Rostock ‑Lichtenhagen, welches 2015 in seiner Hörspielversion die „Hörnixe“ gewonnen hat und bis heute noch an diversen Institutionen gespielt wird. Seit 2020 leitet er mit seiner Produktionsfirma Studio Marshmallow das Hamburger Festival „fluctoplasma – 96h Kunst Diskurs Diversität“ und er ist stellvertretender Vorstand der LAG Kinder- und Jugendkultur Hamburg. 2021 erhielt er zusammen mit dem Gesamtensemble den Deutschen Hörspielpreis für seine schauspielerische Leistung.
Kimiko Suda arbeitet als Soziologin/Sinologin in den Bereichen Wissenschaft und politische/kulturelle Bildung in Berlin. Sie beschäftigt sich mit intersektionalen Aushandlungsprozessen und Widerstand im Kontext von Rassifizierung, Identität, sozialer Positionierung, Repräsentation und Macht. Kollektives Erinnern begreift sie als politische Praxis und Intervention. Sie ist seit 2009 in unterschiedlichen Funktionen (Vorstand, Ko-Leitung Filmfestival, Referentin, Ehrenamt) für den Verein korientation e.V. tätig.
Kooperationspartner
Die Berliner Landeszentrale für politische Bildung ist eine staatliche überparteiliche Bildungseinrichtung. Unsere Angebote zu Demokratieförderung, politischer Teilhabe und politischer Bildung richten sich an alle Berlinerinnen und Berliner. Wir ermuntern dazu, die eigenen Interessen aktiv in demokratische Entscheidungsprozesse einzubringen. „verstehen | beteiligen | verändern“
korientation unterstützt das Bündnis Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992., das das Gedenken anlässlich des 30. Jahrestages organisiert hat. Die zentrale Veranstaltung war die bundesweite Demo am 27.08.2022 in Rostock-Lichtenhagen, siehe Aufruf zur Demo. Wir veröffentlichen mehrere Redebeiträge auf unserer Webseite zur Dokumentation. Es folgt hier der Redebeitrag, der auf der Abschlusskundgebung von Kien Nghi Ha gehalten wurde.
Entschädigung und Rückkehrrecht für die Betroffenen des Pogroms
Bereits vor zehn Jahren war ich an diesem Ort, um meine Rede „Ich bin hier, weil ihr hier seid“ zu halten. 2012 war ich einer der wenigen Menschen of Color und meines Wissens nach der einzige Vietdeutsche, der damals angefragt wurde, inhaltlich beizutragen. Die Situation heute hat sich stark verbessert. Ich bin sehr froh, dass so viele verschiedene Perspektiven aus unterschiedlichen Communities of Color hier vertreten sind. Dieses interkommunale und solidarische Gedenken stärkt mich und ich weiß, dass wir zusammen erinnern, gedenken und kämpfen können.
Die vietnamesischen Bewohner:innen des Sonnenblumenhauses kamen als Vertragsarbeiter:innen in die DDR, wo sie in isolierten Heimen wohnten, als Asiat:innen im Alltag exotisiert wurden, aber auch mit rassistischen Zumutungen wie ungleichem Lohn und Diskriminierung am Arbeitsplatz zu kämpfen hatten. Die Ethnisierung der Arbeitslosigkeit im Zuge der Abwicklung der DDR-Betriebe verschärfte ihre aufenthaltsrechtlich wie sozial prekäre Situation nochmals. Wenn wir uns an den jahrelangen Kampf für das Bleiberecht der ehemaligen Vertragsarbeiter:innen in Erinnerung rufen, dann wird schnell klar, wie mühselig, kostenintensiv und nervenaufreibend die Auseinandersetzung mit dem Ausländeramt für die Betroffenen für jede auf wenige Monate befristete Duldung war. Es fiel der Politik sehr schwer das rigide Régime des Ausländerrechts zu lockern und als 1997 dann eine Bleibeperspektive zustande kam, wurden möglichst hohe Auflagen eingebaut. Viele mussten in die Zwangsselbstständigkeit gehen, um nicht durch Sozialhilfebezug ihr Aufenthaltsrecht zu gefährden und überlebten diese Situation nur durch selbstausbeuterische Arbeitsbedingungen. Auch die Polizei spielte nicht nur in dieser Zeit eine sehr unrühmliche Rolle, wobei die aufsehenerregenden Missbrauchsfälle auf dem Polizeirevier Bernau im Jahr 1994 nur eine von vielen Fällen des institutionalisierten Rassismus in dieser Behörde darstellt. Insoweit widerspricht das Pogrom nicht den bis dato gemachten Deutschlanderfahrungen, sondern reiht sich als negativer Höhepunkt in die Serie von rassistischen Diskriminierungs, Marginalisierungs- und Gewalterfahrungen ein.
