korientation ist eine (post)migrantische Selbstorganisation und ein Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven mit einem gesellschaftskritischen Blick auf Kultur, Medien und Politik.
Statement korientation Demo 28.03.2021, Foto Victoria Kure-Wu
Wir sind traurig.
Wir sind wütend.
Acht Menschen, davon sechs Frauen mit asiatischer Einwanderungsgeschichte wurden am 16. März in Atlanta, Georgia, USA, ermordet. Als Frauen, als Migrantinnen, waren sie an einem stigmatisierten Arbeitsort beschäftigt, in einer niedrig zugeordneten sozialen Position. Diese sechs ermordeten asiatischen Frauen in Atlanta waren im Alltagsleben potentiell von intersektionaler Diskriminierung betroffen.
Ein weißer Pastorensohn sah sich symbolisch legitimiert, ihnen das Leben zu nehmen. In einem gesellschaftlichen und medialen Umfeld, in dem eine Abwertung von asiatischen Frauen als Norm gesehen wird, lautet die Reaktion auf die Ermordung von acht Menschen: – „He just had a bad day“ – .
Wir sagen laut und klar: Dazu hatte er kein Recht.
Weiße rassistische Terroristen sind Terroristen. Weiße rassistische Terroristen sind keine bedauernswerten Männer mit individuellen Problemen, die das Ermorden von Migrant*innen rechtfertigen. Weiße rassistische Terroristen sollten mit dem vollen Strafmaß für Mord bedacht werden, ohne Strafmilderung aufgrund von „psychologischen Beeinträchtigungen“.
Wer waren die ermordeten asiatischen Frauen? Sie waren sechs starke Frauen aus China und Korea. Sie haben zum Teil auch noch in hohem Alter sehr hart gearbeitet, nicht nur für sich, sondern darüber hinaus, um ihre Familie zu unterstützen. Ihre Geschichte ist in vielerlei Hinsicht universal. In vielen Ländern dieser Erde, auch in Deutschland, arbeiten Migrantinnen aus asiatischen Ländern, um ihre Familien zu unterstützen. Sie arbeiten dabei zum Teil unter sehr prekären Bedingungen. Sie verdienen unsere Anerkennung und unseren Respekt.
Rest in Power. Wir werden euch nicht vergessen.
Der Jahrestag von Hanau ist noch nicht lange her. Es lassen sich nicht alle Aspekte mit den Ereignissen in Atlanta vergleichen. Dennoch sind einige Parallelen im institutionellen Umgang mit rassistischer Gewalt sichtbar. An beiden Orten wurde viel zu spät, wenn überhaupt, auf Anrufe reagiert. Gegebenenfalls hätten noch mehr Menschen vor dem Tod bewahrt werden können, hätte die Polizei den Täter nach den ersten Schüssen am ersten Tatort festgesetzt. Sind rassifizierte Orte, also Orte, an denen sich Migrant*innen aufhalten, den konsequenten Schutz durch den deutschen Staat nicht wert?
Nicht nur Donald Trump sprach und spricht vom „China-Virus“, wenn er Covid-19 meint. Auch in Deutschland haben wir eine rassistische Berichterstattung über die Corona-Pandemie. Der Virus wird rassifiziert und kulturalisiert. Der Virus wird China und asiatischen Körpern herkunftsübergreifend zugeschrieben. Es werden in den deutschen Medien immer wieder Meldungen und Artikel mit Bildern von asiatischen Gesichtern mit Masken illustriert, auch wenn es sich um Infektionsherde in Ischgl handelt. Es wurde ein Sündenbock-Narrativ geschaffen, mit postkolonialen Anleihen – wie beispielsweise die Reproduktion des Begriffs „gelbe Gefahr“, vermischt mit einer Prise Verschwörungstheorien. Mit diesem Medialen Framing wird eine symbolische Legitimation für Angriffe auf und Diskriminierung von asiatischen und Asiatisch-Deutschen Menschen geschaffen. Und die Anzahl der Angriffe und Diskriminierungsfälle, insbesondere im öffentlichen Raum, ist seit dem Beginn dieser Berichterstattung nachweislich hochgegangen.
Anti-asiatischer Rassismus besteht natürlich nicht erst seit dem Beginn der Corona-Pandemie und seit den Morden von Atlanta. In unserem kollektiven Gedächtnis befinden sich die deutsche Kolonialpolitik in China, die „Chinesenaktion“ von 1944, die Pogrome von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen, um nur einige historischen Ereignisse zu nennen. Es gibt eine unvollständige Liste von individuellen rassistischen Morden an asiatischen Menschen, dazu gehören Đỗ Anh Lân und Nguyễn Ngọc Châu (1980 in Hamburg), Phan Văn Toản (1997) oder Lie Yangjie (2016).
Mit Atlanta und Hanau als aktuelle und krasse Höhepunkte rassistischer Gewalt vor Augen müssen wir uns alle dafür einsetzen, dass diese Morde nicht im normativen Alltagsgeschehen untergehen und vergessen werden. Wir zeigen Solidarität mit den Opfern dieser Anschläge und ihren Freund*innen und Familien.
Das bedeutet für uns gleichzeitig, auch für unsere eigene Zukunft, unsere eigene Sicherheit und Gleichberechtigung in diesem Land zu kämpfen!
Die Demokratie in der wir leben, muss strukturell von Grund auf diskriminierungsärmer gestaltet werden. Es muss ein gesellschaftliches Klima geschaffen werden, in dem Rassist*innen keine Legitimation mehr finden, auf keiner Ebene.
Forderungen:
Wir fordern von der deutschen Regierung und Gesellschaft eine konsequente und transparente strafrechtliche Verfolgung von rassistischen Morden und Straftaten.
Wir fordern eine klare und deutliche Verurteilung von Rassismus und rassistisch motivierten Gewalttaten durch Politiker:innen, Behörden, Schulen, Polizei und Verwaltung sowie Personen des öffentlichen Lebens aus allen Bereichen der Gesellschaft.
Wir fordern Sensibilisierungsmaßnahmen zu anti-asiatischem Rassismus für alle Angestellten im öffentlichen Dienst, dazu gehört auch die Polizei.
Wir fordern die Anerkennung von anti-asiatischem Rassismus im Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus.
Wir fordern die Einführung einer migrantische Quote von 30% im öffentlichen Dienst.
Wir fordern die Aufnahme der deutschen Kolonialgeschichte sowie von Asiatisch-Deutschen Migrationsgeschichte(n) in das reguläre Curriculum von Insitutionen mit Bildungsauftrag.
Wir fordern eine solidarische Parteilichkeit mit von Rassismus Betroffenen.
Wir, als Teil der Asiatischen Diaspora, veranstalten eine Demonstration in Gedenken und in Widerstand für die 8 Opfer des rassistischen Anschlags in Atlanta am 16. März 2021 – 6 der Opfer waren asiatische Frauen. Angesichts weißer Vorherrschaft (white supremacy), den kapitalistischen, rassistischen und sexistisch patriarchalen Strukturen in den USA, Deutschland und global, sprechen wir von einem geplanten Massaker und lehnen es ab, diese auf eine Schießerei zu reduzieren!
Am Sonntag, den 28. März um 14 Uhr, veranstalten wir eine Demonstration vor der US-amerikanischen Botschaft beim Brandenburger Tor gegen white supremacy, Kapitalismus, Rassismus und Sexismus, um unsere Forderungen laut und klar mitzuteilen. Wir lehnen die Narrative ab, dass Polizeiintervention eine Lösung ist, und rufen unsere Community auf, zu einer antirassistischen, antisexistischen und antikapitalistischen Agenda beizutragen. Wir solidarisieren uns mit Schwarzen, Indigenen sowie People of Color Arbeiter*innen und Communities sowie mit allen Betroffenen von Rassismus.
Bitte tragt Masken und haltet die Hygienemaßnahmen ein.
Bildbeschreibung: Ein blaues Poster, in dessen Mitte ein Bild in Ovalform zu sehen ist. Das ovale Bild zeigt eine Person, die in einen Lautsprecher spricht. Oben links auf dem Poster steht „In Memory In Resistance“. Rechts daneben steht „Veranstaltet von und in Solidarität mit asiatischen Diaspora Gemeinschaften“. Relativ mittig im Bild steht der Titel, der über das ovale Bild teilweise rübergelegt ist: „Demonstration für die Opfer des rassistischen Anschlags in Atlanta“. Unten links steht die Ortsangabe „US-Botschaft / Brandenburger Tor Mitte, Berlin“. Daneben steht das Datum „Sonntag 28.03.2021, 14 Uhr“. Ganz unten steht unser Hashtag #SolidaritätMitAtlanta.
[English] We, as part of the Asian Diaspora community, are hosting a demonstration in memory and in resistance for the 8 victims of the racist shooting in Atlanta on March 16th, 6 of whom were Asian women. We refuse to name this shooting as anything other than a massacre done in light of the white supremacy, misogyny and capitalism that thrives in both the U.S. and Germany and globally!
On Sunday, 28 March at 2pm we will hold a rally in front of the U.S. Embassy by Brandenburger Tor against white supremacy, capitalism, racism and sexism to make sure our demands are made loud and clear! We stand in solidarity with the Black, Indigenous and People of Color-workers and communities as well as all victims of racism!
Please don’t forget your masks and keep social distance.
The demo program including speakers and artists will be added to our facebook event page and announced in our stories soon.
Please visit our link.tree for links to all GoFundMe’s from the victims‘ families, our money pool to be used for organisation expenses, and our facebook event page: https://linktr.ee/InMemoryInResistance
Image description: A blue poster with an image in the middle of a person holding a megaphone and speaking. Top left of the poster says, „In Memory In Resistence“. Top right of the poster says „Hosted by and in solidarity with asian diaspora communities“. Main text of the poster says, „A demonstration for the Atlanta shooting victims“. Bottom left of the poster says „US Embassy / Brandenburger Tor Mitte, Berlin“ Bottom right says „Sunday 28.03.2021 2PM“ Final text at the very bottom of the poster says „#solidaritätmitatlanta“.
[Korean] 우리, 아시아 디아스포라 공동체는 3월 16일의 애틀랜타 총기난사 사건이 낳은 6명의 아시안 여성을 포함한 희생자 8명을 추모하고 그에 저항하는 시위를 벌입니다. 우리는 이 총격 사건을 미국과 독일 그리고 세계적으로 커져가는 백인 우월주의, 여성 혐오, 자본주의에 비추어 행해진 대학살 그 외의 어떤 것으로도 명명하기를 거부합니다.
3월 28일 일요일 오후 2시, 우리의 요구를 크고 분명하게 전달하기 위해 브란덴부르크 토르 옆 미국 대사관 앞에서 백인 우월주의, 자본주의, 인종주의와 성차별에 반대하는 시위를 열 것입니다! 우리는 경찰의 개입이 해결책이라는 생각을 거부하고 우리 지역사회가 흑인, 원주민, 그리고 유색인종들과 연대하여 폐지론적 의제에 기여할 것을 촉구합니다!
