korientation ist eine (post)migrantische Selbstorganisation und ein Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven mit einem gesellschaftskritischen Blick auf Kultur, Medien und Politik.
Maya Zaheer (Curry on!) (konnte leider nicht kommen)
eingeladen.
Unsere Gäst*innen unterhielten sich über ihre Wege zum Podcasting und über den Mut, die Arbeit und die Kraft die es braucht, um über sich selbst und intersektionale Unterdrückungsverhältnisse zu sprechen. Es ging um unsichtbar gemachte (Widerstands-)Geschichten von unterschiedlichen (post-) migrantischen, asiatisch-diasporischen Communities und die Frage, ob und inwiefern Podcasts als Orte des Widerstands und der Widerworte betrachtet werden können. Wir haben auch erfahren, wie schwierig es ist ‚sich‘ und den ‚eigenen‘ Themen im wahrsten Sinne des Wortes „Gehör zu verschaffen“.
Vielen lieben Dank für den schönen Abend!
Gäst*innen
Melmun Bajarchuu | Melmun Bajarchuu bewegt sich in den Grenzbereichen von Kunst, Theorie und Politik als Denkerin, Diskurspartnerin, Kuratorin und Kulturproduzentin. Ihr besonderes Interesse gilt der Verwebung von Theorien und Praktiken im Kontext poststrukturalistischer, post- und dekolonialer sowie queerfeministischer Fragestellungen. Gemeinsam mit kritischen Kulturpraktiker*innen forscht sie u.a. in der Initiative für Solidarität am Theaterkollaborativ zu mikropolitischen Widerstandspraktiken in den Darstellenden Künsten.
Maya Zaheer | Maya studiert Visuelle Kommunikation und arbeitet für das kohero Magazin für interkulturellen Zusammenhalt im Social Media und Podcast Bereich. Vor einem Jahr startete sie den Podcast „curry on!“, in dem sie mit ihrer Schwester über Themen wie Sisterhood, postmigrantische Identitäten und südasiatische Perspektiven in Deutschland spricht. Maya interessiert sich besonders für Machtkritik im Kontext von Gestaltung und Medien.
Abilaschan Balamuraley | Abilaschan ist Produzent und Host vom „Maangai Podcast“, dem Community Podcast für queere südasiatische Perspektiven im deutschsprachigen Raum und Teil der Initiative postmigrantisches Radio. Er ist Moderator beim queeren post migrantischen Bildungskollektiv „erklär mir mal..“ Abilaschan ist neben seiner Tätigkeit als Podcaster auch als Diversity Trainer und Multiplikator in der Berlinern Club Szene aktiv.
Cuso Ehrich | Cuso ist in diversen sozialen Bewegungen aktiv und Referent:in für Rassismus- und Machtkritik. Cuso arbeitet in Form von Vorträgen, Podcasts, Textbeiträgen und Workshops u.a. zu den Themen Einführung in die Rassismuskritik und kritischer politischer Bildungsarbeit, Anti-asiatischer Rassismus in Zeiten von Corona sowie Intersektionen von Kolonialismus und Geschlecht.
Kooperationspartner
BIWOC* Rising is an empowerment project for women*, transgender and non-binary people, who are facing intersectional discrimination. By creating a safe® work and social club, including training programs, we promote social, professional and economic advancement through an intersectional community.
Zur MEGA-Talkreihe „Shut Up And Listen!“
„Shut Up And Listen!“ ist eine Talkreihe, in der divers positionierte Asiatisch-Deutsche Stimmen aus den Bereichen Medien, Kunst, Wissenschaft, Tanz, Aktivismus und Kultur zusammen-kommen, und über die Themen diskutieren, die uns bei unserem Projekt MEGA besonders am Herzen liegen: (medialer) Widerstand, Empowerment(-räume) und Selbstrepräsentation(en).
Wir laden dazu ein, einfach mal still zu sein und zuzuhören, was unsere spannenden Gäst*innen zu sagen haben, die im deutschen Mainstream immer noch viel zu selten mit und in ihren vielfältigen und auch widersprüchlichen Perspektiven gesehen, gehört und gefragt werden. Wir laden unsere Gäst*innen dazu ein, für sich selbst zu sprechen statt besprochen zu werden, ihre Analysen zu teilen statt analysiert zu werden, und sich in ihren uneindeutigen, mehrfachzugehörigen, brüchigen, vorläufigen, stets in Bewegungen befindlichen Subjektivitäten und Geschichten zu zeigen, statt in stereotypen Bildern festgehalten zu werden.
Projekt MEGA
„MEGA“ steht für „Media and Empowerment for German Asians“. Das Projekt hat zum Ziel, Asiatische Deutsche darin zu bestärken, ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen aufzuarbeiten, einzuordnen, zu erzählen und sichtbar zu machen. Das (mediale) Bild von Asiatisch-Deutschen Menschen soll durch selbstbestimmte Bilder und Beiträge besetzt und diversifiziert werden. Im Rahmen des Projekts MEGA wird eine Kombination von unterschiedlichen Bildungsformaten entwickelt, um unterschiedliche Bereiche medialer Repräsentation abzudecken.
wir hoffen Ihr seid gut ins neue Jahr – das Jahr des 🐯 gekommen!
Bei korientation gibt es wieder einmal viele Neuigkeiten, über die wir Euch in unserem Newsletter informieren möchten!
Das Wichtigste zuerst: Wir haben einen neuen Vorstand gewählt und wir suchen neue Mitarbeiter*innen. Wie die neuen Vorstandsmenschen heißen, welche Stellen bei korientaton vakant sind und vieles mehr erfahrt in diesem Newsletter!
Außerdem wir haben uns ein tolles Seminar mit dem kulinarischen Titel „Bombay Sandwich Pakora“ – ein MEGA Online-Seminar zu postkolonialen Perspektiven auf Essen und Widerstand überlegt. Die Illustration, die wir für den Header dieses Newsletters verwenden, wurde von Krishan Rajapakshe anlässlich dieses Seminars erstellt. In der MEGA Sektion könnt Ihr mehr darüber erfahren!
Der‚Maangai Podcast – raw sliced and spicy‘wird seit 2021 von Abilaschan Balamuraleygehosted und feiert die Vielfalt der queeren Südasiatischen Community. Wir haben den Podcast als Projektträger im ComE-In Programm (2021) des Migrationsrats Berlin unterstützt und konnten Abilaschan auf seinem Weg bei der Realisierung des Podcasts ein wenig begleiten. Wir sagen „Glückwunsch“ zum ersten Podcast Geburtstag und zur erfolgreich beendeten ersten Staffel! Er hat mit Unterstützung von Aathithya, Aditi und tollen Gäst*innen sechs wirklich hörenswerte Episoden liebevoll und als Ergebnis harter Arbeit produziert. Hier lassen wir den Ideengeber des Maangai Podcast selbst zu Wort kommen.
