BlogKulturVeranstaltungenVerein

Wir wollten uns mit dem digi­talen #AsianGermanFestival ver­netzen und sind über­wältigt von den tollen Beiträgen aller Teilnehmer*innen und eurer Resonanz!

Wir haben das ganze Wochenende lang auf Twitter, Instagram und YouTube gefeiert und möchten euch allen herzlich danken, dass ihr euer Wissen und eure Zeit mit uns allen geteilt habt. Die Beiträge sind zum größten Teil auf YouTube abrufbar – Programm mit Link findet ihr HIER!

Stimmen zu unseren Beiträgen:

@beanzz_jelly (Twitter)
Your pain is real“ – extrem span­nender Beitrag von poli­ti­scher Neurowissenschaftlerin Dr. Liya Yu darüber, wie Rassismus u. Mikroaggressionen gegenüber asiatisch-gelesenen Menschen kognitive Konsequenzen haben kann!

@azn_german (Twitter)
Was für ein schönes sati­ri­sches Musical, das Klischees über ost- und süd­ost­asia­tische Frauen aufs Korn nimmt!

Guido E.​(YouTube Livechat)
Theas Podcast @donnasori hat bei mir dazu bei­getragen mich selber für das Thema zu sen­si­bi­li­sieren, denn teil­weise musste ich erst einmal lernen (Micro-) ras­sis­ti­sches Verhalten zu erkennen. (auch bei mir)

@alxndr42 (Twitter)
Gross­ar­tiges Interview mit Olivia Hyunsin Kim über anti-asiatischen Rassismus und die Versäumnisse der Kultur- und Medianlandschaft

Die Statements des Orga-Teams:

LINDA (IG: porcelain_ears)

Übernahme Instagram-Account @korientation, Social Media Support, Teil des festen korientation-Teams, Teilnahme als @porcelain_ears (IG)

Über die Möglichkeit das #AsianGermanFestival mit zu orga­ni­sieren bin ich sehr dankbar. Es war mein großer Wunsch, aktiv zur Sichtbarkeit von Asiatisch-Deutschen bei­zu­tragen. Das Festival in kurzer Zeit gemeinsam zu orga­ni­sieren, hat uns gezeigt, wie viel man mit Teamwork und Zusammenhalt bewirken kann.

Ich bin selbst an meinen Aufgaben gewachsen und freue mich, an wei­teren Projekten beteiligt zu sein.

Für die Zukunft wünsche ich mir auch, dass die Themen der Asiatisch-Deutschen mehr im öffent­lichen Augenmerk liegen. Denn wir sind ein nicht unbe­acht­licher Teil der Gesellschaft, der voller Vielfalt und Tiefe geprägt ist.

SANDY (IG: san­dy­julia, Twitter: sandyjuliatran)

Social Media Support, Technik Support, Moderation

Über Thuy wurde ich in das Festival Orga-Team auf­ge­nommen. Ich habe mich dazu ent­schieden mit­zu­helfen, weil ich zu dem Zeitpunkt bewusst netz­werken wollte und nach einer Community gesucht habe, in der Asiatisch Deutsche empowered werden und deren Stimmen eine Plattform bekommen. Das #AsianGermanFestival zielt genau darauf ab, weshalb ich sehr dankbar bin, ein Teil davon sein zu können. 

Durch das Festival habe ich ver­stärkt gemerkt, dass wir so viel mehr sind als die Stereotypen, die uns zuge­schrieben werden. Wir sind viel­fältig inter­es­siert, talen­tiert und in ver­schie­densten Bereichen aktiv! Das hat mich sehr gestärkt und empowered. Aus der recht kurz­fris­tigen Orga für das Festival nehme ich mit, dass wirklich viel erreicht werden kann, solange das Ziel vor Augen bleibt und mit viel Engagement und Fürsorge für­ein­ander gear­beitet wird. Flexibilität, Humor und kleine Pausen in dem Prozess waren aber wichtige Komponenten, um das alles möglich zu machen. 

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Projekte wie das #AsianGermanFestival mehr Reichweite bekommen, die Asiatisch Deutsche Community sichtbar und größer wird, wir uns weiter ver­netzen und uns immer gegen­seitig supporten!

THEA (@novemberbeetle)

Social Media Support, Podcast Produktion, Teil des festen kori­en­tation Podcast-Teams, Teilnahme als @donnasori

Ich habe mich für das #AsianGermanFestival enga­giert, weil ich das Gemeinschaftsgefühl, das ich beim Medienkritik-Team von kori­en­tation e.V. erfahren habe, weiter tragen wollte. Es ist auch ein Teil von Zukunftsarbeit, ich möchte in einem Deutschland leben, wo ein Asiatisch-Deutsches Festival Normalität wird!

Es ist auch toll, dass wir alles in kür­zester Zeit orga­ni­siert bekommen haben. Teamwork, Kommunikation, Liebe und Care für die Community sind die Pfeiler, auf denen wir immer weiter bauen sollten.

Ich wünsche mir, dass die tollen Stimmen Asiatisch-Deutscher, die während des Festivals gehört wurden, weiter ampli­fi­ziert werden. In der Kunst, Musik, Politik, Wissenschaft – im Alltag.

THUY-TIEN (Twitter & Instagram: @storiesbythuy)

Übernahme Twitter Account @korientation, Moderation Live Interviews, Teil des festen kori­en­tation Podcast-Teams

Vor vier Wochen erzählte uns Thea bei einem unserer wöchent­lichen Medienkritik-Team-Meeting die Idee, ein digi­tales Asian German Festival zu orga­ni­sieren. Das Festival wollte ich unbe­dingt mit orga­ni­sieren, da ich die Idee total schön finde, ein paar ver­schiedene Perspektiven aus der großen Asian German Community sichtbar zu machen und uns unter­ein­ander zu ver­netzen. Außerdem hatte ich auch große Lust, mit dem Medienkritik-Team ein Festival auf die Beine zu stellen.

Ich nehme aus dem Festival mit, dass Teamwork, Verlässlichkeit und Vertrauen total wichtig sind. Während der vier Wochen Planung und Vorbereitung, aber auch während des Asian German Festivals habe ich es sehr geschätzt, dass wir als Team zusam­men­ge­halten haben, auf uns gegen­seitig auf­ge­passt haben, uns für ver­schie­denen Aufgaben auf­ein­ander ver­lassen konnten, für­ein­ander da sind und uns gegen­seitig sup­portet und Kraft gegeben haben! Zusammenhalt und Empowerment ist aber auch innerhalb der ganzen Asiatisch-Deutschen Community wichtig, wie mir vor allem die Live Interviews aus unter­schied­lichen Perspektiven und Sparten gezeigt haben. Auch anti-asiatischer Rassismus und der Umgang damit war ein großes Thema beim Festival. Dies zeigt mir, dass da noch sehr viel Gesprächsbedarf ist. Außerdem nehme ich mit, dass wir immer im Lernprozess sind, dass kri­tische Selbstreflektion sehr wichtig ist und dass wir uns unter­ein­ander besser und größer ver­netzen müssen – wie Victoria aber auch schon geschrieben hat. 

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass anti-asiatischer Rassismus ernst genommen und aktiv dagegen gear­beitet wird – von allen Menschen und Institutionen. Außerdem wünsche ich mir, dass Asiatische People of Color in der deut­schen Gesellschaft sicht­barer werden, dass sich viele Allies finden und uns sup­porten und dass wir uns innerhalb der Asian German Community gegen­seitig unter­stützen, empowern, und uns besser ver­netzen, um z.B. wei­terhin coole Projekte und Aktionen zu starten.

VICTORIA

Social Media Support, E‑Mail-Schriftverkehr, Teil des festen korientation-Teams

Ich bin, wie Sandy, eben­falls durch Thuy ehren­amt­liches Mitglied bei kori­en­tation geworden. Eines Tages hat Thea vor­ge­schlagen, dass wir doch viel­leicht ein digi­tales Asian German Festival orga­ni­sieren könnten, um die Asiatisch-Deutsche Community in Deutschland sicht­barer zu machen sowie uns unter­ein­ander besser ver­netzen zu können. Die Idee fand ich schön, weshalb ich unser Festival mit­or­ga­ni­siert habe.