모두 마스크를 지참하고 사회적 거리를 유지하세요.
[Vietnamese] Chúng tôi, một phần của cộng đồng người dân châu Á, đang tổ chức một buổi canh thức để tưởng nhớ 8 nạn nhân bị thảm sát trong vụ nổ súng ở Atlanta vào ngày 16 tháng 3, trong đó có 6 người là phụ nữ châu Á. Chúng tôi tạm gọi vụ thảm sát này là hậu quả của phân biệt giới tính nam nữ và quyền bình đẳng của Phụ Nữ cũng như sự thống trị của chủ nghĩa tư bản và quyền lực của người da trắng tại Hoa Kỳ, Đức và trên toàn thế giới.
Vào 2 giờ chiều chủ nhật ngày 28 tháng 3 năm 2021, chúng tôi sẽ tổ chức một buổi diễn tập trước toà nhà Lãnh Sự Quán Mỹ tại Đức ở Branden Burger Tor để chống lại sự quyền lực của người da trắng, chủ nghĩa tư bản, sự phân biệt chủng tộc, và chế độ phụ hệ. Chúng tôi muốn tiếng nói và yêu cầu của chúng tôi được ghi nhận.Chúng tôi phản đối sự can thiệp của cảnh sát là giải pháp và kêu gọi cộng đồng đoàn kết và hỗ trợ các cộng đồng người Da Đen, bản địa, và da màu.
Xin đeo khẩu trang khi đến tham dự sự kiện, và nhớ giữ khoảng cách an toàn giữa mọi người.
MAHNWACHE In memory, in resistance: Solidarität mit Atlanta und Asiatischen Diaspora-Gemeinschaften
Wir, als Teil der Asiatischen Diaspora, veranstalten eine Mahnwache und eine Demonstration in Gedenken und in Widerstand für die acht Opfer des rassistischen Anschlags in Atlanta am 16. März 2021 – 6 der Opfer waren asiatische Frauen. Angesichts weißer Vorherrschaft (white supremacy), den kapitalistischen, rassistischen und sexistisch patriarchalen Strukturen in den USA, Deutschland und global sprechen wir von einem geplanten Massaker und lehnen ab, diese Tat auf eine Schießerei zu reduzieren.
In Solidarität mit den Opfern und deren Familien veranstalten wir am Dienstag, den 23. März um 17:30 Uhr eine Mahnwache bei der Friedensstatue in Moabit. Wir stellen Kerzen zur Verfügung. Wenn ihr die Möglichkeit habt, bringt gerne Blumen.
Am Sonntag, den 28. März um 14 Uhr, veranstalten wir eine Demonstration vor der US-amerikanischen Botschaft gegen white supremacy, Kapitalismus, Rassismus und Sexismus, um unsere Forderungen laut und klar mitzuteilen. Wir solidarisieren uns mit Schwarzen, Indigenen sowie People of Color Communities.
Bitte tragt Masken und haltet die Hygienemaßnahmen ein.
Diese kollektive Protestaktion wird von folgenden Organisationen unterstützt:
VIGIL In memory, in resistance: Solidarity with Atlanta and Asian Diaspora Communities
We, as part of the Asian Diaspora community, are hosting a vigil and demonstration in memory and in resistance for the 8 victims of the shooting in Atlanta on March 16th, 6 of whom were Asian women. We refuse to name this shooting as anything other than a massacre done in light of the white supremacy, misogyny and capitalism that thrives in both the U.S. and Germany and globally!
To show solidarity with the victims and their families, we are holding a vigil on Tuesday, 23 March at 5:30pm by the Statue of Peace in Moabit. Candles will be provided. Please feel free to bring flowers to the event.
On Sunday, 28 March at 2pm we will also hold a rally in front of the U.S. Embassy against white supremacy, capitalism, racism and sexism to make sure our demands are made loud and clear. We are in solidarity with the Black, Indigenous and People of Color community!
For both events, please don’t forget your masks and keep social distance.
[Korean] 우리, 아시아 디아스포라 공동체는 3월 16일의 애틀랜타 총기난사 사건이 낳은 6명의 아시안 여성을 포함한 희생자 8명을 추모하고 그에 저항하는 시위를 벌입니다. 우리는 이 총격 사건을 미국과 독일 그리고 세계적으로 커져가는 백인 우월주의, 여성 혐오, 자본주의에 비추어 행해진 대학살 그 외의 어떤 것으로도 명명하기를 거부합니다.
희생자 및 유가족과의 연대를 위해 3월 23일 화요일 오후 5시 30분 베를린 모아비트 평화의 소녀상 앞에서 추모식이 열립니다. 촛불이 제공되며 행사에 꽃을 가지고 오셔도 됩니다.
3월 28일 일요일 오후 2시, 우리의 요구를 크고 분명하게 전달하기 위해 브란덴부르크 토르 옆 미국 대사관 앞에서 백인 우월주의, 자본주의, 인종주의와 성차별에 반대하는 시위를 열 것입니다! 우리는 경찰의 개입이 해결책이라는 생각을 거부하고 우리 지역사회가 흑인, 원주민, 그리고 유색인종들과 연대하여 폐지론적 의제에 기여할 것을 촉구합니다!
두 행사 모두 마스크를 지참하고 사회적 거리를 유지하세요.
[Vietnamese] Chúng tôi, một phần của cộng đồng người dân châu Á, đang tổ chức một buổi canh thức để tưởng nhớ 8 nạn nhân bị thảm sát trong vụ nổ súng ở Atlanta vào ngày 16 tháng 3, trong đó có 6 người là phụ nữ châu Á.Chúng tôi tạm gọi vụ thảm sát này là hậu quả của phân biệt giới tính nam nữ và quyền bình đẳng của Phụ Nữ cũng như sự thống trị của chủ nghĩa tư bản và quyền lực của người da trắng tại Hoa Kỳ, Đức và trên toàn thế giới.
Vô cùng thương tiếc trước sự ra đi của các nạn nhân và chia buồn cùng gia đình của họ, chúng tôi tổ chức một buổi cầu nguyện cho họ vào thứ ba, ngày 23 tháng 3 lúc 5:30 chiều tại tượng đài hòa bình ở Moabit. Nến sẽ được phát cho những ai tham dự. Quý khách có thể đem hoa đến sự kiện để chia buồn và tưởng nhớ các nạn nhân.
Vào 2 giờ chiều chủ nhật ngày 28 tháng 3 năm 2021, chúng tôi sẽ tổ chức một buổi diễn tập trước toà nhà Lãnh Sự Quán Mỹ tại Đức ở Branden Burger Tor để chống lại sự quyền lực của người da trắng, chủ nghĩa tư bản, sự phân biệt chủng tộc, và chế độ phụ hệ.
Chúng tôi muốn tiếng nói và yêu cầu của chúng tôi được ghi nhận.Chúng tôi phản đối sự can thiệp của cảnh sát là giải pháp và kêu gọi cộng đồng đoàn kết và hỗ trợ các cộng đồng người Da Đen, bản địa, và da màu.
Xin đeo khẩu trang khi đến tham dự sự kiện, và nhớ giữ khoảng cách an toàn giữa mọi người.
Es gibt auch positive Dinge zu berichten! Wir freuen uns über den kontinuierlichen Prozess der Sichtbarwerdung von antiasiatischem Rassismus in Deutschland. Wir bekommen jede Woche diverse Presseanfragen zu dem Thema unter anderem vom RedaktionsNetzwerk Deutschland, ZDF, WDR, und Deutschlandradio. Und wie schon 2020 besteht ein großer Bedarf an Inputs bundesweit, unter anderem sind wir im März und April 2021 mit Webinar-Beiträgen in Berlin, Freiburg, Karlsruhe, Krefeld, Darmstadt, Tübingen, Würzburg und Köln dabei.
Und noch eine dringende Bitte an Euch, die wir in jedem Newsletter wiederholen: Meldet rassistische und diskriminierende Vorfälle umgehend, damit sie offiziell dokumentiert werden und Handlungsbedarf dagegen auch statistisch nachgewiesen werden kann. In Berlin gibt es die Register der Bezirke zur Erfassung rechtsextremer und diskriminierender Vorfälleund für die Meldung und Beratung gegen Diskriminierung in anderen Bundesländern lassen sich Adressen und Kontakte hier finden.
Mit unserer ProjektideeRADAR – Resilienz für Asiatische Deutsche und Anti-Rassismus (im Netz), die wir in Kooperation mit ichbinkeinvirus.org planen, haben wir uns für eine Förderung bei DAS NETTZ beworben. Das Nettz wird drei Projekte mit einem Förderbetrag von maximal 13.000 EUR unterstützen, „die sich gegen Hass im Netz, Desinformation und damit für eine konstruktive Diskussionskultur engagieren“. Wir sind nun mit 10 anderen Projekten in die zweite und finale Runde gekommen und freuen uns sehr darüber! Am 18.03.2021 von 17–19.30 h werden wir in einem Pitch per Zoom unser Projekt vorstellen.
Es wird ein „Nettz-Community Voting“ geben. Das bedeutet, alle Anwesenden beim Zoom-Pitch werden die drei Projekte wählen, die eine Förderung erhalten sollen. HIER findet Ihr weitere Infos zu allen Projekten und den Link, um Euch bis zum 18.03.2021 bis spätestens um 15 h anzumelden und bei dem Pitch Eure Stimme abzugeben! UPDATE: Der Pitch hat stattgefunden und wir hatten die tolle Möglichkeit, unser Projekt vorzustellen. Wir sind gespannt auf die Entscheidung, die noch aussteht, welche drei Projekte gefördert werden!
AUS DEM VEREIN
An erster Stelle ein lautes und dankbares Shout out an die Leute, die seit Anfang des Jahres für die Arbeit von korientation gespendet haben! Herzlichen Dank dafür, wir können die Unterstützung dringend gebrauchen.
Unser Vorstandsmitglied Jeasuthan Nageswaran hat uns am 09. März 2021 beim digitalen Integrationsgipfel vertreten, hier der kritische Kommentar von Alice Hasters zu 15 Jahren Integrationsgipfel. Sie fordert einen Paradigmenwechsel weg von Integration hin zu Strategien gegen Rassismus, wir sind da ganz bei ihr!
Mit Kimiko Sudas (MEGA-Team) Teilnahme am Webinar Confronting COVID-19. Asian Diaspora Organizing and Transnational Solidarity am 06.März 2021, haben wir uns mit rassismuskritischen asiatisch-diasporischen Aktivist*innen vernetzt, die in Seattle, New York und Melbourne selbstorganisierte Community-Arbeit machen. Ein verbindendes Element war, dass sich alle nicht nur mit antiasiatischem Rassismus, sondern auch mit antischwarzem Rassismus in den eigenen Communities auseinander- und für #Blacklivesmatter einsetzen.
Kimiko hat einen Input für uns bei der Auftaktveranstaltung der Think Tank Reihe „Dekoloniale (Re)visionen“ am 26.Februar 2021 gegeben. korientation beschäftigt sich 2021 intensiver mit dem Thema postmigrantische Erinnerungspolitik, ihr werdet im Laufe des Jahres von uns noch mehr dazu hören.