Angesichts der Tatumstände und der Verstricktheit von Politik, Medien und Sicherheitsorganen erwarteten die angegriffenen Communities keine Hilfe von der Weißen Mehrheitsgesellschaft. Ihre Erfahrungen waren diesbezüglich eindeutig: Statt Entschädigung und eine angemessene juristische Aufarbeitung der rassistischen Gewalt, waren sie von der Abschiebung bedroht. Gerade die ständigen Konflikte mit deutschen Verwaltungen aufgrund des ungesicherten Aufenthaltsrechts, löste grundsätzliche Ängste aus. Wer mit solchen fortdauernden existenzbedrohenden Problemen konfrontiert ist, hat natürlich nicht den Kopf frei sich mit den vielfältigen Auswirkungen des Pogroms auseinanderzusetzen. Die vietdeutsche Community in Rostock war und ist aktiv. Der Glaube, dass sie passiv und unsichtbar seien, ist ein Klischee. Sie hat sich sehr wohl vor Ort für ein besseres und interkulturelles Zusammenleben eingesetzt. So wie sie sich während des Pogroms selbstorganisiert, verteidigt und sich selbst über das Dach aus dem brennenden Haus gerettet hat, so hat sie später das Bleiberecht gegen Widerstände aus Politik und Verwaltung erstritten und sich aktiv für den Aufbau ihrer lokalen Gemeinschaft eingesetzt. Für diese Verdienste gebührt ihr viel Respekt und Anerkennung.
Vor 30 Jahren lebte ich als junger Student der Politikwissenschaft in Berlin. Ich kam als Kind einer Boat-People Familie nach West-Berlin wuchs eigentlich mit dem Wunsch auf, anerkannter Teil der deutschen Gesellschaft zu sein und wollte wie viele Menschen of Color wie selbstverständlich dazu gehören. Ich wollte in Deutschland einfach entspannt leben.
Aber das Pogrom gegen die vietnamesische Community in Rostock-Lichtenhagen räumte grundlegend mit meinen Illusionen über Deutschland auf. Je nationalistischer der deutsche Wiedervereinigungsprozess eskalierte und je stärker die rassistischen Exzesse in den Parlamentsdebatten und die aufhetzende Medienberichterstattung über die angebliche „Asylantenflut“ wurden, desto wachsamer und politischer wurde ich. Ich habe in dieser Zeit so viel über die Weiße deutsche Gesellschaft gelernt und hatte das Gefühl, erstmals hinter die Fassade der liberal-bürgerlichen Idylle zu blicken. Was ich dann in Rostock-Lichtenhagen ungeschminkt sah, war ein rassistischer Abgrund, der blanke Horror. So viel massenhafter dumpfer Hass gepaart mit dem selbstverliebten Selbstbild als aufgeklärte Nation der Dichter, Denker und Dauersäufer. Die live im Fernsehen übertragenen Bilder von dem brennenden Sonnenblumenhaus, das tagelang wie bei einer mittelalterlichen Belagerung sturmreif angegriffen wurde, waren einfach unfassbar: Es sprengte alles, was ich mir bis dahin vorstellen konnte im modernen, angeblich so zivilisierten und demokratisch-rechtsstaatlichen Deutschland. Rostock-Lichtenhagen war für mich ein erneuter Zivilisationsbruch! Meine Gefühle waren eine bizarre und widersprüchliche Mischung aus absolutem Unglauben, Entsetzen, Abscheu, Wut, Trauer, Hilfslosigkeit und Trotz. In der unmittelbaren Situation wusste ich mir nicht besser zu helfen als einen Leserbrief an die taz zu schreiben.
