BlogKulturProjekt MEGAVerein

Liebe korientation-Mitglieder, liebe Freund*innen,

seit der Gründung des Vereins 2008, suchen wir immer wieder nach Allianzen, vor allem mit anderen kri­ti­schen (post)migrantischen / dia­spo­ri­schen Communities. „Allein machen sie dich ein…“

Auf dieser Suche spielen immer die gegen­seitige Wertschätzung und Anerkennung ver­gan­gener poli­ti­scher Arbeit eine wichtige Rolle. Diese Wertschätzung drückt sich bei­spiels­weise darin aus, auf die anti­ras­sis­ti­schen Kämpfe der Pionier*innen in Deutschland zu ver­weisen, auf deren Schultern wir unsere Arbeit auf­bauen können.

In diesem Sinne arbeiten wir daran, für euch Orte zu schaffen, an denen Projekte und Allianzen initiiert, ver­handelt und los­ge­treten werden – empowernd und mit viel Spaß! Aktuell möchten wir euch ganz herzlich zum #AsianGermanFestival am 25. und 26. Juli ein­laden! Die AG Medienkritik bei kori­en­tation orga­ni­siert mit Unterstützung vom MEGA-Team für das Festival ein span­nendes Line-Up von Podcasts, Insta-Live-Beiträgen und anderen Formaten und stellt euch asia­tische und asiatisch-diasporische Akteur*innen und deren Arbeit in unseren Communities vor. Das Programm wird in den nächsten Tagen auf unseren Social-Media-Kanälen bekannt gegeben. Watch out!

Habt eine schöne Sommerzeit und bleibt wei­terhin gesund & soli­da­risch, viel­leicht sehen/hören wir uns beim #AsianGermanFestival!

Kimiko & das MEGA-Team

Ihr findet uns auch auf Facebook, auf Twitter und auf Instagram.

PS: Headerbild ©Christina Zhu, siehe mehr von ihren Arbeiten unter: http://christinazhu.de.

ALLIANZEN

Auf der Suche nach einer geeig­neten strategisch-politischen Selbstbezeichnung haben wir am 11. Juni eine Diskussion zu Begriffen und Positionierungen der Asiatisch-Deutschen und Schwarzen Deutschen Communities gemeinsam mit den neuen deut­schen orga­ni­sa­tionen (ndo) orga­ni­siert. Alle 100 Teilnehmer*innen-Plätze waren bereits nach zwei Tagen aus­ge­bucht und es befanden sich weitere 30 Personen auf einer Warteliste! Auf dem vir­tu­ellen Panel saßen Dr. Sun-Ju Choi (kori­en­tation), Saraya Gomis (EOTO), Dr. Noa K. Ha (Zentrum für Integrationsstudien, TU Dresden), und Saboura M. Naqshband (Berlin Muslim Feminists). Moderiert wurde die Diskussion von Ferda Ataman (ndo). Einen Bericht zur Diskussion werdet ihr bald auf unserer Website finden.

Auch auf Bundesebene bewegt sich kori­en­tation bewusst in Allianzen. Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) hat einen Begleitausschuss von Expert*innen ein­ge­setzt, um den Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus kri­tisch zu begleiten. Diesen hatte die Bundesregierung im März – auch auf Druck der BKMO – ein­ge­setzt. kori­en­tation ist Mitglied bei der BKMO und wird in dem Begleitausschuss durch Sara Djahim ver­treten.

Im Verbund mit anderen Asiatisch-Deutschen Organisationen wie BAFNET in Berlin bereiten wir gerade einen Bericht an den UN-Antirassismusausschuss vor, mit dem Ziel, dass Asiatische Menschen explizit in die Liste der schutz­wür­digen Bevölkerungsgruppen im Zusammenhang mit ras­sis­ti­scher Diskriminierung auf­ge­nommen werden. Eine Aufnahme würde den recht­lichen Schutz bei Diskriminierung auf eine trans­na­tionale Ebene bringen und somit die Möglichkeit, poli­ti­schen Druck auf­zu­bauen, enorm erhöhen.

Im Kooperationsprojekt Mauergeschichten revi­sited bei der Stiftung Berliner Mauer, beteiligt sich kori­en­tation gemeinsam mit EOTO, dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg und Amaro Drom an der Diversifizierung der Perspektiven auf den Mauerfall in der musealen Vermittlungsarbeit. Seit dem 13. Juli recher­chiert Dr. Kien Nghi Ha für uns in dem Projekt aus Asiatisch-Deutscher Perspektive, die Ergebnisse fließen in das Curriculum der Ausbildung von Museumsguides an den vier Standorten der Stiftung in Berlin ein.

Und wer sind eigentlich die Asiatisch-Deutschen Aktivist*innen, auf deren Arbeit wir auf­bauen? Innerhalb weniger Tage sind fast 200 Vorbestellungen für die Neuauflage des Bands Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond bei uns ein­ge­gangen. In diesem Band findet ihr viel­fältige Antworten auf diese Frage. Wir und der Verlag Assoziation A sind über­wältigt, dass ein so großes Interesse an dem Band besteht! Die Neuauflage wird vor­aus­sichtlich im Oktober 2020 erscheinen und ein aktua­li­siertes Vorwort und zwei neue Beiträge ent­halten. Wenn ihr auch ein Exemplar vor­be­stellen wollt, könnt ihr das HIER machen.

AUS DEM VEREIN 

BEIRAT Die per­so­nelle Infrastruktur des Vereins wächst kon­ti­nu­ierlich. Wir haben inzwi­schen für kori­en­tation zwei Beiratsmitglieder gewinnen können, Dr. Noa K. Ha (DeZIM) und Sara Djahim. Noa berät uns im Bereich Wissenschaft/Politik und Sara im Bereich Lobbyarbeit auf der bun­des­po­li­ti­schen Ebene. Wir sind sehr glücklich, diese beiden Expert*innen für unsere Organisationsentwicklung und Repräsentationsarbeit an unserer Seite zu haben.

PUBLIKATION Und noch eine gute Neuigkeit: wir haben auf viel­fache Nachfrage hin die erste Publikation von kori­en­tation – nämlich Kataloge der Ausstellung Shared.Divided.United (2009) nach­be­stellt und sie sind endlich ange­kommen. Anfragen gern an info@korientation.de richten. 

Was geht bei MEGA

Das erste halbe Jahr unseres Projekts Media Empowerment for German Asians (MEGA) ist geschafft! Wir haben unsere bun­des­weiten und ber­lin­weiten Netzwerke aus­bauen können, und schaffen es kaum, allen Anfragen, die jede Woche bei uns im E‑Mail-Briefkasten ankommen, nach­zu­kommen. Was ist in den letzten Wochen gelaufen?
Wir haben bei­spiels­weise als Team an einem Methoden-Workshop von ju:an ‑Praxisstelle: Antisemitismus- und ras­sis­mus­kri­tische Jugendarbeit teil­ge­nommen, um uns auf Bedarfe unter­schied­licher Altersgruppen als Teilnehmende ein­zu­stellen und planen gerade einen wei­teren Workshop zur Organisationsentwicklung für unser Team und den korientation-Vorstand, um unsere Kommunikations- und andere Strukturen als wach­sende Organisation zu stärken.

Inhaltlich her­aus­for­dernde Fragen bewegen uns hin­sichtlich der kon­tro­versen medialen Diskussion um die Streichung des Begriffs „Rasse“ aus dem deut­schen Grundgesetz, bei der Erstellung von Beiträgen für die MEGA-Jahresbroschüre zum Thema „Why (media) repre­sen­tation matters“ und die Vorbereitung der drei MEGA-Seminare, die im Herbst ab September statt­finden werden. Die kon­kreten Termine und Seminarbeschreibungen werden bald auf unserer Website bekannt gegeben.

CC:COMMUNITY-CORNER

Wir haben seit einigen Monaten ein groß­ar­tiges ehren­amt­liches Medien-Team aka AG Medienkritik, das ständig wächst, und ohne deren Engagement bei­spiels­weise das #AsianGermanFestival nicht zustande gekommen wäre!

Gemeinsame Dokumentation „Corona-Rassismus“ in den Medien
Wir sammeln und doku­men­tieren wei­terhin ras­sis­tische Medienberichterstattungen auf der unserer Webseite.

Meldet uns pro­ble­ma­tische Medienberichte, die anti-asiatischen Rassismus beinhalten und wir fügen sie der Liste hinzu. Habt Ihr Interesse, selbst aktiv zu werden? Meldet Euch eben­falls gern per E‑mail. Alles an: medi­en­kritik (at) korientation.de.

+ Die Plattform „Ich bin kein Virus – Dein Netzwerk gegen Rassismus“ richtet sich an Betroffene ras­sis­ti­scher Übergriffe in Coronazeiten und an Unterstützer*innen. Ihr findet dort neben Erfahrungsberichten auch Beratungsstellen, Projekte, Initiativen und Einzelpersonen.

KORIENTATION EVENTS

25./26.07.2020 #AsianGermanFestival online!
Am Wochenende vom 25. und 26. Juli 2020 orga­ni­siert unser unglaub­liches ehren­amt­liches (sic!) Festivalteam bestehend aus Thea Suh, Thuy-Tien Nguyen, Linda, Victoria und Sandy Tran ein tolles Programm, um die viel­fältige Asianz und Asiatisch-Deutsche Community zu zeigen, sich zu ver­netzen und unsere Community einfach mal ein Wochenende lang auf Twitter, Instagram und Facebook zu feiern!

Programm unter: https://www.korientation.de/asiangermanfestival-2020/

Ihr könnt gern dabei sein – nutzt den Hashtag #AsianGermanFestival auf Twitter und Insta an dem Wochenende und/oder kon­tak­tiert unser Festivalteam via Email über asian­ger­m­an­fes­tival [at] korientation.de.