Jee-UnKim (MEGA-Team) wird gemeinsam mit Ozan Zakariya Keskinkılıç am am 14.April 2021 die Veranstaltung Medien: Anti-asiatischer & Antimuslimischer Rassismus im Rahmen der Webinar-Reihe Normaler Hass. Streifzüge durch Alltagsorte der Entwertung bestreiten. Wir sind gespannt auf die Diskussion und die Findung gemeinsamer Strategien!
ONLINE-WORKSHOP: ANTI-ASIATISCHER RASSISMUS: Formen, koloniale Kontinuitäten und Widerstände Im Workshop setzen sich die Teilnehmenden mit unterschiedliche Formen von anti-asiatischen Rassismus auseinander, werfen einen kritischen Blick auf kolonial-rassistische Bilder und Narrative, die im Kontext von COVID-19 aufgegriffen und reproduziert werden. Was heißt überhaupt ‚asiatisch‘? Und was versteht die gängige mediale Berichterstattung darunter? Dabei wird im Blick behalten werden, dass es im Kontext von anti-asiatischen Rassismus es immer schon Menschen und Gruppen gab, die in Deutschland antikolonialen, feministischen und rassismuskritischen Widerstand gegen Unterdrückung geleistet haben. Im Seminar wird speziell Rassismus thematisiert, den südost-/ ostasiatisch markierte Personen in Deutschland erleben. Dieser richtet sich nicht ausschließlich gegen Menschen mit tatsächlichen Bezügen zu Südost-/Ostasien, sondern betrifft auch Personen, die als südost-/ostasiatisch eingeordnet werden, aber Bezüge zu anderen asiatischen Regionen haben.
Der Workshop wird von Minh Anh Bùi (korientation e.V.) und Akiko Rive (freie Bildungsreferent*in) geleitet.
MEGA – Media Empowerment for German Asians
Illustrationen von @patu
Im Rahmen von MEGA sind wir bereits mitten im Planungsprozess für mehrere Workshops (Erinnerungskultur, Lebensgeschichtliche Interviews und Kurzfilm) und haben schon gute Kooperationspartner*innen gefunden. Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir uns jedoch entschieden, erstmal nur einen Workshop-Termin schon festzulegen, da er sich problemlos als Webinar durchführen lässt.
++ SAVE THE DATE ++ Also merkt euch schon mal den 13.05 und den 15.05.2021 vor, wenn ihr Lust habt, an einem Podcast-Workshop mit Cuso (Diaspor.Asia) teilzunehmen. Mehr Informationen folgen bald.
Meldet euch gerne bei uns, wenn ihr Ideen für Projekte und Vernetzung habt!
Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter aufnehmen lassen wollt!
Den nächsten Newsletter gibt’s dann Anfang nächsten Monat!
von Kimiko Suda, Sabrina J. Mayer, Christopher Nguyen
Antiasiatischer Rassismus existiert nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Basierend auf tatsächlichen und imaginierten Besuchen Asiens,[1] haben seit dem 13. Jahrhundert Europäer*innen Narrative konstruiert und verbreitet, die bis heute wirkmächtig sind. In ihnen erscheinen Asiat*innen als „anders“, „exotisch“ und „gefährlich“.[2] Auch in Deutschland lässt sich anhand von historischen Beispielen eine klare Kontinuität und Systemimmanenz von antiasiatischem Rassismus aufzeigen.[3]
So wurde beispielsweise die Errichtung der deutschen Kolonie Kiautschou 1897 zeitgenössisch mit der angeblichen Überlegenheit der Deutschen gegenüber den Chines*innen innerhalb eines rassistischen Systems und dem Ziel der christlichen Missionierung und sogenannten Zivilisierung „im Namen einer höheren Gesittung“ legitimiert.[4] Wenige Jahre später, am 27. Juli 1900, argumentierte Kaiser Wilhelm II. in seiner „Hunnenrede“ zum Abschied deutscher Marinesoldaten, die zur Bekämpfung des „Boxeraufstands“ (1899–1901) nach China geschickt wurden, dass die Chines*innen mit ihrem Akt des Widerstands gegen die Kolonialmächte ihr Recht auf Leben verwirkt hätten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialist*innen waren auch die damals in Deutschland lebenden Chines*innen unmittelbar von der NS-Rassenpolitik betroffen: Sie wurden ausgewiesen oder in Konzentrations- und Zwangsarbeiterlager verschleppt und dort ermordet.[5]
Als schwerwiegendste Fälle antiasiatischer Gewalt nach 1945 sind die Pogrome in Hoyerswerda 1991 und Rostock-Lichtenhagen 1992 in das kollektive Gedächtnis asiatischer Deutscher eingegangen. Wohngebäude, in denen eine größere Anzahl von Vietnames*innen lebte, wurden unter den Augen applaudierender Zuschauer*innen von gewalttätigen Rechtsradikalen angegriffen. Die Polizei wartete in beiden Fällen tagelang, bis sie geringfügig eingriff. Die verantwortlichen Politiker*innen kapitulierten vor der rechten Gewalt und ließen in beiden Fällen die Angegriffenen evakuieren, statt für die Verhaftung der Angreifer*innen zu sorgen. Die Pogrome von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen sind dabei nicht nur als eine Folge der Vereinigungspolitik einzuordnen, sondern als Ausdruck einer kontinuierlichen Existenz von Rassismus in der deutschen Bevölkerung.[6]
Eine Anerkennung dieser spezifischen Form struktureller Diskriminierung erfolgte jedoch erst in jüngster Zeit. Beispielsweise sind die rassistisch motivierten Morde an Nguyen Ngọc Chau und Do Anh Lan, die am 20. August 1980 in Hamburg bei einem von Rechtsterroristen verübten Brandanschlag starben, bis heute kaum bekannt.[7] Während die Pogrome in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen noch als situationsbezogene „Fremdenfeindlichkeit“ gegenüber „Ausländer*innen“ galten, wird im Kontext der Corona-Pandemie, die weltweit mit steigender rassistischer Diskriminierung und Übergriffen auf asiatisch gelesene Menschen einherging, nun vermehrt über antiasiatischen Rassismus in Deutschland gesprochen.
Asiatisch gelesene Menschen in Deutschland sind in widersprüchlicher Weise sowohl von positivem als auch negativem Rassismus betroffen. Einerseits werden sie vielfach als „Vorzeigemigrant*innen“ beschrieben und gegen andere (post)migrantische Gruppen ausgespielt; andererseits werden sie als homogene Masse dargestellt, von der eine Gefahr für die Weiße[8] Mehrheitsgesellschaft ausgehe. Antiasiatischer Rassismus in Deutschland umfasst unterschiedliche Formen von Gewalt. Diese reichen von verbalen Mikroaggressionen über strukturelle Diskriminierung bis hin zu körperlichen Angriffen und Morden. In Kitas und Schulen werden Kinder in Lehrbüchern und bei Festen mit rassifizierten Missrepräsentationen von „asiatischen Körpern“ und „asiatischer Kultur“ konfrontiert.[9] Dabei unterscheiden sich die in Populärkultur und medialer Berichterstattung weit verbreiteten rassifizierten Zuschreibungen auch nach Geschlecht: So werden asiatisch gelesene Frauen sexualisiert, exotisiert und infantilisiert, Männer dagegen desexualisiert und feminisiert.[10]
Diese bereits bestehenden Muster verstärkten sich im Kontext der Corona-Pandemie. So berichten asiatisch gelesene Menschen vermehrt von körperlichen Übergriffen im öffentlichen Raum und fühlen sich physisch und sozial gemieden.[11] Um diese und ähnliche Entwicklungen wissenschaftlich zu erfassen, sammelt das Kooperationsprojekt „Soziale Kohäsion in Krisenzeiten. Die Corona-Pandemie und anti-asiatischer Rassismus in Deutschland“ seit August 2020 Daten über die gesellschaftliche Wahrnehmung von asiatisch gelesenen Menschen und die Auswirkungen der Pandemie auf diese Wahrnehmungen. Unser Beitrag nutzt die Ergebnisse einer dabei Ende August 2020 umgesetzten Umfrage, um antiasiatischen Rassismus in Deutschland anhand von aktuellen Beispielen zu skizzieren, diese mit historischen Entwicklungen zu verknüpfen sowie Leerstellen hinsichtlich der Prävention, Dokumentation und Bekämpfung von antiasiatischem Rassismus in Deutschland aufzuzeigen.[12]
Geschichten asiatischer Migration
Asien ist der größte und einwohnerstärkste Erdteil, der durch eine Vielzahl von Migrationsströmen geprägt ist. Daher stellt sich die Frage, von wem die Rede ist, wenn wir über „Asiat*innen“ sprechen. Menschen aus Westasien, etwa aus Iran, werden in Deutschland eher als muslimisch denn als asiatisch wahrgenommen, Menschen aus Zentralasien eher mit der ehemaligen Sowjetunion verknüpft. Hinsichtlich des antiasiatischen Rassismus unterscheiden sich die Stereotypen und Vorurteile wiederum zwischen Südasien (zum Beispiel Indien), Südostasien (zum Beispiel Indonesien) und Ostasien (zum Beispiel China). Antiasiatischer Rassismus ist dabei kontextabhängig – er unterscheidet sich etwa in Großbritannien und Deutschland – und historisch gewachsen. Vielfach wird er über einzelne, medial präsente Herkunftsländer vermittelt. Auf die Frage, welche Gruppen man mit Personen aus Asien verbinde, antworteten in unserer Befragung 75 Prozent der Befragten mit Personen aus China, 46 Prozent mit Personen aus Japan und 13 bis 15 Prozent jeweils mit Personen aus Thailand, Südkorea, Indien und Vietnam. Westasiatische Länder wie Iran und Afghanistan wurden von weniger als zwei Prozent genannt und nur geringfügig mit Asien assoziiert.
Die potenziell von antiasiatischem Rassismus betroffene soziale Gruppe in Deutschland besteht aus unterschiedlichen Generationen und ist heterogen in Hinsicht auf sozioökonomische Hintergründe und Migrationsgeschichten. Die beiden Gruppen, die am ehesten mit Ländern aus Asien verbunden wurden, sind dabei nicht die zahlenmäßig stärksten Gruppen – Personen aus Japan sind zahlenmäßig deutlich weniger vertreten als Personen aus Vietnam (Tabelle).
Ein wichtiger Teil asiatischer Migrationsgeschichten ist die staatlich organisierte Arbeitsmigration in die Bundesrepublik seit Ende der 1950er Jahre. Neben einigen Hundert japanischen und 8.000 koreanischen Bergarbeitern immigrierten ab 1966 auch mehr als 10.000 koreanische Krankenschwestern. Weitere Krankenschwestern aus Indien, Indonesien und den Philippinen folgten.[13] Als sich nach dem Anwerbestopp 1973 die Rücksendeabsicht der Bundesregierung abzeichnete, erkämpfte die Koreanische Frauengruppe in Deutschland mit einer Unterschriftenaktion 1978 erfolgreich ihr Bleiberecht.[14] Seit dem 1. März 2020 werden im Rahmen des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes medizinische Pflegekräfte aus den Philippinen und Vietnam angeworben, erneut ohne die rechtliche Perspektive auf dauerhafte Niederlassung. Die Geschichte der Diskriminierung asiatischer Arbeitsmigrant*innen droht, sich zu wiederholen.