Was ich mir aus dem Festival mit­nehme ist, dass wir uns im stän­digen Lernprozess mit kri­ti­scher Selbstreflektion befinden und wir unser Netzwerk noch weiter aus­bauen müssen. Unser Asian German Festival hat mir außerdem gezeigt, dass noch viel Gesprächsbedarf zum Rassismus und Empowerment bei vielen Asiatischen Deutschen und Asiat*innen herrscht, weil mehrere Fragen an unsere Speaker*innen sich um den Umgang mit Rassismus im Alltag gedreht haben.

Die vielen Supports, die wir während des Festivals erhalten haben, haben mich sehr empowert und Kraft gegeben.

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass Asiatische People of Color in Deutschland gesell­schaftlich sicht­barer werden, unsere Projekte mehr Beachtung bekommen und wir uns gegen­seitig unterstützen.

Wir bedanken uns für euer Interesse und euren Support!

Es wird im Nachgang noch einige schöne Überraschungen geben, haltet also auf Twitter, Youtube und Instagram Ausschau!

BlogKulturVeranstaltungen

Liebe, nein, streichen wir das.

Findest du wahr­scheinlich kit­schig und blöd. Ist OK. Also.

Hallo Du, mein 17-jähriges Ich.

Du wirst Dich fragen, warum ich Dir schreibe. Halte mich für sen­ti­mental oder albern – aber ich dachte, ich kann Dich an ein paar Erkenntnissen teil­haben lassen, die Du im Laufe der Zeit als Bewohnerin dieser Welt lernen willst.

Warum an Dich, die 17-jährige? Es ist ein gutes Alter, in dem sich viel ändert. Erste Freiheiten, erste Verantwortung. Jugendlicher Élan gepaart mit erstem kri­ti­schem Denken, dem Auftauchen einer eigenen Vernunft. Eine auf­re­gende Zeit.

Erst vor kurzem hat Dir ein enger Schulfreund D. – Du kennst ihn gut – erzählt, dass 17 das beste Alter ist. Man sei noch jung genug, um keine Verantwortung zu tragen, aber schon alt genug, dass man schon vieles tun darf. Womit wir bei meinem ersten Rat an Dich wären:

17 ist nicht das beste Alter

Beruhigend zu wissen, nicht wahr? Anders als D. sagt, wirst Du auch jen­seits der 17 gute und sogar supergute Zeiten haben. Unser Leben jetzt ist zwar auch bis­weilen tur­bulent, aber Du wirst Mittel und Wege lernen, damit umzu­gehen und Deine Grenzen zu respek­tieren. Dass mein 17-jähriges Leben das beste über­haupt war – kann ich im Rückblick nicht bestä­tigen. Denn Du bist im Stress. Du spielst in Deiner Band und in unter­schied­lichen Musikensembles, Du machst den Führerschein (den Du später fast nie brauchen wirst) und Du arbeitest nebenher im Supermarkt. Du willst gut in der Schule sein und ein Einser-Abi schaffen. Du gehst drei‑, manchmal viermal die Woche in die Kirche für den MinistrantInnen-Dienst. Dann hast Du noch diesen Freund, der – ernsthaft? Ich möchte nichts vor­weg­nehmen, aber Du wirst bald fest­stellen, dass dieser Typ eine Verschwendung von Lebenszeit ist. Aber lassen wir das, Du kommst noch dahinter. Du wirst Dich weniger von Menschen, Aufgaben und Verpflichtungen ver­ein­nahmen lassen. Du wirst lernen, Dein Pflichtgefühl zu zügeln und öfter mal Nein zu sagen.

Ich höre Dich schon auf­atmen. Aber ein bisschen Zweckpessimismus brauchst Du schon, deshalb lass es mich gleich schreiben:

Du wirst ein paar beschissene Jahre haben

Mit 17 weißt Du es noch nicht. Aber in ein paar Jahren wirst Du her­aus­finden, dass Du veri­tabel und ordentlich depressiv bist. Behandlungswürdig depressiv, und das seit Jahren. Über die Gründe wirst Du Dir mit Deiner Therapeutin klar werden, darauf werde ich nicht ins Detail gehen. Hat viel mit unbe­wäl­tigten Gefühlen von Schuld und Scham, viel unver­ar­bei­teter Wut und nicht mehr nütz­lichen Coping-Mechanismen zu tun. Ich weiß, dass Du eine Depression weit von Dir weisen würdest. Aber überleg mal: So viel Seufzen ist nicht normal. Auch so leicht wütend zu werden und aus­zu­rasten – nicht normal. Dein Nervenkostüm ist knapp auf Kante genäht. Null Bewegungsspielraum. Die Jahre in Behandlung werden hart sein, aber Du wirst Dich mit Verve in die Introspektion stürzen und rigoros auf­räumen. Das wird Jahre dauern und Du wirst immer mal wieder Rückfälle haben (Sprich: des­wegen Jobs hin­werfen und Dich mona­telang auf der Couch parken), aber diese Phasen werden nicht mehr all­ver­schlingend sein. Du wirst zurecht­kommen und Dein Gleichgewicht finden.

Du wirst Dich mit Deiner Herkunft aussöhnen

Sensibles Thema – deine viet­na­me­si­schen Wurzeln in deut­scher Umgebung. Du kannst nicht einmal Deine Herkunft erklären ohne fast zu heulen. Du denkst nicht gerne daran. Du fühlst Dich im fal­schen Film. Dein Umgang mit Deiner Herkunft ist pures Verdrängen. Es fühlt sich an, wie wenn ver­schiedene Rollenbilder an Dir ziehen: brave viet­na­me­sische Tochter mit Familiensinn einer­seits – eman­zi­pierte, unab­hängige Frau ande­rer­seits; gläubige Christin einer­seits – kri­tische Zweiflerin andererseits.

Weißt Du, was Dein eigent­liches Problem ist? Du willst es allen recht machen. Eine Erfolgsstory werden, weil Du es „allen“ (wer ist „alle“?) beweisen musst. Das ist das Anstrengende in jungen Jahren. Zu lernen, wer man ist und vor allem, wer man im Verhältnis zu anderen ist. All diese Zuschreibungen, all die Menschen, die Dich auf eine bestimmte Art sehen, können bis zu einem gewissen Grad Orientierung geben. Aber Du wirst anfangen müssen zu sor­tieren, welche Zuschreibungen für Dich wei­terhin sinnvoll sind und welche Du ruhigen Gewissens auf die Müllhalde werfen kannst.

Ich sag’s Dir gleich: Du kannst niemals lupenrein viet­na­me­sisch sein. Wie auch? Du kennst das Land weniger als der durch­schnitt­liche Asien-Backpacker. Du wirst auch niemals lupenrein deutsch sein. Dafür sind Deine Erfahrungen mit viet­na­me­si­schen Eltern einfach anders. Aber das macht nichts. Es ist weder gut noch schlecht. Es ist einfach Deine Erfahrung.

Seine eigene Kategorie zu sein, hat auch etwas Befreiendes. Du wirst fest­stellen, dass es in Ordnung ist, Vietnamesisch eher zu rade­brechen als zu sprechen. Dass Du zwar wei­terhin ein starkes Pflichtgefühl und einen aus­ge­prägten Gemeinsinn haben wirst, aber dass Du in wich­tigen Punkten immer Dein Ding machen willst. Du wirst Dich von dem Gedanken der Model Minority befreien. Zwar musst Du in diesem Wirtschaftssystem bestehen, aber Du musst nicht flei­ßiger sein als „die Deutschen“. Faulenzen können ist ein Wert für sich und nach­gerade eine wider­stän­dische Handlung in Zeiten des per­ma­nenten Produktivitätsdrucks. Und Thema Religion: Es ist nichts falsch daran, nur „kul­turell katho­lisch“ zu sein. Damit meine ich: Die Rituale gefallen Dir nach wie vor, Weihrauch ist super, aber Du glaubst nicht, dass Jesus Christus Dein per­sön­licher Heiland und Erlöser ist.

Ihr Rassismus ist nicht Dein Problem

Ja, auch heute noch könnte ich heulen, wenn mich Leute nach meiner Herkunft fragen. Dann aber aus Zorn. Denn Rassismus gibt es wei­terhin, Dir wird er noch bewusster. Aber zumindest wird Dir klar sein, dass ras­sis­tische Diskriminierung mehr über das System und die RassistInnen selbst aussagt, als über Dich. Du wirst eine Zeit lang in jede Auseinandersetzung gehen, um Leuten klar­zu­machen, dass sie ras­sis­tisch sind. Doch nicht jeden Konflikt musst Du per­sönlich aus­tragen (Pflichtgefühl much?), statt­dessen wirst Du Dir Deine Kräfte besser ein­teilen. Sollen sich auch mal andere, nicht von Rassismus Betroffene die Köpfe ein­schlagen. Deren Rassismus ist nicht Dein Problem.