BEMERKENSWERT

+ Am 17.Juli startet die Umfrage zu Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera, die kori­en­tation als Teil der Initiativgruppe sup­portet. „Wie divers ist die deutsch­spra­chige Film- und Fernsehbranche vor und hinter der Kamera? Wer ist wie hier reprä­sen­tiert und wer nicht? (…) Auf Basis der Ergebnisse von Vielfalt im Film sollen kon­krete Maßnahmen ange­stoßen werden, um die Entwicklung eines inklu­siven Arbeitsumfeldes in der Filmbranche vor­an­zu­treiben – damit alle Filmschaffenden und deren viel­fältige Erfahrungen, Ideen und Potentiale wert­ge­schätzt werden.“

+ Am 23. Juli hosted DAMN das Online-Event MAMA#2. Food & Feelings. “MAMA ist ein Raum, in dem Menschen mit asia­ti­schen Herkunftsbezügen monatlich zusammen kommen können, um sich online über ein vorher fest­ge­legtes Thema aus­zu­tau­schen. Diesen Monat geht’s um: Essen. Und unsere Gefühle dazu.“ Anmeldung per Mail an damn.mama@gmx.de, dann erhaltet ihr Link und Passwort.

+ CALL FOR ABSTRACTS: Vom 29.–30. Oktober 2020 wird die Tagung „Im Osten was Neues? Intersektionale– Migrantische– BIPoC Perspektiven auf 30 Jahre (Wieder-) Vereinigungsprozess in Ostdeutschland“ an der Hochschule Mittweida statt­finden.
Bis zum 15. August können noch Abstracts zu den Themen „Bewegungen, Kämpfe, (Selbst-)Organisierung und Lebenswelten“, „Organisationserfahrungen und –kultur von MSO in Ostdeutschland“, „Rassismus und Empowerment in Ostdeutschland“ sowie „Erinnerungskultur und Narrativen jen­seits der Mehrheitsgesellschaft“ ein­ge­reicht werden.
Anfragen und Abstracts bitte an: Prof. Dr. Asiye Kaya (Projektleiterin), kaya@hs-mittweida.de; Phuong Thúy Nguyen (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), nguyen@hs-mittweida.de.

+ Bis zum 15.08. könnt ihr euch für den Filmworkshop AB-UND-ZU-GEHÖRIGKEITSANGELEGENHEITEN mit Pimpaka Towira und dem Kollektiv un.thai.tled anmelden. Der Workshop findet fort­laufend an Wochenenden statt (05.09.2020 – 03.10.2020).

+ Vom 14. ‑15. August findet das Korean Screen Culture Virtual Symposium 2020 online statt. Für Nachfragen und Anmeldungen kon­tak­tiert bitte Dr Ji-yoon An: ji-yoon.an@uni-tuebingen.de

+ Vom 9. Juli bis 30. September 2020 findet die Online-Ausstellung GEN Y statt: „GEN Y presents art­works from Chinese artists born after 1980. GenY deals sub­stan­tially with infor­mation, cognitive issues at large, and tech­nology. Interdisciplinary pro­jects related to urgent matters like climate change, ecology, or big data are some of the issues at stake in this show.”

Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter auf­nehmen lassen wollt!

Den nächsten Newsletter gibt’s dann Anfang nächsten Monat!

FilmVerein

Keine Chance für Rassismus, Sexismus, Homophobie und Ausgrenzung in der deutsch­spra­chigen Film- und Fernsehbranche. Über 30.000 Filmschaffende sind auf­ge­rufen, sich zu enga­gieren – für Vielfalt und gegen Diskriminierung vor und hinter der Kamera.

Wie divers ist die deutsch­spra­chige Film- und Fernsehbranche vor und hinter der Kamera? Wer ist hier wie reprä­sen­tiert und wer nicht? Welche Ausschlüsse, Diskriminierungserfahrungen und prekäre Verhältnisse sind vor­handen und wie können diese abgebaut werden, um die Filmbranche gerechter zu gestalten? 

Um diese Fragen zu beant­worten, beleuchtet ein breites Bündnis aus Vereinen, Unternehmen und Verbänden erstmals Vielfalt und Diskriminierung in den 440 Berufender deutsch­spra­chigen Film- und Fernsehbranche. Ziel der Onlinebefragung ist ein daten­ge­stütztes Gesamtbild für die Entwicklung kon­kreter Maßnahmen für Produktionen, Filmförderung und Politik, zur Förderung einer diver­seren, gerech­teren und inklu­si­veren Filmbranche.

Zahlreiche bekannte Filmschaffende rufen zur Teilnahme auf, unter anderem:

“Die deutsche Filmbranche spiegelt nicht die Vielfalt der Gesellschaft wider.”
Tyron Ricketts, Schauspieler

“In puncto Vielfalt und Chancengerechtigkeit gibt es in der Filmbranche defi­nitiv noch Luft nach oben.”
Maria Furtwängler, Schauspielerin

“Eine gute Sache, damit endlich Diversität in der deut­schen Filmbranche ent­steht.”
Katja Riemann, Schauspielerin

“Zahlen und Fakten lassen sich nicht klein­reden.”
Jakob Lass, Regisseur

Die Menschenrechtsorganisation Citizens For Europe ver­ant­wortet die Umfrage, die Branchenplattform Crew United unter­stützt mit ihrem umfas­senden Filmschaffenden-Netzwerk. 

Weitere Initiator*innen von #VielfaltImFilm:

Berlin Asian Film Network, Bundesverband Regie, Diversity Arts Culture, Deutscher Blinden-und Sehbehindertenverband, Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Kinoblindgänger, kori­en­tation, Label Noir, Langer Media Consulting, Leidmedien, Panthertainment, ProQuote Film, Queer Media Society, Schwarze Filmschaffende Community.

Finanziell unterstützt von:

Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bundesagentur für Arbeit –Zentrale Auslands-und Fachvermittlung, HessenFilm und Medien, MFG Filmförderung Baden-Württemberg, Pensionskasse Rundfunk, Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst

Ideell unterstützt von:

Bundesverband Casting, Deutsche Akademie für Fernsehen, Deutsche Filmakademie, Erich Pommer Institut, Indiefilmtalk, Produzentenallianz, Produzentenverband, Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, Themis ‑Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, Verband Deutscher Drehbuchautoren, Verband Österreichischer FilmschauspielerInnen

Informationen und Ansprechpersonen finden Sie auf: www.vielfalt-im-film.de

Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen und Interviewwünschen an: presse@citizensforeurope.org.

Link zur PM als PDF: https://vielfaltimfilm.de/wp-content/uploads/2020/07/PM-Vielfalt-im-Film-1607020.pdf

Blog

Quelle: Wer weiß denn sowas“. ARD. Ausstrahlung vom 09.03.2020, Screenshot.

„Ching Chang Chong“, rief Franziska van Almsick mit albern ver­stellter Stimme in der Fernsehshow „Wer weiß denn sowas“ vom 09.03.2020, als die Rubrik „Asien“ aus­ge­wählt wurde. Niemand reagierte auf den ras­sis­ti­schen Spruch, dem wir Asiat*innen und Asiatisch* wahr­ge­nom­menen Menschen im Alltag aus­ge­setzt sind. Genauso schlimm ist es aller­dings, dass der öffentlich-rechtliche Fernsehsender „ARD“ Franziska van Almsicks Bemerkung über­haupt aus­ge­strahlt hat. Ihr Zwischenruf erhöhte meinen Puls schlag­artig und ich spürte, wie ich vor Wut zit­terte. In dem Moment kamen mir wieder alte Erinnerungen an all die Situationen hoch, in denen Nicht-Asiat*innen mir diese drei Silben wie aus dem Nichts ent­ge­gen­schleu­derten und nicht selten ihre Augen nach hinten zogen. In solchen Situationen fühlte ich mich stets hilflos und machtlos, denn selbst Unbeteiligte, die Zeug*innen eines solchen Vorfalls wurden, wiesen die Täter*innen nicht zurecht. So war ich in der Regel auf mich alleine gestellt.

Das Machtgefälle hinter dem „Ching Chang Chong“

Es gibt immer noch viele weiße* Menschen, die nicht ver­stehen, was an dem Spruch „Ching Chang Chong“ ras­sis­tisch sein soll. Hier eine Erklärung: Der CCC-Spruch wird aus­schließlich „asia­tisch“ aus­se­henden Menschen an den Kopf geworfen, unab­hängig davon, ob sie der Landessprache mächtig oder gar in dem Land geboren und auf­ge­wachsen sind, in dem sie sich befinden. Hier findet ein Othering-Mechanismus statt, d. h. Menschen werden auf­grund ihres Aussehens als Fremde mar­kiert und ihre Zugehörigkeit abge­sprochen. Hinzu kommt, dass dieser Spruch dazu dient, sich über Asiat*innen und ihre asia­ti­schen Sprachen lustig zu machen. Dabei wird die Heterogenität der asia­ti­schen Sprachen aberkannt und auf die ein­fachsten Silben her­un­ter­ge­brochen. Alle Asiat*innen werden also wieder in einen Topf geworfen und dabei wird die Unterlegenheit der asia­ti­schen Sprachen demons­triert, die aus ver­meint­lichen ein­sil­bigen Sch-Lauten bestehen. Der CCC-Spruch dis­kri­mi­niert und ver­letzt also in mehr­facher Hinsicht: Asiat*innen, so wie ich, werden mit diesem Spruch in her­ab­wür­di­gender Weise ver­spottet, gede­mütigt und aus­ge­grenzt. Es ist anzu­merken, dass das kein rein deut­sches Phänomen ist, denn z. B. in eng­lisch­spra­chigen Ländern berichten dortige Asiatische Communities das­selbe. Daran ist zu erkennen, dass Rassismus struk­turell und kein Einzelfall ist.

Rassistische Kontinuität in den Medien

Als wäre der ras­sis­tische Spruch nicht genug, setzte Kai Pflaume, der Moderator der Fernsehshow „Wer weiß denn sowas“, noch einen oben drauf. Die indo­ne­sische Stadt Bandung hatte Küken an Kinder ver­teilt, um sie von ihren Smartphones abzu­lenken. Kai Pflaumes kom­men­tierte die Meldung damit, dass die indo­ne­si­schen Kinder bestimmt auch noch ein Kochbuch dazu bekommen würden. Damit wie­der­holte er ein ras­sis­ti­sches Stereotyp gegenüber Asiat*innen, nämlich, dass Asiat*innen alles essen würden, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist und nicht imstande wären, ein Tier am Leben zu erhalten.

Quelle: „Gute Nacht Österreich“. ORF 1. Ausstrahlung vom 19.03.2020, Screenshot.