Zusätzlich migrierten vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs und der vietnamesischen Wiedervereinigung ab 1975 über 40.000 Geflüchtete aus Vietnam in die Bundesrepublik. Tausende waren mit Booten über das Südchinesische Meer geflüchtet und wurden daher als „Boat People“ bezeichnet. Als Kontingentflüchtlinge erhielten sie und nachgezogene Familienmitglieder einen unbefristeten Aufenthaltstitel.[15]
Ein weiterer Teil kollektiver vietnamesischer Migrationsgeschichte ist die von der DDR staatlich organisierte Arbeitsmigration ab 1980. Die Vertragsarbeiter*innen, darunter ein Drittel Frauen, waren im Maschinenbau sowie in der Leicht- und Schwerindustrie beschäftigt. Sie sollten, ähnlich wie die Arbeitsmigrant*innen in der Bundesrepublik, für eine festgelegte Zeit dort arbeiten und sich nicht dauerhaft niederlassen. 1989 lebten und arbeiteten fast 60.000 vietnamesische Vertragsarbeiter*innen in der DDR. Bilaterale Abkommen wurden in geringerem Umfang auch 1982 mit der Mongolei sowie 1986 mit China und Nordkorea abgeschlossen.[16] Nach der Wende blieben knapp ein Drittel der vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen in Deutschland, viele von ihnen kämpften jahrelang um Aufenthaltsgenehmigungen und ihre Existenzsicherung, bis 1997 mit der zweiten Bleiberechtsregelung im deutschen Ausländergesetz eine rechtliche Grundlage dafür geschaffen wurde.[17]
Die Geschichte der chinesischen Communities in Deutschland ist insbesondere für die Metropolen Hamburg und Berlin seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Um 1900 arbeiteten mehrere Tausend chinesische Heizer und Seeleute auf deutschen Dampfschiffen und ließen sich ab 1919 in Hamburg nieder, eröffneten Geschäfte, Restaurants und gründeten Familien. In den 1920er und 1930er Jahren studierten prominente chinesische Intellektuelle wie zum Beispiel der spätere Premierminister Zhou Enlai in Berlin.[18] Nach dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik in der Volksrepublik China unter Deng Xiaoping kamen ab 1980 immer mehr chinesische Studierende nach Berlin, gegenwärtig stellen Chines*innen an vielen deutschen Universitäten die größte Gruppe an ausländischen Studierenden.[19] Zudem leben Kulturschaffende, Wissenschaftler*innen und Geschäftsleute aus der Volksrepublik, Taiwan und Hongkong insbesondere in Berlin und haben dort Strukturen zur kulturellen Selbstrepräsentation wie das „Times Art Center“ etabliert, die für die Etablierung von Gegenperspektiven zu rassistischen Narrativen notwendig sind.
Antiasiatischer Rassismus und Covid-19
Die Verstärkung von antiasiatischem Rassismus im Kontext der Corona-Pandemie lässt sich vor dem Hintergrund (post)kolonialer Narrative zu „Asien“ historisch einordnen. Seit dem 19. Jahrhundert wird die „Gelbe Gefahr“ mit der Entstehung und Verbreitung von Epidemien wie der Pest, in der jüngeren Vergangenheit mit Infektionskrankheiten wie Sars (severe acute respiratory syndrome) verknüpft.[20] Das biologisch-medizinische Phänomen einer Pandemie wird rassifiziert und kulturalisiert; Ess‑, Wohn- und Hygienegewohnheiten werden als Teil einer imaginierten „asiatischen Kultur“ für die Entstehung und Verbreitung von Pandemien verantwortlich gemacht. Der historische und der aktuelle Diskurs unterscheiden sich jedoch in einem Aspekt: Während China früher als „traditionell“, „unzivilisiert“ und „unterentwickelt“ eingeordnet wurde, wird das Land inzwischen als eine für Europa ökonomisch, geopolitisch und technisch gefährliche Konkurrenz bewertet.[21]
Wenn also der „Spiegel“ seine Ausgabe zur Corona-Pandemie am 1. Februar 2020 mit dem Schriftzug „Made in China. Wenn die Globalisierung zur tödlichen Gefahr wird“ in gelber Farbe betitelt, drängen sich Vergleiche zu kolonialen Narrativen unmittelbar auf. Ähnliche Zuschreibungen erfolgten auch in anderen deutschsprachigen Medienbeiträgen zu Covid-19 implizit oder explizit.[22] Auf der Straße und im Internet wird asiatisch gelesenen Menschen zudem willkürlich ein „Chinesischsein“ zugeschrieben, um sie auf eine vermeintlich niedrigere soziale Position zu verweisen beziehungsweise ihnen eine Existenz in Deutschland abzusprechen. Auch die Erinnerungstafel für chinesische NS-Opfer in der Hamburger Schmuckstraße, in deren Nachbarschaft sich in den 1920er und 1930er Jahren das „Chinesenviertel“ Hamburgs befand, wurde nach dem Beginn der Corona-Pandemie von Unbekannten stark beschädigt.[23] Als Reaktion auf diese antiasiatischen Narrative und Übergriffe bildete sich aber auch medialer Widerstand. So ging beispielsweise im Mai 2020 die von asiatisch gelesenen Menschen initiierte interaktive, digitale Plattform „Ich bin kein Virus“ online.[24]
Die seit dem Beginn der Pandemie von asiatisch gelesenen Menschen erlebten Ausgrenzungen sind keine Einzelfälle. So ist es in Anbetracht der stark auf China fokussierten medialen Diskussion nicht überraschend, dass etwa 29 Prozent der Befragten die Verantwortlichkeit für die Corona-Pandemie zumindest teilweise in Asien – und dort insbesondere in China – sehen. Diese Einschätzung kann nicht ohne weitere Informationen als antiasiatischer Rassismus eingestuft werden, weist jedoch auf eine deutliche Verknüpfung der Pandemie mit Asien hin. Eine explizitere Verbindung zwischen negativen Stereotypen und zugeschriebener Verantwortlichkeit zeigt sich in der Annahme, dass asiatische Essgewohnheiten, etwa der vermutete Konsum von Fledermäusen, und mangelnde Hygienebedingungen, zum Beispiel durch sogenannte wet markets, auf denen Obst und Gemüse, frisch hergestellte Lebensmittel wie Nudeln, Sojaprodukte und Brotfladen, Fisch und Fleisch, zum Teil auch lebendes Geflügel und Seetiere verkauft werden, zum Ausbruch der Pandemie geführt hätten. Diese Wahrnehmung haben immerhin zehn Prozent aller Befragten.
In unserer Umfrage zeigte sich zudem, dass asiatisch gelesene Menschen (weiterhin) oft als „Vorzeigemigrant*innen“ wahrgenommen werden. Während wir substanzielle Differenzen in der Wahrnehmung von muslimischen Menschen und Deutschen ohne Migrationshintergrund finden, gibt es grundsätzlich keinen statistisch sicheren Unterschied zwischen der Beurteilung von asiatisch gelesenen Menschen und Deutschen ohne Migrationshintergrund. Durch die Pandemie scheint sich dieses Verhältnis zu ändern. So zeigen unsere Ergebnisse, dass Menschen, die die Verantwortung für die Pandemie in Asien verorten, asiatisch gelesene Menschen auch innerhalb Deutschlands grundsätzlich negativer wahrnehmen. Obwohl dabei keine klare kausale Abfolge zwischen der Zuschreibung der Verantwortlichkeit und negativen Wahrnehmungen getestet werden konnte, legen die Ergebnisse nahe, dass der Kontext der Pandemie antiasiatischen Rassismus aktiviert oder zumindest sichtbar(er) gemacht hat.
Neben Veränderungen der allgemeinen Wahrnehmung von asiatisch gelesenen Menschen interessierte uns auch, inwiefern die Corona-Pandemie den alltäglichen Umgang miteinander verändert hat. Deshalb wurden auch Alltagssituationen analysiert, etwa die Platzwahl in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei wurden die Befragten mit der Situation konfrontiert, zwischen einem Platz neben einem asiatisch und einem als der „Normalbevölkerung“ angehörig gelesenen Menschen auswählen zu können.
Auch hier zeigte sich, dass die Corona-Pandemie das Verhalten der Menschen beeinflusst. Konfrontiert mit der Alltagssituation vor der Pandemie, wählten 51 Prozent aller Befragten den „asiatischen“ Sitznachbarn. Diese Auswahl lässt sich von einer zufälligen Entscheidung statistisch nicht unterscheiden, sodass – im Gegensatz zur Wahl anderer Sitznachbarn mit Migrationshintergrund[25] – keine klaren Ausgrenzungsmuster identifiziert werden können. Anders verhält es sich unter Corona-Bedingungen. Waren Menschen mit Masken abgebildet, wählten nur noch 46 Prozent aller Befragten den Sitzplatz neben den asiatisch gelesenen Menschen, sodass ein Vermeidungsverhalten identifiziert werden kann. Dieses Verhalten war besonders unter Menschen, die der AfD nahestehen, präsent. Sie bevorzugten unter Corona-Bedingungen zu fast 70 Prozent einen Weißen Sitznachbarn, während im Szenario ohne Maske dieser Anteil bei 53 Prozent liegt.
Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen, wie widersprüchlich, heterogen, aber auch fragil und kontextabhängig die Wahrnehmung asiatisch gelesener Menschen in der deutschen Gesellschaft ist. Im Vergleich zu anderen (post)migrantischen Gruppen erleben sie weniger häufig direkte Ablehnung und Ausgrenzung und werden von der „Normalbevölkerung“ positiver wahrgenommen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, wie unsicher dieser Zustand ist. Bestehende Vorurteile und Ablehnungen können in realen oder imaginären Krisensituationen schnell aktiviert werden und zu kleinen und großen Ausprägungen von antiasiatischem Rassismus führen.
Ausblick
Die strukturelle Basis von Rassismus in der deutschen Gesellschaft lässt vermuten, dass auch zukünftig mit Ausbrüchen kollektiver antiasiatischer rassistischer Gewalt gerechnet werden muss.
Das Fortwähren von rassifizierten Zuschreibungen und deren Wirkungsweisen lässt sich unter anderem auf den Mangel an inhaltlicher und personeller Diversität in Institutionen zurückführen. Dieser besteht insbesondere in Hinsicht auf die Repräsentation von asiatischer Migration in der Wissenschaft, in Bildungsinstitutionen und ‑formaten, in den Medien und in der Kultur. Ohne die Schließung dieser Leerstellen lässt sich auch keine Sensibilisierung der Öffentlichkeit gegenüber antiasiatischem Rassismus nachhaltig gestalten, da sich kein Grundwissen etablieren kann. Zudem wurde die deutsche Kolonialpolitik in China zwar zum Teil wissenschaftlich untersucht,[26] jedoch politisch nicht aufgearbeitet.