Magst Du Dich kurz selbst vorstellen „Mein Name ist Abilaschan, ich bin 28 Jahre alt meine Pronomen sind er/ihm. Nach meinem Kulturwissenschaftsstudium in Hildesheim bin ich so ziemlich in dieses kreativ freelance life in Berlin rein gerutscht- ohne es bewusst zu merken. Ich bin Host und Produzent des Maangai Podcast für queere südasiatische Perspektiven im deutschsprachigen Raum und bin darüber hinaus Teil des queeren postmigrantischen Bildungskollektivs „erklär mir mal…“ und der Initiative Postmigrantisches Radio. Ich engagiere mich darüber hinaus als Multiplikator zu Diversityansätzen in der Berliner Clubszene in Zusammenarbeit mit der Clubcommission Berlin.„
Was nimmst Du aus den Erfahrungen aus der 1. Staffel des Maangai Podcasts mit für die Episoden, die noch kommen werden? „Wir nehmen ungemein viel aus der Arbeit in der ersten Staffel des Maangai Podcasts mit. Vor allem in Bezug auf unsere internen Arbeitsabläufe, den Folgenaufbau und die Communityarbeit, die wir leisten. Anfangs war alles chaotischer und mühsamer – ein wichtiges learning war in jedem Falle auch, dass wir stetig unseren eigenen Anspruch realistisch halten müssen und reflektieren sollten. Es ist ein Projekt, das uns sehr am Herzen liegt, aber am Ende des Tages ist es ein Projekt, das zwischen Lohnarbeit, Studium und dem Leben passiert. Unser Team hat sich zudem vergrößert und wir sind organisch gewachsen. Ich für meinen Teil habe auf jeden Fall verschiedene Erfahrungen in der Vorbereitung gemacht und gelernt, Stress-Situationen in der laufenden Aufnahmesession besser zu meistern. Die Arbeit mit Schnitt/Audiosoftware hat mich bei den ersten Folgen echt auf eine Geduldsprobe gestellt. War schon kurz vor dem Aufgeben😄. Ich wollte jeden Fehler, alle Füllwörter und peinlichen Lacher ausbessern. Völlig unrealistisch – mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass diese auch ihren Charme haben. Und mittlerweile geht mir das Vorschneiden der Folgen auch viel besser von der Hand und ich hab professionellen Support im Nachgang beim Mastering und der Postproduktion gehabt. Das Schönste ist aber vor allem das wohlwollende Feedback und die Interaktion mit der Community!“
In den letzten beiden Jahren wird im deutschsprachigen Raum vermehrt über anti-asiatischen Rassismus gesprochen. Wie wird das von Südasiatischen Queers und Peers wahrgenommen? „Ich würde behaupten, dass diese Form von Rassismus erst mit der Corona-Pandemie in den öffentlichen Fokus gerückt ist. Es sollte aber klar sein, dass es bereits davor anti-asiatischen Rassismus gegeben hat. Ich kann aus meinem Umfeld die Beobachtung teilen, dass es vor allem ost- und südostasiatisch gelesene Personen in Deutschland betraf. Dass sie in direktem Zusammenhang mit dem Virus Übergriffe und Hasskriminalität erfahren haben. Wenn ich beispielsweise an südasiatische Communities und meine Verwandten in UK denke, sind dort im Vergleich zusätzlich vermehrt Übergriffe auf südasiatisch gelesene Menschen zu verzeichnen. Dieser Anstieg von Übergriffen bekam dort die Aufmerksamkeit, die so dringend nötig ist – anders als in Deutschland, wo Gewalt gegen südasiatisch gelesene Menschen, die auch hier existiert, immer noch eher selten thematisiert wird. Ein verkürzter „Asien“-Begriff, der sich v.a. auf ost- und südostasiatisch gelesene Personen beschränkt, macht die Diversität dieser Weltregion unkenntlich. So wird die globale Tragweite des Kontinents nicht ausreichend gewürdigt. Es ist wichtig, dass die Berichterstattung über diese Region, insbesondere in Bezug auf anti-asiatischen Rassismus – die Diversität der Region anerkennend – genauso nuanciert geführt wird.„
Falls Du Dich selbst als queer aunty or elder siehst, welchen Rat/Gedanken/Impuls würdest Du Südasiatischen Baby Queers gern mit auf den Weg geben? „Ich bin zwar noch keine aunty – ab wann ist man a queer aunty or elder? :D. Aber was ich schon sagen kann ist: Dear babyqueers – es wird besser, Du wirst Menschen treffen, die Dich, Deine struggles und Bedürfnisse sehen und auch vor allem Deine Stärken und Einzigartigkeit. You’re neither too much nor too extra! Nimm Dir den Raum, um Deine Meinungen zu äußern und Deine Stimme zu erheben. Nimm Dir aber auch die Zeit, die Du brauchst, um Dich selbst kennenzulernen – it’s a journey.“
AUS DEM VEREIN
Mitgliederversammlung 2022 und neuer Vorstand
Am 05. März 2022 haben wir unsere jährliche Mitgliederversammlung in digitaler Form durchgeführt, die von Dezember auf März verlegt wurde. Der Vorstand und das Büroteam haben Bericht erstattet über das Jahr 2021. Vielen Dank an alle Mitglieder, die dabei waren. Die spannendste und wichtigste Neuigkeit ist, dass wir nun auch einen neuen Vorstand haben – gleich sieben Mitglieder an der Zahl. Wir freuen uns sehr!
🙌Noch einmal herzlichen Glückwunsch an Manik Chander (neue Vorstandsvorsitzende), Sarah Naqvi, Sue Glaeser, Maria Ngyuen, Su-Ran Sichling als neue und an Lizza May David und Sunju Choi als wieder gewählte Vorstandsmenschen! Wir werden die nächsten Gelegenheiten nutzen, um sie Euch vorzustellen! Bald findet Ihr zumindest die ersten Infos in Form von Kurzbios auf unserer Webseite unter TEAM.
Wir verabschieden uns gleichzeitig von unserem alten Vorstandsmitglied Jeasuthan Nageswaran und bedanken uns für seine wichtige Arbeit als Vorstand im Verein!
Neues Projekt RADAR
Wir haben ein neues Projekt mit dem schönen Titel RADAR – Ressourcen von/für Asiatische Deutsche gegen anti-asiatischen Rassismus! Wir freuen uns unheimlich darüber und werden demnächst weitere Infos auf unsere Webseite packen.