Ein ähn­licher Vorfall ereignete sich bei der „Gute Nacht Österreich“-Show am 19.03.2020 mit Peter Klien und Miriam Hie. Miriam Hie spielte in dieser Satiresendung eine chi­ne­sische Reporterin mit starkem chi­ne­si­schem Akzent und R‑L-Schwäche. Der Sketch sollte vor­der­gründig den Umgang der Volksrepublik China mit der Corona-Pandemie auf die Schippe nehmen, jedoch triefte er vor lauter Klischees über Chines*innen. Anstatt tat­sächlich die chi­ne­sische Regierung als Gegenstand des sati­ri­schen Humors zu the­ma­ti­sieren, sug­ge­rierte die „Gute Nacht Österreich“-Show den Zuschauer*innen, dass Chines*innen z. B. Fledermäuse, Hunde und Katzen äßen.

Es ist ermüdend, ständig mit ras­sis­ti­schen Stereotypen kon­fron­tiert zu werden, egal ob als Witz getarnt oder als Hate-Speech. Als wäre es nicht genug, dass Asiat*innen ras­sis­tische Bemerkungen oder Vorurteile über ihre ver­meint­lichen Essgewohnheiten ohnehin im Umfeld und im Internet zu hören oder lesen bekommen.

Quelle: „heute-show“. ZDF. Ausstrahlung vom 06.03.2020, Screenshot.
Quelle: „heute-show“. ZDF. Ausstrahlung vom 06.03.2020, Screenshot.

Die deutsche Satiresendung „heute-show“ bediente sich in ihrer Ausstrahlung vom 06.03.2020 eben­falls des anti-Asiatischen Rassismus. Sie blendete zuerst ein Foto vom Kungfu Panda mit dem Wortspiel „Kung Flu“ und später eins mit der Inschrift „Ching Chang Chong – Leer ist der Karton“ ein. In Zeiten der Corona-Pandemie, in denen Asiat*innen und Asiatisch gelesene Menschen wieder ver­mehrt ras­sis­tisch ange­feindet, gemieden, beleidigt werden oder sich die Frage stellen lassen müssen, ob sie das Coronavirus in sich tragen, sind Wortspiele wie „Kung Flu“ wie ein Stigma, das die Erkrankung am Coronavirus als etwas spe­ziell Chinesisches darstellt.

Kabarettistin Lisa Eckhart wie­derum machte sich am 19.03.2020 in der „Nuhr im Ersten“-Sendung über die Genitalien Asiatischer dyacis* Männer lustig.

Diese „Witze“ sind weder unschuldig noch harmlos. Sie nor­ma­li­sieren den Rassismus gegenüber Asiat*innen, weil sie dem weißen Publikum ver­mitteln, dass es in Ordnung sei, über Asiat*innen zu lachen. Wenn Satire nach unten tritt, dann ist es schlichtweg keine Satire, sondern Schikane. Der Rassismus gegenüber Asiat*innen ist kei­neswegs neu, d. h. es gibt ihn nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Auch nicht im Fernsehen.

Rassistische Darstellungen und Stereotype sind keine Einzelfälle, sondern eine Kontinuität.

Für mehr Sensibilität gegenüber Rassismen

Weil durch die Medien Stereotype an die breite Bevölkerung trans­por­tiert werden können, haben die Medien, ins­be­sondere öffentlich-rechtliche Sender, eine besondere Verantwortung, keinen Rassismus wie­der­zu­geben. Sie müssen ange­messen auf jeg­liche Rassismuskritik reagieren und diese umsetzen. Hierfür ist län­ger­fristig ein Bewusstsein für Rassismen etwa durch Fort- und Weiterbildungen uner­lässlich. Als nächsten Schritt sollten Medienbetriebe eine interne Antidiskriminierungsstelle ein­richten, die einer­seits den Redaktionen beratend zur Seite stehen und ande­rer­seits Beschwerden ent­ge­gen­nehmen sollte.

Ein nicht unwe­sent­licher Faktor ist die feh­lende Diversität in der deut­schen Medienlandschaft. Aus einer Befragung der „Neuen deut­schen Medienmacher*innen“, die im Mai 2020 ver­öf­fent­licht wurde, geht hervor, dass 118 von 126 befragten Chefredakteur*innen der reich­wei­ten­stärksten Medien Deutsche ohne Migrationshintergrund seien. Unter den sechs Chefs und zwei Chefinnen, die min­destens ein nicht-deutsches Elternteil haben, gehört niemand zu den BIPoC*.

Je plu­raler, desto mehr Perspektiven können mit­ein­ge­bracht werden und die Wahrscheinlichkeit steigt somit, dass Vorurteile als solche erkannt werden. Es ist längst über­fällig, dass Medienbetriebe gezielt Medienmacher*innen of Color rekru­tieren sollten, um unsere viel­fältige Gesellschaft abzu­bilden. Allerdings ist anzu­merken, dass die Einstellung von BIPoC als Personal alleine nicht aus­rei­chend ist, um tat­sächlich weitere Diskriminierungen ver­hindern. Nur die Mischung aus Sensibilisierung für Rassismen und Rekrutierung von BIPoC kann einen Effekt haben, um Rassismus zu reduzieren.

Ein Beitrag von Victoria, Mitglied der AG Medienaktivismus

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Anmerkungen:

*“Asiatisch“ (groß­ge­schrieben) als poli­tische Kategorie

*BIPoC steht für die Selbstbezeichnung „Black, Indigenous and People of Color“, die eben­falls nicht auf bio­lo­gische Eigenschaften basiert. Sie posi­tio­niert sich gegen Spaltungsversuche durch Rassismus sowie gegen ras­sis­tische Fremdbezeichnungen durch die weiße Mehrheitsgesellschaft. Angehörige dieser Gruppe werden als Nicht-weiße mar­kiert, ver­fügen somit über einen gemein­samen Erfahrungshorizont mit Rassismus und sind des­wegen in einer nied­ri­geren Machtposition als weiße.

*dyacis: Menschen, die weder trans noch inter sind

*weiß bezeichnet keine bio­lo­gische Eigenschaft, sondern eine soziale und poli­tische Konstruktion in einer ras­sis­tisch struk­tu­rierten Gesellschaft. Mit dem Weißsein gehen weiße Privilegien einher und Angehörige dieser Gruppe gelten als unmar­kierte „Norm“.

BlogProjekt MEGAVerein

Liebe korientation-Mitglieder, liebe Freund*innen,

grade haben wir es geschafft, uns im Kontext des erstar­kenden anti-asiatischen Rassismus eini­ger­maßen zu sammeln, uns mit anderen Asiatisch-Deutschen Initiativen, neuen Projekten und Einzelpersonen zu con­necten, Support Ressourcen zu sammeln, mit unserer Kritik nach außen zu gehen und uns bereit gemacht Forderungen zu for­mu­lieren…

… da kam schon wieder alles anders.

Dieses Jahr hat die Polizei in den USA bereits 462 Menschen getötet, davon waren 98, also knapp jede fünfte Getötete Person, Schwarz. Mit den letzten drei Morden an Ahmaud Arbery, Breonna Taylor und George Floyd ist das Fass nun end­gültig über­ge­laufen. Polizeigewalt ist auch in Deutschland ein Problem, von dem ins­be­sondere Schwarze und mus­li­misch gelesene Menschen negativ betroffen sind und das hier­zu­lande gerne tot­ge­schwiegen wird. Seit letzter Woche gibt es nun aber in Berlin ein Antidiskriminierungsgesetz (LADG), das Betroffene gegenüber Ämtern und Behörden, wie der Polizei schützen soll. CDU und Polizeigewerkschaften finden das nicht so gut, aber wen wundert das, nach all den Skandalen um insti­tu­tio­nellen Rassismus in Ermittlungsbehörden, wie bei den NSU-Morden, dem Fall Oury Jalloh in Dessau oder 1992 bei den Pogromen in Rostock-Lichtenhagen.

Tödliche Polizeigewalt und Corona-Rassismus sind zwei sehr ver­schiedene Seiten eines Spektrums, das sich gegen einen ras­si­fi­zierten „Anderen“ wendet. Diese Rassismen finden auf unter­schied­lichen struk­tu­rellen Ebenen, in unter­schied­lichen Bereichen, mit unter­schied­lichen geschicht­lichen Kontexten und in unter­schied­lichen Funktionen statt. Sie sind oftmals geschlechts­spe­zi­fisch und vari­ieren auch entlang anderer Diskriminierungskategorien. Im Vergleich zu anderen von Rassismus negativ Betroffenen, aber auch innerhalb und zwi­schen unseren „asia­ti­schen“ Communities sind Privilegien ungleich ver­teilt.

Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, darüber mit­ein­ander zu sprechen, von­ein­ander zu lernen, unsere eigenen ver­in­ner­lichten Rassismen zu ver­lernen, gemeinsam auf­stehen und uns und andere BIPoC in ihren Kämpfen zu unterstützen!

Bleibt gesund & solidarisch!

Sina & das MEGA-Team

Ihr findet uns auch auf Facebook, unserer Webseite und auf Instagram.

PS: Headerbild ©Hân Lê, siehe mehr von ihren Arbeiten unter https://tnhanle.cargo.site 

­ ­RASSISMUS, MEDIEN, SOLIDARITÄT

Asian4BlackLives_Kalaya’an Mendoza @kalamendoza

Corona und Rassismus

WIR ÜBER DIE MEDIEN Gemeinsam mit unserem ehren­amt­lichen, dafür umso kras­seren Team aus Medienaktivistinnen – shout outs an 🙌 Thuy-Tien Nguyen 🙌, 🙌 Victoria 🙌, 🙌 Linda🙌 und 🙌 Thea Suh 🙌 – haben wir in den letzten zwei Monaten unseren Mund zu pro­ble­ma­ti­scher Medienberichterstattung zum Thema COVID-19 auf­ge­macht. Das Ergebnis findet Ihr auf unserer „Corona-Rassismus“ in den Medien-Sammlung, vor allem auch auf Twitter.

DIE MEDIEN ÜBER UNS Auch inter­essant: Nachdem sich die Fälle von anti-asiatischem Rassismus gehäuft haben, wurden wir vom korientation-Team immer wieder zu Statements und unseren Diskriminierungserfahrungen ange­fragt. Wir und das Medienteam haben also einige Interviews gegeben und uns an Diskussionen beteiligt, in denen wir ver­sucht haben, den Blick
weg vom Bild von Rassismus als indi­vi­duelle, zwi­schen­mensch­liche Erlebnisse hin zu Rassismus als struk­tu­relles Problem und Asiatisch-Deutschen Widerstand zu lenken. Seit Dienstag ist nun auch der Artikel „Asiatische Menschen in Deutschland: Wenn selbst der Rassismus „unsichtbar“ bleibt…“ auf unserer Website ver­öf­fent­licht. Mit diesem Artikel blicken wir aus einer Asiatisch-Deutschen Perspektive auf his­to­rische Kontexte und Kontinuitäten von anti-asiatischem Rassismus und äußern unsere Wünsche an Institutionen, Medien, Einzelpersonen und uns selbst.