Knapp zwei Wochen nach den rassistisch motivierten Morden in Hanau am 19. Februar 2020 wurde beim elften Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt die Einrichtung eines Kabinettsausschusses gegen Rechtsextremismus und Rassismus beschlossen. Die Interessen der asiatisch-deutschen Communities sind durch den Verein „Korientation“ in der Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen in diesem Ausschuss vertreten. Diese Vertretung ist ein erster Schritt einer Repräsentation auf der bundespolitischen Ebene.
Knapp eine Million asiatische Deutsche und Asiat*innen leben in Deutschland und sind potenziell von antiasiatischem Rassismus betroffen. Antiasiatischer Rassismus ist dabei nicht nur für asiatisch-gelesene Menschen relevant, sondern Teil und Symptom eines gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Systems. Dieses wird von hier lebenden Menschen vor dem Hintergrund eines spezifischen historischen Kontextes reproduziert. Die Verstärkung der Diskriminierung von asiatisch gelesenen Menschen in Zeiten der Corona-Pandemie macht eine öffentliche Positionierung von politischen Handlungsträger*innen und letztlich jeder Person, die Zeug*in einer Diskriminierung wird, notwendig. Weitere Studien und eine systematische Dokumentation von antiasiatischem Rassismus sind zudem unabdingbar, um diesen wirkungsvoller bekämpfen zu können.
Wir danken Noa K. Ha und Jonas Köhler für die hilfreichen Anregungen und Kommentare zu diesem Beitrag.
Fußnoten
1 Die Begriffe „Asien“ und „asiatisch“ werden sowohl als Kenntlichmachung einer Imagination Europas bzw. als Fremdzuschreibung durch Europäer*innen und andere Personen als auch für Menschen genutzt, die sich selbst als „asiatisch“, „asiatische Deutsche“ oder „asiatisch-diasporisch“ bezeichnen.
2 Vgl. Michael Keevak, Becoming Yellow. A Short History of Racial Thinking, Princeton–Oxfordshire 2011.
3 Rassismus wird in diesem Beitrag nicht als persönliche oder politische Einstellung, sondern als „institutionalisiertes System, in dem soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Beziehungen für weißen Alleinherrschaftserhalt wirken“, verstanden. Noah Sow, Rassismus, in: Susan Arndt/Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.), (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, Münster 2019, S. 37.
4 Zit. nach Mechthild Leutner/Harald Bräuner, „Im Namen einer höheren Gesittung“. Die Kolonialperiode, 1897–1914, in: Mechthild Leutner/Dagmar Yü-Dembski (Hrsg.), Exotik und Wirklichkeit. China in Reisebeschreibungen vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 1990, S. 41–52.
5 Vgl. Kien Nghi Ha, Chinesische Präsenzen in Berlin und Hamburg bis 1945, in: ders. (Hrsg.), Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond, Berlin–Hamburg 2012, S. 280–287; Dagmar Yü-Dembski, Chinesenverfolgung im Nationalsozialismus. Ein weiteres Kapitel verdrängter Geschichte, in: Bürgerrechte & Polizei 3/1997, S. 70–76.
6 Vgl. Noa K. Ha, Vietdeutschland und die Realität der Migration im vereinten Deutschland, in: APuZ 28–29/2020, S. 30–34; Dan Thy Nguyen, Rechte Gewalt, die DDR und die Wiedervereinigung, in: Bengü Kocatürk-Schuster et al. (Hrsg.), Unsichtbar. Vietnamesisch-Deutsche Wirklichkeiten, Köln 2017, S. 6–23.
10 Zum aktuellen Kontext vgl. Sumi K. Cho, Converging Stereotypes in Racialized Sexual Harassment. Where the Model Minority Meets Suzie Wong, in: The Journal of Gender, Race and Justice 1/1997, S. 178–211. Zu historischen Entwicklungen vgl. Mechthild Leutner, „Schlitzäugige Schöne“ und „gehorsame Dienerin des Mannes“. Deutsche Bilder von chinesischen Frauen in der Kolonialperiode, in: dies./Marianne Bechhaus-Gerst (Hrsg.), Frauen in den deutschen Kolonien, Berlin 2009, S. 194–204.
12 Wir bedanken uns bei Jonas Köhler für die tatkräftige Hilfe bei der Kodierung.
13 Vgl. Urmila Goel, Wer sorgt für wen auf welche Weise? Migration von Krankenschwestern aus Indien in die Bundesrepublik Deutschland, in: Beate Binder et al. (Hrsg.), Care: Praktiken und Politiken der Fürsorge. Ethnographische und geschlechtertheoretische Perspektiven, Opladen 2019, S. 97–109; Florian Pölking, Schlaglichter auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ehemaliger koreanischer Bergarbeiter und Krankenschwestern in Deutschland, in: Yong-Seoun Chang-Gusko/Nataly Jung-Hwa Han/Arnd Kolb (Hrsg.), Unbekannte Vielfalt. Einblicke in die koreanische Migrationsgeschichte in Deutschland, Köln 2014, S. 42–69; You Jae Lee/Sun-ju Choi, Umgekehrte Entwicklungshilfe. Die koreanische Arbeitsmigration in Deutschland, in: Kölnischer Kunstverein et al. (Hrsg.), Projekt Migration, Köln 2005, S. 735–742.
15 Vgl. Phi Hong Su/Christina Sanko, Vietnamesische Migration nach Westdeutschland. Ein historischer Zugang, in: Kocatürk-Schuster et al. (Anm. 6), S. 6–23.
16 Vgl. Mike Dennis, Vietnamesische Migration in den 1980er Jahren: Arbeiten in einem kommunistischen Paradies, in: Kocatürk-Schuster et al. (Anm. 6), S. 78–97; Ann-Judith Rabenschlag, Arbeiten im Bruderland. Arbeitsmigranten in der DDR und ihr Zusammenleben mit der deutschen Bevölkerung, 15.9.2016, http://www.bpb.de/233678«.
17 Vgl. Karin Weiss, Vietnamesische „Vertragsarbeiter*innen“ der DDR seit der deutschen Wiedervereinigung, in: Kocatürk-Schuster et al. (Anm. 6), S. 111–125.
18 Vgl. Kien Nghi Ha, Chinesische Präsenzen in Berlin und Hamburg bis 1945, in: ders. (Hrsg.), Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond, Berlin–Hamburg 2012, S. 280–287.
19 Im Wintersemester 2018/2019 gab es an Hochschulen in Deutschland 42676 Studierende aus China. Vgl. Statista, Anzahl der ausländischen Studierenden an Hochschulen in Deutschland im Wintersemester 2018⁄19 nach Herkunftsländern, Oktober 2019, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/301225«.
21 Vgl. Christos Lynteris, Yellow Peril Epidemics: The Political Ontology of Degeneration and Emergence, in: Franck Billé/Sören Urbansky (Hrsg.), Yellow Perils. China Narratives in the Contemporary World, Honolulu 2018, S. 35–59
25 So würden z.B. nur 44 Prozent aller Befragten einen Schwarzen statt einen Weißen Sitznachbarn auswählen. „Schwarz“ wird hier großgeschrieben, um auf die Selbstbezeichnung der Schwarzen Menschen in Deutschland und, ebenso wie beim Wort „Weiß“, auf die Konstruiertheit von Ethnizität zu verweisen.
26 Für einen Überblick vgl. Mechthild Leutner, Kiautschou: Deutsche „Musterkolonie“ in China?, in: Ulrich van der Heyden/Joachim Zeller (Hrsg.), „… Macht und Anteil an der Weltherrschaft“. Berlin und der deutsche Kolonialismus, Münster 2005, S. 203–212.
Der lang erwartete Sammelband in der erweiterten Neuauflage ist Anfang Juli 2021 herausgekommen! Wir freuen uns sehr darüber, dass das Buch wieder erhältlich ist. Danke an alle, die dieses Ergebnis mit ihrer Vorbestellung möglich gemacht haben.
Falls Ihr Teil der Sammelbestellung wart, aber das Buch bis Ende Juli noch nicht erhalten habt, dann meldet Euch doch bitte direkt beim Verlag Assoziation Aper E‑Mail: berlin AT assoziation‑a.de.
Falls Ihr das Buch gern kaufen wollt, aber NICHT Teil der Sammelbestellung wart, eine gute Nachricht: Ihr könnt das Buch ganz regulär im normalen Buchhandel kaufen. Bitte supportet eure lokalen Buchläden. Berliner*innen können bei unseren Freund*innen vom NEUROTITAN shop & gallery (www.neurotitan.de) vorbeischauen, die führen das Buch auch!
Der Weg vom Aufruf bis zur Veröffentlichung der Zweitauflage ist weiterhin dokumentiert – siehe unten „Zur Sammelbestellung“.
Zum Inhalt
Am Beispiel der vietnamesischen Migration, die vor allem in Berlin stark präsent ist, lässt sich aufzeigen, dass das Leben in der Diaspora vielgestaltige Formen annimmt und dieser Prozess aus der Perspektive der migrantischen Subjekte zu denken ist. Indem die Nation von ihren Rändern aus neu gedacht wird, können bisher vernachlässigte Fragen und marginalisierte Räume in den Fokus genommen werden. Dieser Perspektivwechsel durchzieht die vielschichtigen Analysen, Gespräche, Porträts, Foto-Essays und Kurzgeschichten namhafter Wissenschaftler*innen und talentierter Künstler*innen, die diesen Raum mit Leben und Innenansichten füllen.
Im ersten Teil des Bandes werden essenzialistische Identitätskonstruktionen sowie das homogenisierende Kulturverständnis hinterfragt und zeitgenössische Bedeutungen der asiatischen Diaspora analysiert. Anstatt Migration lediglich als ein zu bewältigendes Problem zu begreifen, beleuchten die Beiträge im zweiten Teil ihre kosmopolitischen Potenziale. Vor diesem Hintergrund werden vielfältige Verbindungen zu anderen People-of-Color-Gemeinschaften in Deutschland gezogen. Denn die komplex zusammengesetzten Identitäten in diasporischen Communities reflektieren unterschiedliche geschichtliche Erfahrungen mit Exil, genderspezifischer Ausbeutung und Rassismus, die kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutungen in sich tragen.
Das Leben zwischen hybriden Kulturen, politischen Grenzen und konstruierten Nationen wird in diesem Buch als eine Form des Zuhause-Seins untersucht. Diese Konstellation stellt eine zentrale Zukunftsaufgabe postkolonialer Migrationsgesellschaften in der Ära der Globalisierung dar.