Was ich in diesen Jahren ebenfalls erlebte und was mich bis heute prägt, war aber auch die Erfahrung in migrantischen, antirassistischen Zirkeln von People of Color, dass selbstorganisierter Widerstand möglich ist, dass wir solidarische Strukturen aufbauen können und trotz unserer beschränkten Mittel nicht wehrlos sind.
Vor dem Pogrom in Lichtenhagen dachten alle, dass sowas nach der Nazizeit in Deutschland nicht mehr möglich sei. Das dachte ich auch. Bis zum Pogrom lebte ich in einer realitätsfernen Blase und dachte ich sei integriert, weil ich den deutschen Pass habe. Rostock-Lichtenhagen und die explosionsartige rassistische Gewaltwelle in den 1990er Jahren zeigten mir, dass es ein anderes, sehr dumpfes und immer noch ziemlich schwarzbraunes Deutschland gibt. Das Pogrom dauerte vier Tage. Es war ein Volksfest mit Deutschlandweit angereisten Teilnehmenden. Es gab Bratwurstbuden, viel Bier und ein jubelndes Publikum. Und obwohl dieses rassistische Spektakel in aller Öffentlichkeit zelebriert und im Fernsehen live übertragen wurde, war das absolut Unmögliche trotzdem möglich bzw. wurde durch das Versagen der Weißen Institutionen möglich gemacht. Solange es einen strukturellen Rassismus in der Gesellschaft gibt und die Institutionen dieses Machtungleichgewicht abbilden und rassistische Hierarchien mit Leben füllen, ist Rassismus in jeder Form denkbar und möglich. Wir müssen daher wachsam und solidarisch bleiben.
Forderungen
1) Auch nach 30 Jahren ist es nicht zu spät, die Rom*nja und vietdeutschen Betroffenen des Pogroms materiell zu entschädigen und ihnen ein Rückkehrrecht anzubieten. Wenn die offizielle Entschuldigung der Stadt Rostock von 2002 nicht nur eine leere Floskel ohne Konsequenzen ist, wäre es jetzt dringend geboten, ein großzügig ausgestatteten Fond zur Wiedergutmachung des historischen Unrechts einzurichten. Nach dem skandalösen Versagen von Politik, Stadtverwaltung und Justiz fordern wir die staatlichen Institutionen auf, zumindest jetzt ein Mindestmaß an rechtsstaatlichen und ethischen Anstand zu zeigen.
2) Wir fordern die Kultur- und Wissenschaftsbetriebe auf, sich stärker mit den Pogromen und der rassistischen Gewalt in den 1990er Jahren auseinandersetzen. Diese Zeit ist so grundlegend wichtig und gerade der Komplex Rostock-Lichtenhagen wurde bisher nur unzureichend erforscht und ist kulturell kaum verarbeitet.
3) Wir fordern die Stadt Rostock auf, dass dezentrale Gedenkkonzept zu überarbeiten und die bisher unverständlichen Denkmäler so zu ergänzen, dass sie dazu einladen sich inhaltlich mit dem Pogrom auseinanderszusetzen.