VERNETZUNG: Die Supportplattform „Ich bin kein Virus – Dein Netzwerk gegen Rassismus“ ist nach wochen­langer unbe­zahlter Arbeit nun live. Die Seite richtet sich an Betroffene ras­sis­ti­scher Übergriffe in Coronazeiten und an Unterstützer*innen. Ihr findet dort neben Erfahrungsberichten auch Beratungsstellen, Projekte, Initiativen und Einzelpersonen und könnt selber ergänzen, wenn Ihr denkt, da fehlt noch was. Wir freuen uns, dass wir der Seite mit unserer Anschrift ein digi­tales Zuhause geben dürfen und haben großen Respekt vor dem Ich bin kein Virus-Team, das für alles, was es bisher getan hat, die ein oder andere Spende absolut verdient! 

Polizeigewalt und Black Asian Solidarity

Für einen trans­na­tio­nalen Austausch zum Thema Polizeigewalt und Solidarität zwi­schen Schwarzen und asia­tisch gele­senen Menschen hat die Gruppe DAMN Anfang Juni zum digi­talen Talk Black Asian Solidarity ein­ge­laden. Im Talk wurde die Hilfsorganisation KOP-Berlin und das Community-basierte Bildungs- und Empowerment-Projekt für Schwarze, Afrikanische und Afrodiasporische Menschen EOTO e.V. vor­ge­stellt, danach in Kleingruppen zu Fragen des soli­da­ri­schen Handelns dis­ku­tiert. Weitere Schritte sind geplant und wir freuen uns darauf, uns weiter aus­zu­tau­schen. Checkt auch die DAMN Facebook Gruppe, in der Ihr Euch an ver­schie­denen AGs betei­ligen könnt, wenn Ihr Bock habt, aktiv zu werden.
 
Wir listen Euch hier ein paar Ressourcen und Infos auf, die Euch helfen können, Euch aus einer Asiatisch-Deutschen Perspektive mit dem Thema ras­sis­tische Polizeigewalt aus­ein­an­der­zu­setzen, mit Familie und Freund*innen darüber zu sprechen oder Euch bei Diskriminierungserfahrungen Beratung zu suchen:

* Text zu Polizeigewalt von Xinan von Diaspor.Asia zum Mord an Li Yangjie und migran­tisch situ­iertes Wissen (geschrieben und auf­ge­nommen). TRIGGERWARNUNG: Mord, Vergewaltigung Essay
* „Let them breathe“ von Vanessa Vu über das Ersticken in einer ras­sis­ti­schen Welt.
* Video von Pocket Hazel, in dem sie mit ihrer asia­ti­schen Mutter darüber redet, warum die BlackLivesMatter-Bewegung so wichtig ist.
* Englischsprachiges „Asian American Racial Justice Toolkit zum Downloaden von 15 Organisationen mit Ressourcen zum Thema Black Solidarity.
* Beratungsorganisationen für Betroffene und Zeug*innen von rechter, ras­sis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Gewalt oder Polizeigewalt:
– Berlin: ReachOut
– Brandenburg: Opferperspektive e.V.  (Seite in unter­schied­lichen Sprachen, u.a. Vietnamesisch)
Liste von Beratungsstellen bun­desweit: Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, ras­sis­ti­scher und anti­se­mi­ti­scher Gewalt
– KOP Kampagne für Opfer ras­sis­ti­scher Polizeigewalt
* Bystander Intervention Resources von hol­laback: Englischsprachige Handlungsempfehlungen für Personen, die Zeug*innen von ras­sis­ti­schen Angriffen werden 

AUS DEM VEREIN 

Was geht bei MEGA

Die Sensibilisierung vor anti-asiatischem Rassismus ist für uns ein wich­tiger Teil unserer Arbeit. Wir ver­suchen trotz allem eine Balance zu wahren und unseren anderen wich­tigen Fokus, nämlich das Empowerment unserer Communities, nicht aus den Augen zu verlieren.

Aus diesem Grund sitzt das MEGA Team derzeit an der inhalt­lichen Konzeption und Planung unseres Seminars zu anti-asiatischem Rassismus und asia­ti­scher Migrationsgeschichten, eines Empowermentseminars für Asiatisch-Deutsche Mädchen* in Werdau bei Chemnitz und eines Podcast-Workshops für Asiatisch-Deutsche Menschen.

Auch in Vorbereitung ist das Programm für ein Filmscreening mit Asiatisch-Deutschen Kurzfilmen beim Clinch-Festival in Hannover. Und wir haben uns mit unserem Kooperationspartner, dem Friedrichshain-Kreuzberg Museum hin­ge­setzt und über gemeinsame Pläne gesprochen.

Was war noch

Ende April wurden wir von ju:an, der Praxisstelle für Antisemitismus- und ras­sis­mus­kri­tische Jugendarbeit der Amadeu Antonio Stiftung ein­ge­laden, um auf einem Online-Panel für Mitarbeiter*innen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, also z.B. Jugendzentren und Freizeitstätten über anti-asiatischen Rassismus zu sprechen. Wir freuen uns, dass sich daraus ein wei­ter­ge­hender fach­licher Austausch mit den coolen Leuten von ju:an ergeben hat!

Auch im April haben asia­tisch gelesene Personen aus der migrantifa Hessen einen digi­talen Talk orga­ni­siert, bei dem wir mit vielen anderen Asiatisch Deutschen über Strategien im Umgang mit Rassismus und Selbstorganisation geredet haben. Wer weiß, viel­leicht findet ja zukünftig die ein oder andere Asiatisch-Deutsche Demo statt. Mehr über die migrantifa und wieso sie sich gegründet hat, findet Ihr in unserer Interviewreihe zu (post-)migrantischem Widerstand.

Im Mai haben wir dann mit unseren neuen Freund*innen vom Mai Ling Kollektiv in Wien gequatscht im Rahmen ihrer Reihe Mai Ling Speaks. Themen waren die Gründung und Arbeit von kori­en­tation und welche Möglichkeiten digitale Tools zur Vernetzung und soli­da­ri­schen Zusammenarbeit bieten können. Mai Ling wird außerdem in der nächsten Interviewreihe zu (post-)migrantischem Widerstand vor­ge­stellt – also stay tuned! 

Mitgliederversammlung

Die dies­jährige Mitgliederversammlung inklusive Vorstandswahl wird regulär am Ende des Jahres statt­finden. Das Hoffest und die vormals geplante außer­or­dent­liche Vollversammlung mussten aus Coronagründen gestrichen werden. Wir halten Euch auf dem Laufenden

CC:COMMUNITY-CORNER

Gemeinsame Dokumentation „Corona-Rassismus“ in den Medien
Wir sammeln und doku­men­tieren wei­terhin ras­sis­tische Medienberichterstattungen auf der unserer Webseite.

Meldet uns pro­ble­ma­tische Medienberichte, die anti-asiatischen Rassismus beinhalten und wir fügen sie der Liste hinzu. Habt Ihr Interesse, selbst aktiv zu werden? Meldet Euch eben­falls gern per E‑mail.

Alles an: medi­en­kritik (at) korientation.de.
 

KORIENTATION EVENTS

11.6. „In the Name Of…“ – Diskussion zu Begriffen und Positionierungen der Asiatisch-Deutschen und Schwarzen Deutschen Communities
orga­ni­siert von kori­en­tation und den neuen deut­schen orga­ni­sa­tionen.
Ferda Ataman (ndo) mode­riert das Gespräch mit Sun-Ju Choi (kori­en­tation e.V.), Saraya Gomis (EOTO e.V.), Noa K. Ha (ZfI an der TU Dresden), Saboura M. Naqshband(Berlin Muslim Feminist).

Anmeldung über info (at) korientation.de (BIPoC only)

Vorausschau auf den Juli

Es erwartet euch ein digi­tales Festival. Ein neuer Podcast. Interventionen auf Twitter. Mehr dazu im nächsten Newsletter! 

BEMERKENSWERT

1.–13.6. ‚Queer‘ Asia Covid-19 Community Support Screenings: Extravaganza
5.–22.6. ‚Queer‘ Asia Covid-19 Community Support Screenings: The Drum Tower
13.6. Save the Sinti and Roma Memorial-Live-Stream
13.6. Webinar: Hong Kong Protests: Struggle for freedom & human rights
18.06. Podcast-Sendung zu “Rassismus und Corona” u.a. mit Vicky von ichbinkeinvirus.org, Thea von kori­en­tation und Podcasterin des DonnaSori-Podcasts im Rahmen des Contre le racisme-Festivals Darmstadt
20.6. Thai Food Pop-Up x Mygration x un.Thai.tled x Pandanoodle

Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter auf­nehmen lassen wollt!

Den nächsten Newsletter gibt’s dann Anfang nächsten Monat!

Blog

Eine Nacht im April, knapp drei Monate nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Deutschland: Eine Gruppe Mitfahrender belästigt ein süd­ko­rea­ni­sches Paar mit sexis­ti­schen und ras­sis­ti­schen Beleidigungen in der Berliner U‑Bahn. Zwei weitere Mitfahrende beob­achten den Vorfall unter Gelächter. Als eine der betrof­fenen Personen beginnt den Vorfall per Handykamera zu doku­men­tieren, greift ein Teil der Gruppe das Paar kör­perlich an und bespuckt die beiden. Die Polizei wird noch während der U‑Bahnfahrt ein­ge­schaltet. Sie kann die aus der U‑Bahnstation Fehrbelliner Platz flüch­tenden Angreifer nicht stellen, macht aber die beiden Beobachter*innen ausfindig. 

Das Paar will Anzeige stellen, was die Polizei jedoch mit der Begründung ablehnt, dass es sich seitens der Angreifenden nicht um ras­sis­ti­sches Verhalten handele. Erst nachdem eine der beiden Betroffenen tele­fo­nisch den süd­ko­rea­ni­schen Vizekonsul kon­tak­tiert, lenken die Polizist*innen ein. Sie nehmen nun zwei Anzeigen auf, unter anderem auch eine gegen die beiden Betroffenen: Die beiden Beobachter*innen fühlen sich ras­sis­tisch beleidigt. Das Paar hat sie als Rassist*innen bezeichnet.