Ein Wort zum Schluss

17-jähriges Ich, ein Versprechen kann ich Dir geben: Du wirst älter. Nicht viele Sachen am Altern sind toll (denk immer an Sonnenschutz und kümmere Dich gut um Deine Schultern. Ist eine neur­al­gische Stelle bei Dir!), aber toll ist der Zuwachs an Wissen, Weisheit und Entspanntheit. Und das sind Sachen, auf die Du Dich wirklich freuen kannst.

In diesem Sinne halt die Ohren steif,

Deine Y.

Dieser Beitrag ist Teil des #AsianGermanFestival20.

Zur Autorin
Yenhan, im Netz auch bekannt als Naekubi, schreibt unter anderem auf ihrem Blog Danger! Bananas u den Themen asiatisch-deutsche Identität, Rassismus und Medienkritik. Ihr Beitrag zum #AsianGermanFestival20 ist ein offener Brief an sich selbst: Nämlich was sie ihrem jün­geren Ich gerne sagen würde.

BlogKulturProjekt MEGAVerein

Liebe korientation-Mitglieder, liebe Freund*innen,

seit der Gründung des Vereins 2008, suchen wir immer wieder nach Allianzen, vor allem mit anderen kri­ti­schen (post)migrantischen / dia­spo­ri­schen Communities. „Allein machen sie dich ein…“

Auf dieser Suche spielen immer die gegen­seitige Wertschätzung und Anerkennung ver­gan­gener poli­ti­scher Arbeit eine wichtige Rolle. Diese Wertschätzung drückt sich bei­spiels­weise darin aus, auf die anti­ras­sis­ti­schen Kämpfe der Pionier*innen in Deutschland zu ver­weisen, auf deren Schultern wir unsere Arbeit auf­bauen können.

In diesem Sinne arbeiten wir daran, für euch Orte zu schaffen, an denen Projekte und Allianzen initiiert, ver­handelt und los­ge­treten werden – empowernd und mit viel Spaß! Aktuell möchten wir euch ganz herzlich zum #AsianGermanFestival am 25. und 26. Juli ein­laden! Die AG Medienkritik bei kori­en­tation orga­ni­siert mit Unterstützung vom MEGA-Team für das Festival ein span­nendes Line-Up von Podcasts, Insta-Live-Beiträgen und anderen Formaten und stellt euch asia­tische und asiatisch-diasporische Akteur*innen und deren Arbeit in unseren Communities vor. Das Programm wird in den nächsten Tagen auf unseren Social-Media-Kanälen bekannt gegeben. Watch out!

Habt eine schöne Sommerzeit und bleibt wei­terhin gesund & soli­da­risch, viel­leicht sehen/hören wir uns beim #AsianGermanFestival!

Kimiko & das MEGA-Team

Ihr findet uns auch auf Facebook, auf Twitter und auf Instagram.

PS: Headerbild ©Christina Zhu, siehe mehr von ihren Arbeiten unter: http://christinazhu.de.

ALLIANZEN

Auf der Suche nach einer geeig­neten strategisch-politischen Selbstbezeichnung haben wir am 11. Juni eine Diskussion zu Begriffen und Positionierungen der Asiatisch-Deutschen und Schwarzen Deutschen Communities gemeinsam mit den neuen deut­schen orga­ni­sa­tionen (ndo) orga­ni­siert. Alle 100 Teilnehmer*innen-Plätze waren bereits nach zwei Tagen aus­ge­bucht und es befanden sich weitere 30 Personen auf einer Warteliste! Auf dem vir­tu­ellen Panel saßen Dr. Sun-Ju Choi (kori­en­tation), Saraya Gomis (EOTO), Dr. Noa K. Ha (Zentrum für Integrationsstudien, TU Dresden), und Saboura M. Naqshband (Berlin Muslim Feminists). Moderiert wurde die Diskussion von Ferda Ataman (ndo). Einen Bericht zur Diskussion werdet ihr bald auf unserer Website finden.

Auch auf Bundesebene bewegt sich kori­en­tation bewusst in Allianzen. Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) hat einen Begleitausschuss von Expert*innen ein­ge­setzt, um den Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus kri­tisch zu begleiten. Diesen hatte die Bundesregierung im März – auch auf Druck der BKMO – ein­ge­setzt. kori­en­tation ist Mitglied bei der BKMO und wird in dem Begleitausschuss durch Sara Djahim ver­treten.

Im Verbund mit anderen Asiatisch-Deutschen Organisationen wie BAFNET in Berlin bereiten wir gerade einen Bericht an den UN-Antirassismusausschuss vor, mit dem Ziel, dass Asiatische Menschen explizit in die Liste der schutz­wür­digen Bevölkerungsgruppen im Zusammenhang mit ras­sis­ti­scher Diskriminierung auf­ge­nommen werden. Eine Aufnahme würde den recht­lichen Schutz bei Diskriminierung auf eine trans­na­tionale Ebene bringen und somit die Möglichkeit, poli­ti­schen Druck auf­zu­bauen, enorm erhöhen.

Im Kooperationsprojekt Mauergeschichten revi­sited bei der Stiftung Berliner Mauer, beteiligt sich kori­en­tation gemeinsam mit EOTO, dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg und Amaro Drom an der Diversifizierung der Perspektiven auf den Mauerfall in der musealen Vermittlungsarbeit. Seit dem 13. Juli recher­chiert Dr. Kien Nghi Ha für uns in dem Projekt aus Asiatisch-Deutscher Perspektive, die Ergebnisse fließen in das Curriculum der Ausbildung von Museumsguides an den vier Standorten der Stiftung in Berlin ein.

Und wer sind eigentlich die Asiatisch-Deutschen Aktivist*innen, auf deren Arbeit wir auf­bauen? Innerhalb weniger Tage sind fast 200 Vorbestellungen für die Neuauflage des Bands Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond bei uns ein­ge­gangen. In diesem Band findet ihr viel­fältige Antworten auf diese Frage. Wir und der Verlag Assoziation A sind über­wältigt, dass ein so großes Interesse an dem Band besteht! Die Neuauflage wird vor­aus­sichtlich im Oktober 2020 erscheinen und ein aktua­li­siertes Vorwort und zwei neue Beiträge ent­halten. Wenn ihr auch ein Exemplar vor­be­stellen wollt, könnt ihr das HIER machen.

AUS DEM VEREIN 

BEIRAT Die per­so­nelle Infrastruktur des Vereins wächst kon­ti­nu­ierlich. Wir haben inzwi­schen für kori­en­tation zwei Beiratsmitglieder gewinnen können, Dr. Noa K. Ha (DeZIM) und Sara Djahim. Noa berät uns im Bereich Wissenschaft/Politik und Sara im Bereich Lobbyarbeit auf der bun­des­po­li­ti­schen Ebene. Wir sind sehr glücklich, diese beiden Expert*innen für unsere Organisationsentwicklung und Repräsentationsarbeit an unserer Seite zu haben.

PUBLIKATION Und noch eine gute Neuigkeit: wir haben auf viel­fache Nachfrage hin die erste Publikation von kori­en­tation – nämlich Kataloge der Ausstellung Shared.Divided.United (2009) nach­be­stellt und sie sind endlich ange­kommen. Anfragen gern an info@korientation.de richten. 

Was geht bei MEGA

Das erste halbe Jahr unseres Projekts Media Empowerment for German Asians (MEGA) ist geschafft! Wir haben unsere bun­des­weiten und ber­lin­weiten Netzwerke aus­bauen können, und schaffen es kaum, allen Anfragen, die jede Woche bei uns im E‑Mail-Briefkasten ankommen, nach­zu­kommen. Was ist in den letzten Wochen gelaufen?
Wir haben bei­spiels­weise als Team an einem Methoden-Workshop von ju:an ‑Praxisstelle: Antisemitismus- und ras­sis­mus­kri­tische Jugendarbeit teil­ge­nommen, um uns auf Bedarfe unter­schied­licher Altersgruppen als Teilnehmende ein­zu­stellen und planen gerade einen wei­teren Workshop zur Organisationsentwicklung für unser Team und den korientation-Vorstand, um unsere Kommunikations- und andere Strukturen als wach­sende Organisation zu stärken.