Mit Beiträgen von Joshua Kwesi Aikins, Mita Banerjee, Biplap Basu, Indira Hong Giang Berghof, Uta Beth, Sun-ju Choi, Huy Dao, Katharina Dehn, Hannah Eitel, Naika Foroutan, Urmila Goel, Kien Nghi Ha, Noa Ha, Feng-Mei Heberer, Tamara Hentschel, Pham Thi Hoai, Jee-Un Kim, Mai-Phuong Kollath, Alisa Anh Kotmair, Yumin Li, Nya Luong, Hanna Hoa Anh Mai, Ruth Mayer, Angelika Bach Ngoc Nguyen, Baly Nguyen, Bé Ðiem Nguyen-Xuân, Thao Nguyen, Toản Quốc Nguyễn, Thúy Nonnemann, Günter Piening, Nivedita Prasad, Sina Schindler, Petra Isabel Schlagenhauf, Antonie Schmiz, Yasemin Shooman, Kimiko Suda, Trần Thị Thu Trang, Trinh T. Minh-ha, Anja Tuckermann, Danh Vo und Alke Wierth. Übersetzungen: Madeleine Bernstorff und Emma Dowling. Lektorat: Nika Zablotsky und Peter Veit. Cover: Ngan Thi Dang.
Kien Nghi Ha (Hg.) (2021): Asiatische Deutsche Extended. Vietnamesische Diaspora and Beyond. Berlin: Assoziation A. ISBN 978–3‑86241–484‑0, ca. 480 Seiten, Preis: 19,80€ Stark erweiterte und durchgesehene Neuauflage mit neuen Vorwort
Seiten: 472 (Taschenbuch) Verkaufspreis: 19,80 EUR zzgl. Porto Veröffentlichung: 1. Juli 2021 ISBN 978–3‑86241–484‑0
„Mit dem Sammelband gewährt uns Kien Nghi Ha einen Einblick in die Diversität asiatischer Präsenzen in Deutschland. Neben mehreren Beiträgen, die nicht nur für die etablierte Rassismusforschung in Deutschland von Bedeutung sind, finden sich Analysen sozialer und kultureller Praktiken, Untersuchungen medialer Repräsentationspolitiken, Autobiographisches sowie Aufsätze über Community-Pflege und transkultureller Interaktion. Ein ungemein spannender Sammelband, der Autor_innen aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen und künstlerischen Milieus versammelt; ein Band der einmal mehr deutlich macht, dass es höchste Zeit dafür ist, dass das Deutschland, das wir tagtäglich in Cafés, U‑Bahnen, Clubs, Restaurants, Schulen, Universitäten, Geschäften, Fußgängerzonen, Tankstellen, Bibliotheken etc. erleben, endlich auch in der deutschen Kultur- und Politiklandschaft sichtbar wird: In Rathäusern und Parlamenten, in Theatern und Museen, in Konzertsälen und im deutschen Fernsehen – überall da eben, wo Deutschland repräsentiert wird.“ Philippa Ebéné, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der Werkstatt der Kulturen Berlin
„Deutschland ist also asiatisch und in dieser Formulierung ist die Gegenüberstellung von ‚Deutsch‘ und ‚Asiatisch‘ bereits aufgehoben. Von dieser Aufhebung handeln die Beiträge dieses Buches, das sehr lesenswert ist, weil es in analytischen und narrativen Sätzen zeigt, dass Erfahrungen und ihre Artikulation in einem doppelten Sinne politisch sind. Sie weisen zurück auf politische Verhältnisse, die diese Erfahrungen zuweilen schmerzlich hervorbringen. Und sie widersetzen sich diesen Verhältnissen getragen von aus Alltagspraxis und Intellektualität resultierenden Visionen weniger gewaltförmiger Verhältnisse. Die Politisierung der strukturellen Schwäche derer, die natio-ethno-kulturelle Gegenüberstellungen aufheben, ist die große Stärke des Buches. Eine Ermutigung.“ Prof. Dr. Paul Mecheril, Direktor des Center for Migration, Education and Cultural Studies, Universität Oldenburg
„Nachdem der dominierende Diskurs über ‚Integrationsdefizite‘ und ‚gute und schlechte Migranten‘ die rassistischen Theorien des 19. Jh. jüngst wiederbelebt haben, holt dieses Buch uns eindrucksvoll ins 21. Jh. zurück. Die hier zusammengestellten Beiträge hervorragender Wissenschafter_innen, Künstler_innen und Akvist_innen bringen es auf den Punkt: Deutschland – und auch Europa – sind unwiderruflich plural, heterogen, hybrid und gerade deshalb spannend und zukunftsfähig (geworden).“ Prof. Dr. Sérgio Costa, Direktor des Lateinamerika Instituts, Freie Universität Berlin
„Das erste Buch zu Asian-Germans eröffnet eine spannende neue Perspektive für die Forschung und bietet somit gleichzeitig eine Plattform für multivokale asiatische diasporische Formationsbestrebungen in Deutschland.“ Prof. Dr. You Jae Lee, Leiter der Koreanistik, Universität Tübingen.
Rezensionen zur ersten Auflage von Asiatische Deutsche
Asiatische Deutsche – Sachbuch der Woche in der FAZ „Die Ausnahmen und die Regeln: Der Sammelband ‚Asiatische Deutsche‘ untersucht, wie unsere Gesellschaft ihre Einwanderer betrachtet – und wie diese mit den falschen Zuschreibungen zurechtkommen müssen. […] Die Suche nach dem richtigen Wort für eine so viel komplexere Gegenwart durchzieht den kompletten Band.“ Tobias Rüther: Wie würdest du deine Herkunft beschreiben? Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 27.08.2012, S. 26.
Unbedingt empfehlenswert „Dieses Buch wurde zu Recht von der FAZ als Sachbuch empfohlen. Die vielseitige Dokumentation des vietnamesisch-deutschen kulturellen Lebens im Einwanderungsland Deutschland ist ein wertvoller Beitrag zum kulturellen Gedächtnis der in Deutschland lebenden asiatischen communities. […] Der nun publizierte Sammelband „Asiatische Deutsche“ ist eine eindrucksvolle Orchestrierung von Gegenstimmen. […] Gerade das macht den Band stark, ebenso wie einige schriftlich dokumentierte Podiumsgespräche, die sich durchweg sehr spannend lesen und es erlauben, auch nachträglich noch an der Diskussionsreihe teilzuhaben. Damit ist dem Team, das hinter dieser Reihe und Publikation steht, ein großer Wurf gelungen. […] Es gibt soviele Anregungen in diesem Buch. Es ist unbedingt empfehlenswert.“ Karin Yesilada: Deutsch-Vietnamesisches Gedächtnis. In: heimatkunde – Migrationspolitisches Portal der Heinrich-Böll-Stiftung
Ausnahmslos hohe inhaltliche Qualität „Beide Bücher verbindet eine gelungene, kritische Annäherung an hybride Prozesse und sie stellen einen klugen Appell zur politischen und kontextualisierten Reorientierung des Konzepts dar. […] Dabei fällt die ausnahmslos hohe inhaltliche Qualität der Beiträge auf […] Asiatische Deutsche ist eine gelungene Textkompilation [… und] in jedem Fall wichtig. Am Beispiel der asiatisch-vietnamesischen Diaspora wird handfest und vielschichtig konkretisiert, was Vermischung und Hybridität bedeutet.“ Johnny Van Hove: Hybridität Revisited: Karriere, Kritik und Alltag eines Starkonzepts. In: KULT_online, Nr. 34, 2013.
Theoretisch fundiert und praktisch verortet „Während die deutsche Migrationsforschung Einwanderungsprozesse vor allem aus der Perspektive des Nationalstaates betrachtet, rücken Ha und die rund zwanzig weiteren AutorInnen diasporische Ansätze rund um migrantische Subjekte, Communities und Netzwerke ins Zentrum. Das ist gut so, denn es führt zu einem Perspektivwechsel, zu Pluralisierung und De-Nationalisierung. ‚Asiatische Deutsche‘ ist ein weit gefasster Begriff, er verweist auf Einschlüsse und Ausschlüsse. Heutzutage ist der Begriff der Diaspora en vogue, denn er beschreibt die Zerstreuung von MigrantInnen fern der Heimat. Aber Diaspora ist mehr, sie lokalisiert Erfahrungen von Ausschluss, Identifikation, Zugehörigkeit und Exklusivität neu. Die AutorInnen dieses Sammelbandes verstehen es, Diasporen im Spannungsfeld zwischen Nationalismus und transnationalen Bezügen zu beschreiben – theoretisch fundiert und praktisch verortet.“ Rosaly Magg: Diaspora in Deutschland. In: iz3w, Nr. 334, 2013, S.46.
Wertvolle Beiträge zur Rassismusforschung „Der Band dokumentiert Debatten von engagierten WissenschaftlerInnen und AktivistInnen zu den Themen Identität und Repräsentation von asiatischen Deutschen. […] Das anregende Lesebuch versammelt Fotos, Porträts, Analysen und Gespräche. Es bietet wertvolle Beiträge zur Rassismusforschung und einen tiefen Einblick in die Vielfalt der deutsch-asiatischen Präsenzen.“ Anke Schwarzer: Aufgeblättert. In: analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis. Nr. 577, 16.11.2012.
„Früher war es mir auch wichtig, bloß kein Chinese zu sein“ Trotz des verheerendsten rassistischen Pogroms seit der Nazi-Zeit in Rostock-Lichtenhagen ist anti-Asiatischer Rassismus ein sträflich vernachlässigtes Wissensgebiet. Ein Gespräch über die Bedeutung von Asiatische Deutsche, Community und Coalition Work. Kien Nghi Ha im MiGAZIN-Interview mit Deniz Utlu
ZUR SAMMELBESTELLUNG
UPDATES 03.08.2021 UPDATE Alle Bestellungen wurden ausgeliefert – und einige Bücher sind auch schon wieder zurückgekommen! Bitte meldet Euch, wenn Ihr noch immer nichts erhalten habt. Entweder direkt beim Verlag oder bei uns, und wir leiten Eure Email weiter.
An alle SELBSTABHOLER*INNEN: BITTE MELDET EUCH BEI UNS, also bei korientation per Email an die info@ Adresse! Die Bücher sind bei uns im Büro und gegen Barzahlung könnt Ihr Eure Bestellungen gleich mitnehmen.
Wer nicht vorbestellt hat, aber ein Buch möchte: Das Buch gibt es im regulären Buchhandel – oder schaut in Berlin im NEUROTITAN – www.neurotitan.de vorbei! Die führen das Buch ab sofort auch und sind unsere friends und Nachbarn.
03.07.2021UPDATE Die Email zur Bestellung und Lieferung an alle Vorbesteller*innen ist raus! Bitte gebt uns ASAP bis zum 08. Juli 2021 (Do) Bescheid, falls sich etwas an Eurer Bestellung und vor allen Dingen an der LIEFERANSCHRIFT geändert haben sollte. Ihr findet das Kontaktformular für die Adressänderung auf dieser Webseite! Bei Fragen meldet Euch via E‑Mail an info AT korientation.de!