Rassismus in Zeiten von Corona

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Zahl und das Ausmaß an ver­baler und kör­per­licher Gewalt gegenüber asia­tisch gele­senen Personen in Deutschland und auch weltweit stark zuge­nommen. Erfahrungen, die Betroffene über Social Media öffentlich machen, decken sich mit den Daten aus dem Infopapier zu Diskriminierungserfahrungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Dieses hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes Anfang Mai bereitgestellt.

Von den 100 Beratungsanfragen, die bis Mitte April im Zusammenhang mit dem Coronavirus ein­ge­gangen sind, handelt es sich in 58 Fällen um Diskriminierungserfahrungen aus ras­sis­ti­schen Gründen, besonders von Personen, denen eine asia­tische Herkunft zuge­schrieben wird. Die Erfahrungen reichen von ver­balen und kör­per­lichen Attacken zur Verweigerung von medi­zi­ni­schen Behandlungen oder Dienstleistungen und Bedrohungen durch Hassbotschaften am Arbeitsplatz und am Wohnort. Auch Fälle von insti­tu­tio­nellem Rassismus wurden gemeldet, z.B. durch Racial Profiling, also Polizeikontrollen auf Basis von ste­reo­ty­pi­sie­renden Annahmen und äußer­lichen Merkmalen.

Die Dunkelziffer ras­sis­ti­scher Übergriffe auf asia­tisch gelesene Personen ist auf ein Vielfaches höher ein­zu­schätzen. Darauf lassen die zahl­reichen Erfahrungen und Zeug*innenberichte schließen, die Betroffene bisher in pri­vaten Accounts in den sozialen Netzwerken, der Presse und unter dem Hashtag #IchBinKeinVirus geteilt haben. Dazu kommen die Erlebnisse all der­je­nigen, die sich dazu ent­schieden haben, mit diesen indi­vi­du­ellen und oft scham­vollen Erfahrungen nicht nach außen zu treten oder die keinen Zugang zu Hilfs- und Dokumentationsstrukturen haben.

Rassistische Berichterstattung zu Corona

Ebenfalls mit Beginn der Corona-Pandemie haben kori­en­tation und viele andere Asiatisch-Deutsche Akteur*innen einen Anstieg pro­ble­ma­ti­scher Medienberichterstattung zu COVID-19 fest­ge­stellt und öffentlich darauf hin­ge­wiesen. Bereits am 5. Februar hat das Team von kori­en­tation gemeinsam mit den Neuen deut­schen Medienmacher*innen in der Pressemitteilung „Rassismus ‚Made in Media‘ – Diskriminierende Berichterstattung zum Coronavirus“ darauf auf­merksam gemacht. Die Pressemitteilung weist auf den Zusammenhang von dis­kri­mi­nie­rendem und kul­tu­ra­li­sie­rendem Framing und/oder mehr­deu­tigen, ste­reo­ty­pi­sie­renden, kli­schee­be­la­denen und unsach­lichen Text-Bild-Verknüpfungen in Beiträgen vom Spiegel, der Bild und des FOCUS Magazins und dem wach­senden anti-asiatischem Rassismus hin. Trotz Hinweisen und Handlungsvorschlägen zum dis­kri­mi­nie­rungs­sen­siblen Berichten wird die Liste der Artikel, Cover und Bebilderungen, die anti-asiatischen Rassismus befeuern bis heute stetig länger.

Wir alle wissen, dass ste­reo­ty­pi­sie­rende und sug­gestive Sprache und Bilder beein­flussen, wie Menschen wahr­ge­nommen werden. Dabei geht es nicht allein um Worte einiger weniger aus dem kon­ser­va­tiven und rechten Spektrum. Auch mediale Berichterstattung hat darin eine Verantwortung. Sie ist nicht unschuldig, denn: Bilder wecken Assoziationen, Sprache schafft Wirklichkeit und Worte führen zu Taten. Bebilderungen von Integrationsdebatten mit kopf­tuch­tra­genden Frauen (meist von hinten) oder Generalverdächtigung eines gesamten Berliner Stadtteils als „Clan-Kriminelle“ gehören dazu. Wir wissen his­to­risch durch den Nationalsozialismus und erleben gegen­wärtig mit den NSU Morden und den Morden in Hanau, wie dis­kri­mi­nie­rende Repräsentation von Minderheiten zu töd­lichen Konsequenzen führt.

Wenn der Spiegel schreibt: „CORONA VIRUS – Made in China [in gelber Schrift] – Wenn Globalisierung zur töd­lichen Gefahr wird“, der Schwarzwälder Bote über einen lokalen Karneval mit dem Titel „Chinese mit Atemschutzmaske baumelt über der Stadt“ berichtet und der Cicero seine Mai-Ausgabe mit „Gruß aus Wuhan – China, Corona und der Schaden für die Welt“ betitelt, wissen asia­tische gelesene Menschen und BIPoC, was als nächstes pas­siert – nämlich ange­spuckt, beleidigt, mit Desinfektionsmittel ein­ge­sprüht, vom Fahrrad geschubst werden und mehr.

Vielen ist dies nicht bewusst, andere blenden es aus. Wir bezweifeln jedoch, dass es saubere jour­na­lis­tische Arbeit ist, Bilder wie „die Gelbe Gefahr“, die ihren ras­sis­ti­schen Ursprung in der Kolonialzeit haben, ohne Kontextualisierung auf die Corona-Pandemie zu über­tragen und wieder salon­fähig zu machen. Gleiches gilt für Redaktionen, die mit dem Schüren von Panik und der Emotionalisierung ihrer Leser*innen darauf abzielen, ihre Auflage- und Absatzzahlen zu steigern. Ob unbe­wusst oder ignorant, sie handeln fahr­lässig und nehmen für kapi­ta­lis­ti­schen Gewinn in Kauf, ras­sis­tische Gewalt zu verstärken.

Fremddarstellung von asiatisch gelesenen Menschen und ihre Folgen

Was vielen nicht-asiatischen Menschen ver­mutlich auch nicht bewusst ist: Die Fremddarstellung asia­tisch gele­sener Menschen hat eine lange Kontinuität, deren Auswirkungen asia­tische Menschen heute noch spüren.

Nehmen wir das Beispiel „Yellow Fever“ – oder in anderen Worten: die Fetischisierung asia­ti­scher Frauen*. Yellow Fever gründet auf dem Bild der (sexuell) unter­wür­figen asia­ti­schen Frau*, das – wer hätte es geahnt – ein weißer Schriftsteller namens Pierre Loti im Jahr 1887 als Motiv für seine Novelle „Madame Chrysanthème“ gewählt hat und das seitdem in Opern, Musicals und zahl­reichen Filmen bis heute repro­du­ziert wird. Verstärkt wurde dieses Bild durch sys­te­ma­tische Förderung von Prostitution in süd‑, süd-ost- und ost-asiatischen Ländern zum Zweck der „Rest and Relaxation“ US-amerikanischer Soldaten während der Kriege in Japan, Korea und Vietnam. 85% der US-Soldaten gaben an, bei dieser Gelegenheit sexu­ellen Kontakt zu einer Prostituierten gehabt zu haben. Diese Fetischisierung wie­derum spiegelt sich in den hohen Klickzahlen der ras­si­fi­zierten Pornokategorie „asia­tisch“ und hat nega­tiven Einfluss auf die Lebensrealitäten asia­tisch gele­sener Frauen*. kori­en­tation wurde Anfang April von einer betrof­fenen Person über gehäufte Fälle infor­miert, in denen ein weißer Mann in Berlin-Kreuzberg gezielt asia­tische Frauen* digital ges­talked, sexuell belästigt und emo­tional mani­pu­liert hat.

Im Coronakontext erleben asia­tisch gelesene Frauen* in einer wei­teren Dimension, wie sich ras­sis­tische und sexua­li­sierter Gewalt in obs­zönen und ent­wür­di­genden Übergriffen ver­quickt: Eine asia­tisch gelesene Frau berichtet, dass ihr ein fremder Mann seinen Finger in den Mund gesteckt und dann lachend behauptet hat, er sei schon mit dem Virus infi­ziert, aber er liebe asia­tische Frauen.

Model Minority Myth und anti-asiatischer Rassismus

Mit der Zuschreibung, eine „Model Minority“, also die „gut Integrierten“ zu sein, erfahren manche asia­tisch gelesene Personen (v.a. die sicht­baren) im Vergleich zu anderen negativ stig­ma­ti­sierten People of Color (u.a. auch weniger sichtbare asia­tische* Gruppen) eine gesell­schaft­liche Besserbehandlung. Der Preis für diese Privilegien ist die Erfüllung und Verinnerlichung der ste­reo­typen Rolle der „stillen Asiat*innen“ und ent­spre­chend dank­bares Verhalten. Doch diese Rechnung geht nicht auf, denn über diese ver­meintlich „positive“ (vor allem aber auch pater­na­lis­tische) Zuschreibung werden die ver­schie­denen von Rassismus negativ betrof­fenen Gruppen hier­ar­chi­siert und gegen­ein­ander aus­ge­spielt. Und der Rassismus gegen asia­tisch gelesene Personen exis­tiert trotzdem, auch wenn Betroffenen ihre Rassismuserfahrungen oft abge­sprochen oder nicht ernst genommen werden.

Besonders pro­ble­ma­tisch wird es, wenn dies durch die­je­nigen Strukturen geschieht, deren Aufgabe es ist, Personen zu schützen, Straftaten zu ver­folgen und Täter*innen zur Verantwortung zu ziehen. Das Verhalten der Polizei, die im Angriff auf das ein­gangs genannte korea­nische Paar weder sexuelle noch ras­sis­tische Belästigung erkennen wollte, findet dabei auf der ver­gleichs­weise noch „harm­lo­seren“ Seite des Spektrums insti­tu­tio­nellen Rassismus statt.

Wir möchten an dieser Stelle aber auch daran erinnern:

Dass beim mehrmals in der Presse ange­kün­digten Pogrom in Rostock-Lichtenhagen von 1992 sowohl die Polizei als auch die Landesregierung von Mecklenburg Vorpommern ras­sis­tische Motive igno­riert, und Hilfeleistung und Strafverfolgung unter­lassen haben.