Inhaltlich her­aus­for­dernde Fragen bewegen uns hin­sichtlich der kon­tro­versen medialen Diskussion um die Streichung des Begriffs „Rasse“ aus dem deut­schen Grundgesetz, bei der Erstellung von Beiträgen für die MEGA-Jahresbroschüre zum Thema „Why (media) repre­sen­tation matters“ und die Vorbereitung der drei MEGA-Seminare, die im Herbst ab September statt­finden werden. Die kon­kreten Termine und Seminarbeschreibungen werden bald auf unserer Website bekannt gegeben.

CC:COMMUNITY-CORNER

Wir haben seit einigen Monaten ein groß­ar­tiges ehren­amt­liches Medien-Team aka AG Medienkritik, das ständig wächst, und ohne deren Engagement bei­spiels­weise das #AsianGermanFestival nicht zustande gekommen wäre!

Gemeinsame Dokumentation „Corona-Rassismus“ in den Medien
Wir sammeln und doku­men­tieren wei­terhin ras­sis­tische Medienberichterstattungen auf der unserer Webseite.

Meldet uns pro­ble­ma­tische Medienberichte, die anti-asiatischen Rassismus beinhalten und wir fügen sie der Liste hinzu. Habt Ihr Interesse, selbst aktiv zu werden? Meldet Euch eben­falls gern per E‑mail. Alles an: medi­en­kritik (at) korientation.de.

+ Die Plattform „Ich bin kein Virus – Dein Netzwerk gegen Rassismus“ richtet sich an Betroffene ras­sis­ti­scher Übergriffe in Coronazeiten und an Unterstützer*innen. Ihr findet dort neben Erfahrungsberichten auch Beratungsstellen, Projekte, Initiativen und Einzelpersonen.

KORIENTATION EVENTS

25./26.07.2020 #AsianGermanFestival online!
Am Wochenende vom 25. und 26. Juli 2020 orga­ni­siert unser unglaub­liches ehren­amt­liches (sic!) Festivalteam bestehend aus Thea Suh, Thuy-Tien Nguyen, Linda, Victoria und Sandy Tran ein tolles Programm, um die viel­fältige Asianz und Asiatisch-Deutsche Community zu zeigen, sich zu ver­netzen und unsere Community einfach mal ein Wochenende lang auf Twitter, Instagram und Facebook zu feiern!

Programm unter: https://www.korientation.de/asiangermanfestival-2020/

Ihr könnt gern dabei sein – nutzt den Hashtag #AsianGermanFestival auf Twitter und Insta an dem Wochenende und/oder kon­tak­tiert unser Festivalteam via Email über asian­ger­m­an­fes­tival [at] korientation.de.

BEMERKENSWERT

+ Am 17.Juli startet die Umfrage zu Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera, die kori­en­tation als Teil der Initiativgruppe sup­portet. „Wie divers ist die deutsch­spra­chige Film- und Fernsehbranche vor und hinter der Kamera? Wer ist wie hier reprä­sen­tiert und wer nicht? (…) Auf Basis der Ergebnisse von Vielfalt im Film sollen kon­krete Maßnahmen ange­stoßen werden, um die Entwicklung eines inklu­siven Arbeitsumfeldes in der Filmbranche vor­an­zu­treiben – damit alle Filmschaffenden und deren viel­fältige Erfahrungen, Ideen und Potentiale wert­ge­schätzt werden.“

+ Am 23. Juli hosted DAMN das Online-Event MAMA#2. Food & Feelings. “MAMA ist ein Raum, in dem Menschen mit asia­ti­schen Herkunftsbezügen monatlich zusammen kommen können, um sich online über ein vorher fest­ge­legtes Thema aus­zu­tau­schen. Diesen Monat geht’s um: Essen. Und unsere Gefühle dazu.“ Anmeldung per Mail an damn.mama@gmx.de, dann erhaltet ihr Link und Passwort.

+ CALL FOR ABSTRACTS: Vom 29.–30. Oktober 2020 wird die Tagung „Im Osten was Neues? Intersektionale– Migrantische– BIPoC Perspektiven auf 30 Jahre (Wieder-) Vereinigungsprozess in Ostdeutschland“ an der Hochschule Mittweida statt­finden.
Bis zum 15. August können noch Abstracts zu den Themen „Bewegungen, Kämpfe, (Selbst-)Organisierung und Lebenswelten“, „Organisationserfahrungen und –kultur von MSO in Ostdeutschland“, „Rassismus und Empowerment in Ostdeutschland“ sowie „Erinnerungskultur und Narrativen jen­seits der Mehrheitsgesellschaft“ ein­ge­reicht werden.
Anfragen und Abstracts bitte an: Prof. Dr. Asiye Kaya (Projektleiterin), kaya@hs-mittweida.de; Phuong Thúy Nguyen (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), nguyen@hs-mittweida.de.

+ Bis zum 15.08. könnt ihr euch für den Filmworkshop AB-UND-ZU-GEHÖRIGKEITSANGELEGENHEITEN mit Pimpaka Towira und dem Kollektiv un.thai.tled anmelden. Der Workshop findet fort­laufend an Wochenenden statt (05.09.2020 – 03.10.2020).

+ Vom 14. ‑15. August findet das Korean Screen Culture Virtual Symposium 2020 online statt. Für Nachfragen und Anmeldungen kon­tak­tiert bitte Dr Ji-yoon An: ji-yoon.an@uni-tuebingen.de

+ Vom 9. Juli bis 30. September 2020 findet die Online-Ausstellung GEN Y statt: „GEN Y presents art­works from Chinese artists born after 1980. GenY deals sub­stan­tially with infor­mation, cognitive issues at large, and tech­nology. Interdisciplinary pro­jects related to urgent matters like climate change, ecology, or big data are some of the issues at stake in this show.”

Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter auf­nehmen lassen wollt!

Den nächsten Newsletter gibt’s dann Anfang nächsten Monat!

VeranstaltungenVerein

Diskussion zu Begriffen und Positionierungen der Asiatisch-Deutschen und Schwarzen Deutschen Communities

Die letzten Wochen ver­dich­teten gesell­schaft­liche Verhältnisse. Die Konfrontation der Proteste gegen ras­sis­tische Gewalt mit einer mili­ta­ri­sierten Polizei in den USA sowie die ste­reotype Darstellung des Corona-Virus als einen chi­ne­si­schen Virus, der mit ras­sis­ti­schen Anfeindungen gegenüber asia­tisch gele­senen Menschen ein­herging: All diese Entwicklungen machen deutlich, wie wichtig Repräsentation und Selbstvertretung sind. Dabei stellen sich immer auch die Fragen: Wie wird über uns gesprochen? Wie reden wir selbst über uns und über die Phänomene von Rassismus? Wo bzw. wie posi­tio­nieren wir uns? Fremdzuschreibungen und Selbstbezeichnungen sind stets umkämpft, denn sie spiegeln poli­tische Zustände, Haltungen und stra­te­gische Positionen wider.

In dieser Diskussionsveranstaltung wollen wir erörtern, wie asia­tisch gelesene Menschen in Deutschland bezeichnet werden (können) und ob „anti-asiatischer Rassismus“ die über­grei­fende Bezeichnung eines Phänomens sein kann. Dabei wollen wir auch über Parallelen und Unterschiede mit der Schwarzen Community dis­ku­tieren. Ziel der Veranstaltung ist es, einen Reflexionsprozess anzu­stoßen, der die unter­schied­lichen Positionen der asia­ti­schen Communities auf­greift und – trotz bestehender Unterschiede – auf Community-übergreifenden Erfahrungen und Wissensbeständen basiert.

Das Ergebnis dieser Diskussion soll eine dif­fe­ren­zierte und dis­kri­mi­nie­rungs­freie Benennung im gesell­schaft­lichen Diskurs für den anti­ras­sis­ti­schen Widerstand ermöglichen.

PANEL

MODERATION: Ferda Ataman, ndo neue deutsche orga­ni­sa­tionen e.V.

Wann: Do, 11.06.2020 um 19:30 – 21.00 Uhr, via Zoom, digi­taler Zutritt ab 19:00 h
Teilnehmende: Beschränkte Teilnehmer*innen-Anzahl; Voranmeldung erfor­derlich – BIPoC only!
Anmeldung: Email an info@korientation.de

Die Diskussion wird von den neuen deut­schen orga­ni­sa­tionen und kori­en­tation e.V. veranstaltet. 