18.06.2021 SURPRISE UPDATE! Wir machen einen COMMUNITY-BOOKLAUNCH! Das korientation-Team hat sich kurzfristig entschlossen, das erste korientation-Get Together in Präsenz seit Corona-Zeiten zu organisieren. Am Do, 8. Juli 2021 ab 19 h wollen wir mit einem kleinen Programm und natürlich einem Büchertisch(!) das Erscheinen der zweiten Auflage feiern und die Gelegenheit nutzen, uns auch tatsächlich zu sehen und zu treffen. Der Verleger Rainer hat grünes Licht gegeben, Herausgeber Nghi organisiert eine Gesprächsrunde mit Autor*innen aus dem Buch und wir erwarten ein bisschen Live-Musik (angefragt NAARI). Wir planen die Veranstaltung auf dem Gelände von DiskoBabel - entspannt, urban, kreativ, alternativ und improvisiert ^^. Die Personenanzahl wird wohl beschränkt sein, Anmeldung und negativer Schnelltest bzw. Impfnachweis ist erforderlich. MORE SOON!
12.06.2021 So wie es aussieht, kommt das Buch tatsächlich Ende Juni aus dem Druck! Es hat dann doch fast ein Jahr gedauert, seitdem wir das Ganze beim Verlag und Herausgeber angestoßen haben, bis wir dieses Update posten konnten. Wir freuen uns sehr darüber! Vorbestellungen sind NICHT mehr möglich, da ihr das Buch ganz regulär im normalen Buchhandel vorbestellen/kaufen könnt. Bitte supportet eure lokalen Buchläden oder bestellt über Plattformen wie buch7.de statt beim globalen Online-Händler mit A. Wir melden uns in den nächsten Tagen endlich bei den Vorbesteller*innen mit konkreten Infos!
26.04.2021 Wir sind endlich in der Zielgeraden! Das Buch geht ins Layout und der Verlag peilt nun ganz konkret die Veröffentlichung im Juni an. Hurra. Wir werden in Kürze ein Email-Update an alle Vorbesteller*innen versenden. Da der Band nun doch sehr viel mehr „extended“ ist als gedacht und sich die Seitenzahl erheblich erhöht hat, wird der Preis von 18,00 EUR auf weiterhin moderate 19,80 EUR erhöht. Ihr könnt gern noch bei uns die Vorbestellungen einreichen. Und natürlich wird der Sammelband auch über den regulären Buchhandel zu kaufen sein.
01.04.2021 Wir nehmen weiterhin Vorbestellungen an! Trotzdem die Veröffentlichung nun doch viel später erfolgt als anvisiert, hoffen wir, dass die neuen Beiträge in dem Sammelband diese Verspätung wieder wettmachen. Der Herausgeber Kien Nghi Ha und auch der Verleger sind an der Publikation dran und wir werden mit dem nächsten Update hoffentlich das Veröffentlichungsdatum bekanntmachen können.
09.12.2020: Ihr Lieben, aufgrund der Erweiterung der Auflage hat sich die Veröffentlichung doch sehr viel weiter in die Länge gezogen als vorgesehen. Wir waren wohl mangels Kenntnisse im Verlagswesen etwas sehr optimistisch mit unserer Vorhersage, dass Buch bereits im Herbst 2020 in den Händen zu halten. Es wird auf jeden Fall erscheinen, aber wie es aussieht erst im Januar oder Februar 2021. Viel später wird es hoffentlich nicht werden. Wir freuen uns wie Ihr darauf, Euch bald über ein konkretes Veröffentlichungsdatum informieren zu können.
11.07.2020: Wir haben bis zur gestrigen Deadline am 10.07.2020 genügend Vorbestellungen erhalten, um den Verlag davon überzeugen zu können, eine erweiterte und durchgesehene 2. Auflage zu veröffentlichen. Die Bestellungen ermöglichen dem Verlag, die finanziellen Risiken abzusehen und daraufhin Entscheidungen bspw. auch für die Erweiterung der 2. Auflage zu treffen. Vielen Dank Euch allen! Wir nehmen gern weiterhin über das Formular [siehe unten] Vorbestellungen entgegen, die wir dem Verlag weiterleiten.
Es gibt verschwindend wenig Literatur von Asiatischen Deutschen zu Asiatischen Deutschen. Eines dieser wenigen Bücher, das auch den Titel „Asiatische Deutsche“ trägt und im Verlag Assoziation A erschienen ist, ist seit geraumer Zeit vergriffen.
korientation hat daher Kontakt zu dem Verlag aufgenommen und eine zweite Auflage des Buches angeregt. Wir müssen eine bestimmte Mindestbestellmenge erreichen, damit es sich überhaupt lohnt, über einen Nachdruck nachzudenken. Je mehr Vorbestellungen hereinkommen, desto besser.
korientation sammelt die Bestellungen und gibt sie an den Verlag weiter. Da der Verlag auf dieser Grundlage die Entscheidung trifft, ob nachgedruckt wird oder nicht, wäre ein großes Maß an Verbindlichkeit in Bezug auf die Bestellung wünschenswert.
UPDATE VOR-/BESTELLUNGEN / LIEFERTERMIN
Wir, also korientation, schicken an alle Vorbesteller*innen Anfang Juli nach Abstimmung mit dem Verlag eine Info-Mail. Da der Verlag sehr klein ist, übernimmt der Verein bis zur Auslieferung der Bücher die Kommunikation in Kooperation mit dem Verlag und sammelt auch Änderungen hinsichtlich der Bestellangaben ein. Ihr findet weiter unten ein Kontaktformularunter ADRESSÄNDERUNGEN, um uns die geänderten Infos zu schicken.
Der Verlag plant, die Versendung an alle Vorbesteller*innen Mitte Juli 2021 durchzuführen, also bis zum 15. Juli 2021. Daher ist es sehr wichtig, dass alle Änderungen hinsichtlich der Bestellangaben rechtzeitig vorher erfolgt ist – und zwar bis zum 08. Juli 2021, um sie berücksichtigen zu können.
Zur Klarstellung: Wir verkaufen die Bücher nicht selbst an Euch. Der Kaufvertrag kommt direkt mit dem Verlag zustande und die Bezahlung erfolgt direkt an den Verlag. Auch die Auslieferung erfolgt über den Verlag. Falls Ihr in Berlin wohnt, könnt Ihr die Bücher wohl auch selbst abholen.
Lieferung und Zahlung
Die bestellten Bücher werden auf Rechnung Mitte Juli an die uns vorliegende Anschrift versandt. Die Rechnungen werden den Buchsendungen in Papierform beigelegt. Wir bitten Euch darum, die Rechnungsbeträge zeitnah nach Erhalt der Ware an den Verlag zu begleichen.
Der Kaufpreis setzt sich aus dem Buchpreis von 19,80 EUR pro Buchexemplar zuzüglich der Portogebühren zusammen.
AN ALLE SELBSTABHOLER*INNEN
Bitte meldet Euch bei uns per E‑Mail an info AT korientation.de! Eure Bücher warten im korientation-Büro auf Euch.
Shout Out
Big ShoutOut an Rainer vom Verlag Assoziation A, der seit dem ersten Telefonat super unterstützend war und sofort alle Möglichkeiten mit uns gebrainstormed hat, um die zweite Auflage zu ermöglichen (www.assoziation‑a.de). Schaut Euch doch auch mal das weitere Verlagsportfolio an. Es sind so einige interessante Bücher darunter.
Und ein krasses DANKE an unsere knapp 300 Vorbesteller*innen! Euer Interesse hat nicht nur die zweite Auflage, sondern auch die EXTENDED VERSION ermöglicht.
wir hoffen, Ihr konntet 2020 mit all seinen herausfordernden, hoffentlich aber auch mit einigen schönen Momenten hinter Euch lassen. Gemeinsam mit Thea und Thủy-Tiên, die den neuen korientation Podcast „The Bubbly Ts“ hosten, haben wir passend zum Jahreswechsel unsere Themen der vergangenen 12 Monate Revue passieren lassen – weiter unten im Newsletter verraten wir Euch, wo Ihr Euch alle Folgen des Podcasts anhören könnt. 🙃
Und statt langer einführender Worte kommen wir damit auch direkt zu den zahlreichen News für das neue Jahr aus dem korientation-Kosmos.
Am 5. Dezember fand unsere alljährige Mitgliederversammlung plus Vorstandnachwahl statt. Wir möchte uns an dieser Stelle nochmal bei den ehemaligen Vorstandspersonen Thao Nguyen, Liên Grützmacher und Thao Ho für all die Energie und Euer Engagement in den letzten Jahren danken, mit dem Ihr die korientation Welt bunter gemacht habt. 🙏
Vor allem aber freuen wir uns alldenjenigen, die nicht an der Mitgliederversammlung teilnehmen konnten unseren neuen Vorstand vorzustellen: ✨ Neben Sun-Ju Choi werden uns ab jetzt Lizza May David und Jeasuthan Nageswaran mit ihren Perspektiven bereichern. ✨ Damit Ihr wisst mit wem Ihr es zu tun habt, hier noch ein paar Worte zu den beiden:
Jeasuthan positioniert sich als Person of Color, ist in Berlin geboren und hat tamilische Wurzeln. Als Pädagoge und Diversity-Trainer arbeitet er im Bereich der politischen Bildungsarbeit. Seine Schwerpunkte sind Migration, Rassismuskritik und Erlebnispädagogik. Bei korientation möchte er vor allem einen Fokus darauf legen, wie communityübergreifende Solidarität unter Asiat:innen mit unterschiedlichen Bezügen und auch in der BIPoC-Community insgesamt praktisch aussehen kann. Lizza ist Künstlerin (Berlin/Manila) mit den Schwerpunkten Malerei und visuelle Medien. Sie arbeitet zu Themen im Kontext der philippinischen Diaspora. In ihren Werken bezieht sie sich auf Archive und Politiken der Bild- und Wissensproduktion. Ihre Arbeiten wurden in den letzten Jahren u.a. in Berlin, London, Seoul und Manila gezeigt und umfassen Ausstellungen, Installationen, Screenings und Performances. Mehr zu Lizzas Arbeiten findet Ihr auf www.lizzamaydavid.com.
Videomitschnitt zur digitalen Panelveranstaltung „In the Name Of“ – Diskussion zu Begriffen und Positionierungen der Asiatisch-Deutschen Communities
Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die Veranstaltungsankündigung im Juni letzten Jahres oder wart sogar selber eine der knapp 100 Personen, die sich innerhalb weniger Tage dafür angemeldet und teilgenommen haben.
Sun-Ju vom korientation Vorstand hat mit Saraya Gomis von Each One Teach One (EOTO) e.V., Noa K. Ha, jetzt DeZIM und Saboura M. Naqshband vom Kollektiv Berlin Muslim Feminists (BMF) über Fragen wie „Wie reden wir selbst über uns und über die Phänomene von Rassismus?“ „Wie wird über uns gesprochen?“ „Wo bzw. wie positionieren wir uns?“ diskutiert. Moderiert wurde die Veranstaltung von Seehofers BFF Ferda Ataman von den ndo, mit denen wir das Panel gemeinsam veranstaltet haben.
Das Video plus Transkription findet Ihr nun auf www.korientation.de/in-the-name-of. Wir hoffen die Diskussion zum komplexen Thema Selbstbezeichnungen dieses Jahr in ähnlichen Formaten weiterzuführen.