Dass die Polizei bei einer Festnahme viet­na­me­si­scher Männer 1993 in Bernau und 1994 in Leipzig Racial Profiling, ras­sis­tische und sexua­li­sierte Gewalt ange­wendet hat.

Und dass im Mai 2016 die chi­ne­sische Architekturstudentin Yangjie Li von einem Mann ver­ge­waltigt und ermordet wurde, dessen Mutter zum Zeitpunkt der Tat Polizistin und dessen Stiefvater Polizeichef von Dessau waren. Letzterer half dem Täter und dessen Freundin kurze Zeit nach dem Mord beim Umzug aus der Wohnung in unmit­tel­barer Nähe des Tatorts. In Dessau ist 2005 auch Oury Jalloh, eine Schwarze Person, unter unge­klärten Umständen in Polizeigewahrsam verbrannt.

Was müssen wir also tun?

Rassismus gegen asia­tisch gelesene Personen ist eine von vielen ver­schie­denen Formen des „Othering“, also der Konstruktion eines ras­si­fi­zierten „Anderen“. Er findet auf unter­schied­lichen struk­tu­rellen Ebenen, in unter­schied­lichen Bereichen, mit unter­schied­lichen geschicht­lichen Kontexten und in unter­schied­lichen Funktionen statt. Er ist oftmals geschlechts­spe­zi­fisch und variiert auch entlang anderer Diskriminierungskategorien. Er ist ebenso viel­fältig wie die Positionierungen asia­tisch gele­sener Menschen in Deutschland. Der spe­zi­fisch mit der Corona-Pandemie auf­flam­mende Rassismus richtet sich in unter­schied­lichen Ausprägungen auch gegen Jüdische Menschen, Sint*ezza und Rom*nja, Schwarze Menschen und andere People of Color. Eine feh­lende Positionierung bzw. Schweigen und Abwertung ihrer Rassismuserfahrungen (nicht nur im Corona-Kontext) sind Bestandteile einer Dynamik, mit der Betroffenen gezeigt wird, dass sie in der Gesellschaft keine gleich­wertige Position einnehmen.

Als Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven schließen wir fol­gendes Fazit:

Politiker*innen, Behörden, Schulen, Polizei und Verwaltungen müssen das Thema anti-asiatischer Rassismus auf­greifen und eine klare Stellung dazu beziehen. Außenminister Heiko Maas hatte sich Anfang April zwar kri­tisch zu den im Coronakontext auf­ge­tre­tenen Beleidigungen gegenüber Französ*innen geäußert, anti-asiatischer Rassismus scheint aber bisher kein Thema zu sein. Wenn staat­liche Institutionen dazu schweigen, ver­mittelt dies die Botschaft, dass ras­sis­ti­sches Verhalten akzep­tiert wird und erlaubt ist. Institutionen müssen einen Plan und Regeln ent­wi­ckeln, wie mit ras­sis­ti­schem und dis­kri­mi­nie­rendem Verhalten umge­gangen werden soll.

Alle Polizist*innen müssen verbale und kör­per­liche Angriffe auf asia­tisch gelesene Menschen ernst­nehmen und ihrer Verpflichtung nach­kommen, dagegen Anzeige auf­zu­nehmen. Die Polizei muss sich sowohl intern als auch im Kontakt nach außen ernsthaft mit diesem Thema beschäf­tigen und sich sen­si­bi­li­sieren. Für die Betroffenen ras­sis­ti­scher Übergriffe ist es doppelt trau­ma­ti­sierend, wenn ihnen ver­mittelt wird, dass ihre Erfahrungen eine Strafverfolgung nicht wert sind.

Personen, die nicht negativ von Rassismus betroffen sind, sollen Erfahrungen asia­tisch gele­sener Menschen nicht in Frage stellen oder ver­harm­losen und jede Form von anti-asiatischem Rassismus unter­lassen. Daher der Appell: Wenn Ihr ras­sis­tische Übergriffe beob­achtet, zeigt Euch soli­da­risch und leistet Beistand. Lasst ras­sis­ti­sches Verhalten nicht einfach stehen oder igno­riert es. Jede Person, die sich in so einem Fall kri­tisch äußert, kann Vorbild für andere sein.

Medienschaffende müssen sich und ihre Redaktionen grund­sätzlich und spe­ziell im Kontext der Corona-Pandemie auf kul­tu­ra­li­sie­rendes, ste­reo­ty­pi­sie­rendes, unsach­liches oder ras­sis­ti­sches Framing bzw. Bild-Text-Verknüpfungen über­prüfen und nach­bessern. Als Hilfestellung, wie es besser gemacht werden kann, emp­fehlen wir Glossare und Leitfäden zum dis­kri­mi­nie­rungs­sen­siblen Sprachgebrauch. Auf der Webseite von No Hate Speech https://no-hate-speech.de/de/wissen/ ist eine Sammlung zu finden.

Und zu guter Letzt: Liebe Asiatisch-Deutsche Menschen, scheisst auf den Model Minority Mythos, er bringt Euch nichts außer ein fal­sches Gefühl von Anerkennung. Auch für uns und gerade in Anbetracht der nicht endenden ras­sis­ti­schen (Polizei-)Gewalt in den USA und hier in Deutschland vor allem gegen Schwarze Menschen ist es unum­gänglich, uns selbst zu reflek­tieren. Im Vergleich zu anderen von Rassismus negativ Betroffenen, aber auch innerhalb und zwi­schen unseren Communities sind Privilegien ungleich ver­teilt. Lasst uns darüber sprechen, von­ein­ander lernen, unsere eigenen ver­in­ner­lichten Rassismen ver­lernen, gemeinsam auf­stehen und uns und andere BIPoC in ihren Kämpfen unter­stützen!

Sina Schindler, kori­en­tation e.V.

BlogInterviews

INTERVIEW#1 MIT DER MIGRANTIFA HESSEN

In einer Interviewreihe ab Mai 2020 stellen wir euch kurz (post)migrantische Selbstorganisationen vor, mit denen uns poli­tische Arbeitsansätze, Inhalte und Ziele ver­binden. Wir haben fest­ge­stellt, dass die ver­schie­denen lokalen Netzwerke und Initiativen oftmals nichts von­ein­ander wissen. Diese Reihe ist ein kleiner Beitrag zur Sichtbarmachung der (post)migrantischen Vielfalt.

1. Wie lange gibt es euch schon und was war der Anlass für eure Gründung? Bezieht ihr euch dabei kon­zep­tuell auch auf Antifa Gençlik1

Migrantifa Hessen gibt es seit fast vier Monaten. Anlass unserer Gründung waren die schreck­lichen Morde an neun jungen Menschen mit Migrationshintergrund in zwei Shisha-Bars in Hanau. Wir sind der Impuls, der aus diesen Anschlägen her­vor­ge­gangen ist, um die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten, weshalb wir den 19. eines jeden Monats zum Gedenk- und Kampftag gegen Rassismus erklärt haben. Nach den Anschlägen fanden wir es vor allem wichtig, dass die von Rassismus Betroffenen eine Stimme erhalten. 

Wir sind daher eine Initiative getragen von jungen Migranten und Migrantinnen mit unter­schied­lichen kul­tu­rellen Wurzeln, Religionen und Weltanschauungen, die allesamt in der Nähe von Hanau leben. Migrantifa Hessen ist bestrebt, unter­schied­liche Menschen abbilden zu können, die von ver­schie­denen Diskriminierungsformen betroffen sind, damit diese endlich gehört werden. In unserem Kampf gegen Rassismus beziehen wir uns auch auf die Kämpfe anderer mar­gi­na­li­sierter Menschen, die bereits vor unserer Gründung aus­ge­tragen wurden, so auch auf Antifa Gençlik. An Antifa Gençlik schätzen wir besonders, dass sie viele Migranten und Migrantinnen aus ärmeren Vierteln mobi­li­sieren konnten. Dies wollen wir auch tun. Wir wollen ins­be­sondere Menschen für uns gewinnen, die keinem aka­de­mi­schen Umfeld ent­stammen und die sich bisher noch nie poli­tisch enga­giert haben. Antifa Gençlik hat im Nachhinein jedoch bereut, diesen Menschen keine sozialen Perspektiven auf­ge­zeigt zu haben. Dies wollen wir anders machen. Wir wollen unseren Kampf gegen Rassismus eng mit der sozialen Frage ver­knüpfen, wes­wegen wir auch Kapitalismuskritik ausüben.

2. Was ist die größte Herausforderung bei eurer Arbeit? 

Unsere größte Herausforderung besteht tat­sächlich darin, dass wir noch eine sehr junge Gruppierung sind. Uns gibt es noch nicht so lange. Daher inves­tieren wir noch viel Zeit, um gute orga­ni­sa­to­rische Strukturen zu ent­wi­ckeln. Aber wir sind auf einem guten Weg dorthin. Um unsere Kapazitäten zu erweitern, streben wir zudem Bündnisse und Partnerschaften mit anderen anti-rassistischen und migran­ti­schen Initiativen an. Wir begreifen daher Migrantifa gleich­zeitig neben der Rolle als Politgruppe auch als ein großes Bündnis, unter dem sich viele migran­tische Antifaschisten und Antifaschistinnen, die bereits in anderen Kontexten poli­tisch aktiv sind, mit­ein­ander ver­netzen und arbeiten können.

3. Wie würdet ihr Widerstand im Alltag gegen Rassismus defi­nieren und woraus zieht ihr eure Inspiration und Kraft dafür? 