4) Wir fordern alle Menschen und speziell die Medien dazu auf, das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen nicht weiter als „ausländerfeindliche Gewaltexzesse“ oder als „fremdenfeindliche Ausschreitungen“ kleinzureden und zu verharmlosen sowie die Verantwortung staatlicher Institutionen und politischer Eliten unsichtbar zu machen. Das Pogrom ist ein Pogrom, weil staatliche Institutionen und Verantwortungsträger unprofessionell handelten. Sie haben versagt, die Gewalt zugelassen und toleriert. Und in nicht wenigen Fälle wurde der Rassismus – intendiert oder nicht – politisch und medial gefördert. Wer die historische Tatsachen – so bitter und unbequem sie auch sind – leugnet, setzt rassistische Praktiken fort, die die Betroffenen des Pogroms erneut diskriminiert. Das wollen und werden wir nicht zulassen. Dagegen werden wir uns heute und in Zukunft mit aller Macht gemeinsam wehren.
korientation unterstützt das Bündnis Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992., das das Gedenken anlässlich des 30. Jahrestages organisiert hat. Die zentrale Veranstaltung war die bundesweite Demo am 27.08.2022 in Rostock-Lichtenhagen, siehe Aufruf zur Demo. Im Folgenden unser Redebeitrag.
Wir sprechen für korientation, einer post/migrantischen Selbstorganisation und einem Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven aus Berlin.
Wir solidarisieren uns mit den Betroffenen des Pogroms, mit den vietnamesischen / viet-deutschen Communities, mit den Rom*nja-Communities, mit allen Betroffenen rassistischer und rechter Gewalt.
In unserem Verein sind Menschen mit unterschiedlichen Geschichten aus Asiatisch-Deutschen Communities. Uns eint, dass wir als asiatisch markierte Menschen in Deutschland leben und spezifische Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen teilen. Viele unserer Eltern sind als „Gast-“ oder Vertragsarbeiter*innen nach Deutschland gekommen, viele als Geflüchtete. Einige von uns lebten als Kinder in Wohnheimen, Geflüchtetenunterkünften. Wenn wir die Bilder des grölenden, hasserfüllten Mobs das brennende Sonnenblumenhaus stürmen sehen und die Tausenden Beifall klatschenden Bürger*innen vor dem Haus, berührt uns das direkt.
Das hätten auch wir sein können.
Die Menschen im Sonnenblumenhaus vor 30 Jahren, die um ihr Leben bangten, hätten auch unsere Eltern sein können, unsere Onkels und Tanten, Cousinen, Brüder, Schwestern.
Wir erinnern an die tagelange extreme Gewalt, an die Todesängste der Betroffenen angesichts des rassistischen Mobs, denen sie nach dem Rückzug der Polizei ausgeliefert waren. Bis heute gab es keine offizielle Entschuldigung oder Wiedergutmachung.
Wir erinnern auch an den Widerstand und Mut der vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen, die sich mit Holzstangen gegen die eingedrungenen rechten Gewalttäter verteidigten und einen Weg fanden, um sich gemeinsam übers Dach ins Nachbargebäude zu retten.
Ein postmigrantisches, nicht-hegemoniales Erinnern muss die Überlebenden und Betroffenen von Rassismus und rechter Gewalt würdigen und erinnern. Die Betroffenen und ihre Perspektiven tauchen in den dominanten, täterzentrierten Erinnerungsdiskursen nicht auf. Die Betroffenen werden nicht gehört und beteiligt, schlicht und einfach vergessen. Beispiel hierfür ist die Gestaltung des Mahnmals an das Pogrom der Stadt Rostock im Jahr 2017.
Ein Erinnern, das auf Veränderung zielt, muss die Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit Rassismus in der deutschen Gesellschaft einfordern, der strukturell und institutionell historisch verankert ist und bis in die Gegenwart fortwirkt.
Anti-asiatischer Rassismus ist in Deutschland schließlich kein neues Phänomen, sondern etablierte sich spätestens mit der deutschen Kolonialisierung chinesischer und pazifischer Gebiete im 19. Jh. auf der strukturellen und institutionellen Ebene.
Daher stellt Rostock-Lichtenhagen keinen Einzelfall dar, sondern einen tragischen Höhepunkt von anti-asiatischem Rassismus in Deutschland. Der wurde nicht benannt, nicht aufgearbeitet, institutionell negiert und unsichtbar gemacht. Dies gilt auch für den massiven Rassismus gegen die geflüchteten Rom*nja.