Achtung offene Stelle!
Zunächst suchen wir jedoch eine tolle Projektleitung für die vorgesehene Leitungsstelle – siehe etwas weiter unten – unter STELLENAUSSCHREIBUNGEN!
korientation goes TikTok
Wir haben seit Januar 2022 einen TikTok-Account! Unsere Kollegin Sara hat ihn aufgebaut und kuratiert ihn bis Ende April. Sie arbeitet hierfür mit tollen Asiatisch-Deutschen content creator*innen zusammen. Shout out bislang an @kimchikohl, @mrplantast, @khai, Sandy und an Enting! Sie lässt sich aber auch selbst super schöne TikToks, FoodToks, und BookToks einfallen.
Überzeugt Euch selbst! Ihr findet uns unter: @korientation
Stellenausschreibungen
Wir laden insbesondere BPoC mit Bezügen zu Asien (Zur Klarstellung: Damit meinen wir Süd‑, West‑, Nord‑, Südost‑, Ost- und Zentralasien) und intersektionalen Identitäten ein, sich zu bewerben.
WE ARE HIRING #2 Social Media und Content Creator*in auf Midijob-Basis zur Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit von korientation vom 15.06. bis 31.12.2022 Bewerbungsschluss: 06.05.2022 Ausführliche Stellenausschreibung auf unserer Webseite!
07.05.2022 ‚Bombay Sandwich Pakora‘ Ein MEGA Online-Seminar zu postkolonialen Perspektiven auf Essen und Widerstand – Anmeldeschluss 20.04.2022
Essen spielt eine wichtige Rolle im Leben vieler Asiatischer Deutscher und (‚Süd‘-, ‚Ost‘-, ‚West‘-, ‚Nord‘-) asiatisch-diasporischer Menschen in Deutschland. Über Essen könnten wir stundenlang und zu jeder Tageszeit sprechen. Ob selbstgekocht oder auswärts konsumiert, Essen hat eine besondere Fähigkeit uns zu berühren.
In unserem ersten ‚food‘ Seminar im Rahmen des MEGA-Projekts möchten wir zusammen mit Euch über unser Lieblingsthema ‚Essen‘ sprechen; und aus postkolonialer Perspektive erkunden, welche Rolle(n) Essen in unseren vielfältigen (Familien*) Biographien gespielt hat und welche widerständige(n) Geschichte(n) wir & unsere Lieben mit (Ersatz-) Zutaten, Essen & Kochen verbinden.
Referent*innen Der Workshop wird von Natali Bhalchandra Abhyankar mit Unterstützung von Fallon Tiffany Cabral aus dem MEGA Projektteam geleitet.
Mehr Infos zum Seminar und zur Anmeldung findet Ihr hier auf der korientation Webseite
SAVE THE DATE! 20.05.2022 MEGA-Talkreihe „shut up and listen!“ – Talk #1 @BIWOC RISING, Berlin
Seid gespannt auf die tollen Gäst*innen! Mehr Infos findet Ihr bald auf unserer Webseite und auf Instagram!
PAST EVENTS
23.03.2022 YEOJA X MEGA – HOW FAR HAVE WE COME? im Sinema Transtopia, bi’bak Berlin
Wir gedenken Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan, Yong Ae Yue sowie Paul Andre Michels und Delaina Ashley Yaun Gonzalez.
Am 23. März 2022 fand anlässlich des Attentats von Atlanta am 16. März 2021 ein Community-Event im bi’bak in Berlin in Kooperation mit dem YEOJA Mag und dem Korea Verband statt. Ziel des Abends war es einen kritischen Blick auf anti-asiatischen Rassismus in seiner Verschränkung mit Klassismus und Sexismus zu werfen.
korientation CRUSHES
Wir haben eine neue Kategorie in unserem Newsletter! Wir möchten Euch gerne in regelmäßigen Abständen unsere CRUSHES vorstellen. Das sind einfach Personen, Bücher und Texte von Menschen, die uns berühren, und von denen wir denken, dass sie in einen Asian-Diasporic (and beyond) Kanon gehören sollten!
Dieses Mal stellt uns Jee-Un ein Buch vor, dass sie kürzlich entdeckt hat:
„RISE: A Pop History of Asian America from the Nineties to Now“ (2022), von Jeff Yang, Phil Yu & Philip Wang.
Das Buch RISE ist erst vor kurzem in den USA erschienen und ja, ich habe es noch nicht von vorne bis hinten durchgelesen. Ich gebe zu, ich habe es nur durchgeblättert. Und trotzdem Fallon sofort für unsere neue CRUSHES-Reihe vorgeschlagen.
RISE ist ohnehin nicht dazu da, es penibel von vorne bis hinten durchzulesen. Es ist wirklich dick und schwer mit über 400 Seiten, man kann es kaum halten. Aber das ist auch das Erfreuliche an diesem Buch, das es so umfänglich ist in jeglicher Hinsicht.
Es ist eine kleine Enzyklopädie, ein Einstiegs‑, Nachschlage‑, Überblicksband, eine Reise durch die letzten 30 Jahre von Asian American Populärkultur und Beyond. In Form von Essays, Graphiken, Comics, Zeichnungen, Infoboxen und Tabellen, Interviews und Artikeln zeichnen divers positionierte Asian American Autor*innen bedeutende Weg- und Landmarken in der Geschichte der Migration unterschiedlicher asiatischer Gruppen in die USA, und gleichzeitig auch der Asian American Movement nach.
Die unterschiedlichen Ausprägungen von, aber auch der Widerstand gegen anti-asiatischen Rassismus werden aufgegriffen und – das finde ich besonders gut – im Wandel der Zeit beleuchtet. Ein Beispiel: „Yellowfacing“ kommt in vier der insgesamt fünf Kapitel vor: 1) Yellowface: In the Beginning 2) Yellowface in the 1990s 3) … in the 2000s 4) … in the 2010s. Gleichzeitig wird immer wieder die Fragestellung aufgegriffen, was „Asian“ ist oder sein kann, wer wann damit gemeint war und wie umkämpft der Begriff war und ist, woher der Begriff „Asian American“ kommt und wie er sich immer wieder verändert hat und noch immer verändert.
Während die historischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Umstände natürlich nicht mit Deutschland vergleichbar sind, so sind viele Themen, Diskurse und auch Herausforderungen für uns als Asiatische Deutsche nachvollziehbar und sehr aktuell. Und natürlich beeinflussen die US-amerikanischen Diskurse, Kultur und Politik nicht nur uns in Deutschland in erheblichem Maße.