Unser Widerstand ist sehr vom inter­sek­tio­nalen Gedanken gekenn­zeichnet, da Migranten und Migrantinnen unter Mehrfachdiskriminierung leiden. Indem wir gegen Rassismus und Faschismus kämpfen, kämpfen wir auch gleich­zeitig gegen Patriarchat, Klimawandel, Kapitalismus und Imperialismus. Migrantifa Hessen ist auch Teil des bun­des­weiten Migrantifa Kollektives, wes­wegen wir auch bestrebt sind, unseren Kampf nicht allein regional zu führen, sondern koor­di­niert innerhalb der gesamten Bundesrepublik gemeinsam mit anderen migrantisch-antifaschistischen Gruppierungen. Ein Beispiel für diese Form des Aktivismus stellt etwa der 08. Mai dar. An diesem Tag betei­ligten wir uns am bun­des­weiten Generalstreik, zu dem migran­tische Selbstorganisationen auf­ge­rufen hatten. Wir haben zusammen mit anderen Aktivisten und Aktivistinnen unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften eine Kundgebung an der Alten Oper in Frankfurt abge­halten und konnten viele Spenden für die Familien des Hanau Anschlages ein­treiben. Die Veranstaltung war ziemlich emo­tional für uns. Wir gaben Angehörigen der Opfer aus Hanau und Rassismus-Betroffenen die Möglichkeit, ihre Gefühle zu äußern. Auch war der Tag ziemlich inspi­rierend für uns, da in ganz Deutschland ver­schiedene Migrantifa Gruppen auf die Straße gingen und dabei ziemlich kreativ waren. Seit diesem Tag wissen wir, dass Migrantifa nun offi­ziell eine bun­des­weite Bewegung ist und dies ist etwas, aus dem wir Kraft und viel Inspiration ziehen.

4. Wie hat sich euer Leben seit dem Beginn der medialen Berichtserstattung zu Corona verändert?

Die mediale Berichterstattung über den Covid-19 Virus hat leider dazu geführt, dass andere wichtige Themen wie Rassismus unter­gehen. Dabei hat der gesell­schaft­liche Rassismus unter der Corona-Krise stark zuge­nommen. Anti-Asiatischer Rassismus, die Aussagen einiger fran­zö­si­scher Wissenschaftler, Afrika zu einem Testlabor für einen Impfstoff machen zu wollen, die Lage von Flüchtlingen auf Moria, der Mord an Arkan Hussein Khalaf in Celle, Brandanschläge auf migran­tische Supermärkte in Bayern, Racial Profiling und Polizeigewalt – tag­täglich häufen sich ras­sis­tische Vorfälle in Deutschland und auf der gesamten Welt, jedoch schweigen die großen Medienhäuser dazu. Dies erschwert unser poli­ti­sches Engagement, Menschen für Rassismus zu sensibilisieren.

Gleichzeitig trifft uns die Krise auch sehr per­sönlich. Die gesell­schaft­liche Isolation wirkt sich bei uns allen negativ auf unser see­li­sches Wohlbefinden aus. Wir schauen daher immer, wie wir in dieser schwie­rigen Zeit für­ein­ander da sein können. Uns ist es immer von Anfang an wichtig gewesen, dass sich jeder bei uns wohl­fühlen kann. Denn Empowerment ist von großer Bedeutung für die eigene poli­tische Arbeit.

5. Welche Form der Unterstützung wünscht ihr euch von anderen (post)migrantischen Organisationen?

In erster Linie ist eine gemeinsame Kommunikation mitsamt Vernetzung eine hohe Priorität, damit wir auch klar als Anti-Rassisten und Anti-Rassistinnen in der Öffentlichkeit wahr­ge­nommen werden und unter­streichen können, warum all diese (post)migrantischen und anti-rassistischen Organisationen so wichtig sind. Schließlich machen wir das nicht aus Eigennutz, sondern um auf gesell­schaft­liche Utopien ohne Rassismus und Hass auf­merksam zu machen, die rea­li­sierbar werden können. Wir freuen uns daher, wenn andere migran­tische Initiativen die Nähe zu uns suchen und mit uns (z.B. bei Projekten) zusam­men­ar­beiten wollen.

6. Gibt es etwas Aktuelles oder Neuigkeiten zu einem Projekt etc., die ihr mit kori­en­tation & friends teilen möchtet?

Wir haben viele unter­schied­liche Ideen, die wir in der Zukunft umsetzen wollen. So wollen wir schauen, wie wir uns mit der Rapper-Szene in Deutschland ver­netzen können. Des Weiteren streben wir weitere Safe-Space Veranstaltungen an, wo diesmal andere Minoritäten zu Wort kommen können, sowie die Vernetzung zu ihnen und ihren Initiativen. Auch planen wir innerhalb von Hessen die migran­tische Selbstorganisierung weiter vor­an­zu­treiben, so dass in mög­lichst vielen Städten unser Kampf geführt werden kann. Zudem wollen wir auch die migran­tische Community unter­stützen und vor allem unsere Arbeit an der Basis stärken, d.h. in die Viertel gehen und mit den Leuten aktiv das per­sön­liche Gespräch auf­suchen. Unsere Gruppierung hat auch seit neu­estem den Arbeitskreis „Migrantifemisistas“ – ein Zusammenschluss von migran­ti­schen Frauen und LGBTQ, wo wir uns auch Aktionen über­legen wollen. Auf Instagram unter @migrantifa.hessen ist man immer auf den neu­esten Stand über unsere Aktionen. Migrantifa Hessen freut sich über alle Migranten, die sich bei uns enga­gieren wollen. Wir sind immer offen für neue Leute.


¹ Die Antifaşist (Antifa) Gençlik wurde 1988 in Berlin gegründet, und es bil­deten sich Antifa-Gençlik-Gruppen in wei­teren deut­schen Städten. Mitte der 1990er lösten sich die Strukturen infolge staat­licher Repression auf. Im April 2020 ist eine über­ar­beitete 2. Aufl. eines Dokumentationsbandes zu Antifa Gençlik erschienen: https://www.unrast-verlag.de/gesamtprogramm/allgemeines-programm/antifaschismus/antifa-genclik-detail

Verein

Sina Schindler von kori­en­tation wurde gemeinsam mit Vicky, Mit-Initiatorin von #IchBinKeinVirus – Netzwerk gegen Rassismus vom Tagesspiegel inter­viewt. Thema war der gras­sie­rende anti-asiatischen Rassismus in der aktu­ellen Corona-Krise aus der Betroffenenperspektive.

Der Link zum Artikel findet sich hier:

Sebastian Leber, Entfesselter Rassismus in der Coronakrise: „Er sagte, man müsse mich mit Sagrotan ein­sprühen“, im Tagesspiegel vom 17.04.2020 (Seite 3)

Verein

Mit Beginn der Corona-Pandemie und der Berichterstattung über COVID-19 erleben Asiatische Deutsche, Asiatisch Diasporische und andere asia­tisch gelesene Personen in Deutschland und weltweit einen starken Anstieg ras­sis­ti­scher Gewalt.

Inspiriert von den Belltower.News und Übermedien sammeln wir als community-übergreifendes Projekt hier [unter „Corona-Rassismus“] Medienberichte vor allem in den Mainstream-Medien (wie bei­spiels­weise große regionale und über­re­gionale Zeitungen und Zeitschriften, öffentlich-rechtliche Sender) zur Corona-Pandemie, die durch dis­kri­mi­nie­rendes und kul­tu­ra­li­sie­rendes Framing und/oder mehr­deutige, ste­reo­ty­pi­sie­rende, kli­schee­be­ladene und unsach­liche Text-Bild-Verknüpfungen anti-asiatischem Rassismus Vorschub leisten.

Mediale Berichterstattung ist nicht unschuldig und wir appel­lieren an die Verantwortung aller Medienschaffenden, dis­kri­mi­nie­rungs­sen­sibel, dif­fe­ren­ziert und selbst­re­flexiv zu arbeiten und Menschengruppen nicht zu stig­ma­ti­sieren. Denn: Bilder wecken Assoziationen, Sprache schafft Wirklichkeit und Worte führen zu Taten.

Wenn Ihr Lust und Kapazitäten habt, freuen wir uns über Unterstützung beim Zusammentragen und Dokumentieren von pro­ble­ma­ti­scher Berichterstattung. Infos, Ideen, tat­kräftige Unterstützung sind immer will­kommen.
Mehr Infos unter „CORONA-RASSISMUS“.

Verein

Headerbild ©Hân Lê, https://tnhanle.cargo.site

Liebe korientation-Mitglieder, liebe Freund*innen,

auch wenn Meldungen und Diskussionen über Covid-19 gegen­wärtig alles andere über­tönen, wir wollen und können die in Hanau ermor­deten Menschen nicht ver­gessen. Es ist krass, aber leider nicht wirklich über­ra­schend, dass das BKA zu der Schlussfolgerung kommt, der Täter sei kein Rechtsextremist. Es ist mus­terhaft, wie ein weißer Mann, der einen gewalt­tä­tigen Terroranschlag begeht, offi­ziell wieder nur als „ein­samer psy­chisch Kranker“ ein­ge­stuft wird. Die rele­vanten Akteur*innen aus der Mehrheitsgesellschaft bzw. die „Mitglieder der Täter*innengruppe“, wie Idil Baydar es sagen würde, werden somit aus ihrer poli­ti­schen Verantwortung ent­lassen, sich wei­ter­ge­hender und nach­hal­tiger mit diesen Morden zu befassen. Gehandelt hat der Täter ein­deutig mit Rassismus als Hauptmotiv und moti­viert wurde er zu seiner Tat durch ein zunehmend ras­sis­ti­sches gesell­schaft­liches Umfeld in Deutschland. Daher #SayTheirNames: Auf domid.org noch einmal die Namen und Kurzbeschreibungen der in Hanau ermor­deten Menschen.

Gleichzeitig können wir uns natürlich den Auswirkungen von Covid-19 nicht ent­ziehen und es ent­steht Handlungsbedarf über das Händewaschen hinaus. Wie können wir uns als Community und als Individuen gegen anti-asiatischen Rassismus wehren, der durch die all­ge­gen­wär­tigen medialen Debatten über den Virus weltweit mul­ti­pli­ziert wird? Auf welche Weise können wir von Rassismus und auch von Ausschlussmechanismen des euro­päi­schen Gesundheitssystems Betroffene unter­stützen? Diese Newsletter-Ausgabe hat aus gege­benem Anlass einen Fokus auf unter­stüt­zens­werte Initiativen und Kampagnen zu diesen beiden Fragen.

Und noch eine drin­gende Bitte vorweg an Euch: Meldet ras­sis­tische und dis­kri­mi­nie­rende Vorfälle umgehend, damit sie offi­ziell doku­men­tiert werden und Handlungsbedarf dagegen auch sta­tis­tisch nach­ge­wiesen werden kann. In Berlin gibt es die Register der Bezirke zur Erfassung rechts­extremer und dis­kri­mi­nie­render Vorfälle und für die Meldung und Beratung gegen Diskriminierung in anderen Bundesländern lassen sich Adressen und Kontakte hier finden.
 