Blog

Eine Nacht im April, knapp drei Monate nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Deutschland: Eine Gruppe Mitfahrender belästigt ein süd­ko­rea­ni­sches Paar mit sexis­ti­schen und ras­sis­ti­schen Beleidigungen in der Berliner U‑Bahn. Zwei weitere Mitfahrende beob­achten den Vorfall unter Gelächter. Als eine der betrof­fenen Personen beginnt den Vorfall per Handykamera zu doku­men­tieren, greift ein Teil der Gruppe das Paar kör­perlich an und bespuckt die beiden. Die Polizei wird noch während der U‑Bahnfahrt ein­ge­schaltet. Sie kann die aus der U‑Bahnstation Fehrbelliner Platz flüch­tenden Angreifer nicht stellen, macht aber die beiden Beobachter*innen ausfindig. 

Das Paar will Anzeige stellen, was die Polizei jedoch mit der Begründung ablehnt, dass es sich seitens der Angreifenden nicht um ras­sis­ti­sches Verhalten handele. Erst nachdem eine der beiden Betroffenen tele­fo­nisch den süd­ko­rea­ni­schen Vizekonsul kon­tak­tiert, lenken die Polizist*innen ein. Sie nehmen nun zwei Anzeigen auf, unter anderem auch eine gegen die beiden Betroffenen: Die beiden Beobachter*innen fühlen sich ras­sis­tisch beleidigt. Das Paar hat sie als Rassist*innen bezeichnet.

Rassismus in Zeiten von Corona

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Zahl und das Ausmaß an ver­baler und kör­per­licher Gewalt gegenüber asia­tisch gele­senen Personen in Deutschland und auch weltweit stark zuge­nommen. Erfahrungen, die Betroffene über Social Media öffentlich machen, decken sich mit den Daten aus dem Infopapier zu Diskriminierungserfahrungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Dieses hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes Anfang Mai bereitgestellt.

Von den 100 Beratungsanfragen, die bis Mitte April im Zusammenhang mit dem Coronavirus ein­ge­gangen sind, handelt es sich in 58 Fällen um Diskriminierungserfahrungen aus ras­sis­ti­schen Gründen, besonders von Personen, denen eine asia­tische Herkunft zuge­schrieben wird. Die Erfahrungen reichen von ver­balen und kör­per­lichen Attacken zur Verweigerung von medi­zi­ni­schen Behandlungen oder Dienstleistungen und Bedrohungen durch Hassbotschaften am Arbeitsplatz und am Wohnort. Auch Fälle von insti­tu­tio­nellem Rassismus wurden gemeldet, z.B. durch Racial Profiling, also Polizeikontrollen auf Basis von ste­reo­ty­pi­sie­renden Annahmen und äußer­lichen Merkmalen.

Die Dunkelziffer ras­sis­ti­scher Übergriffe auf asia­tisch gelesene Personen ist auf ein Vielfaches höher ein­zu­schätzen. Darauf lassen die zahl­reichen Erfahrungen und Zeug*innenberichte schließen, die Betroffene bisher in pri­vaten Accounts in den sozialen Netzwerken, der Presse und unter dem Hashtag #IchBinKeinVirus geteilt haben. Dazu kommen die Erlebnisse all der­je­nigen, die sich dazu ent­schieden haben, mit diesen indi­vi­du­ellen und oft scham­vollen Erfahrungen nicht nach außen zu treten oder die keinen Zugang zu Hilfs- und Dokumentationsstrukturen haben.

Rassistische Berichterstattung zu Corona

Ebenfalls mit Beginn der Corona-Pandemie haben kori­en­tation und viele andere Asiatisch-Deutsche Akteur*innen einen Anstieg pro­ble­ma­ti­scher Medienberichterstattung zu COVID-19 fest­ge­stellt und öffentlich darauf hin­ge­wiesen. Bereits am 5. Februar hat das Team von kori­en­tation gemeinsam mit den Neuen deut­schen Medienmacher*innen in der Pressemitteilung „Rassismus ‚Made in Media‘ – Diskriminierende Berichterstattung zum Coronavirus“ darauf auf­merksam gemacht. Die Pressemitteilung weist auf den Zusammenhang von dis­kri­mi­nie­rendem und kul­tu­ra­li­sie­rendem Framing und/oder mehr­deu­tigen, ste­reo­ty­pi­sie­renden, kli­schee­be­la­denen und unsach­lichen Text-Bild-Verknüpfungen in Beiträgen vom Spiegel, der Bild und des FOCUS Magazins und dem wach­senden anti-asiatischem Rassismus hin. Trotz Hinweisen und Handlungsvorschlägen zum dis­kri­mi­nie­rungs­sen­siblen Berichten wird die Liste der Artikel, Cover und Bebilderungen, die anti-asiatischen Rassismus befeuern bis heute stetig länger.

Wir alle wissen, dass ste­reo­ty­pi­sie­rende und sug­gestive Sprache und Bilder beein­flussen, wie Menschen wahr­ge­nommen werden. Dabei geht es nicht allein um Worte einiger weniger aus dem kon­ser­va­tiven und rechten Spektrum. Auch mediale Berichterstattung hat darin eine Verantwortung. Sie ist nicht unschuldig, denn: Bilder wecken Assoziationen, Sprache schafft Wirklichkeit und Worte führen zu Taten. Bebilderungen von Integrationsdebatten mit kopf­tuch­tra­genden Frauen (meist von hinten) oder Generalverdächtigung eines gesamten Berliner Stadtteils als „Clan-Kriminelle“ gehören dazu. Wir wissen his­to­risch durch den Nationalsozialismus und erleben gegen­wärtig mit den NSU Morden und den Morden in Hanau, wie dis­kri­mi­nie­rende Repräsentation von Minderheiten zu töd­lichen Konsequenzen führt.

Wenn der Spiegel schreibt: „CORONA VIRUS – Made in China [in gelber Schrift] – Wenn Globalisierung zur töd­lichen Gefahr wird“, der Schwarzwälder Bote über einen lokalen Karneval mit dem Titel „Chinese mit Atemschutzmaske baumelt über der Stadt“ berichtet und der Cicero seine Mai-Ausgabe mit „Gruß aus Wuhan – China, Corona und der Schaden für die Welt“ betitelt, wissen asia­tische gelesene Menschen und BIPoC, was als nächstes pas­siert – nämlich ange­spuckt, beleidigt, mit Desinfektionsmittel ein­ge­sprüht, vom Fahrrad geschubst werden und mehr.

Vielen ist dies nicht bewusst, andere blenden es aus. Wir bezweifeln jedoch, dass es saubere jour­na­lis­tische Arbeit ist, Bilder wie „die Gelbe Gefahr“, die ihren ras­sis­ti­schen Ursprung in der Kolonialzeit haben, ohne Kontextualisierung auf die Corona-Pandemie zu über­tragen und wieder salon­fähig zu machen. Gleiches gilt für Redaktionen, die mit dem Schüren von Panik und der Emotionalisierung ihrer Leser*innen darauf abzielen, ihre Auflage- und Absatzzahlen zu steigern. Ob unbe­wusst oder ignorant, sie handeln fahr­lässig und nehmen für kapi­ta­lis­ti­schen Gewinn in Kauf, ras­sis­tische Gewalt zu verstärken.

Fremddarstellung von asiatisch gelesenen Menschen und ihre Folgen

Was vielen nicht-asiatischen Menschen ver­mutlich auch nicht bewusst ist: Die Fremddarstellung asia­tisch gele­sener Menschen hat eine lange Kontinuität, deren Auswirkungen asia­tische Menschen heute noch spüren.

Nehmen wir das Beispiel „Yellow Fever“ – oder in anderen Worten: die Fetischisierung asia­ti­scher Frauen*. Yellow Fever gründet auf dem Bild der (sexuell) unter­wür­figen asia­ti­schen Frau*, das – wer hätte es geahnt – ein weißer Schriftsteller namens Pierre Loti im Jahr 1887 als Motiv für seine Novelle „Madame Chrysanthème“ gewählt hat und das seitdem in Opern, Musicals und zahl­reichen Filmen bis heute repro­du­ziert wird. Verstärkt wurde dieses Bild durch sys­te­ma­tische Förderung von Prostitution in süd‑, süd-ost- und ost-asiatischen Ländern zum Zweck der „Rest and Relaxation“ US-amerikanischer Soldaten während der Kriege in Japan, Korea und Vietnam. 85% der US-Soldaten gaben an, bei dieser Gelegenheit sexu­ellen Kontakt zu einer Prostituierten gehabt zu haben. Diese Fetischisierung wie­derum spiegelt sich in den hohen Klickzahlen der ras­si­fi­zierten Pornokategorie „asia­tisch“ und hat nega­tiven Einfluss auf die Lebensrealitäten asia­tisch gele­sener Frauen*. kori­en­tation wurde Anfang April von einer betrof­fenen Person über gehäufte Fälle infor­miert, in denen ein weißer Mann in Berlin-Kreuzberg gezielt asia­tische Frauen* digital ges­talked, sexuell belästigt und emo­tional mani­pu­liert hat.