Auch die Ermordung etwa von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân 1980 in Hamburg, Phan Văn Toản 1997 in Fredersdorf, Pham Duy-Doan 2011 in Neuss und die Vergewaltigung sowie der Mord von Li Yangjie 2016 in Dessau verweisen auf historische Zusammenhänge, die bis in die Gegenwart reichen. Erst vor kurzem hat der mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 aufflammende anti-asiatische Rassismus gezeigt, wie schnell kolonialrassistische Stereotypen und Feindbilder in Medien, Politik und breiten Gesellschaftsschichten aktiviert werden und in rassistische Übergriffe in der Öffentlichkeit münden.
Cross-Community Solidaritäten und Gedenken
Unser Engagement gegen anti-asiatischen Rassismus ist grundlegend mit anti-rassistischen Kämpfen und historischen Erfahrungen von anderen Communities of Color verbunden.
Dazu gehört beispielsweise die Auseinandersetzung mit dem NSU-Terror, dem Anschlag von Hanau oder der Support für die Black Lives Matter-Bewegung.
Dazu gehört auch die gegenseitige Solidarisierung und die Notwendigkeit von Cross-Community-Allianzen im Gedenken und in der Aufarbeitung der Vielzahl von unaufgearbeiteten, vergessenen Fällen.
Wir verweisen auf die wichtige Arbeit von Gedenkinitiativen. Das Handeln von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, das Handeln von post/migrantischen Selbstorganisationen ist unersetzlich, um politischen Druck auf staatliche Institutionen zu erzeugen.
Es geht darum, den Ermordeten und Hinterbliebenen zu sozialer Gerechtigkeit zu verhelfen.
Es geht darum, weitere Gewalt gegen People of Color und marginalisierte soziale Gruppen in Deutschland zu verhindern.
Es geht darum, für unsere eigene Zukunft, unsere eigene Sicherheit und Gleichberechtigung in diesem Land zu kämpfen.
Wir fordern die deutsche Regierung auf, anti-asiatischen Rassismus in nationalen Aktions- und Maßnahmenplänen gegen Rassismus neben anderen Rassismen und Diskriminierungsformen anzuerkennen.
Wir fordern eine multi-perspektivische Erinnerungspolitik.
Wir fordern eine Wiedergutmachung in Form einer angemessenen Entschädigung der Betroffenen des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen.
Aus aktuellem Anlass machen wir auf die drohende Abschiebung des ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiters Pham Phi Son aufmerksam, der mit seiner Familie in Chemnitz wohnt. Er kam 1987 nach Deutschland und lebt seit 35 Jahren in Sachsen! Die Stadt plant seine Abschiebung. Unterschreibt die Petition an den Sächsischen Landtag. Wir fordern die unbefristete Niederlassungserlaubnis für Pham Phi Son! (https://www.openpetition.de/petition/online/nach-35-jahren-in-sachsen-familie-pham-nguyen-muss-bleiben)
„Antirassistisches / (post)migrantisches Erinnern heißt politisch/kollektiv intervenieren und Gesellschaft verändern!“
korientation unterstützt das Bündnis Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992., das das Gedenken anlässlich des 30. Jahrestages organisiert. Die zentrale Veranstaltung wird die bundesweite Demo am 27.08.2022 in Rostock-Lichtenhagen sein. Wir beteiligen uns an der Demo mit einem Redebeitrag vor Ort und rufen auch alle Asiatisch-Deutschen Communities, Gruppen, Inis dazu auf, daran teilzunehmen.
Großdemo am 27. August 2022 – 14 Uhr – Rostock-Lichtenhagen
30 Jahre nach dem rassistischen Pogrom werden wir am 27. August 2022 gemeinsam in Rostock-Lichtenhagen auf die Straße gehen. Denn rassistische Gewalt und institutioneller Rassismus gehen bis heute Hand in Hand. Dem Erinnern muss ein Handeln folgen.