Was bedeutet „asiatisch/Asiatisch“ für uns, was ist „anti-asiatischer Rassismus“, was bedeutet Repräsentation, wer repräsentiert wen und wo sind die Grenzen? Welche Communities sind weshalb sichtbarer und welche nicht? Welche Erfahrungen sind wichtiger und welche werden nicht beachtet, und wie können wir auf bestehenden Erfahrungen und Wissensbestände aufbauen, anstatt immer wieder von Null anzufangen?
Die Idee von „RISE“ war platt gesagt, die mehr oder weniger vergessenen (pop)kulturellen Errungenschaften von Asian America zu sammeln, festzuhalten und zu zeigen, dass Asian American Representation nicht mit Crazy Rich Asians angefangen hat und, dass anti-asiatischer Rassismus nicht erst seit Corona real ist und dass auch der Widerstand dagegen nicht erst heute begonnen hat.
Ich wünsche mir sehr, in näherer Zukunft ein RISE-Buch für den europäischen bzw. deutschen Kontext auf meinen TO READ-Stapel legen zu können.
korientation Veranstaltungen
30.04.2022 Aufruf zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 25. Todestag von Phan Văn Toản mit Kundgebung und Podiumsgespräch in Fredersdorf
Am 30.04.1997 starb Phan Văn Toản an den Folgen einer gewalttätigen Auseinandersetzung am S‑Bahnhof Fredersdorf bei Berlin. 25 Jahre später wollen wir erinnern: An den Menschen Phan Văn Toản. An die Tat, die trotz rassistischer Aussagen des Haupttäters gegen Vietnames*innen nicht als rassistische Tat verurteilt wurde. Und daran, dass (anti-asiatischer) Rassismus ein aktuelles Thema ist, das in Fredersdorf und darüber inaus benannt und bekämpft werden muss.
13:00 h Treffpunkt zum gemeinsamen Hinfahren am S‑Bhf. Ostkreuz auf dem Gleis Richtung Fredersdorf 14:00 h Kundgebung am S‑Bhf. Fredersdorf Im Anschluss öffentliche Gesprächsrunde
14.05.2022 Linke Buchtage – „Here to stay – Ein vietdeutscher Talk 30 Jahre nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen„
Ein Community-Gespräch mit Angelika Bach Ngoc Nguyen (Autorin und Filmjournalistin), Tran Thi Thu Trang (kulturelle Bildnerin), Vanessa Vu (Journalistin) und Kien Nghi Ha (Kulturwissenschaftler) Ort: Buchladen Schwarze Risse, Mehringhof, Gneisenaustr. 2A, Berlin Zeit: Samstag, 14.05.2022 von 12 bis 14 Uhr im Rahmen der Vorstellung des Sammelbandes Asiatische Deutsche Extended. Vietnamesische Diaspora and Beyond, hrsg. von Kien Nghi Ha (Assoziation A, 2021)
Ein Event innerhalb der Linken Buchtage Berlin 2022,supported von korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e. V.
20.05.2022 Talk#1 der MEGA Talkreihe „shut up and listen!“@BIWOC RISING, Berlin – more infos soon!
BEMERKENSWERT
24.04.2022 Aufruf zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 30. Todestag von Nguyễn Văn Tú
Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter aufnehmen lassen wollt!
„Shut Up And Listen!“ ist eine zwei-teilige Talkreihe, in der divers positionierte Asiatisch-Deutsche Stimmen aus den Bereichen Medien, Kunst, Wissenschaft, Tanz, Aktivismus und Kultur zusammenkommen und über die Themen diskutieren, die uns bei unserem Projekt MEGA besonders am Herzen liegen: (medialer) Widerstand, Empowerment(-räume) und Selbstrepräsentation(en).
Wir laden dazu ein, einfach mal still zu sein und zuzuhören, wasunsere spannenden Gäst*innen zu sagen haben, die im deutschen Mainstream immer noch viel zu selten mit und in ihren vielfältigen und auch widersprüchlichen Perspektiven gesehen, gehört und gefragt werden. Wir laden unsere Gäst*innen dazu ein, für sich selbst zu sprechen statt besprochen zu werden, ihre Analysen zu teilen statt analysiert zu werden, und sich in ihren uneindeutigen, mehrfachzugehörigen, brüchigen, vorläufigen, stets in Bewegungen befindlichen Subjektivitäten und Geschichten zu zeigen, statt in stereotypen Bildern festgehalten zu werden.
Für wen ist die TALKREIHE „shut up and listen!?“ Die Talkreihe ist ein Community-Event und richtet sich in erster Linie an BPoC.
Projekt MEGA
MEGA steht für „Media and Empowerment for German Asians“. Das Projekt hat zum Ziel, Asiatische Deutsche darin zu bestärken, ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen aufzuarbeiten, einzuordnen, zu erzählen und sichtbar zu machen. Das (mediale) Bild von Asiatisch-Deutschen Menschen soll durch selbstbestimmte Bilder und Beiträge besetzt und diversifiziert werden. Im Rahmen des Projekts MEGA wird eine Kombination von unterschiedlichen Bildungsformaten entwickelt, um unterschiedliche Bereiche medialer Repräsentation abzudecken.
korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. ist eine Selbstorganisation und ein Netzwerk von Asiatischen Deutschen und Asiat*innen mit dem Lebensschwerpunkt Deutschland mit einem gesellschaftskritischen Blick auf Kultur, Medien und Politik. Das Ziel ist es, vielfältige Lebenswirklichkeiten in Deutschland bewusst und sichtbar zu machen und damit Rassismus entgegen zu wirken.
Asiatisch-Deutsch als Selbstbezeichnung ist für korientation ein verbindendes Element, das der politischen Positionierung dient und sich weder auf nationale Grenzen noch auf eine kulturelle Essentialisierung bezieht. korientation versucht den Widerspruch und die Gleichzeitigkeit zu reflektieren, dass (Süd‑, West‑, Zentral‑, Nord‑, Ost- und Südost-)Asien Konstrukte sind und Bezüge, wie bspw. ‚tamilisch-‘, ‚südkoreanisch-‘, in Jakarta geboren und in Deutschland aufgewachsen-‚Sein‘ in den gelebten Erfahrungen eine Rolle spielen.
Wir suchen für unser neues Projekt RADAR – Ressourcen von/für Asiatische Deutsche gegen anti-asiatischen Rassismus – vorbehaltlich der Förderzusage – eine
PROJEKTLEITUNG 50 %-Stelle in Anlehnung an TVöD Bund E12 frühestens ab 01.07.2022 in Berlin – Arbeitsbeginn verhandelbar (UPDATE)
Bewerbungsfrist: 15.05.2022 – verlängert! Bewerbung per Email an: info@korientation.de Hast Du Fragen? Melde Dich bei uns, auch gern per Email.