Im Coronakontext erleben asia­tisch gelesene Frauen* in einer wei­teren Dimension, wie sich ras­sis­tische und sexua­li­sierter Gewalt in obs­zönen und ent­wür­di­genden Übergriffen ver­quickt: Eine asia­tisch gelesene Frau berichtet, dass ihr ein fremder Mann seinen Finger in den Mund gesteckt und dann lachend behauptet hat, er sei schon mit dem Virus infi­ziert, aber er liebe asia­tische Frauen.

Model Minority Myth und anti-asiatischer Rassismus

Mit der Zuschreibung, eine „Model Minority“, also die „gut Integrierten“ zu sein, erfahren manche asia­tisch gelesene Personen (v.a. die sicht­baren) im Vergleich zu anderen negativ stig­ma­ti­sierten People of Color (u.a. auch weniger sichtbare asia­tische* Gruppen) eine gesell­schaft­liche Besserbehandlung. Der Preis für diese Privilegien ist die Erfüllung und Verinnerlichung der ste­reo­typen Rolle der „stillen Asiat*innen“ und ent­spre­chend dank­bares Verhalten. Doch diese Rechnung geht nicht auf, denn über diese ver­meintlich „positive“ (vor allem aber auch pater­na­lis­tische) Zuschreibung werden die ver­schie­denen von Rassismus negativ betrof­fenen Gruppen hier­ar­chi­siert und gegen­ein­ander aus­ge­spielt. Und der Rassismus gegen asia­tisch gelesene Personen exis­tiert trotzdem, auch wenn Betroffenen ihre Rassismuserfahrungen oft abge­sprochen oder nicht ernst genommen werden.

Besonders pro­ble­ma­tisch wird es, wenn dies durch die­je­nigen Strukturen geschieht, deren Aufgabe es ist, Personen zu schützen, Straftaten zu ver­folgen und Täter*innen zur Verantwortung zu ziehen. Das Verhalten der Polizei, die im Angriff auf das ein­gangs genannte korea­nische Paar weder sexuelle noch ras­sis­tische Belästigung erkennen wollte, findet dabei auf der ver­gleichs­weise noch „harm­lo­seren“ Seite des Spektrums insti­tu­tio­nellen Rassismus statt.

Wir möchten an dieser Stelle aber auch daran erinnern:

Dass beim mehrmals in der Presse ange­kün­digten Pogrom in Rostock-Lichtenhagen von 1992 sowohl die Polizei als auch die Landesregierung von Mecklenburg Vorpommern ras­sis­tische Motive igno­riert, und Hilfeleistung und Strafverfolgung unter­lassen haben.

Dass die Polizei bei einer Festnahme viet­na­me­si­scher Männer 1993 in Bernau und 1994 in Leipzig Racial Profiling, ras­sis­tische und sexua­li­sierte Gewalt ange­wendet hat.

Und dass im Mai 2016 die chi­ne­sische Architekturstudentin Yangjie Li von einem Mann ver­ge­waltigt und ermordet wurde, dessen Mutter zum Zeitpunkt der Tat Polizistin und dessen Stiefvater Polizeichef von Dessau waren. Letzterer half dem Täter und dessen Freundin kurze Zeit nach dem Mord beim Umzug aus der Wohnung in unmit­tel­barer Nähe des Tatorts. In Dessau ist 2005 auch Oury Jalloh, eine Schwarze Person, unter unge­klärten Umständen in Polizeigewahrsam verbrannt.

Was müssen wir also tun?

Rassismus gegen asia­tisch gelesene Personen ist eine von vielen ver­schie­denen Formen des „Othering“, also der Konstruktion eines ras­si­fi­zierten „Anderen“. Er findet auf unter­schied­lichen struk­tu­rellen Ebenen, in unter­schied­lichen Bereichen, mit unter­schied­lichen geschicht­lichen Kontexten und in unter­schied­lichen Funktionen statt. Er ist oftmals geschlechts­spe­zi­fisch und variiert auch entlang anderer Diskriminierungskategorien. Er ist ebenso viel­fältig wie die Positionierungen asia­tisch gele­sener Menschen in Deutschland. Der spe­zi­fisch mit der Corona-Pandemie auf­flam­mende Rassismus richtet sich in unter­schied­lichen Ausprägungen auch gegen Jüdische Menschen, Sint*ezza und Rom*nja, Schwarze Menschen und andere People of Color. Eine feh­lende Positionierung bzw. Schweigen und Abwertung ihrer Rassismuserfahrungen (nicht nur im Corona-Kontext) sind Bestandteile einer Dynamik, mit der Betroffenen gezeigt wird, dass sie in der Gesellschaft keine gleich­wertige Position einnehmen.

Als Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven schließen wir fol­gendes Fazit:

Politiker*innen, Behörden, Schulen, Polizei und Verwaltungen müssen das Thema anti-asiatischer Rassismus auf­greifen und eine klare Stellung dazu beziehen. Außenminister Heiko Maas hatte sich Anfang April zwar kri­tisch zu den im Coronakontext auf­ge­tre­tenen Beleidigungen gegenüber Französ*innen geäußert, anti-asiatischer Rassismus scheint aber bisher kein Thema zu sein. Wenn staat­liche Institutionen dazu schweigen, ver­mittelt dies die Botschaft, dass ras­sis­ti­sches Verhalten akzep­tiert wird und erlaubt ist. Institutionen müssen einen Plan und Regeln ent­wi­ckeln, wie mit ras­sis­ti­schem und dis­kri­mi­nie­rendem Verhalten umge­gangen werden soll.

Alle Polizist*innen müssen verbale und kör­per­liche Angriffe auf asia­tisch gelesene Menschen ernst­nehmen und ihrer Verpflichtung nach­kommen, dagegen Anzeige auf­zu­nehmen. Die Polizei muss sich sowohl intern als auch im Kontakt nach außen ernsthaft mit diesem Thema beschäf­tigen und sich sen­si­bi­li­sieren. Für die Betroffenen ras­sis­ti­scher Übergriffe ist es doppelt trau­ma­ti­sierend, wenn ihnen ver­mittelt wird, dass ihre Erfahrungen eine Strafverfolgung nicht wert sind.

Personen, die nicht negativ von Rassismus betroffen sind, sollen Erfahrungen asia­tisch gele­sener Menschen nicht in Frage stellen oder ver­harm­losen und jede Form von anti-asiatischem Rassismus unter­lassen. Daher der Appell: Wenn Ihr ras­sis­tische Übergriffe beob­achtet, zeigt Euch soli­da­risch und leistet Beistand. Lasst ras­sis­ti­sches Verhalten nicht einfach stehen oder igno­riert es. Jede Person, die sich in so einem Fall kri­tisch äußert, kann Vorbild für andere sein.

Medienschaffende müssen sich und ihre Redaktionen grund­sätzlich und spe­ziell im Kontext der Corona-Pandemie auf kul­tu­ra­li­sie­rendes, ste­reo­ty­pi­sie­rendes, unsach­liches oder ras­sis­ti­sches Framing bzw. Bild-Text-Verknüpfungen über­prüfen und nach­bessern. Als Hilfestellung, wie es besser gemacht werden kann, emp­fehlen wir Glossare und Leitfäden zum dis­kri­mi­nie­rungs­sen­siblen Sprachgebrauch. Auf der Webseite von No Hate Speech https://no-hate-speech.de/de/wissen/ ist eine Sammlung zu finden.