Wir fordern: Den Angriff in Lichtenhagen 1992 als rassistisches Pogrom benennen!
Rostock im August 1992. Im Stadtteil Lichtenhagen werden über drei Tage hinweg Geflüchtete und ehemalige Vertragsarbeiter:innen aus Vietnam angegriffen. Die Polizei schreitet gegen den zeitweise aus mehreren tausend Menschen bestehenden Mob kaum ein und zieht sich schließlich ganz zurück. Die Angreifer:innen werfen daraufhin Brandsätze in das Haus. Mehr als 120 Menschen retten sich über das Dach des Gebäudes. Bis heute scheut sich die Hansestadt Rostock dieses Pogrom klar als solches zu benennen.
Wir fordern: Rassistische Gewalt benennen und bekämpfen!
Das brennende Sonnenblumenhaus ist bis heute ein Symbol rechter Gewalt. Aber nicht nur hier und nicht nur 1992 werden unzählige Menschen durch rechte und rassistische Gewalt verletzt, getötet und traumatisiert – Lichtenhagen war und ist kein Einzelfall.
Wir fordern: Abschiebestopp und Bleiberecht für Rom:nja und alle Betroffenen rassistischer Gewalt!
Dem Pogrom in Lichtenhagen vorausgegangen ist eine jahrelange Kampagne zur Verschärfung des Asylrechts durch konservative Parteien. Im Nachgang des Ereignisses gab es für Asylsuchende keinen besseren Schutz, sondern Abschiebungen und Lagerunterbringung. Die Asylgesetzverschärfungen trafen wie die rassistische Debatte im Vorfeld besonders Rom:nja. Die betroffenen ehemaligen „Vertragsarbeiter:innen“ führten wie viele ihrer ehemaligen Kolleg:innen jahrelange Kämpfe um ihr Bleiberecht.
Wir fordern: Dezentrale Unterbringung jetzt! Auflösung der Aufnahmeeinrichtung in Nostorf-Horst und aller Sammellager!
Wenige Monate nach dem Pogrom, im April 1993, wird das Aufnahmelager Nostorf-Horst errichtet. Statt Geflüchtete vor rechter Gewalt zu schützen, werden sie fortan im Wald isoliert. Weitab von Einkaufsmöglichkeiten und anderer Infrastruktur leben hier seitdem Menschen für Monate oder Jahre. Das Lager in Nostorf-Horst kann als Prototyp der Erstaufnahmeeinrichtungen verstanden werden, aus denen Geflüchtete direkt abgeschoben werden können.
Wir fordern: Perspektiven und Forderungen Betroffener in den Mittelpunkt stellen!
Gegen rechte Gewalt und staatlichen Rassismus kämpfen seit Jahrzehnten viele Menschen, zum Beispiel in migrantischen Selbstorganisationen, als Antifas oder in lokalen Gedenkinitiativen. Dabei ist ein selbstbestimmtes Gedenken Betroffener wichtige Voraussetzung für Aufarbeitung und Erinnerung.
Wir fordern: Umbenennung des Neudierkower Wegs in Mehmet-Turgut-Weg!
Der Kampf gegen Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus darf sich nicht auf einzelne Jahrestage beschränken. Rostock wurde etwa zehn Jahre nach dem Pogrom auch Schauplatz eines NSU-Mordes. Die Verstrickungen des NSU in MV sind bis heute unzureichend aufgearbeitet. Das Gedenken muss mehr sein als ein kurzes Innehalten. Erinnerung braucht Räume, Orte und Widerstand. Wir müssen uns der Namen der Opfer erinnern.
Wir werden in Lichtenhagen gemeinsam für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Ausgrenzung und Unterdrückung auf die Straße gehen. Wie es die Aktivist:innen in Hanau formulieren: Erinnern heißt verändern!