Wir laden insbesondere BPoC mit Bezügen zu Asien (Zur Klarstellung: Damit meinen wir Süd‑, West‑, Nord‑, Südost‑, Ost- und Zentralasien) und intersektionalen Identitäten ein, sich zu bewerben.
Ziel des auf zwei Jahre angelegten Modellprojektes ist die inhaltliche Qualifizierung und Professionalisierung von (Asiatisch-Deutschen) Multiplikator*innen der rassismuskritischen Bildungsarbeit zum Thema „anti-asiatischer Rassismus“ durch
die Aufbereitung von Wissen zu anti-asiatischem Rassismus und Asiatisch-Deutschen Perspektiven;
die Schaffung von Räumen für Asiatisch-Deutsche Multiplikator*innen für Empowerment und Austausch;
Cross-Community Knowledge-Transfer bei der Produktion von intersektionalem Wissen zu anti-asiatischem Rassismus;
Erarbeitung eines dekonstruierten, kollaborativ neubesetzten und intersektional diskutierten Konzepts von anti-asiatischen Rassismus als Grundlage für zukünftige rassismuskritische Bildungsarbeit, Transfer und Aufbereitung komplexer Zusammenhänge in die praktische Bildungsarbeit.
Zu den Aufgaben der Projektleitung gehören
Leitung und Koordination von RADAR: Inhaltliche Konzeptionsweiterentwicklung und Ausrichtung des Projekts, Projektdokumentation, Drittmitteladministration und ‑abrechnung, Berichtwesen
(Wissenschaftliche) Recherche, Zusammenführung und Aufbereitung bestehender Wissensressourcen zu anti-asiatischem Rassismus
Inhaltliche Konzeption und Organisation von Maßnahmen und Veranstaltungen im Projekt
Verantwortung einer Projektbroschüre in digital und Print sowie der Projektwebseite
Bedarfsermittlung Asiatisch-Deutscher Multiplikator*innen der rassismuskritischen Bildungsarbeit
Auf- und Ausbau eines Netzwerks von Asiatisch-Deutschen Multiplikator*innen der rassismuskritischen Bildungsarbeit
Unterstützung beim Ausbau und Pflege des Netzwerkes von Kooperationspartner*innen in Berlin und bundesweit
Verfassen von Texten für die interne und externe Kommunikation sowie Mitarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit
Ggf. Unterstützung der Geschäftsführung des Vereins bei der weiteren Drittmittelakquise im Projekt
Die Projektleitung wird unterstützt durch eine halbe Assistenzstelle, die gemeinsam mit der Projektleitung ausgeschrieben wird.
Die komplette Stellenausschreibung inkl. Bewerbungsprofil, was Dich bei uns erwartet und Informationen zum Bewerbungsverfahren findest Du hier:
Essen spielt eine wichtige Rolle im Leben vieler Asiatischer Deutscher und (süd‑, ost‑, südost‑, west‑, zentral- und nord-) asiatisch-diasporischer Menschen in Deutschland. Über Essen könnten wir stundenlang und zu jeder Tageszeit sprechen. Ob selbstgekocht, oder auswärts konsumiert, Essen hat eine besondere Fähigkeit uns zu berühren.
„Unser“ Essen kann Geschichten von Sehnsucht, von Trauer, Verlust, Freude, Gewalt, Widerstand und Liebe in sich tragen und konservieren. Unerzählte Geschichten, von denen wir gar nicht wussten das es sie gibt. So können Mangos, Chilis, Ingwer, Reis, Kokos und Knoblauch oft auch widersprüchliche Verbindungslinien zu unseren komplexen, mixed und messy kulturellen und politischen Bezügen und Positioniertheiten herstellen. Für manche stellt Essen die einzige Möglichkeit dar, sich mit dem Hier und Jetzt und mit einem weit entfernten „Woanders“ und „Wannanders“ zu identifizieren, ohne sich dabei seltsam zu fühlen. In einem Alltag, der für viele nicht kontrollierbar und nicht erst seit der Migration nach Almanya von Mikroaggressionen geprägt ist, kann Essen ein tröstender kulinarischer Kuss sein, etwas auf das wir uns freuen und verlassen können, etwas das uns Halt gibt, etwas das uns an schöne(re) Orte und Zeiten beamen kann.
In unserem ersten „Food“-Seminar im Rahmen des MEGA-Projekts haben wir zusammen mit Euch über unser Lieblingsthema Essen gesprochen; und aus postkolonialer Perspektive erkundet, welche Rolle(n) Essen in unseren vielfältigen (Familien*) Biographien gespielt hat und welche widerständige(n) Geschichte(n) wir & unsere Lieben mit (Ersatz-) Zutaten, Essen & Kochen verbinden.
Referent*innen
Der Workshop wurde von Natali Bhalchandra Abhyankar mit Unterstützung von Fallon Tiffany Cabral und Sina Schindler (Awareness) aus dem MEGA-Team geleitet.
Natali Bhalchandra Abhyankar, geboren in Bombay (heute Mumbai) ist als Kind nach Deutschland migriert. Nach vielem hin und her in Hamburg gelandet. Queer, Fat, Food & Book Lover, Buchhändlerin, Kadi Pflanzen companion, Musikerin, fährt gerne alles mit und ohne Motor. Heute interessiert sie sich sehr dafür, verschiedene Schnittstellen zusammenzubringen und möchte am liebsten in Kontexten leben und arbeiten, in denen sich Menschen gegenseitig empowern und upliften.
Ressourcen
So Tasty! Podcast: „So Tasty!“ ist ein Podcast des Diaspora Salons Hamburg. Susan Djahangard und Meryem Choukri sprechen mit verschiedenen Gäst:innen über Essen – und alles, was damit zu tun hat. Bei „So Tasty!“ geht es um Vorstellungen von gutem Essen, um Migration, Rassismus und Widerstand, um Wirtschaftsstrukturen und Geschlechterdimensionen von Essen, Kindheitserinnerungen, Schokoladenhummus und vieles mehr. In jeder Folge bringen die Besucher:innen auch ein Rezept mit, das ihnen besonders am Herzen liegt – so lecker!