Und zu guter Letzt: Liebe Asiatisch-Deutsche Menschen, scheisst auf den Model Minority Mythos, er bringt Euch nichts außer ein fal­sches Gefühl von Anerkennung. Auch für uns und gerade in Anbetracht der nicht endenden ras­sis­ti­schen (Polizei-)Gewalt in den USA und hier in Deutschland vor allem gegen Schwarze Menschen ist es unum­gänglich, uns selbst zu reflek­tieren. Im Vergleich zu anderen von Rassismus negativ Betroffenen, aber auch innerhalb und zwi­schen unseren Communities sind Privilegien ungleich ver­teilt. Lasst uns darüber sprechen, von­ein­ander lernen, unsere eigenen ver­in­ner­lichten Rassismen ver­lernen, gemeinsam auf­stehen und uns und andere BIPoC in ihren Kämpfen unter­stützen!

Sina Schindler, kori­en­tation e.V.

Screenshot neues deutschland
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Vanessa Fischer vom neuen deutschland berichtet in ihrem Artikel „Corona-Rassismus nimmt weiter zu“ vom 20.04.2020 über Rassismus gegen asia­tisch gelesene Menschen im Kontext der Corona-Pandemie in Deutschland. Wir freuen uns darüber, dass der Artikel vor allen Dingen auch die wider­stän­digen Aktionen aus der Asiatisch-Deutschen Community auf­greift. Sina von kori­en­tation wurde inter­viewt und hat dabei auf unsere – Sammlung von ras­sis­ti­schen Medienberichten ver­wiesen. Es wurde außerdem auf die medi­en­kri­ti­schen Aktivitäten von Thea Suh auf Twitter sowie die Plattform #IchBinKeinVirus! eingegangen. 

Bild: Screenshot des Artikels mit Ausschnitt Beitrag-Foto: AFP/Joel Saget

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Sina Schindler von kori­en­tation wurde gemeinsam mit Vicky, Mit-Initiatorin von #IchBinKeinVirus – Netzwerk gegen Rassismus vom Tagesspiegel inter­viewt. Thema war der gras­sie­rende anti-asiatischen Rassismus in der aktu­ellen Corona-Krise aus der Betroffenenperspektive.

Der Link zum Artikel findet sich hier:

Sebastian Leber, Entfesselter Rassismus in der Coronakrise: „Er sagte, man müsse mich mit Sagrotan ein­sprühen“, im Tagesspiegel vom 17.04.2020 (Seite 3)

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Mit Beginn der Corona-Pandemie und der Berichterstattung über COVID-19 erleben Asiatische Deutsche, Asiatisch Diasporische und andere asia­tisch gelesene Personen in Deutschland und weltweit einen starken Anstieg ras­sis­ti­scher Gewalt.

Inspiriert von den Belltower.News und Übermedien sammeln wir als community-übergreifendes Projekt hier [unter „Corona-Rassismus“] Medienberichte vor allem in den Mainstream-Medien (wie bei­spiels­weise große regionale und über­re­gionale Zeitungen und Zeitschriften, öffentlich-rechtliche Sender) zur Corona-Pandemie, die durch dis­kri­mi­nie­rendes und kul­tu­ra­li­sie­rendes Framing und/oder mehr­deutige, ste­reo­ty­pi­sie­rende, kli­schee­be­ladene und unsach­liche Text-Bild-Verknüpfungen anti-asiatischem Rassismus Vorschub leisten.

Mediale Berichterstattung ist nicht unschuldig und wir appel­lieren an die Verantwortung aller Medienschaffenden, dis­kri­mi­nie­rungs­sen­sibel, dif­fe­ren­ziert und selbst­re­flexiv zu arbeiten und Menschengruppen nicht zu stig­ma­ti­sieren. Denn: Bilder wecken Assoziationen, Sprache schafft Wirklichkeit und Worte führen zu Taten.

Wenn Ihr Lust und Kapazitäten habt, freuen wir uns über Unterstützung beim Zusammentragen und Dokumentieren von pro­ble­ma­ti­scher Berichterstattung. Infos, Ideen, tat­kräftige Unterstützung sind immer will­kommen.
Mehr Infos unter „CORONA-RASSISMUS“.

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Headerbild ©Hân Lê, https://tnhanle.cargo.site

Liebe korientation-Mitglieder, liebe Freund*innen,

auch wenn Meldungen und Diskussionen über Covid-19 gegen­wärtig alles andere über­tönen, wir wollen und können die in Hanau ermor­deten Menschen nicht ver­gessen. Es ist krass, aber leider nicht wirklich über­ra­schend, dass das BKA zu der Schlussfolgerung kommt, der Täter sei kein Rechtsextremist. Es ist mus­terhaft, wie ein weißer Mann, der einen gewalt­tä­tigen Terroranschlag begeht, offi­ziell wieder nur als „ein­samer psy­chisch Kranker“ ein­ge­stuft wird. Die rele­vanten Akteur*innen aus der Mehrheitsgesellschaft bzw. die „Mitglieder der Täter*innengruppe“, wie Idil Baydar es sagen würde, werden somit aus ihrer poli­ti­schen Verantwortung ent­lassen, sich wei­ter­ge­hender und nach­hal­tiger mit diesen Morden zu befassen. Gehandelt hat der Täter ein­deutig mit Rassismus als Hauptmotiv und moti­viert wurde er zu seiner Tat durch ein zunehmend ras­sis­ti­sches gesell­schaft­liches Umfeld in Deutschland. Daher #SayTheirNames: Auf domid.org noch einmal die Namen und Kurzbeschreibungen der in Hanau ermor­deten Menschen.

Gleichzeitig können wir uns natürlich den Auswirkungen von Covid-19 nicht ent­ziehen und es ent­steht Handlungsbedarf über das Händewaschen hinaus. Wie können wir uns als Community und als Individuen gegen anti-asiatischen Rassismus wehren, der durch die all­ge­gen­wär­tigen medialen Debatten über den Virus weltweit mul­ti­pli­ziert wird? Auf welche Weise können wir von Rassismus und auch von Ausschlussmechanismen des euro­päi­schen Gesundheitssystems Betroffene unter­stützen? Diese Newsletter-Ausgabe hat aus gege­benem Anlass einen Fokus auf unter­stüt­zens­werte Initiativen und Kampagnen zu diesen beiden Fragen.

Und noch eine drin­gende Bitte vorweg an Euch: Meldet ras­sis­tische und dis­kri­mi­nie­rende Vorfälle umgehend, damit sie offi­ziell doku­men­tiert werden und Handlungsbedarf dagegen auch sta­tis­tisch nach­ge­wiesen werden kann. In Berlin gibt es die Register der Bezirke zur Erfassung rechts­extremer und dis­kri­mi­nie­render Vorfälle und für die Meldung und Beratung gegen Diskriminierung in anderen Bundesländern lassen sich Adressen und Kontakte hier finden.
 
Bleibt gesund & soli­da­risch!
Kimiko & das MEGA-Team

Ihr findet uns auch auf Facebook, unserer Webseite und auf Instagram.

­­CORONA 

­Aus aktu­ellem Anlass möchten wir Euch auf einige Initiativen und Kampagnen auf­merksam machen, die sich gegen anti-asiatischen Rassismus im Kontext von Covid-19 enga­gieren bzw. über den Rahmen der nor­ma­tiven „natio­nalen Solidarität“ im Umgang mit der Krise hin­aus­gehen wollen. 

Community – You Are Not Alone
Wir ver­weisen an dieser Stelle auf die Facebook-Gruppe von DAMN, die die meisten von Euch sicherlich bereits kennen. Dort kann man Informationen aus der Community heraus zu den unter­schied­lichsten Themen erhalten, sich aus­tau­schen, Unterstützung erfahren und ver­binden. In diesen Zeiten noch wich­tiger als sonst.

Medien
Die Medienkampagne #WashTheHate wurde von Asian-American Community-Organisationen initiiert. Auf der Website kann jede*r direkt ein Kurzvideo zu anti-asiatischem Rassismus im Kontext von Corona auf­nehmen und ein­stellen.

Das Medienprojekt Asia 2.0 berichtet kri­tisch zu Frankreich und auch trans­na­tional sowie community-übergreifend zu anti-asiatischem Rassismus aus der Perspektive der ersten und zweiten Generation.

Wissenschaft
Bitte unter­schreibt als Einzelperson oder Institution diesen offenen Brief, der sich gegen das ras­sis­tische Cover einer spa­ni­schen wis­sen­schaft­lichen Publikation (Sopa de Wuhan) des Herausgebers Pablo Amadeo wendet.