Demonstration on August 27, 2022, 2 p.m. in Rostock-Lichtenhagen
On August 27th we will take the streets together to take a stand against racism in Rostock and against oppression everywhere. We remember the racist pogrom that took place in Rostock-Lichtenhagen in 1992. We want to overcome racism that still exists today. We are convinced that together we can change our society for the better.
Our alliance was founded to commemorate the pogrom in Rostock-Lichtenhagen in 1992. Among other things, we organize events on various aspects of this nationwide demonstration.
With the demonstration we demand from politics:
Name and fight racist violence!
The burning „sunflower house“ is still a symbol of right-wing violence in Germany. But it is not only here and not only in 1992 that countless people are injured, killed and traumatized by right-wing and racist violence – Lichtenhagen was and is not an isolated case.
Clearly name the attack in Lichtenhagen in 1992 as a racist pogrom!
Rostock in August 1992. In the Lichtenhagen district, refugees and former contract workers from Vietnam were attacked for three days. The state government and the police did not intervene. It is important to clearly name this state racism with the term „pogrom“.
Stop deportation and right to stay for Romany People and all those affected by racist violence!
From 1992 to the present, conservative parties use racial prejudice to tighten laws against asylum seekers. Many of those, who were affected by Lichtenhagen, were either deported or had to fight for years for a right to stay.
Decentralized housing now! Abolish the reception facility in Nostorf-Horst and all collective Refugee camps!
Horst existes since Lichtenhagen. Far away from shops and other infrastructure, people live here for months or years. The Refugee camp in Nostorf-Horst is one of many collective camps. Collection camps are not good places to live, therefore: Apartments for everyone!
Focus on the perspectives and demands of those affected by racism!
Many people have been fighting against right-wing violence and state racism for decades. It is important that those who experience racism every day help shape the commemoration in a self-determined manner. This is an important prerequisite for processing and remembering.
Rename Neudierkower Weg in Toitenwinkel into Mehmet-Turgut-Weg!
About ten years after the pogrom, Rostock was also the scene of a murder by the terrorist group NSU. To remember that Mehmet Turgut was part of the Rostock city society, the path at the memorial should be named after him.
Ngày ấy cũng như ngày nay: Tưởng nhớ có nghĩa là thay đổi
Biểu tình ngày 27 tháng 8 năm 2022, lúc 14 giờ tại Lichtenhagen, Rostock.
Ngày 27 tháng 8 năm 2022, chúng ta sẽ cùng xuống đường biểu tình chống lại nạn phân biệt chủng tộc tại Rostock và chống lại sự đàn áp ở khắp nơi. Chúng ta tưởng nhớ về bạo động phân biệt chủng tộc đã xảy ra vào năm 1992 tại Lichtenhagen. Phân biệt chủng tộc vẫn đang tồn tại. Hãy cùng nhau chấm dứt phân biệt chủng tộc. Chúng tôi tin rằng, chúng ta có thể cùng nhau thay đổi cho một xã hội tốt đẹp hơn.
Liên hiệp chúng tôi đã được lập ra để tưởng niệm vụ bạo động phân biệt chủng tộc tại Lichtenhagen năm 1992. Chúng tôi tổ chức nhiều sự kiện với nhiều khía cạnh khác nhau và cuộc biểu tình toàn liên bang này là một trong các chương trình đó.
Với cuộc biểu tình này chúng tôi yêu cầu các chính trị gia:
Nêu tên và đấu tranh chống Bạo lực phân biệt chủng tộc!
Hình ảnh khu nhà Ba hoa bị cháy vẫn là một biểu tượng của bạo lực cánh hữu cho đến nay. Tuy nhiên không chỉ ở nơi đây và không chỉ năm 1992, vẫn còn rất nhiều người bị thương, bị giết chết và bị ám ảnh bởi bạo lực cánh hữu và phân biệt chủng tộc – Lichtenhagen đã và hiện nay cũng không phải là trường hợp duy nhất.
Gọi tên vụ tấn công tại Lichterhagen năm 1992 rõ ràng là bạo lực phân biệt chủng tộc!