Am 16. März jährte sich der Amoklauf im Großraum Atlanta, Georgia, bei dem insgesamt acht Menschen ums Leben kamen, darunter sechs ost- und südostasiatischen Frauen*, die aus rassistischen und sexistischen Motiven ermordet wurden. Wir gedenken Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan, Yong Ae Yue sowie Paul Andre Michels und Delaina Ashley Yaun Gonzalez. YEOJA Mag organisierte gemeinsam mit MEGA in Kooperation mit dem Koreaverband und bi’bak eine Veranstaltung anlässlich des Jahrestages, um einen kritischen Blick auf anti-asiatischen Rassismus in seiner Verschränkung mit Klassismus und Sexismus zu werfen.
Die Veranstaltung zeigte die Arbeiten von fünf ost- und südostasiatischen Künstler*innen aus verschiedenen Disziplinen, die sich in ihren Werken mit den weitreichenden Auswirkungen von anti-asiatischem Rassismus vor und nach dem 16. März 2021 und seit der Covid-19-Pandemie auseinandersetzen.
Im Anschluss an das Screening folgte eine Podiumsdiskussion mit den Künstler*innen, bei der wir unter anderem der Frage nachgingen: Wie weit sind wir in einem Jahr gekommen und wie weit müssen wir noch gehen?
Wir haben seit neustem einen TikTok account! Unsere Kollegin Sara kuratiert seit Januar 2022 unseren TitkTok Kanal und arbeitet hierfür mit tollen Asiatisch Deutschen content creator:innen zusammen. Sie lässt sich aber auch selbst super schöne TikToks, FoodToks, und BookToks einfallen.
Überzeugt Euch selbst! Ihr findet uns unter:@korientation
I desire a new language of belonging. A who-are-you space to gather with others, rather than the biological ‛what’ am I. This new language finds the political in the personal, and it requires me to ask who am I in the face of any new race-making that might be taking place. Who in me is the slave, who the plantation owner, who the indentured labourer, the bounty keeper, who the collaborator, who the perpetrator, who the victim? Who am I othering, as I write, as I speak, as I travel, as I shop? What borders am I erecting, who am I when I don´t feel I have enough? (McWatts 2019: 233)
Im deutschen Kontext sind DNA-Testkits für den Privatgebrauch bisher im Vergleich zum angloamerikanischen Kontext noch nicht so populär. Die Gründe dafür sind nur zu vermuten, sei es die NS-Vergangenheit, die ein negatives deutsches Verhältnis zu Humangenetik per se geschaffen hat, oder auch die vorherrschende unkritische Zufriedenheit mit einer konstruierten und unhinterfragten weißen deutschen Identität bei der Mehrheit der Deutschen. In ihrem essayistischen Band Shame On Me. A memoir of race and belonging zeichnet die kanadische Autorin Tessa McWatt den Weg einer emotionalen Selbstfindung und kritisch-intellektuellen Selbstpositionierung nach, der mit den Ergebnissen von zwei DNA-Tests und einem Einfordern einer politisch-solidarischen Haltung zum aktuellen Weltgeschehen, endet. Sie beschreibt den Prozess von der Internalisierung von rassistischen „Othering“-Begegnungen („What are you?“), und einer schwierigen Rollenzuweisung in ihrer Familie (Ersatz für einen früh verstorbenen Bruder), hin zu Suchbewegungen außerhalb von ethnischen Kategorien. Sie offenbart einen Reflexionsprozess, in dem sie sich unabhängiger macht von Eindeutigkeit und von der Anerkennung anderer. Sie hadert mit der Verinnerlichung eines weißen kanadischen Mittelschichtshabitus und damit einhergehenden Ideen von Erfolg und sozialer Mobilität und sieht gleichzeitig die daraus für ihren Lebensweg entstandenen Privilegien.
Anhand ihrer Familiengeschichte, sie wurde 1959 in Georgetown, Guayana geboren, werden die hierarchischen Verflechtungen unterschiedlicher rassifizierter Gruppen der damaligen britischen Kolonie dargestellt, und daraus wird die Vielschichtigkeit ihrer eigenen Identität abgeleitet. Für den Anbau von Zuckerrohr wurden versklavte Arbeiter*innen aus Afrika, verarmte Arbeiter*innen (indentured workers) aus Indien, Südchina und Portugal nach Guayana gebracht und mussten auf den Plantagen schuften. Den White Frame der anglophonen Gesellschaften bezeichnet sie daher auch als Plantagen-Setting[1], aus dem es kaum möglich ist auszubrechen, da sich postkoloniale Kontinuitäten durch alle gesellschaftlichen Strukturen und Interaktionen ziehen. Die Titel der einzelnen Kapitel des Bands sind im Sinne der Idee von embodied knowledge einerseits und Kritik an der Desubjektivierung von Menschen durch rassistische Zuschreibungen andererseits, aufgeteilt: die Einleitung lautet „What are you?“ und enthält als Einstieg kurze Vignetten der (zum Teil vermuteten) Schicksale ihrer Vorfahrinnen, gefolgt von den Kapiteln „Nase“, „Lippen“, „Augen“, „Haare“, „Arsch“, „Knochen“, „Haut“ und „Blut“. Das Abschlusskapitel lautet „Double Helix“[2] und enthält neben den DNA-Testergebnissen ein Plädoyer gegen die Absurdität von Rassifizierung.
Tessa McWatts Ururgroßvater väterlicherseits, dem sie ihren schottischen Familiennamen verdankt, war ihrer Vermutung nach ein Plantagenaufseher, eine Repräsentationsfigur von weißer Macht im kolonialenbritischen Governance-Régime. Ihre Ururgroßmutter wurde versklavt und vom afrikanischen Kontinent nach Guayana gebracht, und die Autorin unterstreicht kontinuierlich ihre Fragezeichen hinsichtlich der Freiwilligkeit der sexuellen Beziehung zwischen dem Aufseher und ihr. Sie führt dabei die historischen Aufzeichnungen eines Kolonialbeamten an, der mit lateinischen Abkürzungen die Inhalte von hunderten seiner „Dates“ mit versklavten Frauen dokumentierte und bewertete. Mit dieser Dokumentation als Referenz verweist sie auf die Normalität von sexueller und rassifizierter Gewalt in den kolonialen Plantagengesellschaften. Die Großmutter mütterlicherseits der Autorin hatte chinesische Vorfahr*innen und auch ihr ist sexuelle Gewalt widerfahren, laut einer Erzählung der Mutter der Autorin. Unterschiedliche Familienmitglieder hatten aufgrund unterschiedlicher Hautfarben und sozialer Klassen, unterschiedliche Zugangschancen zu Arbeitsplätzen in der Kolonie. Familienfotos visualisieren die beschriebenen „ethnisch gemischten“ Familienkonstellationen. Der Vater der Autorin kam aus armen Verhältnissen, schaffte es aber Geld zu sparen und Veterinärmedizin in Kanada zu studieren. Als die Lage aufgrund von rassistischen Pogromen in Guayana zunehmend angespannter wurde, folgte die Autorin im Alter von drei Jahren mit ihrer Schwester, Mutter und Großmutter ihrem Vater nach Kanada. Ihr Großvater konnte erst Jahre später in einer psychisch fragilen Verfassung nachgeholt werden, er konnte nicht mehr sprechen und war nur noch ein Geist seiner selbst.