Kunst
The COVID-19 Diaries, eine vir­tuelle Ausstellung, orga­ni­siert und kura­tiert von MiA Collective Art, unter anderem mit korientation-Mitglied kate hers RHEE.

Ein Lesetipp für alle von Euch, die Zines lieben – und auch an alle anderen: Asian American Feminist Antibodies (Care in the Time of the Corona Virus).

Gesundheitsversorgung
Wir möchten Euch zu Solidarität mit Menschen auf­rufen, für die es aus struk­tu­rellen Gründen kaum oder nicht möglich ist, sich vor Covid-19 zu schützen und eine aus­rei­chende Behandlung im Falle einer schweren Erkrankung zu bekommen.

Hier eine Sammlung von Statements und Aufrufen zur Auflösung der Lager und Evakuierung der Geflüchteten aus Moria.

Ein offener Brief zur Unterstützung von Menschen ohne Krankenversicherung, Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus oder erwerbslose EU-Bürger*innen

Über den Dezentralen Mietrettungs-Fonds könnt Ihr mit einer Spende Berliner BIPoC-Freiberufler*innen, die durch das Raster der Unterstützungsfonds der Bundesregierung und des Lands Berlin fallen, finan­ziell bei der Zahlung ihrer Mieten und Krankenkassenbeiträge unterstützen.

­ ­ AUS DEM VEREIN 

Im Rahmen der Präventionsmaßnahmen für Covid-19 müssen wir leider unsere für den Mai geplante Mitgliederversammlung und das Hoffest absagen. Wir hoffen jedoch, beides später im Jahr nach­holen zu können.

Auch für die geplanten Veranstaltungen im Projekt MEGA Media and Empowerment for German-Asians konnten wir coro­nabe­dingt für dieses Jahr noch keine Termine fest­legen und beschäf­tigen uns mit der Frage, welche Online-Formate wir ent­wi­ckeln und anbieten können, sollten die Kontaktbeschränkungen noch länger andauern.

Wir nutzen die Zeit außerdem dazu, Konzepte für ein Seminar zu anti-asiatischem Rassismus in Deutschland und Inhalte für ein Glossar zu ent­wi­ckeln und über­legen gemeinsam mit anderen Menschen, wie ein Online-Beratungsangebot zu anti-asiatischem Rassismus aus­sehen könnte.

Unsere im Februar mit den Neuen deut­schen medienmacher*innen ver­öf­fent­lichte Presseerklärung zu dis­kri­mi­nie­render Berichterstattung über das Coronavirus in deut­schen Medien hat übrigens dazu geführt, dass kori­en­tation in den letzten Wochen mehrfach für Interviews ange­fragt wurde. In der Sendung Kulturtermin – Religion und Gesellschaft des rbb vom 3. April hat unsere Geschäftsführerin Jee-Un Kim zum Thema anti-asiatischer Rassismus gesprochen. Eine schrift­liche Zusammenfassung des Gesprächs könnt Ihr bei rbb24 nach­lesen, unseren Kommentarzum Interview mit einigen Richtigstellungen findet Ihr u.a. auf unserer Website. ­ ­ ­

CC:COMMUNITY-CORNER

Aufruf: Gemeinsame Dokumentation „Corona-Rassismus“ in den Medien
In der letzten Zeit erreichen uns Hinweise und Infos über die zunehmend ras­sis­ti­schen Medienbeiträge, vor allen Dingen im deut­schen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Inspiriert von der Webseite belltower.news und der dor­tigen Dokumentation zum „Corona-Rassismus“ haben wir die Idee, in Kooperation mit Euch ras­sis­tische Medienbeiträge auf unserer Webseite zu sammeln und doku­men­tieren. Schickt uns doch Informationen zu Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, Fernseh- und Radiosendungen, die anti-asiatischen Rassismus beinhalten.Wer Interesse und Lust hat, diese Idee gemeinsam mit uns zu ent­wi­ckeln, melde sich gern bei uns!Schickt eine Email an info (at) korientation.de

korientation-Webseite
Wir aktua­li­sieren derzeit unsere Webseite und arbeiten par­allel weiter an unserem Relaunch. Falls Ihr Feedback zur Webseite habt (was ist gut/schlecht/fehlt), gern an:
jee-un (at)korientation.de.

Kurzportraits: Wer ist eigentlich kori­en­tation und was machen unsere Mitglieder? Falls Ihr Lust habt, vor­ge­stellt zu werden, oder eure Projekte vor­zu­stellen, gern eine E‑mail an: kimiko(at)korientation.de.

BEMERKENSWERT

Castingaufruf
Die Filmgalerie 451 sucht für die Hauptrolle in einem Kinofilm eine Schauspielerin mit mög­lichst korea­ni­schem Migrationsbezug. Spielalter 32 Jahre, Muttersprache Deutsch, Koreanischkenntnisse wären gut, sind aber nicht zwingend. (Rollenbeschreibung: Staatsanwältin im Osten Deutschlands, moderne Fritz Bauer Figur). Bitte melden unter: info(at)filmgalerie451.de

ÜBRIGENS: Es gibt wohl noch weitere Rollen für Asiatisch Deutsche Schauspieler*innen. Es lohnt sich, sich dort mit seinem Portfolio zu melden, auch wenn Ihr nicht auf das Profil der Hauptfigur passt!

Aufruf für Portrait- und Interviewserie „Youthhood“ von ze.tt
Der Fotograf Ralf Obergfell sucht für die obige Interviewserie noch asia­tisch gelesene Jugendliche (17–20 Jahre, Berliner Raum, KEINE Student*innen), die Interesse haben, sich por­trai­tieren und inter­viewen zu lassen. Hier der LInk zu der Serie.

Empfehlungen / Events
Falls Ihr von span­nenden Events hört, die der­zeitig online statt­finden und für Menschen aus dem korientation-Netzwerk inter­essant sein könnten, schreibt uns bis Ende des Monats an info(at)korientation.de, damit wir die Info in den kom­menden Newsletter mit auf­nehmen können.

­Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter auf­nehmen lassen wollt!

Den nächsten Newsletter gibt’s dann Anfang Mai. 

Verein

Jee-Un Kim, Geschäftsführerin von kori­en­tation, hat ein Interview zu anti-asiatischem Rassismus bei Radio rbb in der Sendung Kulturtermin am 03.04.2020 zum Thema Anti-Asiatischer Rassismus bzw. „Corona-Rassismus“ (ab Minute 13:20) gegeben.

Der Einbezug Asiatisch-Deutscher Perspektiven zum Themenkomplex Corona ist wichtig! Wir möchten aller­dings auf zwei Punkte hin­weisen. Rassismus ist nicht nur „unschön“ (Tweet von rbb24 zum Anteasern der Sendung), sondern endete erst vor Kurzem in Hanau in einem Massaker. Zudem ist es schade, dass der Fokus ver­schoben wurde – denn es ging vor allem darum, dass Rassismus nichts Neues ist, sondern in Corona-Zeiten viru­lenter ist. Zudem lautet der Name unserer Geschäftsführerin Jee-Un und nicht Jee-Nun. Auch hatten wir darauf ver­wiesen, dass neben kori­en­tation derzeit viele viele Asiatisch-Deutsche und asia­tisch dia­spo­rische Einzelpersonen und Gruppen an vir­tu­ellen Räumen arbeiten, um sich über das Thema Rassismus und Corona aus­zu­tau­schen. Dazu gehören z.B. bei DAMN (Asian Germans, Make Noise) Group, Rice and Shine Podcast oder „#IchBinKeinVirus – Dein Netzwerk gegen Rassismus“.

Es ist groß­artig und wichtig, dass sich so viele Menschen orga­ni­sieren, aber das zeigt vor allem auch, wie stark Rassismus in Deutschland ist. Ein Grund für Selbstorganisation und anti­rass­tische Arbeit besteht auch darin, sich als negativ Betroffene gegen­seitig zu stärken und zu schützen, also aus einer soli­da­ri­schen Notwendigkeit! Die Beschäftigung mit dem derzeit überall und ständig auf­flam­menden Rassismus ist dabei schmerzhaft, anstrengend, frus­trierend, bringt Menschen an ihre see­li­schen, kör­per­lichen und emo­tio­nalen Grenzen UND klaut uns von korientation e.V. z.B. wichtige Zeit für unsere Projektarbeit.

Um es mit Toni Morrison zu sagen: „The very serious function of racism … is dis­traction. It keeps you from doing your work. It keeps you explaining, over and over again, your reason for being.“