Inputs zu Rassismus gegen südost-/ostasiatisch gelesene Menschen – Wo wir waren und wo Ihr uns in der nächsten Zeit finden könnt
Mit dem Ausbruch der Pandemie ist das Thema anti-asiatischer Rassismus (bzw. spezifischer: Rassismus gegen südost-/ostasiatisch gelesene Menschen) immer mehr an die Oberfläche gerückt. Nicht nur wir, sondern auch viele andere Organisationen, die sich in der Antidiskriminierungsarbeit engagieren haben dabei gemerkt, dass in diesem Bereich noch sehr viel Wissen und Auseinandersetzung fehlt.
Weitere Veranstaltungen, zu denen wir mit unseren Perspektiven beitragen werden:
6. März 2021, 21–23 Uhr: „Confronting COVID-19 racism: Asian Diaspora Organizing and Transnational Solidarity“, den Link zur Veranstaltung bekommt Ihr von Kimiko über kimiko at korientation.de
(Internationale) Wochen gegen Rassismus 2021
17. März in Karlsruhe
26. März in Freiburg
In der Woche vom 22.–26. März in Krefeld
In der Woche vom 17.–22. Mai in Würzburg
MEDIENAKTIVISMUS
Illustration: Tram-Anh Mai
Illustration: @dschaman (Insta)
korientation proudly presents „The Bubbly Ts“ – den Podcast von und mit dem Medienaktivismus-Team
Der Podcast „The Bubbly Ts“ ist ein ehrenamtlich durchgeführtes Projekt, das aus der AG Medienaktivismus des Vereins entstanden ist und beschäftigt sich mit Themen über Medien, Kultur und Politik aus Asiatisch-Deutschen Perspektiven – manchmal mit, manchmal ohne Gäst:innen. Gehostet wird der Podcast von Thea Suh – Musikwissenschaftlerin, Projektmanagerin in einer Werbeagentur und Ownerin desPodcast DonnaSori – und Thủy-Tiên Nguyễn, eine queere Asiatische Deutsche und Viet-Deutsche Aktivistin, freie (Tanz-)Theaterpädagogin und Lehramtsstudentin. Als Teil des „The Bubbly Ts“-Redaktionsteams sind außerdem Sandy und Victoria am Podcast beteiligt.
Aktuell findet unser von Thea Suh innitierter und vom Medienaktivismus-Team umgesetzter Twitter Takeover statt. Die Autorin, Stand-up-Comedian, unermüdliche Kämpferin gegen Rassismus 🙌🏽Jasmina Kuhnke🙌🏽 aka @ebonyplusirony aka @quattromilf ist so krass solidarisch und leiht uns bis zum Lunar New Year am 12. Februar ihren Twitter Account und hilft uns Asiatisch-Deutsche Perspektiven zu boosten.
Supportet Jasmina mit Eurer Follower:innenschaft, denn jeder Like für Black Content ist ein Like gegen rechte Hater (und von denen hat sie definitiv zu viele an der Backe)! Und checkt auf jeden Fall die vielseitigen Beiträge, die nach unserem Call for Content aus der Community eingereicht wurden, es lohnt sich!
Nachdem wir unser Arbeitsjahr am 19. Dezember mit unserem Online Seminar zu anti-asiatischem Rassismus abgeschlossen haben, geht es in diesem Jahr mit weiteren MEGA Aktivitäten weiter – hoffentlich nicht ausschließlich digital, sondern bei schönem Wetter vielleicht auch mal draußen.
Geplant sind mehrere Vernetzungstreffen, ein digitaler Podcast Workshop (voraussichtlich im März), ein Kurzfilmscreeningbeim CLINCH Festival in Hannover (voraussichtlich am 22.+23. Mai), ein Seminar zu lebensgeschichtlichen Interviews in Hamburg, ein Veranstaltungsformat zum Thema Gender und Asiatisch-Deutschsein, ein Kurzfilm Workshop in Berlin, ein Veranstaltungsformat zum Thema Erinnerungskultur und Gedenken an 30 Jahre Hoyerswerda (voraussichtlich im September, zusammen mit dem Museum FHXB) und mehr.
Wir werden Euch selbstverständlich über Newsletter, Website und unsere Social Media Kanäle über die konkreten Termine auf dem Laufenden halten – also stay tuned!
BEMERKENSWERT
Asiatisch-Deutsche Perspektiven in Film, TV, Kunst und Kultur
Webserie DRUCK: Die Serie richtet sich an 14- bis 20-Jährige und bedient alle wichtigen Themen dieser prägenden Lebensphase: die erste Liebe, Freundschaften mit allen Höhen und Tiefen, den Leistungsdruck in der Schule, Outings, die zunehmende Abgrenzung von der Familie, Mobbing und vieles mehr.
Asiatisch-Deutsche Repräsentation beimFilmfestival Max Ophüls Preis 2021: JACKFRUIT/Thùy Trang Nguyễn, TALA’VISION/ Murad Abu Eisheh, ECHO (YANKI)/Hazal Kara, BA HAM/Shahab Habibi, MEIN VIETNAM/Thi Hien Mai, Tim Ellrich.
RESIST! Die Kunst des Widerstands: Die Ausstellung beleuchtet 500 Jahre antikolonialen Widerstand im Globalen Süden und erzählt über koloniale Unterdrückung und ihre Auswirkungen bis heute.
Artist Talk / Online / Performance (26.–28. Februar): „Home Away From Home“ erzählt von der globalen Dimension von Arbeitsmigration und transkultureller Realität, berichtet von Zerrissenheit und struktureller Gewalt, ergründet gleichzeitig aber auch übergreifende, menschliche Kategorien von Heimat, Identität und Glück.
Online Screenings PARS PRO TOTO by peer to space: Pars Pro Toto is peer to space’s online series showcasing video art works which focus on very personal stories narrated by the artist or by the protagonist. The works are embedded in a thematic context of cultural, social, political, or environmental issues. A new iteration focusing on a further topic will be released quarterly.
Podcasts
Acca Pillai: Über tamilische Kultur, Tradition und was dahinter steckt.
Hamam Talk: Im Hamam-Talk-Podcast quatschen Sarah und Linda alle drei Wochen über Identität, Politik, Kultur, Sexualität, Rassismus – kurz: einfach über alles was unsere Gesellschaft gerade bewegt.
Anti-was? Dîlan spricht mit ihren Gäst:innen über Antifaschismus, Antirassismus, den kurdischen Freiheitskampf und vieles mehr.
X3 Podcast:Der erste Podcast zum Thema Russlanddeutsche und zur Postsowjet-Community in Deutschland und ein Produkt des X3 Kollektivs, bestehend aus Helena Melikov, Julia Boxler und Ani Menua.
Yvonne kommentiert: Yvonne ist chinesische Deutsche und kommentiert ihre Rassismuserfahrungen in Deutschland.
Bin ich süßsauer?Ein Interviewpodcast mit queeren asiatischen Personen in Deutschland.
Maangai – let s talk ! – Was bedeutet es Südasiatisch und queer im deutschsprachigen Raum zu sein? (voraussichtliche Veröffentlichung der ersten Folge im März 2021 – über die üblicher Podcastplattformen)
Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter aufnehmen lassen wollt!
Den nächsten Newsletter gibt’s dann Anfang nächsten Monat und ein wenig später dann auch auf dieser Webseite!
Wir wünschen allen, die das Neujahr nach dem Mondkalender feiern bzw. gefeiert haben, an dieser Stelle ein Frohes Neues Ochsen- bzw. Büffeljahr!
Passend dazu sprechen Thủy und Thea in ihrer neuen Folge bei „The Bubbly T’s“ über Feiertage, Traditionen und wie man diese in der Diaspora gebührend feiern kann. Natürlich geht es auch um leckeres Feiertagsessen! Als Gast dabei: Abilaschan Balamuraley vom brandneuen Podcast „Maangai“ – ein Podcast, in dem die Vielfalt der queeren Südasiatischen Community gefeiert wird.
Folgt Abilaschans Podcast auf Instagram: @maangai_podcast für alle aktuellen News zum Release im März 2021!
Unser korientation Twitter-Takeover bei @ebonyplusirony läuft unter dem Hashtag #LunarGER und wir möchten im Zeitraum vom 05.–12. Februar 2021 Inhalte von BPoC mit Bezügen zu Asien vorstellen und feiern.
Wir sind uns bewusst, dass nicht alle BPoC mit Bezügen zu Asien das Mondneujahr feiern. Wir teilen daher teilen alle Inhalte und Themen, die von asiatisch(-diasporischen) Menschen (wohnhaft in DE, Ö & Schweiz) bis zum 06.02.2021 eingereicht wurden.
Wir freuen uns, wenn Ihr uns folgt, die Inhalte teilt und kommentiert!
Am 12.02.2021 erscheint als Höhepunkt zum Abschluss eine neue Podcastfolge von „The Bubbly T’s“ rund um das Thema „Neujahrsfeste“.
Zur Folge: Am 30.01.2020 haben die „Bubbly T’s“ Hosts Thea und Thủy-Tiên in einem Clubhouse Talk über anti-asiatischen Rassismus in der Politik und in den Medien, über Hatespeech und rassistische Angriffe sowie über Fake Allyship gesprochen. Damit das Gespräch für weitere Menschen zugänglich sein kann, haben die beiden während des Talks ihre eigenen Stimmen aufgenommen und veröffentlichen hiermit eine LIVE Podcastfolge. Viel Spaß beim Zuhören!
Übrigens: „The Bubbly T’s“ ist ein Podcast-Projekt von korientation, das von ehrenamtlichen Mitgliedern des Vereins konzipiert, redaktionell betreut und umgesetzt wird. –> Mehr Infos zum Podcast
Dein Ressourcenvorschlag
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Anjuli Aggarwal
Anjuli Aggarwal, 33, M.A. South Asian Studies an der Universität Heidelberg.
Studienfokus: Medical Anthropology (Erleben und Praktizieren von Gesundheit, Krankheit und Heilung in unterschiedlichen soziokulturellen Lebensrealitäten) und Hindi (Muttersprache meines Vaters).
Mein wissenschaftlicher Fokus liegt in den Erfahrungen und Praktiken von Südasiat*innen (in der Diaspora) rund um die Themen Tod und Sterben. Die Einblicke in die vielfältigen und komplexen Lebensrealitäten und Bedürfnisse von in Deutschland lebenden (und sterbenden) Südasiat*innen, sollen deren Sichtbarkeit erhöhen und zur Verbesserung des End-of-life und Death Care in Deutschland beitragen. Dabei fließen meine persönlichen Erfahrungen um den Tod meiner in Deutschland und Indien verstorbenen Großeltern, als auch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Sterbebegleiterin, in meine Arbeit mit ein.
Anthropolog*innen erzählen Geschichten aus dem Leben von Menschen, die darüber in ihren eigenen Worten berichten. Dafür möchte ich einen Raum eröffnen und alle, die sich zu diesen Themen angesprochen fühlen, einladen, sich auszutauschen.