Herausragend an dem Buch ist die Multidimensionalität der Verortung und Reflexion der Autorin. Sie spricht in einem Atemzug über rassistische Fremdzuschreibungen und Selbstethnisierung, bzw. ihre eigene unbewusste Ethnisierung von Familienmitgliedern bei ihrer Suche nach einem Ort der Zugehörigkeit. Sie verfolgt den postkolonialen Nachhall der Identitäten ihrer Familienmitglieder im kolonialen Britisch Guayana bis in die Gegenwart und in ihren Lebensalltag in Kanada, später in London und auch auf ihren Reisen in die Karibik, nach Südamerika, Afrika und Asien. Je nach Situation und Kontext, wird sie als lokal, „fremd“, als weiß, Asiatisch oder Schwarz gelesen, und sie reflektiert dann über den jeweiligen Marginalisierungs- bzw. Privilegierungseffekt, der daraus resultiert. Sie nimmt die rassistischen Diskurse und deren Auswirkungen auf sie selbst und die Körper rassifizierter Frauen per se als Beispiel und zeigt dabei deren Exotisierung, Hypersexualisierung und Objektivierung und ihre eigene Vulnerabilität in dieser Hinsicht, auf.
Mit persönlichen Beispielen, beispielsweise hinsichtlich ihrer Auswahl an Männern, die sie für ihre Liebesbeziehungen im Verlauf ihres Lebens ausgewählt hat, zeigt sie einen Prozess auf, in dem sie sich von einer Orientierung am weißen Status Quo, über die Suche nach einer Schwarzen Identität über eine Beziehung zu einer Person, die fest in einer Schwarzen Community zuhause ist, hin zu einer Psychoanalyse bewegt. Mit dieser Analyse schafft sie es, von einer Selbstverortung als nicht ausreichendem „Ersatz für den verstorbenen Bruder“ und einem „Mangel“ an Identität wegzukommen. Für ihre psychoanalytische Perspektive denkt sie mit Fanon, aber auch Jung und Freud, und stellt die gängigen Kategorien von „hell“ und „dunkel“ in der Psychoanalyse einerseits in Frage und verweist auf die Notwendigkeit zum Teil mit gegebenen Konzepten zu arbeiten.
Ein anderes wiederkehrendes Thema, ist die Frage nach dem Versuch sich trotz rassistischer Gesellschaftsstrukturen oder gerade aufgrund der Entbehrungen, die ihr Vater für sie durch die Migration nach Kanada auf sich genommen hat, mehr zu leisten und zu schaffen als der Durchschnitt. Sie vergleicht dabei ihren Lebenslauf mit dem ihrer Geschwister, ihr Bruder ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und ihre Schwester ist Richterin geworden. Dann schaut sie auf die nächste Generation, die leiblichen und adoptierten Kinder ihrer Geschwister, um im Verlauf der Zeit nachzuvollziehen, welche Rolle phänotypische Aspekte für rassistische Zuschreibungen und soziale Hierarchien spielen. Ihre Analysen sind immer historisch verankert und intersektionell, machtkritisch und mit Referenzen versehen und daher in der Verbindung von größeren Diskursen und Analysen mit individuellen Beobachtungen und Erlebnissen überzeugend.
Im Vergleich, beispielsweise zu Ocean Vuongs[3] autobiographischem Roman On Earth We’re Briefly Gorgeous. A Novel, der im gleichen Jahr, 2019, erschienen ist, ist in Tessa McWatts Band die Sicherheit der gebildeten Mittelschichtsfamilie als Ausgangspunkt zu spüren, die ökonomische Stabilität, die Rassifizierungseffekte punktuell abfedern kann. Sie ist (zumindest in den in dieser Hinsicht relevanten beschriebenen Situationen) heterosexuell und es bleibt ihr daher eine Ebene der Diskriminierung und Identitätssuche erspart, die für Vuongs queeren Protagonisten mit im Zentrum steht. Sie berichtet über sprachliche und „epistemische Gewalt“ in ihrem Lebensumfeld seit ihrer Kindheit, aber nicht über unmittelbare physische, wie sie für Ocean Vuong präsent ist. Die Vergewaltigungen ihrer Ururgroßmutter väterlicherseits und Großmutter mütterlicherseits, die zu Beginn als Vignette erwähnt werden, tauchen im Verlauf des Bands immer wieder auf und werfen einen unübersehbaren Schatten aus der Vergangenheit; gleichzeitig findet jedoch auch eine intergenerationelle Kommunikation zwischen Großmutter und Enkelin, Mutter und Tochter statt, die auch wie ein Heilungsprozess gesehen werden kann im Vergleich zu Ocean Vuongs Sprachlosigkeit gegenüber seiner Mutter und Großmutter zu deren Lebzeiten. Auch Ocean Vuong denkt über die rassifizierten und geschlechtsspezifischen Gewaltdynamiken nach, mit der weiße DNA über einen US-amerikanischen Soldaten in seine Familiengeschichte gekommen ist. Seine Großmutter war in Vietnam gezwungen, als Sexarbeiterin ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und ist in dem Kontext schwanger geworden.
Für den Vergleich zwischen Tessa McWatts und Ocean Vuongs autobiographischen Zugängen ist dann auch die Generationenfrage und eine unterschiedliche Distanz zu bestimmten Lebensphasen mitzudenken. Während Ocean Vuongs 1988 in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam geboren wurde, und seine Jugend noch nicht so lange her ist, und er die Atmosphäre der Erlebnisse dieser Zeit auf emotional eindrückliche und oftmals beklemmende Art aus der Perspektive einer Romanfigur beschreibt, hat Tessa McWatt bereits eine psychoanalytisch reflektierte intellektuelle Distanz zu vielen erlebten Situationen im längeren Verlauf ihres Lebens für sich hergestellt. Dementsprechend sind die einzelnen Situationen beispielsweise von Diskriminierung als eine bereits verarbeitete und somit abgeschlossene Angelegenheit beschrieben und es ist ihr vermutlich leicht gefallen aus der unmittelbaren Ich-Perspektive zu schreiben. Ocean Vuong und Tessa Watt teilen das bewusste Abschütteln von Scham über ihre Herkunft und ihre Identitäten außerhalb von weißen Mittelschichtsnormen. Sie teilen auch das Gefühl der Notwendigkeit der konsequenten und kritischen Auseinandersetzung mit ihrer Identität angesichts der Sterblichkeit ihrer Mütter, mit deren (drohendem) Tod einerseits Wissen insbesondere über familiäre Migrationsgeschichte(n) und Ereignisse vor der Migration, und vor allem sie selbst als emotionales Gegenüber, zu verschwinden drohen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Shame On Me ist eine politische Reflexionsanleitung über Marginalisierung, Privilegien und das emotionale und intellektuelle Abschütteln von jeglichen Rassifizierungskategorien.