Rostock vào tháng 8 năm 1992. Tại Lichtenhagen, những người tị nạn và những người hợp tác lao động Việt Nam bị tấn công 3 ngày dài. Chính quyền bang và cảnh sát đã không can thiệp. Việc nêu tên phân biệt chủng tộc mang tính nhà nước này bằng khái niệm rõ ràng “bạo lực phận phân biệt chủng tộc” (Pogrom) là rất quan trọng.
Dừng việc trục xuất và quyền được ở lại cho người Romn:ja và tất cả những người bị ảnh hưởng bởi bạo lực phân biệt chủng tộc!
Từ năm 1992 cho đến nay các đảng bảo thủ sử dụng những định kiến mang tính phân biệt chủng tộc, để tăng cường các điều luật chống lại người xin tị nạn. Những người bị ảnh hưởng đến bởi Lichtenhagen một số đã bị trục xuất hoặc đã phải đấu tranh nhiều năm trời cho quyền được ở lại.
Cư trú phi tập trung cho những người xin tị nạn ngay lập tức! Giải thể cơ sở tiếp nhận người tị nạn tại Nostorf-Horst và tất cả những nơi cư trú tập trung!
Từ vụ Lichtenhagen bây giờ có Horst. Những người tị nạn sống ở đây cách xa những nơi có thể mua sắm và cơ sở hạ tầng khác trong vài tháng hay vài năm. Nostorf-Horst là một trong số nhiều những nơi ở tập trung. Nơi ở tập trung không là chỗ ở tốt, vì vậy yêu cầu: Căn hộ chung cư cho tất cả mọi người!
Đặt trọng tâm vào những quan điểm và yêu cầu của những người bị ảnh hưởng của phân biệt chủng tộc!
Từ vài thập kỉ nay đã có nhiều người đấu tranh chống lại bạo lực cánh hữu và phân biệt chủng tộc mang tính nhà nước. Quan trọng là những người cảm nhận phân biệt chủng tộc hàng ngày tự quyết định cùng kiến tạo và thực hiện việc tưởng nhớ. Đó là một tiền đề quan trọng để nhìn lại, phân tích, xử lý những trải nghiệm và tưởng nhớ
Đổi tên đường Neudierkower Weg thành Mehmet-Turgut-Weg tại Toitenwinkel để nhắc nhở chúng ta về Mehmet Turgut!
Khoảng 10 năm sau vụ bạo động phân biệt chủng tộc, Rostock cũng đã trở thành hiện trường của một vụ giết người bởi nhóm khủng bố NSU. Để tưởng nhớ việc Mehmet Turgut là một phần của dân thành phố Rostock, đường đi qua tượng tưởng niệm của anh nên được đặt theo Mehmet Turgut.
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Anjuli Aggarwal
Anjuli Aggarwal, 33, M.A. South Asian Studies an der Universität Heidelberg.
Studienfokus: Medical Anthropology (Erleben und Praktizieren von Gesundheit, Krankheit und Heilung in unterschiedlichen soziokulturellen Lebensrealitäten) und Hindi (Muttersprache meines Vaters).
Mein wissenschaftlicher Fokus liegt in den Erfahrungen und Praktiken von Südasiat*innen (in der Diaspora) rund um die Themen Tod und Sterben. Die Einblicke in die vielfältigen und komplexen Lebensrealitäten und Bedürfnisse von in Deutschland lebenden (und sterbenden) Südasiat*innen, sollen deren Sichtbarkeit erhöhen und zur Verbesserung des End-of-life und Death Care in Deutschland beitragen. Dabei fließen meine persönlichen Erfahrungen um den Tod meiner in Deutschland und Indien verstorbenen Großeltern, als auch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Sterbebegleiterin, in meine Arbeit mit ein.
Anthropolog*innen erzählen Geschichten aus dem Leben von Menschen, die darüber in ihren eigenen Worten berichten. Dafür möchte ich einen Raum eröffnen und alle, die sich zu diesen Themen angesprochen fühlen, einladen, sich auszutauschen.