Bleibt gesund & soli­da­risch!
Kimiko & das MEGA-Team

Ihr findet uns auch auf Facebook, unserer Webseite und auf Instagram.

­­CORONA 

­Aus aktu­ellem Anlass möchten wir Euch auf einige Initiativen und Kampagnen auf­merksam machen, die sich gegen anti-asiatischen Rassismus im Kontext von Covid-19 enga­gieren bzw. über den Rahmen der nor­ma­tiven „natio­nalen Solidarität“ im Umgang mit der Krise hin­aus­gehen wollen. 

Community – You Are Not Alone
Wir ver­weisen an dieser Stelle auf die Facebook-Gruppe von DAMN, die die meisten von Euch sicherlich bereits kennen. Dort kann man Informationen aus der Community heraus zu den unter­schied­lichsten Themen erhalten, sich aus­tau­schen, Unterstützung erfahren und ver­binden. In diesen Zeiten noch wich­tiger als sonst.

Medien
Die Medienkampagne #WashTheHate wurde von Asian-American Community-Organisationen initiiert. Auf der Website kann jede*r direkt ein Kurzvideo zu anti-asiatischem Rassismus im Kontext von Corona auf­nehmen und ein­stellen.

Das Medienprojekt Asia 2.0 berichtet kri­tisch zu Frankreich und auch trans­na­tional sowie community-übergreifend zu anti-asiatischem Rassismus aus der Perspektive der ersten und zweiten Generation.

Wissenschaft
Bitte unter­schreibt als Einzelperson oder Institution diesen offenen Brief, der sich gegen das ras­sis­tische Cover einer spa­ni­schen wis­sen­schaft­lichen Publikation (Sopa de Wuhan) des Herausgebers Pablo Amadeo wendet.

Kunst
The COVID-19 Diaries, eine vir­tuelle Ausstellung, orga­ni­siert und kura­tiert von MiA Collective Art, unter anderem mit korientation-Mitglied kate hers RHEE.

Ein Lesetipp für alle von Euch, die Zines lieben – und auch an alle anderen: Asian American Feminist Antibodies (Care in the Time of the Corona Virus).

Gesundheitsversorgung
Wir möchten Euch zu Solidarität mit Menschen auf­rufen, für die es aus struk­tu­rellen Gründen kaum oder nicht möglich ist, sich vor Covid-19 zu schützen und eine aus­rei­chende Behandlung im Falle einer schweren Erkrankung zu bekommen.

Hier eine Sammlung von Statements und Aufrufen zur Auflösung der Lager und Evakuierung der Geflüchteten aus Moria.

Ein offener Brief zur Unterstützung von Menschen ohne Krankenversicherung, Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus oder erwerbslose EU-Bürger*innen

Über den Dezentralen Mietrettungs-Fonds könnt Ihr mit einer Spende Berliner BIPoC-Freiberufler*innen, die durch das Raster der Unterstützungsfonds der Bundesregierung und des Lands Berlin fallen, finan­ziell bei der Zahlung ihrer Mieten und Krankenkassenbeiträge unterstützen.

­ ­ AUS DEM VEREIN 

Im Rahmen der Präventionsmaßnahmen für Covid-19 müssen wir leider unsere für den Mai geplante Mitgliederversammlung und das Hoffest absagen. Wir hoffen jedoch, beides später im Jahr nach­holen zu können.

Auch für die geplanten Veranstaltungen im Projekt MEGA Media and Empowerment for German-Asians konnten wir coro­nabe­dingt für dieses Jahr noch keine Termine fest­legen und beschäf­tigen uns mit der Frage, welche Online-Formate wir ent­wi­ckeln und anbieten können, sollten die Kontaktbeschränkungen noch länger andauern.

Wir nutzen die Zeit außerdem dazu, Konzepte für ein Seminar zu anti-asiatischem Rassismus in Deutschland und Inhalte für ein Glossar zu ent­wi­ckeln und über­legen gemeinsam mit anderen Menschen, wie ein Online-Beratungsangebot zu anti-asiatischem Rassismus aus­sehen könnte.

Unsere im Februar mit den Neuen deut­schen medienmacher*innen ver­öf­fent­lichte Presseerklärung zu dis­kri­mi­nie­render Berichterstattung über das Coronavirus in deut­schen Medien hat übrigens dazu geführt, dass kori­en­tation in den letzten Wochen mehrfach für Interviews ange­fragt wurde. In der Sendung Kulturtermin – Religion und Gesellschaft des rbb vom 3. April hat unsere Geschäftsführerin Jee-Un Kim zum Thema anti-asiatischer Rassismus gesprochen. Eine schrift­liche Zusammenfassung des Gesprächs könnt Ihr bei rbb24 nach­lesen, unseren Kommentarzum Interview mit einigen Richtigstellungen findet Ihr u.a. auf unserer Website. ­ ­ ­

CC:COMMUNITY-CORNER

Aufruf: Gemeinsame Dokumentation „Corona-Rassismus“ in den Medien
In der letzten Zeit erreichen uns Hinweise und Infos über die zunehmend ras­sis­ti­schen Medienbeiträge, vor allen Dingen im deut­schen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Inspiriert von der Webseite belltower.news und der dor­tigen Dokumentation zum „Corona-Rassismus“ haben wir die Idee, in Kooperation mit Euch ras­sis­tische Medienbeiträge auf unserer Webseite zu sammeln und doku­men­tieren. Schickt uns doch Informationen zu Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, Fernseh- und Radiosendungen, die anti-asiatischen Rassismus beinhalten.Wer Interesse und Lust hat, diese Idee gemeinsam mit uns zu ent­wi­ckeln, melde sich gern bei uns!Schickt eine Email an info (at) korientation.de

korientation-Webseite
Wir aktua­li­sieren derzeit unsere Webseite und arbeiten par­allel weiter an unserem Relaunch. Falls Ihr Feedback zur Webseite habt (was ist gut/schlecht/fehlt), gern an:
jee-un (at)korientation.de.

Kurzportraits: Wer ist eigentlich kori­en­tation und was machen unsere Mitglieder? Falls Ihr Lust habt, vor­ge­stellt zu werden, oder eure Projekte vor­zu­stellen, gern eine E‑mail an: kimiko(at)korientation.de.

BEMERKENSWERT

Castingaufruf
Die Filmgalerie 451 sucht für die Hauptrolle in einem Kinofilm eine Schauspielerin mit mög­lichst korea­ni­schem Migrationsbezug. Spielalter 32 Jahre, Muttersprache Deutsch, Koreanischkenntnisse wären gut, sind aber nicht zwingend. (Rollenbeschreibung: Staatsanwältin im Osten Deutschlands, moderne Fritz Bauer Figur). Bitte melden unter: info(at)filmgalerie451.de

ÜBRIGENS: Es gibt wohl noch weitere Rollen für Asiatisch Deutsche Schauspieler*innen. Es lohnt sich, sich dort mit seinem Portfolio zu melden, auch wenn Ihr nicht auf das Profil der Hauptfigur passt!

Aufruf für Portrait- und Interviewserie „Youthhood“ von ze.tt
Der Fotograf Ralf Obergfell sucht für die obige Interviewserie noch asia­tisch gelesene Jugendliche (17–20 Jahre, Berliner Raum, KEINE Student*innen), die Interesse haben, sich por­trai­tieren und inter­viewen zu lassen. Hier der LInk zu der Serie.

Empfehlungen / Events
Falls Ihr von span­nenden Events hört, die der­zeitig online statt­finden und für Menschen aus dem korientation-Netzwerk inter­essant sein könnten, schreibt uns bis Ende des Monats an info(at)korientation.de, damit wir die Info in den kom­menden Newsletter mit auf­nehmen können.

­Bleibt mit uns in Kontakt und schreibt uns, wenn Ihr Ideen und Anregungen für unsere Arbeit habt oder etwas in unseren Newsletter auf­nehmen lassen wollt!

Den nächsten Newsletter gibt’s dann Anfang Mai. 

Verein

Jee-Un Kim, Geschäftsführerin von kori­en­tation, hat ein Interview zu anti-asiatischem Rassismus bei Radio rbb in der Sendung Kulturtermin am 03.04.2020 zum Thema Anti-Asiatischer Rassismus bzw. „Corona-Rassismus“ (ab Minute 13:20) gegeben.

Der Einbezug Asiatisch-Deutscher Perspektiven zum Themenkomplex Corona ist wichtig! Wir möchten aller­dings auf zwei Punkte hin­weisen. Rassismus ist nicht nur „unschön“ (Tweet von rbb24 zum Anteasern der Sendung), sondern endete erst vor Kurzem in Hanau in einem Massaker. Zudem ist es schade, dass der Fokus ver­schoben wurde – denn es ging vor allem darum, dass Rassismus nichts Neues ist, sondern in Corona-Zeiten viru­lenter ist. Zudem lautet der Name unserer Geschäftsführerin Jee-Un und nicht Jee-Nun. Auch hatten wir darauf ver­wiesen, dass neben kori­en­tation derzeit viele viele Asiatisch-Deutsche und asia­tisch dia­spo­rische Einzelpersonen und Gruppen an vir­tu­ellen Räumen arbeiten, um sich über das Thema Rassismus und Corona aus­zu­tau­schen. Dazu gehören z.B. bei DAMN (Asian Germans, Make Noise) Group, Rice and Shine Podcast oder „#IchBinKeinVirus – Dein Netzwerk gegen Rassismus“.

Es ist groß­artig und wichtig, dass sich so viele Menschen orga­ni­sieren, aber das zeigt vor allem auch, wie stark Rassismus in Deutschland ist. Ein Grund für Selbstorganisation und anti­rass­tische Arbeit besteht auch darin, sich als negativ Betroffene gegen­seitig zu stärken und zu schützen, also aus einer soli­da­ri­schen Notwendigkeit! Die Beschäftigung mit dem derzeit überall und ständig auf­flam­menden Rassismus ist dabei schmerzhaft, anstrengend, frus­trierend, bringt Menschen an ihre see­li­schen, kör­per­lichen und emo­tio­nalen Grenzen UND klaut uns von korientation e.V. z.B. wichtige Zeit für unsere Projektarbeit.

Um es mit Toni Morrison zu sagen: „The very serious function of racism … is dis­traction. It keeps you from doing your work. It keeps you explaining, over and over again, your reason for being.“