Tessa McWatt (2021): Shame On Me. A memoir of race and belonging, Scribe Publications: London, 260 Seiten, ISBN-13: 9781913348229; ISBN-10: 1913348229
[1] Im deutschen Kontext ist 2008 das Buch Plantation Memories. Episodes of Everyday Racism – Kurzgeschichten in englischer Sprache von Grada Kilomba, erschienen, in dem sie auch das „Plantagen-Setting“ aufgreift, um auf strukturellen Rassismus und dessen Erscheinungsformen und Reproduktion im Alltag zu verweisen.
[2] Double Helix ist die Beschreibung der Struktur eines DNA-Molekuls.
[3] Sein vietnamesischer Name lautet Vương Quốc Vinh.
Dieser Workshop richtete sich sowohl an Personen, die noch keinen Podcast betreiben, als auch an diejenigen, die ihren Podcast in Gemeinschaft besprechen und eine neue Perspektive erhalten wollen. Inhaltliche Schwerpunkte waren Projektkonzeption, Projektmanagement, Möglichkeiten der Kooperationen, Vernetzungsmöglichkeiten und Öffentlichkeitsarbeit. Für die Leitung des Workshops wurde Cuso Ehrich gewonnen und damit eine Asiatisch-Deutsche Person mit viel Erfahrung im Bereich selbstorganisiertem Podcast und Community-Arbeit. Der inhaltliche Austausch und die Vernetzung mit Workshopleitung und Teilnehmenden waren ein zentraler Bestandteil des Programms.
Workshopleitung
Der Workshop wird von Cuso geleitet.
DiasporAsia (Cuso links)
Cuso Ehrich (keine Pronomen) ist seit 2013 in sozialen Bewegungen aktiv und aktuell Bildungsreferent*in bei IDA-NRW. Seit 2018 gestaltet Cuso mit Xinan die Plattform und den Podcast Diaspor.Asia, in der sie an den Intersektionen von geschlechtlicher Identität, Klassenzugehörigkeit und Rassifizierung aus Asiatischen Perspektiven in Deutschland arbeiten.
Im Rahmen des CLINCH – ein Festival für künstlerische, theoretische und aktivistische Auseinandersetzung von Schwarzen Menschen, People of Color und (Post)Migrant*innen haben wir die Filme „My German Boyfriend“ (Wayne Yung, 2004, 19 min) und „Beer! Beer!“ (Popo Fan, 2019, 17 min) gezeigt. Beide Filme liegen 15 Jahre auseinander und eröffneten so einen Blick auf die verschiedenen Herangehensweisen zweier Generationen im Umgang mit rassifizierten Klischees von asiatischen schwulen Männern. Im anschließenden Gespräch wurde die Doppelrolle von Filmemacher*innen als begehrte und begehrende Subjekte, sowie das Potential eines neu ausgerichteten Blicks des Begehrens für sozialen Wandel diskutiert.
Screenshot aus „My German Boyfriend“, Wayne Yung (2004)
Ein schwuler Chinesisch-Kanadier auf der Suche nach dem idealen Liebhaber. Eine Komödie über vermeintliche kulturelle Identitäten, ein Tagebuch über migrantische Isolation und ein Liebesbrief.
„Beer! Beer!“ ist eine antiromantische Komödie, die am frühen Morgen nach einer wilden Party in Berlin spielt. Während Tao, ein Chinese, und Sebastian, ein Deutscher, sich immer näherkommen, verändert eine Matratze plötzlich alles …
Gespräch in englischer Lautsprache. Filme auf Deutsch und Englisch
Die Kurzfilmscreenings waren eine Kooperation von korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V. und dem CLINCH Festival Hannover.
CLINCH ist ein Festival für künstlerische, theoretische und aktivistische Auseinandersetzung von Schwarzen Menschen, People of Color und (Post)Migrant*innen. Bei CLINCH ringen die Besucher*innen miteinander und füreinander um emanzipatorische antirassistische und antidiskriminierende Perspektiven. CLINCH setzt sich für postkoloniale und (post)migrantische Auseinandersetzung, Selbstorganisierung und Sichtbarkeit ein.
CLINCH ist intersektional. CLINCH ist radikal. CLINCH ist empowernd.
Das dritte CLINCH Festival fand vom 5.–8. November 2020 im Kulturzentrum Pavillon in Hannover statt: Vier Tage Festival mit Workshops, Performances, Diskussionen, Lesungen, Konzerten, Raum für Empowerment und experimentellen Formaten.
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Anjuli Aggarwal
Anjuli Aggarwal, 33, M.A. South Asian Studies an der Universität Heidelberg.
Studienfokus: Medical Anthropology (Erleben und Praktizieren von Gesundheit, Krankheit und Heilung in unterschiedlichen soziokulturellen Lebensrealitäten) und Hindi (Muttersprache meines Vaters).
Mein wissenschaftlicher Fokus liegt in den Erfahrungen und Praktiken von Südasiat*innen (in der Diaspora) rund um die Themen Tod und Sterben. Die Einblicke in die vielfältigen und komplexen Lebensrealitäten und Bedürfnisse von in Deutschland lebenden (und sterbenden) Südasiat*innen, sollen deren Sichtbarkeit erhöhen und zur Verbesserung des End-of-life und Death Care in Deutschland beitragen. Dabei fließen meine persönlichen Erfahrungen um den Tod meiner in Deutschland und Indien verstorbenen Großeltern, als auch meine ehrenamtliche Tätigkeit als Sterbebegleiterin, in meine Arbeit mit ein.
Anthropolog*innen erzählen Geschichten aus dem Leben von Menschen, die darüber in ihren eigenen Worten berichten. Dafür möchte ich einen Raum eröffnen und alle, die sich zu diesen Themen angesprochen fühlen, einladen, sich auszutauschen.